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Full text of "Die volkswirtschaftlichen anschauungen der scholastik seit Thomas v. Aquin"

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Beiträge 



zur 



Geschichte der Nationalökonomie 

Herausgegeben von 

Geh. Hofrat Professor Dr. Karl Diehl 

Freibunr i. Br. 



Erstes Heft: 



Die volkswirtschaftlichen Anschauungen der Scholastik 
seit Thomas v. Aquin 

Von 

Dr. Edmund Schreiber 




Jena 
Verlag von Gustav Fischer 

1913 



Die volkswirtschaftlichen 

Anschauungen der Scholastik 

seit Thomas v- Aquin 



Von 



Dr. Edmund Schreiber 




Jena 
Verlag von Gustav Fischer 

1913 



Alle Rechte vorbehalten 



Fürstlich priv. Hofbudidruckerei (F. Mitzlaffl Rudolstadt 



Meinem Lehrer 
Herrn 

Geh. Hofrat Prof. Dr. K. Diehl 



in Dankbarkeit gewidmet 



Zur Einführung. 



Es ist eine allgemein bekannte und anerkannte Tatsache, daß 
es an einer guten Geschichte der Nationalökonomie zurzeit noch 
fehlt. Die vorhandenen Darstellungen, sowohl die in deutscher 
Sprache als die in fremden Sprachen erschienenen, sind mehr oder 
minder unzureichend, und auch die besten unter ihnen weisen 
große Lücken auf. Dieser Zustand ist teilweise den Verfassern 
nicht zum Vorwurf zu machen, denn es fehlt noch in großem Maße 
an den nötigen Vorarbeiten. Die neue Sammlung, deren erstes 
Heft hiermit der Öffentlichkeit übergeben wird, soll diesem Mangel 
dadurch abzuhelfen suchen, daß sie Bausteine für eine künftige 
wissenschaftlich vollständige Geschichte der Nationalökonomie liefern 
will. Das erste Heft, verfaßt von Dr. Schreiber, behandelt die 
Scholastik seit Thomas von Aquino, das zweite Heft, verfaßt von 
Dr. Zielenziger, die alten deutschen Kameralisten. Auch die 
künftigen Beiträge sollen entweder ganze Epochen oder einzelne 
besonders markante Autoren hehandeln, die für die ideengeschicht- 
liche Entwicklung der Nationalökonomie von Wichtigkeit sind. 
Wenn auch die Sammlung in erster Linie Arbeiten meiner Schüler 
bzw. von Mitgliedern des von mir geleiteten Seminars enthalten 
soll, so können doch auch andere Arbeiten Aufnahme finden, 
soweit -sie quellenmäßige Darstellung und streng wissenschaftliche 
Objektivität aufweisen. 

Freiburg i. B., November 1913. 

Karl Diehl. 



Vorbemerkungen. 



Die wirtschaftlichen Anschauungen des Mittelalters sind in 
den letzten Jahren in steigendem Maße von Seiten der National- 
ökonomie Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden. 
Die Ursachen dieser Erscheinung liegen wohl zum größten Teil 
in Problemen, die das moderne Wirtschaftsleben gestellt hat und 
die zu ihrer Lösung eine Kenntnis des Mittelalters dringend er- 
fordern. 

Einmal zeigen sich manche soziale Strömungen der Gegen- 
wart in hohem Maße durch das Mittelalter beeinflußt, indem 
manche Prinzipien, die sie auf moderne Fragen anwenden, von 
der Scholastik zuerst aufgestellt sind. Es sei hier nur auf den 
Einfluß hingewiesen, den die thomistische Staats- und Gesellschafts- 
lehre auf die katholisch -soziale Bewegung ausgeübt hat. Man 
wird letztere nicht voll verstehen und die Aufgaben, an deren Er- 
füllung sie arbeitet, nicht voll begreifen können, wenn man nicht 
auf Thomas von Aquin zurückgeht. 

Dazu gesellt sich ein anderes, viel erörtertes Problem: Die 
wirtschaftliche Inferiorität der katholischen Bevölkerung gegenüber 
der protestantischen. Hat sie vielleicht darin ihren Grund, daß 
der Protestantismus gegenüber dem Katholizismus des Mittelalters 
neue ethische Gesichtspunkte brachte, die dem Individuum eine 
andere Stellung zum Wirtschaftsleben ermöglichen? Oder ist sie 
vielleicht dadurch veranlaßt, daß der Katholizismus im Mittelalter 
einem Wirtschaftsleben gegenüber gestanden hatte, das im Som- 
bartschen Sinne auf dem Bedarfsdeckungsprinzip aufgebaut war, 
und daß die dort gebildeten wirtschaftlichen Anschauungen bei 
der Kontinuität der Entwicklung nicht abgestreift werden konnten, 
als das kapitalistische Gewinnstreben sich an die Stelle des mittel- 
alterlichen Standesprinzips setzte, während dem Protestantismus, 
der jene Verbindung mit dem Mittelalter nicht in dem Maße hatte, 
von vornherein eine andere Stellung ermöglicht war? Man mag diese 



— VI 



\ 



Fragen beantworten, wie man will, sie werden ohne gründliche 
Kenntnis der wirtschaftlichen Anschauungen des Mittelalters nicht 
gelöst werden können. 

Aber von diesen Gegenwartsfragen abgesehen, erregt auch vom 
rein geschichtlichen Standpunkt aus das Mittelalter hohes Interesse. 
Ich denke hier nicht an die Bedeutung der ökonomischen An- 
schauungen für das Wirtschaftsleben des Mittelalters selbst; die 
Wirtschaftsgeschichte wird an ihnen nicht achtlos vorüber gehen 
können. Ich denke hier vielmehr an die Dogmengeschichte der 
Nationalökonomie. Man wird freilich von einer Nationalökonomie 
des Mittelalters im eigentlichen Sinne nicht sprechen können. Aber 
unzweifelhaft nimmt die Scholastik in der Entwicklung des öko- 
nomischen Denkens überhaupt eine Stellung ein, die nicht über- 
sehen werden kann. Und die Geschichte der Nationalökonomie 
wird gern auch Keime wirtschaftlicher Ideen verzeichnen, die 
sich mit manchen modernen Fragen berühren, auch wenn man 
heute weit über jene ersten Spuren hinausgekommen ist. Nicht 
zuletzt ist von diesem Gesichtspunkte aus eine Erforschung der 
wirtschaftlichen Anschauungen des Mittelalters unumgänglich. 

Zur Erfüllung der Aufgabe, auf die soeben hingewiesen ist, 
möchte die vorliegende Arbeit einen kleinen Beitrag geben. Sie 
behandelt die Wert- und Preislehre der Scholastik seit Thomas 
von Aquin, wobei zugleich dem letzteren seiner überragenden 
Bedeutung, zumal auch für das ökonomische Denken des Mittel- 
alters selbst, entsprechend, der Hauptteil der Untersuchung ge- 
widmet ist. Sie schließt mit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das 
Ziel, das sie sich stellt, ist das, die Entwicklung der wirtschaft- 
lichen Anschauungen der Scholastik, soweit sie das genannte Ge- 
biet berühren, darzustellen. Es mußte daher auch auf den Handels- 
gewinn, den Zins usw. Rücksicht genommen werden, weil es sich 
auch hier letzten Endes um Preisprobleme handelt. Der an sich 
etwas weite Titel der Arbeit — »Die volkswirtschaftlichen An- 
schauungen der Scholastik seit Thomas von Aquin« — dürfte 
daher wohl gerechtfertigt sein. 

Alles weitere wird sich im Verlaufe der Darstellung selbst 
ergeben. 



Inhaltsangabe. 



Seite 



Vorbemerkungen v— vi 

Inhaltsangabe vn— vm 

Erster Teil. Die Lehre vom gerechten Preis bei Thomas 

von Aquin i — 121 

I. Die Lehre vom gerechten Preis im Altertum . . . 3 — 15 

IL Die Lehre vom gerechten Preis bei Thomas von 

Aquin 16— 121 

Leben und Schriften 16 — 17 

A. Allgemeines aus den wirtschaftlichen Anschau- 
ungen des Thomas von Aquin 18 — 25 

a) Eigentumslehre und Standesprinzip 18 — 19 

b) Arbeitsteilung 19 — 21 

c) Tauschverkehr und Handel in der Stadtwirtschaft 21 — 25 

B. Tauschverkehr und Handel unter dem Gesichts- 
punkte des gerechten Preises 25 — 119 

§ 1. Ökonomischer Charakter des einfachen Tausches und 

des Handels 25 — 31 

§ 2. Die Wertgleichheit als Forderung der Gerechtigkeit . . 31 — 45 

§ 3. Der Tausch nach Albertus Magnus 45 — 53 

' § 4. Die nähere Ausgestaltung des Prinzips der Wertgleich- 

keit 53— 6 5 

§ 5. Die Quellen der thomistischen Wertlehre, insbesondere 

ihr Verhältnis zu Aristoteles 66 — 75 

§ 6. Der gerechte Preis im Handel 75 — 83 

§ 7. Die Lehre vom gerechten Arbeitslohn 83 — 88 

§ 8. Gerechter Preis und Zins 88 — 119 



C. Schluß 



120 — 121 



Zweiter Teil, Die Entwicklung der Wertlehre in der 

übrigen Scholastik seit Thomas von Aquin . . 123—232 



VIII 



Abschnitt: 



Die allmähliche Ausbildung - der subjek- 
tiven Wertlehre 



§ i. 

§ 2- 

§ 3- 
§ 4- 



Bonaventura 

Heinrich von Gent . . 
Ricardus de Mediavilla 
Duns Scotus 



2. 



Abschnitt: 



§ 3 
§ 4 



§ 5 



Die Auflösung der Lehre vom gerechten 
Preise; Prinzip der Vertragsfreiheit .... 

Aegidius Lessinus 

Franciscus de Mayronis und Durandus a. S. Porciano . . 

Petrus de Palude 

Johannes Buridanus 

I. Nicolaus Oresmius, II. Baldus de Ubaldis, Perusinus 



Abschnitt: Abwendung vom Prinzip der Vertrags- 
freiheit 

A. Forderung staatlicher Preisfixierung, Rückkaufbarkeit der Renten 

§ i. Heinrich von Langenstein 

§ 2. Heinrich von Oyta 

§ 3. Johannes Gerson 

B. Ausgleich von Freiheit und Gebundenheit; Wechsel, Versicherung, 
Staatsanleihen 

§ 1. Johannes Nider 



§ 2. 
§ 3- 
§ 4- 



Laurentius de Rodulfis 
Antonin von Florenz . 
Bernhardin von Siena . 



Seite 

125 — 160 

126 — 131 

131— 139 
140 — 146 
146 — 160 



161— 193 
161 — 172 
172 — 176 

176—177 
177 — 191 
191— 193 



194—226 

194 — 206 
196 — 202 
202 — 204 
204 — 206 

206 — 226 
207 — 210 
211 — 217 
217 — 223 
223 — 226 



Ergebnisse 227—232 

A. Personenregister 233 — 235 

B. Sachregister 236 — 240 

A. Verzeichnis der benutzten Quellenliteratur 241—242 

B. Verzeichnis der sonst benutzten Literatur 243—246 

Druckfehler und Berichtigungen 247 



Erster Teil. 



Die Lehre vom gerechten Preis bei 
Thomas v. Aquin. 



Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft i. 
Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



I. 
Die Lehre vom gerechten Preise im Altertum. 

Bevor wir auf die Lehre vom gerechten Preis bei Thomas 
eingehen, müssen wir einen kurzen Blick in die vorhergehenden 
Zeiten, zumal des christlichen Altertums werfen. 

Das christliche Altertum hat den gerechten Preis der Dinge 
nicht in tieferer Weise bestimmt. Gewiß wird die Idee der Ge- 
rechtigkeit im Handel vertreten. Aber wenn von einem gerechten 
Preise gesprochen wird, so geschieht es doch mehr im Sinne des 
täglichen Lebens, das wohl von gerechten und ungerechten Preisen 
spricht, aber doch die zugrundeliegenden Probleme nicht erfaßt. 
Insbesondere findet sich von einer eigentlichen Wertlehre in der 
Patristik so gut wie nichts. Aber so unbedeutend auch die Spuren 
sein mögen, sie sind doch für die Folgezeit von Bedeutung ge- 
wesen und dürfen daher nicht übergangen werden. 

Dieser Mangel an tieferer Auffassung und Begründung der 
Lehre vom gerechten Preise ist um so bemerkenswerter, als be- 
reits mehrere Jahrhunderte zuvor Aristoteles in tiefgehender 
Weise das Wesen der Gerechtigkeit im Tausche erörtert hatte. 
Aber seine diesbezüglichen Untersuchungen haben auf die patri- 
stische Literatur keinen Einfluß ausgeübt. Wir können sie deshalb 
zunächst übergehen und sie später im Zusammenhang mit den 
thomistischen Kommentaren behandeln, wenn dies auch an sich 
der historischen Reihenfolge nicht entspricht. 

Dagegen zeigt sich die Anschauung des christlichen Alter- 
tums wesentlich von Plato beeinflußt. Wir müssen daher auf 
seine Stellung zum gerechten Preise und Handel eingehen 1 ). 

Der Staat hat, so äußert sich Plato in der Politeia, seinen 
Ursprung im Bedürfnis 2 ). Denn der Einzelne kann nicht für sich 
allein leben, sondern bedarf zur Stillung seiner Bedürfnisse vieler, 



x ) Über Plato vgl. Pöhlmann, Geschichte des antiken Kommunismus und 
Sozialismus. I. 1893, S. 184 ff. Ferner Zeller, Philosophie der Griechen II, I, vor 
allem S. 968 ff. Bäumker, Art. Plato. St. d. G. IV, 159 ff. 

2 ) Pol. 369 C: »Ttoifjoei de avirjv (sc. nöhv). . . f) rffierega xgsia.z 

1* 



— 4 — 

einer Gemeinschaft 1 ). In dieser Gemeinschaft muß Arbeitsteilung 
herrschen, denn es ist besser, wenn einer nur ein Erzeugnis her- 
stellt: Es entspricht das der Verschiedenheit der natürlichen An- 
lagen des Menschen und bietet zudem die Gewähr für bessere 
Qualität der hergestellten Güter 2 ). Als Glied dieser volkswirt- 
schaftlichen Arbeitsteilung erscheint auch der Handel. Da sich 
kaum ein Staat denken läßt, der nicht Zufuhr von außen nötig 
hätte, weil er nicht alle notwendigen Gebrauchsgegenstände in 
sich besitzen kann, sind eben Kaufleute nötig, die in verschie- 
denen Staaten umherziehen und in den eigenen Staat einführen, 
was dort mangelt 3 ). Damit ferner der mit der Arbeitsteilung 
innerhalb der Stadt sich ergebende Austausch sich vollziehen kann, 
ohne daß die einzelnen Produzenten gezwungen sind, selbst auf 
dem Markte zu erscheinen und so ihrer Tätigkeit entzogen werden, 
ist der Krämer- oder Kleinhandel erforderlich, dessen Aufgabe 
also in der Vermittlung des Umsatzes innerhalb des Staates be- 
steht 4 ). 

Die wenigen Bemerkungen zeigen immerhin, daß die volks- 
wirtschaftliche Bedeutung des Handels von Plato in durchaus 
richtiger Weise und im Vergleich zu seinen sonstigen wirtschaft- 
lichen Anschauungen, wie Pöhlmann bemerkt, mit »großer Un- 
befangenheit« 5 ) gewürdigt wird, wenn aus ihnen auch keineswegs 
ganz Piatos Stellung zum Handel entnommen werden kann. 

Ausführlicher und mehr ins einzelne gehend, äußert er sich 
jedoch in den Nomoi, der Schilderung seines zweitbesten Staates. 

Hier ist er in der sittlichen Beurteilung des Handels seiner 
Zeit sehr schroff. Die Stellung Piatos zum Wirtschaftsleben über- 
haupt charakterisiert sich als eine Reaktion gegen den Mammo- 
nismus und Luxus seiner Tage, gegen das Vorherrschen des Er- 
werbstriebes, der die Bestrebungen höherer, geistiger und sittlicher 
Art unterdrückt und so die Gesellschaft in einen Fieberzustand 
versetzt 6 ): »Xeyo/uev dr] jurjie %qvoov elvai öeiv /xf)re ägyvQov ev rfj nöXei, 
urjx av yQrjjuartojuov noXvv öid ßavavolag xal roxcov jutjöe ßooxrjjudxcov 



1 ) 1. c. B: »ylyvEzai zocvvr . . nöXig . . . etieiötj zvyiävEi rjfiwv sxaozog ovx avzdgxrjg, 
äXXa noXXwv ivdetfg.« 

2 ) Pol. 369 D. cf. pol. 370 C: »ix dr) rovrcov n\ti<x> re i'xaoza yiyvezat xal xäXXiov- 
xai qöov, Szav eig ev xazä tpvotv xal ev xcuqcö oxoXtjv zwv äXXcov äycov, ngäzzfl.* 

3 ) Pol. 370 E. 371 A. B. 

4 ) Pol. 371 CD. 
6 ) a. a. O. S. 221. 

«) Vgl. Pöhlmann. a. a. O. S. 218. 



— 5 — 

moxQ(öv> dXX' öaa yecogyia didcooi xal cpegei xal tovtcov ojioool fj,t] XQV' 
/bianCojuevov dvayxdoei ä/ueÄeiv, wv evexa 7ie<pvxe xd xQVI uaxa - i<*via 
ö'eaxi yvyr) xal ocöjua 1 ).« 

Diesem Geiste entsprechend verurteilt Plato nichts schärfer 
als den Handel des Gelderwerbes wegen, d. h. den Handel, wo 
es dem Kaufmann nicht um die Befriedigung der Bedürfnisse der 
Volkswirtschaft zu tun ist, sondern lediglich um seine eigene Be- 
reicherung. Der unersättliche Durst nach Gewinn ist es, der den 
Handel unehrenhaft macht 2 ). 

Zur Fernhaltung dieser Auswüchse werden strenge Forde- 
rungen aufgestellt: Die Zahl der Kleinhändler soll möglichst be- 
schränkt sein 3 ). Die Einfuhr von Waren soll nur insofern ge- 
stattet werden, als es sich um notwendige Bedarfsgegenstände 
handelt 4 ). Die Staatsgewalt soll einen wahren Wert der Dinge 
festsetzen in Verbindung mit Sachverständigen aus dem Gewerbe 
und Handel. Über das Wesen dieses wahren Wertes läßt sich 
Plato allerdings nicht näher aus 5 ). 

Der Händler soll ferner auf dem Markte nur einen Preis 
nennen und, wenn er diesen nicht erhält, nicht feilschen, sondern 
seine Ware wieder mit nach Hause nehmen 6 ). Durch alle diese 
Bestimmungen soll jeder Betrug vom Handel ferngehalten und 
dem Händler ein mäßiger Gewinn, ein xeqöos /biexgcov 1 ), gesichert 
werden, der ihm seine Existenz ermöglicht. »Seines spekulativen 
Charakters völlig entkleidet soll der Handel zu einer Art Amt 
werden, das seine Aufgabe nur darin zu sehen hat, gewisse volks- 
wirtschaftliche Funktionen dem Bedürfnisse der Gesamtheit ent- 
sprechend durchzuführen, und welches sich mit dem begnügt, was 
ihm die Allgemeinheit für die Ausübung dieser Funktionen wie 
eine Art Gehalt zuerkennt« 8 ). 



\) Leg. 743 D. 
2 j Leg. 918 D.E. 
3 ) Leg. 919 C. 
«) Leg. 847. 

5 ) Leg. 921 A. B: »xcu dvaigov/ueva) d sgyov l-vftßovXsvzrjs vö/iog, cbteg zcö tko- 
kovvzi £vveßovheve fit) nXiovog zifiüv dianeigcöfievov akk' d>; ajzkovozaza zrj$ a^iag, 
zavzov drj TiQoozdzzEi xal zw dvatgov/nsvco. yiyvaSoxei yaQ 6'ye dtj/uiovgyog zrjv d£iav.« 
Pohl mann schließt aus der letzten Bemerkung, daß der Handwerker den Preis kenne, 
Plato habe an den Arbeits- oder Produktionswert gedacht (vgl. a. a. O. S. 224), was 
möglich, aber keineswegs zwingend ist. 

6 ) Leg. 917 B. u. C. 

7 ) Leg. 920 C. : Die Gesetzesrichter sollen mit Männern aus dem Handel zu- 
sammentreten und dann: »ideTv Xfjfi/xd zs xal dvakoi/ua zl nozs zcö xanrjkw xegdog noieT 
zö fiszgiov.t cf. 918 D., wo das »xegdaiveiv zd /uezQia« als richtig hingestellt wird. 

8 ) Pöhlmann, a. a. O. S. 225. 



— 6 — 

In der Stellung der Kirchenväter zum gerechten Preise und 
Handel läßt sich eine gewisse Ähnlichkeit nicht verkennen. Ein- 
mal liegt in manchen Punkten ohne Zweifel ein direktes Anlehnen 
an Plato vor, wozu noch eine gewisse Ähnlichkeit in für die 
Stellung zum Wirtschaftsleben grundlegenden Anschauungen 
zwischen Plato einerseits und Christentum andererseits kommt. Der 
Vorrang geistiger und vor allem sittlicher Güter vor den mate- 
riellen, die Notwendigkeit der inneren Losschälung von irdischem 
Streben, die unbedingte Herrschaft sittlicher Gesetze auch im Wirt- 
schaftsleben waren im Neuen Testament scharf betont worden 1 ). 

Wichtig sollte vor allem die bei Paulus ausgeprägte Idee 
einer religiös - sozialen Gemeinschaft (xoivcovia) werden, unter 
deren Gliedern eine relative soziale Gleichheit (loÖTijg) herrschen 
solle. Es solle weder übermäßig Reiche noch übermäßig Arme 
geben. Für die innere Regelung solle der Gemeinschaftsgedanke 
maßgebend sein. »Wir sind zwar viele Glieder, aber ein Leib« 2 ). 
Nicht minder bedeutungsvoll wurde der Satz, daß die Arbeit als 
solche ihres Lohnes wert sei — »der Arbeiter ist seines Lohnes 
wert«, — wie überhaupt das Christentum für die erhöhte Wert- 
schätzung der Arbeit nicht wenig gewirkt hat 3 ). 

Die wirtschaftliche Funktion des Handels wird in der patri- 
stischenLiteratur 4 ) durchweg vorurteilsfrei gewürdigt 5 ). Er bildet 



x ) Vgl. hierzu Sommerlad, Das Wirtschaftsprogramm der Kirche des Mittel- 
alters, S. 6 ff. Schilling, Reichtum und Eigentum, S. 4 ff. cf. Matth. 6, 24 f. und 
sonst. i.Thess. 4, 6: »T6 firj vzzeQßatveiv xal nXzovzxxziv iv reo 3iQO.yj.iaxi xöv ädskcpov 
aviov.« 

2 ) 2. Kor. 8, 4; 14 ff. 1. Kor. 12, 12. Vgl. Schilling, a. a. O. S. 12 ff. 
Troeltsch, Soziallehren der christlichen Kirchen. Arch. f. S. u. St. XXVI, 299 ff. 

3 ) Luc. 10, 7. Matth. 10, 10. 2. Thess. 3, 10. 1. Tim. 5, 18. 

*) Für die Stellung der Kirchenväter zum Handel kommen wesentlich folgende 
Schriften in Betracht: Schilling, Reichtum und Eigentum, 1908. Derselbe, Die 
Staats- und Soziallehre des hl. Augustinus, 191 o. Sommerlad: Das Wirtschafts- 
programm der Kirche des Mittelalters, 1903. Seipel, Die wirtschaftsethischen Lehren 
der Kirchenväter, 1907. Funk, Kirchengeschichtliche Abhandlungen und Untersuchungen. 
I — II, 1897, 1899. Brentano, Ethik und Volkswirtschaft in der Geschichte. Rek- 
toratsrede. 1901. — Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums. Sitzungs- 
berichte 1902 (München 1903). — Entwicklung der Wertlehre, 1908. Troeltsch, Die 
Soziallehren der christlichen Kirchen, sowie die weiter unten angeführten Schriften. 
Wesentlich zugrunde gelegt sind die Schriften von Schilling. 

6 ) z. B. Chrysostomus (in ep. I ad. Cor. hom. 34, 4 [M, LXI, 291]); Gregor v. Nazianz 
(Or. 43, 34 [M. 36, 544]); Theodoret v. Cyrus (Or. 2 [M. LXXXIII, 584]); Am- 
brosius (De. Tob. 13 [M. XIV, 776]). Vgl. hierzu die oben angeführten Schriften von 
Seipel, Schilling, Sommerlad. G. Kopp: Die Stellung der hl. Joh. Chrysostomus 
zum weltlichen Leben, 1905, S. 40. Über Augustinus siehe weiter unten. 



an sich eine berechtigte Art des Erwerbs, und war nach der 
Synode von Elvira (um 300 n. Chr.) Bischöfen und Geistlichen 
nicht durchaus verboten 1 ), wenn auch später hinsichtlich der 
letzteren eine andere kirchliche Praxis eingriff 2 ). Aber er war nur 
dann gestattet, wenn gewisse strenge ethische Voraussetzungen 
erfüllt waren. Wie Leo der Große (f 461) bemerkte: »Qualitas 
lucri negotiantem aut excusat aut arguit, quia est et honestus 
quaestus et turpis« 3 ). Die geforderten Beschränkungen, die zu- 
weilen nahezu an eine Verurteilung grenzen, bewegen sich vor 
allem in zwei Richtungen: Einmal muß der Grundsatz der Ge- 
rechtigkeit unbedingt gewahrt werden; Anwendung unredlicher 
Mittel, Ausbeutung des Nächsten zu eigenem Vorteil ist unter 
keinen Umständen gestattet 4 ). Sodann darf das Streben nach Gewinn 
das im Handel zum Ausdruck kommt, nicht maßlos sein. Das 
Streben nach dem größtmöglichen Gewinn wird verworfen : Es liegt 
vielmehr im ganzen Ideenkreise der Kirchenväter die Forderung 
nach Beschränkung des Gewinns 6 ). 



J ) Funk, Abhandlungen II, 63. Vgl. Funk, Historisch-politische Blätter 
CXXX, 1902, S. 898. 

2 ) Funk, Abhandlungen II, 73 ff. Vgl. Brentano, Die wirtschaftlichen Lehren, 
S. 173 ff- 

3 ) Ep. 167 (M. LIV, 1206). Eine völlige Ablehnung des Handels findet 
Brentano als Ausnahme bei Tertullian (Die wirtschaftlichen Lehren des christ. Alter- 
tums, S. 164), vgl. dagegen Schilling, Reichtum und Eigentum, S. 55 ff. Über das 
fälschlich dem Chrysostomus zugeschriebene Werk: Opus imperfectum in Matthäum, vgl. 
Schilling, Erwerb und Eigentum nach dem Opus imperfectum. Theolog. Quartalsschr. 
1910, S. 2i4ff. Es findet sich hom. 38 (M. LVI, 839O der Satz: »Nullus Christianus debet 
esse mercator, aut si voluerit esse, proiciatur de ecclesia dei.« Oder in ähnlicher Fassung: 
»Qui autem comparat rem, ut illam ipsam integram et immutatam dando lucretur, ille est 
mercator, qui de templo dei eicitur.« Mag hier der Handel völlig verurteilt sein (wie 
Schaub, Kampf gegen Zinswucher usw., 1905, S. 1 5 8 f f . annimmt), oder nicht, was 
Schilling a. a. O. zu erweisen sucht, die Stelle wäre jedenfalls im ersten Falle für 
die Patristik als solche nicht charakteristisch. Sie ist veiwendet im Decretum Gratiani 
(c. 11 d. 88), wird aber in der späteren Literatur in einem Sinne gedeutet, daß sie nicht 
mehr als absolute Ablehnung des Handels erscheint. Siehe hierüber Schaub a. a. O. 
Später wird die scholastische Auffassung über diese Stelle zu erwähnen sein. 

*) S. z. B. Lactantius, Inst. 5, 16; vgl. dazu Schilling, Reichtum und Eigen- 
tum, S. 73 f. 

5 ) Vgl. die Äußerungen von Tertullian (De idol. c. 11), Irenaeus (cont. haes. IV, 30, 
1); Lactantius (Inst. V, 18). Leo der Große verbietet den Pönitenten den Handel wegen 
der damit verbundenen sittlichen Gefahren: »Verum tarnen poenitenti utilius est dis- 
pendia pati quam periculis negotiationis obstringi, quia difficile est inter ementis venden- 
tisque commercium non intervenire peccatum« (an der in Anmerkung 3 zitierten Stelle) ; 
vgl. Funk, Abhandlungen II, S. 66 f., S. 71. Über manche handelsfeindliche Stim- 
mungen im christlichen Altertum, vgl. denselben: Historisch politische Blätter, CXXX, 



Die Reaktion gegen das Vorherrschen des Erwerbsstrebens 
hatte Plato zu dem Worte vom »Fieberzustand« der Gesellschaft 
veranlaßt. Ähnliche Gedanken werden von den Kirchenvätern oft- 
mals geäußert; zum Teil wird, wie z. B. bei Chrysostomus und 
Ambrosius, der zitierte Ausspruch Piatos wörtlich wiederholt x ). Es 
hing dies eng mit ihrer Stellung zum Privateigentum und Maß 
des Besitzes und zu dem Unterschiede von Reich und Arm zu- 
sammen, welch' letzterer zur Zeit der Kirchenväter nicht weniger 
scharf war wie zur Zeit Piatos 2 ). 

Nun sind die Kirchenväter im allgemeinen keineswegs Gegner 
des Privateigentums 3 ). Es wird auch ein gewisser Reichtum und 
standesgemäßer Luxus nicht verworfen, wenn man auch die Ge- 
samtanschauung dahin kennzeichnen kann, daß ein mittelmäßiger, 
hinreichender Besitz als wünschenswert bezeichnet wird 4 ). Was 
darüber hinausgeht, soll als Almosen an die Armen verteilt werden. 
Ein Gedanke, der oft in einer Form vertreten wird, die an kom- 
munistische Ideen erinnert oder direkt in solche ausmündet, wie 
z. B. bei Chrysostomus 6 ). Doch geht man im allgemeinen nicht 
so weit, daß die Standesunterschiede und der Unterschied von Reich 
und Arm beseitigt werden sollen 6 ). Wenn z. B. Lactantius von der all- 
gemeinen Gleichheit der Menschen spricht, so geschieht dies nicht im 
Sinne einer Aufhebung der sozialen Unterschiede, sondern im Sinne der 
Anerkennung des Nächsten als »gleichwertiger Persönlichkeit« 7 ). 



S. 898. Klemens v. Alexandrien wiederholt die platonische Forderung, der Kaufmann 
solle keine zwei Preise nennen (Paed. 3. n [VIII, 656 f]); vgl. Schilling, Reichtum 
und Eigentum S. 45 f. 

*) Vgl. Schilling, a. a. O. S. S.114 u. 136. 

2 ) Vgl. die Schilderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse bei Schilling, 
S. 27 ff. u. 209. 

3 ) Vgl. die oben angeführten Schriften, wo die Stellung der Kirchenväter zum 
Eigentum ausführlich erörtert wird; vor allem das Resultat, zu dem Schilling (a. a. O. 
S. 208) kommt; damit übereinstimmend Troeltsch, a. a. O. S. 332. Über Klemens 
v. Alexandrien siehe noch Funk, Abhandlungen II, S. 45 ff. Über Klemens v. Rom: 
Mausbach, Der Kommunismus des hl. Klemens v. Rom. Hist.-pol. Blätter CXVI, 
1895, S. 340 ff.). 

*) Schilling, a. a. O. S. 208. 

6 ) Vgl. Schilling, a. a. O. S. 109 ff. Die Stellung der Kirchenväter ist keines- 
wegs eine unbedingt einheitliche, wenn sich auch ein gemeinsamer Grundton nicht ver- 
kennen läßt. Wir suchen die Anschauungen darzustellen, die man als die herrschenden 
bezeichnen kann, die vor allem für die Folgezeit maßgebend gewesen sind. 

6 ) Schilling, S. 207 ff. Als Ziel der Berufsarbeit bezeichnet Chrysostomus 
»die tägliche Nahrung, das ehrliche Auskommen«. Kopp, a. a. O. S. 42. 

7 ) Schilling, a. a. O. S. 72 f.; anders Brentano, Ethik und Volkswirt- 
schaft, S. 9. 



— 9 — 

Wenn so das Streben nach Gewinn in dem Maße des zu- 
gebilligten Besitzes eine Grenze findet, so dient die scharfe Be- 
tonung des Prinzipes der Gerechtigkeit in Handel und Wandel 
zugleich auch demselben Ziele. Handel und Tausch sind nur dann 
gerechtfertigt, wenn die Tauschkontrahenten sich von jeder Un- 
redlichkeit fernhalten und wenn ein gerechter Preis bezahlt wird *). 
Das ist der Grundzug aller Äußerungen der Kirchenväter über 
den Handel. Freilich wird, wie schon eingangs betont, das Wesen 
dieses gerechten Preises nirgends näher bestimmt. 

Bei der Unmöglichkeit, auf alle Kirchenväter einzugehen, be- 
schränken wir uns auf eine kurze Skizze der augustinischen An- 
schauungen 2 ). Augustinus ist auch derjenige Kirchenvater, der auf 
die Folgezeit bestimmend eingewirkt hat. 

Beim unmittelbaren Tausch dürfen die Kontrahenten nicht 
von dem Wunsche erfüllt sein, möglichst billig einzukaufen bzw. 
teuer zu verkaufen. In beiden Fällen soll vielmehr der Wille 
herrschen, den gerechten Preis, das iustum pretium zu zahlen bzw. 
zu fordern. Eine Übervorteilung soll ausgeschlossen, und nur der 
Grundsatz der Gerechtigkeit maßgebend sein. Die entgegen- 
gesetzte Stimmung ist unerlaubt, ein »Vitium«. Augustinus führt 
als nachzuahmendes Beispiel den Fall an, wo einer ein Buch kaufte, 
und dem Verkäufer desselben, dem der Wert des Buches unbe- 
kannt war, gegen dessen Erwarten einen höheren als den ge- 
forderten Preis, das »iustum pretium« zahlte 3 ). Worin allerdings 
das iustum pretium besteht, was die Höhe desselben bestimmt, 
wird an der in Betracht kommenden Stelle in keiner Weise näher 
erörtert. Unzweifelhaft wird aber hier ein für alle Tauschenden 
gleicher und für alle maßgebender Wert statuiert. 



x ) Vgl. Brentano, Die wirtschaftlichen Lehren, S. 178 f. 

2 ) Über Augustinus siehe das oben angeführte Buch von Schilling. Ferner 
Mausbach, Die Ethik des hl. Augustinus, I und II, 1909 (S. 298, Anmerkung). 
Weinand, Antike und moderne Gedanken über die Arbeit, dargestellt am Problem 
der Arbeit beim hl. Augustinus, 191 1, S. 43 ff. 

3 ) De trin. XIII, 3 (M. 42, ioi7f.): Ein Schauspieler erklärte es für einen 
Wunsch aller Zuschauer: » Vili vultis emere et caro vendere.« Doch braucht dies nach 
Augustinus nicht der gemeinsame Wunsch aller zu sein: »Sed quoniam revera vitium 
est, potest quisque adipisci eiusmodi iustitiam vel alicuius alterius vitii, quod huic 
contrarium est, incurrere pestilentiam, qua huic resistat et vincat. Nam scio ipse ho- 
minem, cum venalis codex ei fuisset oblatus, pretiique eius ignarum et ideo quiddam 
exiguum poscentem cerneret venditorem, iustum pretium, quod multo amplius erat, nee 
opinanti dedisse.« Es ist hier zunächst nur vom Tausche die Rede, nicht vom Handel, 
wie z. B. Weinand (a. a. O. S. 45 f.) irrtümlicherweise annimmt. 



IO — 

An einer anderen Stelle sucht Augustinus den Wert der 
Waren tiefer zu begründen 1 ). 

Er spricht hier zunächst davon, daß lebende Dinge vor leb- 
losen, vernünftige vor unvernünftigen einen Vorrang haben, der 
in der Ordnung der Natur, dem ordo naturae begründet ist. Dieser 
Art der Schätzung steht eine andere gänzlich von ihr verschiedene 
gegenüber, die nicht auf der natürlichen Rangordnung fußt, sondern 
stattfindet in bezug auf das menschliche Bedürfnis. Das Bedürfen 
der Menschen bildet den letzten Grund dafür, daß z. B. ein Pferd 
teuerer bezahlt wird als ein Sklave, obwohl der letztere nach 
der Rangordnung der Natur bedeutend höher steht: »Est autem 
alius atque alius pro suo cuiusque usu aestimationis modus, quo 
fit, ut quaedam sensu carentia quibusdam sentientibus prae- 
ponamus in tantum, ut si potestas esset, ea prorsus de natura rerum 
auferre vellemus, sive quem in ea locum habeant ignorantes, sive 
etiamsi sciamus, nostris ea commodis postponentes. Quis enim non 
domi suae panem habere quam mures, nummos quam pulices malit? 
Sed quid mirum, cum ipsorum etiam hominum aestimatione, quorum 
certe natura tantae est dignitatis, plerumque carius comparetur 
equus quam servus, gemma quam famula? Ita libertate iudicandi 
plurimum distat ratio considerantis anecessitate indigentis seu 
voluptate cupientis, cum ista quid per se ipsum in rerum gradi- 
bus pendat, necessitas autem quid propter quid expetat, cogitet; 
et ista quid verum luci mentis appareat, voluptas vero, quid iucun- 
dum corporis sensibus blandiatur, exquirat.« Unzweifelhaft wird 
an dieser Stelle die Preisbildung zurückgeführt auf den verschie- 
denen Grad des menschlichen Bedürfens; es liegt hier der Keim 
zu einer subjektiven Werttheorie vor. Allerdings hat Augustinus 
die Bedeutung des hier ausgesprochenen Satzes für die Lehre vom 
gerechten Preis nicht erörtert. Es handelt sich um eine mehr zu- 
fällige Äußerung, die freilich in der Folgezeit unzählige Male 
wiederholt wurde. 

Wie stellt sich Augustinus zum Handel? Zunächst ist ihm 
die volkswirtschaftliche Funktion desselben durchaus bekannt. Sie 
besteht darin, daß Waren aus Gegenden, wo sie häufig vorhanden 
sind, dahin geschafft werden, wo Mangel herrscht. Der Handel ge- 
hört also zu den Erwerbszweigen, die in der menschlichen necessitas 
et indigentia Grund und Berechtigung finden 2 ). Dementsprechend 
gehört der Handelsgewinn zu den erlaubten Erwerbseinkünften. 

2 ) De civ. Dei XI, c. 16 (M. 41, 331). 

2 ) En. in. ps. 83,8 (M. 37, 1062) Schilling, a. a. O. S. 249. 



So läßt Augustinus einen Kaufmann den Gedanken, daß der Handel 
sittlich nicht gestattet sei, zurückweisen 1 ): »Ecce ego affero qui- 
dem ex longinquo merces ad ea loca, in quibus non sunt ea, quae 
attulero; unde vivam, tanquam mercedem laboris mei peto, ut 
carius vendam, quam emerim. Unde enim vivam, cum scriptum sit: 
Dignus est operarius mercede sua (Luc. 10, 7)« 2 ). Der Handels- 
gewinn erscheint also als berechtigtes Arbeitseinkommen. Natür- 
lich liegt es im Sinne Augustins, daß auch der Kaufmann streng 
an die Prinzipien der Gerechtigkeit gebunden ist. Auch der 
Händler darf nicht von dem Wunsche erfüllt sein »billig einzu- 
kaufen und teuer zu verkaufen«. Sowohl als Käufer wie als Ver- 
käufer muß er einen gerechten Preis zahlen bzw. fordern. Da- 
von zu trennen ist das Streben teuerer zu verkaufen, wie man ge- 
kauft hat. Das letztere ist gestattet, wenn die Forderungen des 
iustum pretium beachtet werden, entspricht auch durchaus dem 
allgemeinen sittlichen Empfinden: »Possem enim dicere«, verteidigt 
der oben erwähnte Kaufmann sich weiter: »tanto emi, sed tanto 
vendam; si placet, eme. Non enim istam veritatem audiens emptor 
repelleretur, et non potius omnes accurrerent, quia plus fidem quam 
mercem diligerent«. 

Die erlaubte Höhe des Handelsgewinnes findet seine Grenze 
in dem Maße des zugebilligten Besitzes überhaupt. Wenn nun 
auch Augustin den Gedanken der allgemein-menschlichen Gleich- 
heit hervorhebt und auf den sozial bedeutungsvollen Gedanken 
hinweist, daß alle Menschen »socii« sein sollten 3 ), so fordert er doch 
keineswegs eine absolute Gleichheit des Besitzes und will nicht 
etwa alle auf den absolut notwendigen Lebensunterhalt, das 
Existenzminimum beschränken. Das Erwerbsstreben überhaupt 
soll seine Grenze finden mit der Erlangung des standesgemäßen 
Einkommens, des »congruens habitus personae hominis, quo habitu 
non sit inconveniens eis, cum quibus honeste officioseque viven- 
dum est« 4 ). 

Es liegt also der Gedanke vor, daß der Gewinn erlaubt sei, 
weil die Gesellschaft des Handels bedürfe und deshalb dem Kauf- 
mann eine wirtschaftliche Existenz ermöglichen müsse. Dies ge- 
schieht eben in Form des Gewinnes. 



J ) En. in ps. 70. s. 1, 17 (M. 36, 886 f.). Vgl. dazu Funk, Abhandlung II, 
S. 68 ff. 

2 ) a. a. O. 

3 ) Ep. 155, 4. 14 (M. 33. 672); vgl. Schilling, a. a. O. S. 217. 
«) Ep. 130, 6, 12 (M. 33, 498 f.). Schilling, a. a. O. S. 246. 



12 

Doch betont Augustinus häufig die sittlichen Gefahren, die 
mit dem Handel verknüpft sind. Wenn auch alle Erwerbstätig- 
keiten Veranlassung geben können, die Gebote der Ethik zu über- 
treten, so liegt dies doch dem Handel besonders nahe l ). Weil das 
Streben nach Gewinn leicht maßlos ist, die Seele ausschließlich 
gefangen nimmt 2 ), so daß die Erfüllung höherer Aufgaben un- 
möglich wird und so zur Habsucht und den daraus sich ergeben- 
den Sünden führt. 

In der Idee, daß jede Ware einen gerechten Wert habe, 
in der Erfassung der volkswirtschaftlichen Funktion des Handels, 
in der Rechtfertigung des Gewinnes als Arbeitslohnes vom 
Standpunkt der Gesellschaft aus, sowie in der Forderung 
nach Beschränkung des Gewinnes zeigt sich deutlich ein 
platonischer Einfluß, wenn auch im einzelnen die extrem -anti- 
kapitalistischen Forderungen des griechischen Philosophen bei 
Augustinus nicht wiederkehren. Die Verwendung des Gedankens, 
daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert sei, sowie die Warnung 
vor den sittlichen Gefahren verleihen der augustinischen Lehre 
vom Handel ein christliches Gepräge. 

Wenn auch Augustinus sich von allen Kirchenvätern durch 
maßvolle Ruhe seiner Ansichten auszeichnet, so entspricht doch 
seine Stellung zum Handel durchaus den Anschauungen, die in 
der altkirchlichen Literatur im allgemeinen herrschen und im prak- 
tischen Leben der altchristlichen Zeit betätigt sind. Jedenfalls ist, wie 
schon bemerkt, Augustinus für die Folgezeit maßgebend geworden 3 ). 

Mit dem, was im Vorstehenden über die Wertlehre der Kir- 
chenväter gesagt ist, stimmt die von Brentano gegebene Dar- 
stellung nicht überein 4 ). Nach ihm gehen die Kirchenväter aus 
von der natürlichen Gleichheit aller Menschen und setzen so einen 

x ) En in ps. 70, s. 1, 17 (M. 36, 886 f.). 

2 ) De op. Monach. 15, 16 (M. 40, 561): »aliud . . est corpore laborare animo 
libero sicut opifex, si non sit fraudulentus et avarus et privatae rei avidus; aliud autem 
ipsum animum occupare curis colligendae sine corporis labore pecuniae, sicut sunt vel 
negotiatores vel procuratores vel conductores.« cf. serm. 344, 7 (M. 39, 15 17): Hier 
erscheint der Kaufmann als Beispiel eines habsüchtigen Menschen. 

3 ) Die für die Stellung Augustins zum Handel maßgebende Stelle En. in ps. 70, 
s. 1, 17 findet sich als Palea im Decretum Gratiani wieder (c. 12, D. 88). Gratian 
selbst führt als von Augustinus stammend noch den Satz an: »negotiari . . . aliquando 
licet, aliquando non licet; antequam enim ecclesiasticus quis sit, licet ei negotiari, facto 
iam non licet« (c. 10. D. 88). Derselbe ist den Quaest. veteris et novi testamenti c. 127 
i. f. (M. 35, 2385) entnommen, die jedoch nicht von Augustinus stammen. 

*) Vgl. Brentano, Ethik und Volkswirtschaft, S. 8 ff; Die wirtschaftlichen 
Lehren des christlichen Altertums, S. 178 ff.; Die Entwicklung der Wertlehre, S. 13 ff. 



— 13 — 

normalen Menschen voraus mit normalen Bedürfnissen. Die Be- 
deutung, die einem Gute für die Befriedigung dieses normalen 
Bedürfnisses zukommt, ist dessen Wert, der also für alle Menschen 
derselbe ist. Die subjektiven Momente, die abweichend hiervon 
die Bedeutung, die ein einzelner einem Gute beimißt, beeinflussen, 
müssen für die Preisbestimmung ausscheiden. »Der konkrete Ge- 
brauchswert eines Gutes erscheint somit als etwas Gegebenes. Alle 
subjektiven Wertbestimmungsgründe werden als gleich gesetzt und 
damit eliminiert, und somit bleibt als einziges wertbestimmendes 
Moment nur mehr das objektive der Herstellungs oder Be- 
schaffungskosten« 1 ). Es darf also für ein Gut nur so viel genommen 
werden, als dem Kostenwert entspricht. Die Kirchenväter sind 
Vertreter einer objektiven Werttheorie. An einer anderen Stelle 
wiederholt Brentano dasselbe: »Nur der Handel war gegen den* 
Vorwurf der Gewinnsucht geschützt und galt daher als erlaubt, 
bei dem der Händler dem Verkäufer einen gerechten Preis zahlt 
und beim Wiederverkauf nur so viel zum Einkaufspreis zuschlägt, 
als zu seinem und seiner Familie Unterhalt absolut notwendig ist. 
Damit waren die Beschaffungskosten eines Gutes zum Maßstab 
seines Wertes gemacht, und dabei war es nicht gestattet, die Kosten 
des Lebensunterhaltes individuell verschieden zu berechnen« 2 ). 

Daß die Kirchenväter von der natürlichen Gleichheit aller 
Menschen ausgehen, in dem Sinne, wie Brentano es hier annimmt, 
ist nicht richtig, wie schon oben bemerkt wurde. Der gerechte 
Preis der Kirchenväter ist keineswegs das Ergebnis abstrakter 
Deduktion aus allgemeinen Prinzipien, sondern eher der Bestim- 
mung seiner Höhe nach ein vulgärer, aus dem Leben entnommener 
Gedanke. Es bildet sich auf dem Markte ein mehr oder minder 
bestimmter Preis, von dem abzuweichen als ungerecht erscheint. 
Daß die Kirchenväter den Preis der Güter nach den Herstellungs- 
kosten bestimmt wissen wollen, dafür findet sich in der patristischen 
Literatur kein Zeugnis. Höchstens könnte man darin einen Ansatz 
zu einer objektiven Werttheorie sehen, daß z. B. nach Augustinus 
der Gewinn des Kaufmanns als Arbeitslohn gerechtfertigt wird 
und auf den standesgemäßen Lebensunterhalt beschränkt erscheint. 
Der Kaufmann darf also in seinen Preisen die Beschaffungskosten 
der Ware und seine Arbeit berechnen, also die Herstellungskosten. 
Aber in dieser Form findet sich der Gedanke bei Augustinus 
nicht: Er betont nur, daß der Handel volkswirtschaftlich notwendig 

J ) Die -wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums, S. 178 f. 
2 ) Entwicklung der Wertlehre, S. 14. 



— 14 — 

sei, und daß man damit auch den Gewinn gestatten müsse, ohne 
den der Händler eben nicht bestehen könne, ganz abgesehen davon, 
daß von einer Beschränkung des Handelsprofits auf ein für alle 
gleiches Existenzminimum keine Rede ist. Von einer Wertlehre 
wird gar nicht gesprochen. Auch vom Standpunkt einer subjek- 
tiven Werttheorie wäre der gekennzeichnete Rechtfertigungsver- 
such des Handelsgewinnes durchaus verständlich. Die einzige Spur 
einer Werttheorie, die bei Augustinus zu finden ist, läßt in ihm 
eher einen subjektiven Werttheoriker sehen, indem der Wert der 
Dinge auf das menschliche Bedürfnis zurückgeführt wird. In 
letzterem Sinne hat Augustinus auch auf das ganze Mittelalter 
eingewirkt. Gewiß ist es richtig, daß ein normaler Wert ange- 
nommen wird, indem die subjektiven Wertbestimmungsgründe, so- 
weit sie ein Abweichen von dem allgemeinen Marktpreis bewirken 
könnten, von der Beeinflussung des Wertes ausgeschlossen werden. 
Aber damit liegt noch nicht die Notwendigkeit vor, auf das objek- 
tive Moment der Herstellungskosten zurückzugreifen. Es könnte 
doch auch die allgemeine Schätzung wertbestimmend sein, wenn 
auch die individuellen abweichenden Schätzungen den Preis nicht 
bestimmen würden. Aber, wie gesagt, kann von einer eigentlichen 
Werttheorie in der Patristik keine Rede sein. 

Das römische Recht kennt im Gegensatz zu den bisher be- 
handelten Lehren an sich das Ideal eines gerechten Preises, der 
im Wirtschaftsleben eingehalten werden soll, nicht. Es gilt viel- 
mehr der Grundsatz unbedingter Freiheit des Kaufvertrages, auch 
dann, wenn eine Übervorteilung des einen Teiles durch den anderen 
vorliegt. So sagt Paulus: »Quemadmodum in emendo et ven- 
dendo naturaliter concessum est, quod pluris sit minoris emere, 
quod minoris sit, pluris vendere et ita invicem se circumscribere, 
ita in locationibus quoque et conductionibus iuris est« 2 ). 

Eine Modifikation dieses Grundsatzes erfolgte dann dahin, 
daß unter gewissen Umständen durch das Recht ein bestimmter 
Preis durchgesetzt werden müsse, wenn z. B. ein Gut die verein- 
barte Qualität nicht hatte, oder wenn sonst eine Täuschung eines 
Kontrahenten vorgekommen war. Dann hatte der Richter ein 
Urteil über den Wert zu fällen, ein »iustum (verum) pretium« zu 



: ) Kaulla, Der Wertbegriff im römischen Recht. Z. f. g. St. (1902), S. 385 ff. 
(vgl. die Gesch. Entwicklung der modernen Werttheorien, S. 5 ff.), femer Oertmann, 
Die Volkswirtschaftslehre des Corpus iuris civilis, S. 37 ff. 

2 ) 1. 22, § 3 D. 19, 2; cf. 1. 16, § 4 D. 4, 4: »Idem Pomponius ait, in pretio 
emptionis et venditionis naturaliter licere contrahentibus se cir cum venire«. 



— 15 — 

bestimmen. Über die Bemessung desselben verlangt Paulus im 
Anschluß an Sextus Pedius: »Sextus quoque Pedius ait, pretia 
rerum non ex affectione, nee utilitate singulorum, sed communiter 
fungi« 1 ). Es wird also hier der Affektionspreis zurückgewiesen 
und verlangt, daß der Richter einen normalen, für alle gleichen 
Wert seiner Entscheidung zugrunde lege. Es wird aber nicht 
davon gesprochen, daß dieser etwa im ganzen Wirtschaftsleben 
durchgeführt werden solle. 

Das Prinzip der Vertragsfreiheit erlitt zur Zeit Diokletians 
eine Ausnahme 2 ): In dem Falle, wo eine Benachteiligung über die 
Hälfte des gerechten Preises hinaus stattgefunden hat, ist der 
Vertrag anfechtbar im Hinblick auf die Ungerechtigkeit des Preises 3 ). 

Noch weiter ging das Preisedikt Diokletians, indem hier ein 
Maximaltarif festgelegt wurde. Dasselbe taten einige spätere römi- 
sche Kaiser, die eine Beschränkung des Gewinnes des Zwischen- 
handels zu erreichen suchten 4 ). Diese Tendenz wiederstrebt dem 
ursprünglichen Geiste des römischen Rechts durchaus. 

Das römische Recht gerade in seinem ursprünglichen Geiste 
hat aber, wie noch zu zeigen sein wird, die scholastische Preis- 
lehre im Verlaufe ihrer Entwicklung wesentlich beeinflußt. 



2 ) 1. 33 D. 9, 2. Vgl. Kauila, a. a. O. Hiernach Brentano, Entwicklung 
der Wertlehre, S. ioff. 

2 ) Vgl. Endemann, Studien II, S. 30. Oertmann, a. a. O. S. 40. Kaulla, 
a. a. O. S. 35 ff. 

») 1. 8 C. 4, 44. 

«) Kaulla, a. a. O. S. 42 ff.; S. 45. 



II. 
Die Lehre vom gerechten Preis bei Thomas v. Äquin. 

Leben und Schriften. 

Bezüglich des Lebens, der Schriften und der allgemeinen Be- 
deutung des Thomas von Aquino, des größten Theologen des 
Mittelalters, begnügen wir uns mit ganz wenigen einleitenden Be- 
merkungen, soweit sie zum Verständnis der folgenden Darlegungen 
unbedingt erforderlich sind 1 ). Thomas wurde 1227 geboren, war 
zunächst in Paris, dann in Köln Schüler des Albertus Magnus 
und starb als Mitglied des Dominikaner-Ordens im Jahre 1274. 

Die zerstreuten Äußerungen über wirtschaftliche Dinge, die 
sich in seinen Werken finden, sind in neuerer Zeit Gegenstand 
eifrigen Studiums gewesen. Vor allem wohl deshalb, weil gewisse 
Elemente der thomistischen Gesellschafts- und Staatslehre auf manche 
soziale Strömungen der Gegenwart in bedeutendem Maße eingewirkt 
haben. So wird demjenigen, der sich mit der Erforschung der 
modernen sozialen Literatur beschäftigt, der Name Thomas von 
Aquin ungezählte Male begegnet sein. Auch im Verlaufe unserer 
Darstellung werden wir wenigstens kurz darauf hinzuweisen haben, 
daß auch die thomistische Wertlehre der Ausgangspunkt wichtiger 
Forderungen an das moderne Wirtschaftsleben gewesen ist. Im 
übrigen gehört eine eingehendere Behandlung dieser Frage nicht 
in den Rahmen vorliegender Arbeit. 

Für die Wertlehre des Thomas v. Aquin kommen als Quelle 
mehr oder minder alle seine Werke in Betracht. Wir beschränken 
uns darauf, die im folgenden am meisten benutzten anzuführen, 
wobei zugleich die Abfassungszeit angegeben wird. Das letztere 
ist deshalb nötig, weil in manchen Punkten, wie z. B. die Behand- 
lung der Wucherlehre zeigen wird, mit einer Entwicklung der 
thomistischen Ansichten zu rechnen ist, die sich naturgemäß ohne 
Kenntnis der Chronologie seiner Werke nicht ermitteln läßt. 

Neben seinen beiden Hauptwerken, der Summa theologica 
(1265 — 1273) und der Summa contra gentiles (1259 — 1264), die 
manches hierher Gehörende enthalten, sind vor allem seine Kom- 

*) Vgl. zum folgd. Grabmann, Thomas v. Aquin, 1912. Mausbach, Art. 
Thomas v. Aquin im K. L. XI, 1626 ff. Eine eingehendere literarkritische Behandlung 
der thomistischen Schriften, soweit sie für seine Rechts- und Wirtschaftslehre in Betracht 
kommen, siehe bei Kuhlmann, D. Gesetzesbegriff usw. S. 75 ff. 



— 17 — 

mentare zu Aristoteles zu berücksichtigen. Thomas gilt als der 
beste Aristoteleskenner des Mittelalters. Er veranlaßte selbst seinen 
Ordensgenossen Wilhelm von Moerbecke, eine wortgetreue Über- 
setzung der aristotelischen Schriften herzustellen, die er dann seinen 
Erläuterungen zugrunde legte. Gibt noch Albertus Magnus in 
seinen Kommentaren eine freie Umschreibung des aristotelischen 
Textes, die er mit eigenen Gedanken durchwebt, so legt Thomas 
das Hauptgewicht darauf, den Gedankengang des Aristoteles wort- 
getreu und übersichtlich seinem inneren Zusammenhange nach zur 
Darstellung zu bringen. Von den auf diese Weise verfaßten Kom- 
mentaren kommen für uns in Betracht der zur nikomachischen 
Ethik, der wohl in den Jahren 1261 — 1264 verfaßt ist, sowie der 
Kommentar zur Politik (1272), von dem jedoch nur die ersten 
vier Bücher echt sind. In der Art der thomistischen Kommentare 
liegt es begründet, daß das in ihnen Gesagte nicht ohne weiteres 
als eigene Meinung des Verfassers angesehen werden kann. Man 
wird daher im allgemeinen die Kommentare zur Feststellung der 
Gedanken des Thomas v. Aquin nur dann verwerten können, wenn 
dieselben Ansichten in seinen selbständigen Schriften wiederkehren, 
oder sich sonst aus dem Zusammenhang ergibt, daß Thomas den 
betreffenden Gedanken selbst zustimmt 1 ). Von den übrigen Schriften 
sind neben dem umfangreichen Sentenzen-Kommentar (1253 — 1255) 
die Quaestiones quodlibetales (1269 — 1274), sowie die Quaestio dis- 
putata de Malo (1260 — 1268) zu nennen. Unter der großen Zahl 
der kleineren Schriften sind besonders wichtig: De regimine prin- 
cipum, wovon jedoch nur I — II, c. 4 echt sind [1266?] 2 ); sowie de 
regimine Judaeorum (1263 — 1267?), die in den Ausgaben als opus- 
cula XXI bzw. XXII sich finden. Das op. LXVII de emptione et 
venditione, das wichtige Erörterungen über den Kauf auf Kredit 
enthält, wird im allgemeinen Thomas zugeschrieben, wenn dessen 
Autorschaft auch nicht unbedingt sicher ist. Unter den thomistischen 
Kommentaren zum Neuen Testament ist häufiger verwendet die 
Catena aurea, die in Form einer Zusammenstellung von Väter- 
Zitaten eine Erläuterung der vier Evangelien bietet, weil aus ihr zu 
einem guten Teile das Maß der Beeinflussung der thomistischen 
Gedanken durch die Patristik erschlossen werden kann. 



*) Vgl. Maurenbrecher, Thomas v. Aquinos Stellung zum Wirtschaftsleben 
seiner Zeit, S. 24Ü.; vgl. Kuhlmann, a. a. O. S. 94f., der etwas kritischer ist, aber 
mit ersterem doch im Prinzip übereinstimmt. 

2 ) Daß wenigstens diese Teile unverfälscht thomistisch sind, betont Kuhlmann, 
a. a. O. S. 85. 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 2 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



Ä. Allgemeines aus den wirtschaftlichen Anschauungen 
des Thomas v. Aquin. 

a) Eigentumslehre und Standesprinzip. 

Es ist alsdann ein kurzer Überblick voranzuschicken über 
einige Anschauungen, die für das Wirtschaftsbild des Aquinaten 
grundlegend sind, auf die auch im folgenden mehrfach hingewiesen 
werden muß, zunächst über die thomistische Eigentumslehre 1 ). 

Thomas folgt in seiner Eigentumslehre im wesentlichen den 
Anschauungen der altkirchlichen Zeit. Der natürliche Zweck der 
Güter ist der, dem Unterhalte, dem Gebrauche aller Menschen zu 
dienen. Diesem Ziele widerspricht das Privateigentum, soweit man 
darunter die potestas procurandi et dispensandi versteht, nicht, es 
dient vielmehr seiner besseren Erreichung. Denn das menschliche 
Zusammenleben erfordert Privateigentum, weil dann jeder für seinen 
eigenen Besitz in erhöhtem Grade sorgt und nicht die Nachlässig- 
keit eintritt, die Kommunismus zur Folge haben würde, und weil 
unter Herrschaft des Privateigentums das Wirtschaftsleben besser 
und friedlicher von statten geht. 

Jedoch geht die Aufgabe der Güter, allen Menschen zum 
Unterhalt zu dienen, individuellen Zwecken vor 2 ). Hieraus ergeben 
sich für die Verteilung der Güter wichtige Prinzipien. 

Übermäßiger Reichtum einzelner ist, so betont Thomas, ohne 
die Armut anderer nicht möglich: »in exterioribus divitiis non 
potest unus homo superabundare nisi alter deficiat, quia bona tem- 
poralia non possunt simul possideri a multis« 3 ), und deshalb als dem 
natürlichen Recht widerstreitend abzulehnen: »res, quas aliqui super- 
abundanter habent, ex naturali iure debentur pauperum sustenta- 
tioni« 4 ). »Quoad proprietatem« gehören die Güter zwar einzelnen, 
»quoad usum« aber allen 5 ). 

1 ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 96 ff. Walter, Das Eigentum nach der Lehre 
des hl. Thoraas v. Aquin, S. 12 ff. Schaub: Eigentumslehre nach Thomas v. Aquin 
usw., S. 259 ff. v. Hertling, Kleine Schriften, S. 140 ff. Schilling, Reichtum und 
Eigentum, S. 209 ff. Vgl. auch Walter, Art. Thomas v. Aquin im H. W. St. VII, 
1186 sowie den Art. von Endres über Thomas v. Aquin. St d. G. V, 443 ff. Kuhn, 
Die Probleme usw., S. 67 ff. In den angeführten Schriften zugleich Näheres über die 
rechtsphilosophische Stellung des Privateigentums bei Thomas, deren Behandlung hier 
zu weit führen würde. 

2 ) II, II 66, a. 2, a. 7. 

3 ) II, II 118, a. 1, ad 2. 
*) II, II 66 a., 7 c. 

B ) II, II 32, a. 5, ad 2. Feugueray, Essai etc., S. 179 ff. sieht in dieser 
Scheidung mit Recht den Kern der thomistischen Eigentumslehre. 



— ig — 

Soll so der Einzelne nicht übermäßig reich sein, so verlangt 
Thomas doch andererseits keineswegs Gleichheit des Besitzes. 
Sein Ideal ist das standesgemäße Auskommen aller. Thomas 
scheidet nämlich zwischen dem Status individui, worunter er etwa 
das versteht, was wir heute als Existenzminimum bezeichnen, 
und dem Status personae. Im Begriff des letzteren liegt das 
Standesgemäße 1 ). Man soll dem Kreise, dem man zugehört, ent- 
sprechend leben, wie es die Sitte heischt, »decenter«. Daraus er- 
gibt sich für Thomas das wichtige Prinzip: »necesse est, quod 
bonum hominis circa ea (sc. bona exteriora) consistat in quadam 
mensura, dum scilicet homo secundum aliquam mensuram quaerit 
habere exteriores divitias, prout sunt necessariae ad vitam eius 
secundum suam conditionem.« Ein Überschreiten dieses Maßes 
ist sündhaft 2 ). 

Nun erfahren allerdings diese Forderungen gewisse Ab- 
schwächungen, auf die wenigstens kurz hingewiesen werden muß. 
Einmal ist der Begriff des standesgemäßen Unterhaltes seinen 
Grenzen nach etwas flüssig: »Huiusmodi necessarii terminus non 
est in indivisibili constitutus; sed multis additis non potest diiudi- 
cari esse ultra tale necessarium, et multis subtractis adhuc rema- 
net, unde possit convenienter aliquis vitam transigere secundum 
proprium statum« 3 ). Sodann besteht eine strenge Verpflichtung 
zum Almosengeben im einzelnen Falle nur dann, wenn auf Seiten 
des Armen wirkliche Not vorhanden ist, was der Beurteilung des 
einzelnen überlassen bleibt 4 ). Aber wie Maurenbrecher mit Recht 
hervorhebt, bedeuten diese Momente keine Aufhebung des allge- 
meinen Gedankens, daß jeder auf den standesgemäßen Unterhalt 
sich beschränken solle. Die Idee einer Entwicklung, eines Auf- 
steigens von Stand zu Stand kennt Thomas nicht 6 ). 

Auf die Quellen des thomistischen Standesprinzips wird im 
Folgenden vielfach hinzuweisen sein. 

b) Arbeitsteilung. 
Der Mensch ist von Natur zum Gemeinschaftsleben bestimmt: 
Das ist das Grundgesetz der thomistischen Gesellschaftslehre: 
»Naturale . . est homini, ut sit animal sociale et politicum, in mul- 

x ) II, II 32, a. 5, c. quodl. VIII, a. 12 vgl. Maurenbrecher, a. a. O. S. 48 ff. 
Hilgenreiner, Die Erwerbsarbeit usw., S. 537 f. 

2 ) II, II 118, a. 1 c. 

3 ) II, II 32, a. 6 c. Vgl. Hilgenreiner, a. a. O. S. 547 f. 
*) II, II 32, a. 5. 

5 ) Vgl. Maurenbrecher, a. a. O. S. 50. 



— 20 — 

titudine vivens« x ). Die »naturalis necessitas« aber, die ihn im 
letzten Grunde zum Gemeinschaftsleben zwingt, die das tiefste 
Fundament des Gesellschaftslebens bildet, ist wirtschaftlicher Art. 

Während die Natur die Tiere mit dem ausrüstet, was sie an 
Nahrung und Mitteln zur Verteidigung brauchen, besitzt der Mensch 
von Natur aus nichts von alledem; er besitzt an Stelle dessen die 
Vernunft, die ihn in den Stand setzt, sich vermittelst seiner Hände 
zu erarbeiten, was er zur Befriedigung seiner Bedürfnisse braucht 2 ). 

Aber der einzelne Mensch kann sich allein nicht in ge- 
nügender Weise seinen Lebensunterhalt erwerben. Die Zahl seiner 
Bedürfnisse ist zu groß, als daß für ihn eine Selbstgenügsamkeit, 
ein »sufficere per se« möglich wäre. Und daher ist der Mensch 
von Natur gezwungen, mit anderen zusammenzuleben, um in der 
Gemeinschaft seinen Bedarf an dem, was zum Leben notwendig' 
ist, in ausreichendem Maße decken zu können. Hier liegt der 
tiefere Grund des Satzes: »Naturaliter inditum est homini, ut in 
societate vivat« 3 ). 

Der Vorteil, den das Gemeinschaftsleben mit sich bringt, der 
ihm eben seine fundamentale Bedeutung verleiht, liegt aber darin, 
daß es eine Arbeitsteilung, eine Berufsteilung ermöglicht. 

Wie bei den Bienen, sagt Thomas v. Aquin, die einen Honig 
sammeln, die anderen Zellen bauen 4 ), wie im menschlichen Körper 
zwischen den einzelnen Gliedern eine Teilung der Verrichtungen 
stattfindet 5 ), so haben wir auch in der Gemeinschaft eine Teilung 
der Arbeit: Die einen sind Ackerbauer und Viehzüchter, die 
anderen Schuster, Baumeister usw. 6 ). Die nächstliegende natür- 
liche Ursache dieser Berufsteilung ist die Verschiedenheit der 
Neigungen bei den einzelnen Menschen, der letzte Grund aber 
liegt in der göttlichen Vorsehung, der »divina Providentia, quae 
ita hominum Status distribuit, ut nihil unquam deesse inveniatur 
de necessariis ad vitam« 7 ). So findet der einzelne in der Gesell- 
schaft eine Ergänzung seiner persönlichen Schwäche und Unzu- 
länglichkeit. 



*) De regimine principum I. c. i. 

2 ) 1. c. 

3 ) S. c. G. c. III 134. 

4 ) 1. C. 

6 ) Quodlib. VII, 17. 

6 ) S. c. G. c. III 134. 

7 ) Quodlib. VII, 17; S. c. G. III c. 134. Über die religiöse Wertung der Arbeit 
bei Thomas v. Aquin, vgl. N. Paulus, Histor. Jahrb. XXXII, S. 727 ff. 



21 

Die gesellschaftliche Arbeitsteilung bringt aber eines mit sich : 
Die Bedarfsdeckung für den einzelnen innerhalb der Gesellschaft, 
die auf Privateigentum fundiert ist, ist nur möglich auf dem Wege 
des Tauschverkehrs: »Der Verkehr ist die Grundlage jeder Be- 
darfsdeckung geworden« 1 ). Der Austausch der Dinge wächst so 
gewissermaßen aus dem Wesen der menschlichen Gemeinschaft 
hervor. Der Zweck des Gesellschaftslebens, die volle und bessere 
Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse, wird erreicht durch 
Kauf und Verkauf. Daher der Satz: »Emptio et venditio videtur 
esse introducta pro communi utilitate utriusque, dum scilicet unus 
indiget re alterius et e converso« 2 ). 

Und wie einerseits das Gemeinschaftsleben den Tauschver- 
kehr mit sich bringt, so bildet er andererseits wieder ein Band, 
das die Mitglieder der Gesellschaft untereinander eint. »Societas 
hominum«, bemerkt Thomas gelegentlich einmal, »maxime con- 
servatur per hoc, quod homines emendo et vendendo sibi invicem 
res suas communicant, quibus indigent« 3 ). 

c) Tauschverkehr und Handel in der Stadtwirtschaft. 

Wir haben die Bedeutung dargelegt, die nach Thomas 
v. Aquin dem Warenaustausch innerhalb der Gesellschaft zukommt. 
Gehen wir jetzt weiter. 

Die societas, die Thomas v. Aquin vorschwebt, und der im 
wesentlichen die geschilderte wirtschaftliche Bedeutung zukommt, 
ist die Stadtgemeinde, die civitas. Sie erscheint ihm als wirtschaft- 
liche Einheit, sie soll im Kerne die Funktionen erfüllen, die Thomas 
der menschlichen Gesellschaft im allgemeinen zuschreibt. 

Damit ergibt sich eines: Die Selbstgenügsamkeit, die dem 
Einzelnen nicht zukommt, deren Unmöglichkeit ihn zum Gemein- 
schaftsleben, das in der civitas seine eigentlichste Verkörperung 
findet, zwingt, sie muß der Gemeinschaft als solcher zukommen: 
»Cum autem homini competat in multitudine vivere, quia sibi 
non sufficit ad necessaria vitae, si solitarius maneat, oportet, 
quod tanto sit perfectior multitudinis societas, quanto magis, per 
se sufficiens erit ad necessaria vitae« 4 ). Wenn es selbstverständ- 
lich ist, daß in einer Stadt alles vorhanden sein muß, was zum 
Leben nötig ist, so liegt es doch mehr in der Idee der civitas, 

J ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 59. Vgl. ferner Hilgenreiner, a. a. O. S. 1 1 4 f f . 

2 ) II, II q. 77, a. 1 c. 

') I, II q. 105, a. 2, ob. 3. 

4 ) De reg. princ. I. c. 1. 



22 — 

daß dieses »Genügen« ein »Aus-sich-Genügen«, eine »per se suf- 
ficientia» sei, die nicht auf den Handel, auf Zufuhr von außen, 
als Quelle ihrer Verwirklichung angewiesen ist. Daher der Satz : 
»Dignior . . est civitas, si abundantiam rerum habet ex territorio 
proprio, quam si per mercatores abundet« 1 ). 

Der natürliche Zustand der Versorgung einer Stadt ist also 
der, daß sie alles zum Leben Nötige in eigenem Besitze hat. Aber 
dieses mehr oder minder große Selbstgenügen baut sich selbst- 
verständlich auf Arbeitsteilung und Tauschverkehr auf; es wird 
durch gemeinsame Arbeit aller Bürger hervorgebracht 2 ). 

Diesen Tauchverkehr unter den Bürgern der Stadt selbst, 
haben wir uns als unmittelbaren Austausch zwischen Produzent 
und Konsument zu denken 3 ), ohne Vermittelung eines eigenen 
Händlerstandes. Das ist nach der ganzen Wirtschaf tsverfassung 
des Mittelalters klar und geht deutlich auch aus der Art und 
Weise hervor, wie Thomas Zufuhr von außen und Händlerstand 
als entsprechende Begriffe hinstellt und kritisiert. Die Schäden, 
die der Handel mit sich bringt, erscheinen lediglich als Schäden 
des interlokalen Austausches 4 ). Die Form des unmittelbaren 
Tausches wird unten näher zu besprechen sein. 

Ein volle Selbstgenügsamkeit ist aber nicht zu erreichen; 
ohne Zufuhr von außen und ohne Handel auszukommen, ist un- 
möglich und zwar aus zwei Gründen: Einmal läßt sich kaum ein 
Ort finden, an dem alles vorhanden wäre, was zum Leben not- 
wendig ist. In irgendeiner Hinsicht wird stets ein Mangel vor- 
handen sein und deshalb Zufuhr von außerhalb nötig werden 5 ). 
Sodann ist häufig der eine oder andere Gegenstand in der Stadt 
selbst im Überfluß vorhanden, so daß er von den Einwohnern selbst 
nicht konsumiert werden kann, also verderben müßte, wenn er 
nicht durch den Handel anderswohin transportiert würde 6 ). Für 
beide Fälle tritt ein eigener Händlerstand in Erscheinung; der 



1 ) De reg. princ. II. c. 3. 

2 ) Man vgl. Com. in Pol. Arist. III, 1. 5, d (zu Ar. III, 4, 3), wo Thomas den 
aristotelischen Gedanken, der Nutzen des Zusammenlebens bestände in der Verwirk- 
lichung des bene vivere, dahin erklärt: »ad quod (sc. bene vivere) unusquisque affert 
suam partem, sicut videmus in qualibet communitate, quod unus servit communitati de 
uno officio, alius de alio et sie omnes communiter bene vivunt.« Über das Verhältnis 
zu Aristoteles vgl. Maurenbrecher 1. c. S. 44. 

3 ) cf. Maurenbrecher, a. a. O. S. 52. 

*) De reg. princ. II, c. 3. Übrigens siehe unten. 
6 ) 1. c. 
e ) 1. c. 



— 23 — 

interlokale Austausch vollzieht sich unter seiner Vermittlung, nicht 
unmittelbar. Auch auf das Wesen des Handels wird unten zu- 
rückzukommen sein: 

Natürlich gibt Thomas der Selbstversorgung vor der Ver- 
sorgung durch den Handel den Vorzug 1 ). Er führt die verschie- 
densten Gründe dafür an: Die Selbstgenügsamkeit hat den Vorteil 
größerer Stetigkeit und Sicherheit in der Versorgung mit Lebens- 
mitteln in Kriegs- und Friedenszeiten; das Leben der Kaufleute 
verweichlicht und entkräftet; Zerstörung der heimischen Sitte 
durch Berührung mit fremden Völkern; sittliche Gefahren, die 
mit dem Handel verknüpft sind. Vor allem findet, wenn die 
Bürger selbst Handel treiben, im ganzen städtischen Leben eine 
Umwälzung statt: 

»Rursus, si cives ipsi mercationibus fuerint dediti; pandetur 
pluribus vitiis additus; nam cum negotiatorum Studium maxime ad 
lucrum tendat, per negotiationis usum cupiditas in cordibus civium 
traducitur, ex quo convenit, ut in civitate omnia fiant venialia et 
fide subtracta locus fraudibus aperitur publicoque bono contempto 
proprio commodo quisque deserviet deficietque virtutis Studium; 
dum honor, virtutis praemium omnibus defertur; unde necesse erit 
in tali civitate civilem conversationem corrumpi« 2 ). 

Maurenbrecher möchte hieraus den Schluß ziehen: »Ja, es 
ist sogar aller Handel, der die Stadt überhaupt berührt, vom Stand- 
punkt der Stadt aus lediglich Passivhandel; es würde den Ruin 
der Stadt bedeuten, wenn die Bürger selbst sich an Handels- 
geschäften beteiligen wollten« 3 ). Die vorliegende Stelle scheint 
mir keine Berechtigung zu diesem Schlüsse zu enthalten. Thomas 
beurteilt den Handel überhaupt nicht minder scharf als das Handel- 
treiben der Bürger selbst, ohne im ersten Falle zu einem ver- 
werfenden Urteil zu gelangen 4 ). 

Gewiß, das ist das Resultat, zu dem Thomas kommt, ver- 
dient die Selbstgenügsamkeit unbedingt den Vorzug vor der Ver- 
sorgung durch den Handel. Doch ist letzterer nie völlig zu ent- 
behren: daher: . . »oportet, quod perfecta civitas moderate mer- 
cationibus utatur« 5 ). 

Zusammenfassend ist über den Tauschverkehr in der Stadt 



*) 1. c. cf. Maurenbrecher, Hilgenreiner, a. a. O. u. sonst. 

2 ) De reg. princ. II., c. 3. 

s ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 52, ferner S. 45, Anmerkung 2. 

*) Vgl. im folgenden S. 79 ff. 

6 ) De reg. princ. 1. c. 



— 2 4 — 

zu sagen: »Dem . . . Handel kommt nur eine untergeordnete Be- 
deutung zu: er hat nur die Aufgabe, den mäßigen Verkehr mit 
anderen Städten zu vermitteln, den man doch nie ganz wird ent- 
behren können; für den Verkehr innerhalb der Stadt aber, also 
für den Verkehr, auf dem die ganze Berufsgliederung der städti- 
schen Gesellschaft sich aufbaut, kommt er überhaupt nicht in Be- 
tracht: innerhalb der Stadt stehen Produzent und Konsument 
einander unmittelbar gegenüber« 1 ). 

Diese Ideen sind mehr oder weniger der aristotelischen 
Politik entnommen 2 ), wenn sich auch gewisse Verschiedenheiten 
nicht verkennen lassen. Vor allem liegen solche in der Auffassung 
vom Wesen des Staates vor. Während der Gedanke der Selbst- 
genügsamkeit des Staates, der avraQKEia, bei Aristoteles wesent- 
lich sittlichen Inhalt hat, — im Staate findet der Mensch seine 
volle Glückseligkeit, welch' letztere in der Tugend besteht, — und 
dieser Bedeutung das wirtschaftliche Selbstgenügen untergeordnet 
erscheint, steht letzteres umgekehrt bei Thomas mehr im Vorder- 
grunde: Die Notwendigkeit des Staates ist in letzter Linie durch 
wirtschaftliche Momente bedingt 3 ), so daß im Kommentar zur 
Politik die Gedanken des Aristoteles über den Staat zuweilen 
nicht richtig wiedergegeben sind 4 ). Zum Teil hat dies allerdings 
darin seinen Grund, daß der griechische Begriff nolig in der Über- 
setzung mit civitas, Stadt, wiedergegeben wird. In der civitas 
aber spielte sich für Thomas nicht mehr der volle Kreis der 
menschlichen Betätigungen ab; schon in militärisch -politischem 
Sinne kennt er eine höhere Einheit, in der der Mensch eine vitae 
sufficientia findet 5 ); die civitas hatte zu seiner Zeit eine wesentlich 
wirtschaftliche Aufgabe. Doch liegt ein gewisser Gegensatz hin- 
sichtlich der Auffassung von der Bedeutung des Staates vor. Doch 
ist dieser hinsichtlich des Begriffes der Selbstgenügsamkeit keines- 
wegs ein durchgehender: auch Aristoteles braucht gelegentlich 
den Begriff avraQxeia vom Staate in rein wirtschaftlichem Sinne 6 ). 

Zeigt sich schon hierin deutlich der Unterschied der wirt- 
schaftlichen Verhältnisse im griechischen Altertum von denen des 

J ) Maurenbrecher, a. a. S. 52. 

2 ) Pol. 1, c. 1; IV passim Im einzelnen vgl. Maurenbrecher, a. a. O. 

3 ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 43, hebt dies sehr hervor. 

4 ) Vgl. Maurenbrecher, a. a. O. 

6 ) De reg. princ. 1, c. 1: »Habetur vitae sufficientia adhuc magis in provincia 
una propter necessitatem compugnationis et mutui auxilii contra hostes.« Vgl. hierzu 
Zeiller, L'idee de l'etat dans St. Thomas d'Aquin, S. 56. 

a ) Ar. Pol. IV. c. 5. 



— 25 — 

Mittelalters, so tritt dieser auch sonst unverkennbar zutage. Die 
ganze Art der Anordnung der Gedanken, die Hervorhebung der 
Arbeitsteilung innerhalb der civitas können in dieser Weise nur 
vom Boden der wirtschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters völlig 
verstanden werden. Nicht, als ob Aristoteles den Gedanken der 
Arbeitsteilung nicht gekannt hätte. Schon Plato hatte ihn scharf 
hervorgehoben 1 ), und Aristoteles selbst weist bald ausdrücklich 
darauf hin, bald liegt er seinen Ausführungen zugrunde 2 ). 

Und doch wird der Gedanke der Arbeitsteilung bei Thomas 
bedeutend schärfer betont und bewußt in den Vordergrund ge- 
stellt. Durchaus, wie es dem Bilde entspricht, das wir uns von 
der mittelalterlichen Stadt mit ihrer Trennung der einzelnen Hand- 
werke machen. 

Ähnlich steht es mit den Gedanken, die Thomas über den 
Handel äußert. Auch sie finden sich mehr oder minder bereits 
bei Aristoteles, und doch zeigt die ganze Art der Darstellung 
durchaus den Einfluß der wirtschaftlichen Verhältnisse des Mittel- 
alters, wo wir im Kerne wohl »Stadtwirtschaft« haben, ein Handel 
aber keineswegs gänzlich ausgeschlossen ist. 

B. Tauschverkehr und Handel unter dem Gesichtspunkte 
des gerechten Preises. 

§ 1. Ökonomischer Charakter des einfachen Tausches 
und des Handels. 

Wir haben im vorhergehenden Teile die ökonomische Be- 
deutung von Tauschverkehr und Handel innerhalb der mensch- 
lichen Gesellschaft behandelt. Wenn wir jetzt dazu übergehen, 
beide unter dem ethischen Gesichtspunkte des gerechten Preises 
zu betrachten, so müssen wir uns zunächst den ökonomischen 
Vorgang selbst im einzelnen vergegenwärtigen, denn die Bestim- 
mung des gerechten Preises wächst aus der ökonomischen Struktur, 
aus dem Wesen von Tauschverkehr und Handel selbst hervor, ja 
ist damit schon zu einem guten Teile gegeben. 

Auch in Darlegung dieser Verhältnisse fußt Thomas völlig 
auf Aristoteles. Es sind daher zunächst die aristotelischen Ge- 
danken darzulegen, dann die Übernahme derselben durch Thomas 
zu verfolgen. 

*) S. oben S. 4. 

a ) Pol. II, 8 (8): Der Gesetzgeber: »3« . . (atj nQoatäxxsiv, rör avrov avXeiv xai 
oxvxorofieTv.« Vgl. Pol. I, 3 (12 — 14). Nie. Ethik: V, c. 8. 



— 26 — 

a) Aristoteles: Im ersten Buche seiner Politik behandelt 
Aristoteles das Haus als den kleinsten Bestandteil des Staates und 
widmet insbesondere der wirtschaftlichen Seite desselben eine ein- 
gehende Betrachtung 1 ). Die hier geäußerten Gedanken lassen sich 
etwa so zusammenfassen 2 ): 

Aristoteles unterscheidet zwischen der Haushaltungskunst 
{oixov fiixi]) und der Erwerbskunst (iQ r lt JLaTl0Tlx V *• w - S.). Jene hat 
es mit dem Verwenden und Gebrauchen zu tun, diese mit dem 
Erwerben. Die Erwerbskunst gliedert sich wieder in die unmittel- 
baren und mittelbaren Erwerbsarten; zu ersteren gehören alle jene, 
die wie die Nomaden, Jäger, Fischer, Ackerbauer ihre Nahrung 
unmittelbar der Natur entnehmen 3 ). Sie sind eng mit der Haus- 
haltungskunst verwachsen, mag Aristoteles sie nun direkt für einen 
Teil derselben erklärt haben oder in ihnen nur einen Hilfszweig 
der Haushaltungskunst erblickt haben, was unter den Erklärern 
strittig ist 4 ). 

Diesem unmittelbar natürlichen Erwerb steht der mittelbare 
gegenüber: Hier wird die Bedarfsdeckung des Hauses auf dem 
Wege des Tausches erreicht. Der Tausch ist etwas durchaus 
natürliches und notwendiges, wenn er auch selbstverständlich in 
der ersten ursprünglichen Gemeinschaft, dem Hause noch nicht 
bestand 6 ). Er bleibt auch noch durchaus natürlich und notwendig, 
als zu seiner leichteren Abwicklung das Geld eingeführt worden 
war. Die Erfindung des Geldes geht hervor »aus einem unent- 
behrlichen Bedürfnis des Tausches« 6 ). Der Erwerb wird in diesem 
Falle für das Haus ein mittelbarer, und zwar nimmt er die Form 
des Gelderwerbes an. Aristoteles steht auch dieser Erwerbsart 
keineswegs ablehnend gegenüber; auch sie ist für ihn noch durchaus 
natürlich. Der Reichtum, der hier erstrebt wird, ist ein durchaus 
natürlicher: man faßt ihn auf als eine Summe von Bedarfsgegen- 
ständen, die der Haushaltung als Werkzeuge zur Bedarfsdeckung 



1 ) Pol. I, c. 3. § 1—23. 

2 ) Vgl. F. Onken, D. Staatsl. d. Ar., 2 Bd., 1875, S. 80 ff. Auszug hieraus 
bei Susemihl, Einleit. Politik, I. Teil, Leipzig 1879. Ferner Maurenbrecher, a. a. O. 
S. 54 f. 

3 ) 1. c. § 22: »vor allem aber muß .... die Natur selber den erforderlichen 
Stoff bereits gewähren, denn ihre Sache ist es, dem, was sie erzeugt hat, auch den 
Unterhalt zu geben. Und daher ist denn der naturgemäße Erwerb für alle Menschen 
derjenige, welchen sie aus den Früchten der Erde und den Tieren ziehen. 

4 ) Susemihl, Aristoteles Politik. Anmerkung 69 ab. 
B ) cf. Pol. I. c. 3, § 11 ff. 

•) I. 3, § 15 (§ 14). 



— 2 7 — 

dienen. Und in diesem Endzwecke findet der Reichtum seine 
Begrenzung 1 ). 

Eng verwandt mit dieser mittelbar-natürlichen Erwerbsart 
ist eine andere, die sich aus erster entwickelt, der eigentliche Handel 
[xajirjleia, xajirjlixrf\-)- »Dieser ist ein Werk der Kunst und Übung, 
aber nicht der Natur« 3 ). Er ist darauf gerichtet, beim Umsatz der 
Waren möglichst viel Gewinn zu machen. Zweck des Tausches 
ist nicht Deckung eines natürlichen Bedürfnisses, sondern Erstreben 
von Reichtum, der insgeheim in eine Masse von möglichst viel 
Geld gesetzt wird und kein Maß und keine Grenzen kennt 4 ). »Und 
so entsteht denn der Glaube, daß die Erwerbskunst es hiermit 
zu tun habe und im eigentlichen Handelsgeschäft bestehe« 5 ). 
Aristoteles hält es daher für richtig, diese Art von Erwerbskunst 
vorzugsweise als Bereicherungskunst zu bezeichnen, als iqi]ixo.tiotim] 
im engeren Sinne 6 ). 

Zwei Erwerbsarten stehen sich also schroff gegenüber: »In 
etwas anderem besteht der natürliche Reichtum und die natürliche 
Erwerbskunde, und nur diese letztere ist die zur Haushaltungs- 
kunde gehörige, während die künstliche im eigentlichen Handels- 
geschäft besteht, indem sie nicht auf den Vermögenserwerb über- 
haupt, sondern nur auf den durch den Vermögensumsatz gerichtet 
ist. Und diese hat es augenscheinlich mit dem Gelde zu tun, 
denn das Geld ist beim Handel Anfang und Ende« 7 ). Dieses 
Streben nach Gewinn ist es, was Aristoteles ablehnt. Es ent- 
springt dem Streben nach sinnlichen Genüssen. Die Kräfte des 
Menschen werden dabei entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung 
angewandt: Die Tapferkeit ist nicht dazu da, Geld zu erzeugen, 
sondern Heldenmut zu zeigen 8 ). So sehr also Aristoteles dem 
Tauschverkehr gerecht wird, wenn er einem natürlichen Bedürfnis 
dient, so schroff lehnt er ihn ab, wenn er, wie in der Gestalt des 
eigentlichen Handels, zur Erzielung eines Gewinnes vorgenommen 
wird 9 ). 



*) I. 3, § 8, b. 9. Vgl. hierzu Zmavc, Die Geldtheorie und ihre Stellung usw. 
Z. f. d. g. St., Bd. 58, S. 75 ff. 

2 ) I, 3 § 15- 

3 ) I, 3 § 10. 

«) I, 3 § 15 u. 16. 

5 ) I, 3 § 16. 

6 ) I, 3 § 10. 

7 ) I, 3 § 17: »rö yag vö/iio/ua ozoi%eiov xai jisqü? zfjc dkkayfjg eaxtv. 

8 ) cf. § 19 u. 20. 

8 ) Der Unterschied zwischen dem einfachen Tauschverkehr und dem Handel, der 
einen Gewinn machen will, ist in scharfer, aber prinzipiell ähnlicher Weise dargelegt 



— 28 — 

b) Thomas v. Aquin. Zur Bestimmung der thomistischen 
Ansichten ist einmal zu prüfen, wie Thomas die aristotelischen 
Gedanken in seinem Kommentar zur Politik dargestellt und ent- 
wickelt hat, dann ist die Verwertung derselben in Thomas selb- 
ständigen Schriften zu untersuchen. 

Im Kommentar zur Politik sind die Ausführungen des 
Aristoteles im allgemeinen richtig wiedergegeben. Nur sind zwei 
Punkte hervorzuheben: 

i. Der aristotelische Begriff yQ^/xariorixt], Erwerbskunde wird 
bei Thomas regelmäßig wiedergegeben durch ars pecuniativa im 
Sinne von ars acquirendi pecuniam. Erwerb und Gelderwerb sind 
nach Thomas identisch 1 ). 

Maurenbrecher möchte hierin eine Einwirkung der wirt- 
schaftlichen Verhältnisse des Mittelalters und ein Abweichen vom 
aristotelischen Gedankenkreise erblicken: »Es ist augenfällig, wie 
Thomas in diesen Ausführungen von der von Aristoteles auf- 
gestellten Wirtschaftslehre sich entfernt. War für diesen jedes 
Streben nach Gelderwerb unsittlich, weil der natürliche Reichtum 
des Hauses in seinem lediglich Gebrauchsgüter enthaltenden Besitz 
dargestellt ist, so ist für Thomas gerade Geldbesitz eine notwendige 
Voraussetzung für die Existenz der Familie« 2 ). Nach Mauren- 
brecher denkt Aristoteles an eine Autarkie der Familie 3 ), an einen 
Zustand der geschlossenen Hauswirtschaft. Nur die Aneignung 
des naturalen Ertrages des eigenen Besitzes sei für ihn natürlich 
und notwendig, nicht der verkehrsmäßige Erwerb, der Handels- 
gewinn 4 ). Hingegen sei das Mittelalter mit seiner städtischen Be- 
rufsteilung auf den Verkehr als Grundlage seiner Bedarfsdeckung 
angewiesen. 

von Karl Marx (Kapital, i. Bd., S. 113 ff.), der übrigens ausdrücklich Aristoteles zitiert. 
Marx unterscheidet eine doppelte Form des Tausches ;■ einer vollzieht sich nach der 
Form : Ware — Geld— Ware, W — G — W. Hier handelt es sich, wenn man einen Tausch- 
kontrahenten betrachtet, um die Befriedigung eines tatsächlich vorliegenden Bedürfnisses, 
wobei das Geld die Vermittlerrolle übernimmt. Die andere Form ist die: G — W — G, 
also die Form des eigentlichen Handels, wo G im zweiten Falle größer sein muß als 
anfangs, sonst hätte der Tauschprozeß keinen Sinn. Geld erzeugt hier also einen Mehr- 
wert, erzeugt größeres Geld. Wir haben es also hier mit einer wirtschaftlichen Er- 
scheinung kapitalistischer Natur zu tun, dem »Kaufmannskapitalismus«. Offenbar wird 
gerade der letztere von Aristoteles gemeint und als unsittlich verworfen, weil er der Be- 
stimmung des Geldes, lediglich Tauschmittel zu sein, widerstreitet. 
x ) C. in Ar. Pol. I. 1. VI.— VIII. passim. 

2 ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 58. 

3 ) 1. c. S. 59. 
*) 1. c. S. 54 f. 



— 2Q — 

Ich halte dies nicht für richtig. Daß Aristoteles den Erwerb 
durch Tausch für nötig und sittlich zulässig hält, ist oben dargelegt 
und belegt worden. Von einer »Autarkie« des Hauses kann bei 
ihm keine Rede sein 1 ). Und wenn Thomas die Erwerbskunde 
schlechthin als ars pecuniativa faßt, so steht er damit lediglich auf 
seiten derer, die, wie oben angedeutet, den unmittelbar natürlichen 
Erwerb zur Hausverwaltung rechnen und diesem den mittelbaren 
Erwerb durch Tausch gegenüberstellen, der je nachdem ein natür- 
licher oder widernatürlicher, ein eigentliches Handelsgeschäft, sein 
kann. Bei dieser Gliederung der aristotelischen Ansichten wird 
tatsächlich die Erwerbskunst zu einer ars acquirendi pecuniam, 
sobald der Tausch sich vermittelst des Geldes vollzieht, was nach 
Aristoteles der Fall ist oder doch erlaubtermaßen sein kann 2 ). 

2. Sodann ist auffallend, daß die Ausführungen des Aristoteles 
über den Handel bei Thomas auf das Geldwechselgeschäft umge- 
deutet werden, die ars campsoria oder ars nummularia, deren 
Wesen dahin definiert wird, »quae est permutatio denariorum « 3 ). 

Der Grund hierfür liegt in der Übersetzung, die Thomas 
seinem Kommentar zugrunde legt: Hier wird anfangs der aristo- 
telische Begriff xamjkeia richtig mit negotiatio wiedergegeben, 
während später regelmäßig die damit identischen xamqXixi], xanrjXixov 
mit ars campsoria oder nummularia übersetzt werden 4 ). 

Es dürfte nicht angängig sein, hieraus irgendwie auf Thomas' 
eigene Ansicht zu schließen 5 ); die berührte Tatsache ist vielmehr 

1 ) Siehe oben S. 25 ff. 

2 ) a. a. O. Zudem ist wohl kaum anzunehmen, daß Aristoteles den Handel 
seiner wirtschaftlichen Funktion nach für überflüssig hält. Dies tut nicht einmal Plato, 
den Aristoteles doch an Verständnis für die realen Verhältnisse des Lebens weit über- 
trifft. Aristoteles verurteilt nur den Handel, wie er ihn tatsächlich geübt sah, und wäre 
wohl der letzte gewesen, der das Berechtigte an der als Ganzem verurteilten Erscheinung 
des Wirtschaftslebens verkannt hätte. Nur war er zu sehr Realpolitiker, als daß er 
sich mit den platonischen Reformplänen hätte befreunden können, wenn er auch dem 
antikapitalistischen Geiste seines Lehrers treu blieb. 

3 ) C. in Ar. Pol. I. 1. VII. c. cf. VIII. g.: »Et ideo omnibus hominibus est 
naturalis pecuniativa i. e. aquisitiva ciborum vel denariorum pro cibo ex rebus naturalibus 
sive ex fructibus et animalibus, quod autem aliquis acquirat pecuniam non ex rebus 
naturalibus, sed ab ipsis denariis, hoc non est secundum naturam.« 

4 ) Man vgl. folgende Stellen : Aristoteles : »fir/ öt' älXayqc xai xa.7ir}leia.g xo/ni- 
tovrai rt]v Tgoqctjv.« Übersetzung: »non per commutationem et negotiationem ferunt 
alimentum.« Ferner: Aristoteles : »dijlov, Sri ovx sazi <pvo£i trjg xgt]fiaTiOTixfjs i) xanrjXda.*. 
Übersetzung: »palam, quod non est secundum naturam pecuniativae campsoria.« (Ar. I. 
3, § 5. C. in Ar. Pol. 1. VI. g.; Ar. I. 3, § 12. C. in Ar. Pol. 1. VII. c). 

5 ) Maurenbrecher, a. a. O. S. 60, zieht aus diesen sowie den bei Aristoteles 
und Thomas später folgenden Darlegungen des Kreditgeschäftes den Schluß: »Man sieht, 



— 30 — 

lediglich auf die fehlerhafte Übersetzung zu setzen, was, wie 
wir unten sehen werden, aus Thomas selbständigen Schriften her- 
vorgeht 1 ). 

Die thomistischen Ausführungen im Kommentar zur Politik 
werden infolge der Mängel in der Übersetzung in sich wider- 
spruchsvoll und unzulänglich. Anfangs, wo die Übersetzung den 
Begriff negotiatio bringt, schließt auch Thomas sich an dieselbe an 
und fügt die Bemerkung bei: »worüber unten gehandelt werden 
wird«, »de qua infra agetur« 2 ), während tatsächlich nur die Er- 
örterung über das Geschäft der Geldwechsler folgt 3 ), 4 ). 

In seinen selbständigen Schriften hat Thomas seine 
eigene Ansicht scharf und klar dargelegt und zwar im engsten 
Anschluß an Aristoteles, den er wiederholt ausdrücklich nennt. 
Thomas sagt wörtlich: 

»Ut autem Philosophus dicit, duplex est rerum commutatio: 
una quidem quasi naturalis et necessaria; per quam scilicet fit 
commutatio rei ad rem vel rerum et denariorum propter neces- 
sitatem vitae, et talis commutatio non proprie pertinet ad nego- 
tiatores, sed magis ad oeconomicos vel politicos, qui habent pro- 
videre vel domui vel civitati de rebus necessariis ad vitam« 6 ). 

Hier ist das Wesen des einfachen Tauschverkehrs scharf be- 
stimmt. Er ist nicht spekulativ, nicht kapitalistisch, das Wesen 
des Handels besteht nicht in ihm. Er mag sich mit oder ohne 
Zuhilfenahme des Geldes vollziehen, immer ist der Endzweck des 

daß auch für ihn das Geld- und Kreditgeschäft eine wirtschaftliche Bedeutung noch 
nicht hatte, wenn er natürlich auch weiß, daß es häufig genug vorkommt.« Daß Thomas 
das Geldgeschäft für erlaubt hält, gerade im Gegensatz zu den von ihm im Kommentar 
dargelegten vermeintlichen Ansichten des Aristoteles, wird unten darzustellen sein. 
x ) Siehe S. 31. 

2 ) cf. C. in Ar. Pol. I. 1. VI. g. 

3 ) C. in Ar. Pol. I. 1. VII. u. VIII. 

4 ) Albertus Magnus gibt in seinem Kommentar zur Politik (1. I., c. 7. Alberti 
Magni Opera omnia. Vol. 8., Paris 1891), der nach dem thomistischen verfaßt ist, 
die Darlegungen des Aristoteles über den Handel ebenfalls als auf die ars campsoria 
bezüglich wieder, auf Grund derselben Übersetzung: I. c. 7 c. campsoria, id est, quod 
cambiatur pecunia in pecuniam. Ibidem s. : »Et illa pecuniativa est secundum naturam 
omnibus, quae est ex fructibus et animalibus (Zitat aus Aristoteles!): pecunia enim ad 
hoc inventa est, ut inter vendentem et ementem talium fiat commutatio et non est 
inventa ad hoc, quod pecunia in maiorem pecuniam convertatur; hoc enim non est 
secundum naturam pecuniae, sed est de pravitate avaritiae humanae.« Es gibt also 
zwei Arten des Geldtausches: qua scilicet convertitur pecunia in victum et vestitum et 
alia necessaria (t) und qua scilicet pecunia commutatur in pecuniam ampliorem (g). 
Letzteres ist die ars campsoria. 

6 ) II, II q. 77, a. 4 c. 



— 3i — 

Tauschprozesses die Befriedigung eines tatsächlich vorliegenden 
Bedürfnisses : 

Dann heißt es bei Thomas weiter: 

»Alia vero commutationis species est vel denariorum ad de- 
narios, vel quarumcumque rerum ad denarios non propter res 
necessarias vitae, sed propter lucrum quaerendum; et haec quidem 
negotiatio proprie videtur ad negotiatores pertinere, secundum 
Philosophum« x ). 

Das Wesen des Handels besteht also darin, daß beim Tausche 
ein Gewinn, ein lucrum erzielt wird 2 ). Nur der handelt (nego- 
tiatur), der, wie Thomas später sagt: »ad hoc emit, ut carius vendat« 3 ). 

Offenbar unterscheidet Thomas zwei Arten des Handels: 
Das Geldwechselgeschäft (»denariorum ad denarios«) und den 
Warenhandel (»quarumcumque rerum ad denarios«). Beide werden 
unter dem allgemeinen Begriff negotiatio zusammengefaßt. Es liegt 
hierin eine gewisse Erweiterung der aristotelischen Gedanken, wie 
sie Thomas in der oben zitierten Übersetzung vorlagen und von 
ihm in seinem Kommentar entwickelt waren. Er schreibt Aristo- 
teles nicht nur eine Erörterung des Wechselgeschäftes, sondern 
auch des eigentlichen Handels zu. Vielleicht fühlte er selbst die 
Mangelhaftigkeit der Übersetzung und nahm so eine Ergänzung 
vor. Aristoteles erwähnt allerdings das Geldwechselgeschäft über- 
haupt nicht 4 ). 

§ 2. Die "Wertgleichheit als Forderung der Gerechtigkeit. 

Eine klare, ausdrückliche Begriffsbestimmung des Wertes 
finden wir bei Thomas nicht. Zudem werden die Ausdrücke 
valor und pretium unterschiedslos für denselben begrifflichen In- 
halt gebraucht, also zwischen Wert und Preis kein Unterschied an- 
genommen, was übrigens auch im römischen Recht der Fall ist 6 ). 
Was macht nun das innere Wesen des Wertes aus? 

Thomas kommt ausschließlich darauf zu sprechen, im Zu- 
sammenhang mit seinen Untersuchungen über das Wesen der Ge- 
rechtigkeit, die einen Tausch nach Wertgleichheit verlangt. Das 



») l. c. 

2 ) cf. ib. »Lucrum . . , quod est negotiationis finis«. 

3 ) II, II q. 77, a. 4, ad 2. 

4 ) Vgl. die Darlegung der aristotelischen Ansichten und des thomistischen Kom- 
mentars, oben S. 26 ff. 

6 ) Siehe II, II q. 77, a. 1 c. Zum römischen Recht; vgl. Oertmann, a. a. O. 
S. 38 f. 



— 32 — 

Endziel seiner ganzen Betrachtungsweise ret nicht, das Wirtschafts- 
leben als solches seinem Sein nach zu e#kennen, vielmehr es zu 
regeln gemäß den Forderungen der Gerechtigkeit. Über die Be- 
deutung der letzteren für das Wirtschaftsleben wird weiter unten 
ausführlich zu sprechen sein. Wir müssen hier zunächst die Form 
des Tausches, wie sie von der Gerechtigkeit gestaltet wird, ein- 
gehender behandeln. 

Die allgemeinen Grundsätze hierfür finden sich an mehreren 
Stellen der selbständigen Schriften des Aquinaten 1 ). Thomas hat 
sie ohne wesentliche Abweichungen aus Aristoteles nikomachischer 
Ethik übernommen 2 ). Näher auf das Wesen des Wertes kommt 
Thomas fast nur in seinem Kommentar 3 ) zu dem eben genannten 
Werke des Aristoteles zu sprechen. Nun bieten zwar die thomisti- 
schen Kommentare nicht ohne weiteres die eigenen Ansichten 
des Autors. Doch stellen sich die näheren Ausführungen über 
den Wert so sehr als bloße Erläuterungen und Erweiterungen der 
von Thomas sonst häufig verwendeten allgemeinen Prinzipien dar, 
daß wir die Auffassung darüber, die Thomas Aristoteles zuschreibt, 
auch als eigene Ansicht des Aquinaten in Anspruch nehmen 
müssen. Das Nähere wird sich in der folgenden Darstellung 
ergeben. 

Im Tausche soll also nach Thomas Gerechtigkeit herrschen. 
Die Gerechtigkeit im allgemeinen wird definiert: »justitia est ha- 
bitus, secundum quem aliquis constanti s et perpetua voluntate ius 
suum unicuique tribuit« 4 ). Sie beschäftigt sich mit den Handlungen 
der Menschen, die auf einen anderen bezug nehmen 5 ). Insofern sie 
diese regelt, kommt ihr innerhalb der menschlichen Gemeinschaft 
eine außerordentlich wichtige Aufgabe zu. Thomas führt daher 
zustimmend das Wort Ciceros an: »Justitiae ea ratio est, qua socie- 
tas hominum inter ipsos, et vitae communitas continetur« 6 ). 

In der Gemeinschaft sind zwei Arten von Beziehungen vor- 
handen: Einmal steht der Einzelne als Glied der Gesamtheit aller 
gegenüber und ist verpflichtet, sein gesamtes Tun mit dem Wohle 



2 ) Besonders kommen in Betracht: II, II 58 f.; II, II 61 f. 

2 ) cf . Aristoteles : Eth. Nie. 1. V, c. 1 ff. 

3 ) Com. in Eth. Nie. Aristotelis lib. V, lect. Iff. 

4 ) II, II q. 58, a. 1 c. Die Definition deckt sich mit der des Aristoteles, 
wie Thomas weiter ausführt: »Et quasi est eadem definitio, cum ea, quam Philosophus 
ponit (Ethik IV, c. 5, a. m.), dicens quod: »justitia est habitus, secundum quem aliquis 
dicitur operativus secundum electionem justi.« 

5 ) cf. II, II q. 58, a. 2, sowie die folgenden Zitate. 
«) II, II q. 58, a. 2. 



— 33 — 

derselben in Übereinstimmung zu bringen. Insofern nun die Ge- 
rechtigkeit den Gesamtkreis der menschlichen Handlungen auf das 
bonum commune hinlenkt, schließt sie in gewissem Sinne alle 
anderen Tugenden in sich, ist sie eine virtus generalis, und insofern 
diese Forderung im Gesetze niedergelegt ist, wird die Gerechtig- 
keit selbst auch als justitia legalis bezeichnet 1 ). 

Sodann gibt es in der Gemeinschaft Beziehungen, aus denen 
einer einzelnen Person Rechte erwachsen, sei es der Gemeinschaft 
oder einer anderen Privatperson gegenüber. Die Feststellung und 
Gestaltung dieser Rechte ist die Aufgabe der Gerechtigkeit, inso- 
fern sie eine besondere Tugend, eine virtus particularis ist 2 ). 

Diese Beziehungen werden begründet durch äußere Hand- 
lungen, die einer einer anderen Person zufügt, oder durch Über- 
tragung von äußeren Dingen, von Gebrauchsgegenständen 3 ). 

Stehen sich zwei Personen einander gegenüber, so soll die 
Handlung der einen oder die Sache, die sie hingibt, dem, was die 
andere Person fordern kann 4 ), angemessen, gleich sein. Die Ge- 
rechtigkeit erfordert also ihrem Wesen nach Gleichheit (adaequa- 
tio 5 ), so daß die Mitte zwischen dem zu Großen und dem zu 
Kleinen gewahrt bleibt. Das Gerechte selbst ist ein Gleiches 6 ). 
Diese Gleichheit nimmt nun eine verschiedene Form an, je nach- 
dem ob dem Einzelnen von Seiten der Gesamtheit etwas geschuldet 
wird oder von seiten einer anderen Privatperson. 

Im ersteren Falle handelt es sich um eine Verteilung von 
gemeinsamen Gütern, sie wird geregelt durch die justitia distribu- 
tiva, im letzteren Falle um einen wechselseitigen Austausch von 
Gütern, wie Kauf, Verkauf usw.; ihn will die justitia commutativa 
nach ihren Prinzipien gestalten 7 ). 

Was dem Einzelnen einem Ganzen gegenüber zusteht, ist 
nicht für alle dasselbe, vielmehr verschieden nach der Bedeutung, 
die dem Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft zukommt. Die ver- 
teilende Gerechtigkeit fordert keine aequalitas rei ad rem; sondern 
es muß, wenn z. B. zwei Personen einem Ganzen gegenüberstehen, 

J ) 1. c. a. 5 c. cf. Aristoteles Eth. 1. V, c. i. 

2 ) 1. c. a. 7. c. 

3 ) 1. c. a. 8. c. 

4 ) Demgemäß besteht die Gerechtigkeit darin, jedem das Seine zu geben, »pro- 
prius actus justitiae nihil aliud est quam reddere unicuique quod suum est.« II, II q. 
58, a. 11 c. 

5 ) C. in III. 1. Sent. d. 33, q. 3, a. 4, sol. I. 

6 ) 1. c. 

7 ) II, II q. 61, a. 1 c: Vgl. Nik. Ethik V, c. 5—7. 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 3 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 34 — 

dieses Ganze derart unter sie verteilt werden, daß, wie die Per- 
sonen zueinander sich verhalten, nach ihrer Bedeutung dem Ganzen 
gegenüber, so sich auch die Sachen, die ihnen zuerkannt werden, 
verhalten. Sind A und B die beiden Personen, C und D die ihnen 
zugeteilten Güter, so müssen nach Gerechtigkeit die Verhältnisse 
einander gleich sein: 

A:B = C:D. 

Eine derartige Gleichheit zweier Verhältnisse ist eine geo- 
metrische Proportion; eine solche liegt der justitia distributiva 
zugrunde 1 ). 

In anderer Form vollzieht sich die justitia commutativa. Ihr 
Gebiet sind, wie schon dargelegt, die Beziehungen einzelner Privat- 
personen untereinander, vor allem die wirtschaftlichen Beziehun- 
gen, wie Kauf und Verkauf, Arbeitsvertrag usw. 2 ). Für uns 
kommt zunächst lediglich der Tauschverkehr in Betracht. 

Wenn im Tausche eine Person einer anderen eine Sache 
überträgt, so entsteht auf Seiten der ersten Person der zweiten 
gegenüber eine Forderung nach einer Sache, die der weggege- 
benen gleich ist 3 ). Eben darin liegt nach Thomas das Wesen des 
Kaufes und Verkaufes, daß in ihnen zwischen den beiden Tausch- 
kontrahenten ein contractus non gratuitus 4 ) geschlossen wird. Im 
Tausche entäußert sich einer des Eigentums an seiner Sache zu- 
gunsten eines anderen in Rücksicht auf geforderten gleichwertigen 
Ersatz: »Unus transfert dominium rei suae in alterum propter 
pretium inde acceptum« 5 ). 

Die Tauschkontrahenten stehen sich als gleich gegenüber 6 ). 
Die Gerechtigkeit erfordert nur eine aequalitas rei ad rem 7 ). Auf 
keiner Seite darf im Tausche Gewinn oder Verlust entstehen. 
Das aequale, worin das justum commutativum besteht, ist ein 
medium inter maius et minus 8 ); d. h. es liegt dem Tausche eine 
arithmetische Proportion zugrunde. Eine solche besagt die Gleich- 
heit zweier arithmetischer Verhältnisse, z. B.: 6 — 5 = 5 — 4. Der 
Vorgang des Tausches stellt sich nach Thomas 9 ) in folgender 



!) 1. c. a. 2. c. (Eth. lib. V, c. 6). 

2 ) 1. c. Vgl. noch II, II q. 61, a. 3 c. 

3 ) II, II q. 6l, a. 3 c. 

4 ) II, II q. ioo, a. I, ad 5. 

5 ) C. in Ar. Eth. V, 1. IV. c. cf. Anmerkung 3. 
«) C. in Ar. Eth. V, 1. VI, d. 

7 ) Man vgl. zu diesem Gedanken sowie zu den folgenden: II, II q. 61. a. 2 c. 

8 ) C. in Ar. Eth. V, 1. VII. a. 

9 ) Vgl. Anmerkung 7. 



— 35 — 

Weise dar: Überträgt z. B. der Verkäufer dem Käufer eine Sache, 
die wir = 5 setzen, der Käufer gibt seinerseits aber nur 4 als 
Preis zurück, so wären auf seiten des Käufers jetzt 6 vorhanden, 
nämlich 5 + 1, auf seiten des Verkäufers dagegen nur 4; ersterer 
würde 1 gewinnen, letzterer 1 verlieren. Damit nun Gerechtig- 
keit herrsche, muß in diesem Falle die Mitte zwischen Gewinn 
und Verlust festgestellt werden, d. h. es muß eine Zahl gesucht 
werden, die ebensoviel von 6 übertroffen wird, wie sie ihrerseits 
4 übertrifft; d. h. es muß eine arithmetische Proportion aufgestellt 
werden, nach der sich in diesem Falle 5 als Mitte ergibt. Der 
justitia commutativa ist genügt, wenn der Verkäufer 5 wieder- 
erhält, wie er 5 hingegeben hat. 

Die hier wiedergegebenen Gedanken, die fast ausschließlich 
Thomas selbständigen Schriften entnommen sind, sind im wesent- 
lichen eine kurze Wiederholung dessen, was in der Nikomachischen 
Ethik 1 ) ausführlicher dargelegt und im Kommentar zu derselben 2 ) 
von Thomas selbst erläutert ist. Im letzteren findet sich auch 
eine Weiterführung des eben entwickelten Prinzips der justitia 
commutativa und eine Anwendung desselben auf das Wirtschafts- 
leben. Nachdem Thomas die Ausführungen des Aristoteles über 
die Gerechtigkeit im Tausche wiedergegeben hat, fährt er nämlich 
in der Darlegung des aristotelischen Textes fort: 

„Ostendit 3 ) quod illud, quod dictum est 4 ) observari oportet 
in commutatione diversarum artium. Destruerentur enim artes si 
ille, qui fecit aliquod artificium, non pateretur i. e. non reeiperet 
pro illo artificio tan tum et tale, quantum et quäle fecit. Ideo 
oportet commensurari opera unius artificis operibus alterius ad 
hoc, quod sit justa commutatio." D. h. also: Wenn jemand ein 
Produkt von bestimmter Quantität und Qualität hergestellt hat 
und dieses im Tausche hingibt, so verlangt die Gerechtigkeit, daß 
er ein Arbeitsprodukt von gleicher Quantität und Qualität zurück- 
erhält. Vergleicht man diesen Gedanken mit dem des Aristoteles, 
so ist eines bemerkenswert: Aristoteles spricht an der betreffenden 
Stelle 5 ) von einem Tioietv und naoyeiv beim Tausche im Sinne des 

: ) cf. i. Ar. Eth. Nie. V, c 5 — 7. 

2 ) cf. C. im Ar. Eth. V, 1. IV ff. 

3 j sc. Philosophus. Die Stelle steht: C. in Ar. Eth. V, 1. VII e. Es wird 
Bezug genommen auf Aristoteles : Nie. Eth. V, c. 7 : ean de xal ml rcöv aklarv tsyvöjv 
tovto. avflQovvTO ya.Q av, et /.itj ijToiet rö noiovv xal oaov xal olov xal xö näoypv maaye 
zovxo xal xooovxov xal xoiovxov. 

4 ) sc. de justitia commutativa! 

6 ) Vgl. das Zitat in Anm. 3. 

3* 



- 36 - 

Übertragens eines Gutes und der Annahme desselben. Bei Tho- 
mas hat der Begriff facere eine von Aristoteles abweichende Fär- 
bung. Er enthält wenigstens etwas, was bei Aristoteles kaum 
vorliegen dürfte: Der Begriff facere wird von Thomas nicht nur 
auf den Tauschakt selbst angewendet, sondern bereits auf den 
vorhergehenden Produktionsprozess. Er umfaßt i. wesentlich die 
Arbeit des vorhergehenden Produktionsprozesses, 2. Die Übertra- 
gung dieses Produktes im Tausche. Das pati soll dementsprechend 
in der Annahme eines dem übertragenen gleichen Arbeitsproduktes 
bestehen. Es findet sich bereits hier die Berücksichtigung des 
objektiven Arbeitsmomentes im Tausche, die, wenn sie auch von 
der justitia commutativa erfordert wird, doch erst aus einer zwar 
identischen, aber tiefer gehenden und später darzulegenden Auf- 
fassung der Gerechtigkeit in ihrer vollen Bedeutung hervorwächst 1 ). 

Die Arbeitsprodukte sollen ferner durcheinander gemessen 
werden. Das eine Gut wird der Preis des andern 2 ). Die Gerech- 
tigkeit erfordert also, wie Thomas in der Summa ausführt, Gleich- 
heit des Tauschwertes: »Et ideo, sie vel pretium excedat quanti- 
tatem valoris rei vel e converso res excedat pretium, tolletur 
justitiae aequalitas« 3 ). 

Soweit erläutert Thomas die Gerechtigkeit im Tauschverkehr 
im Zusammenhang mit dem Begriff der justitia commutativa. Er 
will mit seinen Darlegungen im wesentlichen nur das wiederholen, 
was Aristoteles vor ihm ausgesprochen hatte. Der justitia parti- 
cularis, die sich bei Thomas in die justitia distributiva und commu- 
tativa gliedert, entspricht bei Aristoteles 1) xaxa /uegog dixaioovvrj, die 
in das öiy.aiov diav£[.wjTiybv und iTiavog&MTixdv (zo ev rölg ovvaXXdy juaot 
dty.aiov, dioodwrixov) zerfällt 4 ). Freilich weicht die Auffassung, 
die Thomas bei Aristoteles findet, in manchen Punkten ab von 



1 ) Nämlich der Gerechtigkeit als einer Wiedervergeltung. Siehe S. 37 ff. — 
Nach Trendelenburg (Historische Beiträge z. Philosophie II, 1855, S. 359 ff.) finden 
sich die Äußerungen des Aristoteles, die auf voriger Seite angeführt sind, und die von 
Thomas in der angegebenen Weise aufgefaßt werden, hier (Nie. Eth. V, 7) im Zu- 
sammenhang mit den Untersuchungen über die ausgleichende Gerechtigkeit nicht an 
rechter Stelle; sie werden c. 8 in derselben Weise wiederholt und sind dort im Zusammen- 
hang begründet, was bei c. 7 weniger der Fall ist. Die Übersetzung, die Thomas seiner 
Erklärung zugrunde legt, bringt die Stelle zweimal, c. 7 u. c. 8. 

2 ) II, II q. 77, a. 1 c. : »Quantitas autem rei, quae in usum hominis venit, 
mensuratur seeundum pretium datum.« Besonders geschieht dies durch das Geld. Thomas 
fährt daher fort: »ad quod est inventum numisma«. 

3 ) 1. c. 

4 ) cf. Arist. Nie. Eth. V, c. 1 — 7. 



— 37 — 

dem Sinne, in dem einige moderne Erklärer dieselben Stellen 
der Nikomachischen Ethik interpretieren 1 ). 

Im weiteren Verlauf seiner Darstellung bringt nun Aristote- 
les für das Wesen der Gerechtigkeit einen neuen Gesichtspunkt. 
Im Anschluß an die Phytagoräer führt er aus, die Gerechtigkeit 
im Tausche bestehe in einer Wiedervergeltung; das Gerechte 
im Tausche sei ein ävzmejiovdög und zwar ein Wiedervergelten 
xax ävaXoyiav xal /urj xax loöxiqxa, also nach geometrischer Pro- 
portion 2 ). 

Es gibt nun wohl kaum ein Kapitel in der Nikomachischen 
Ethik, das der Erklärung solche Schwierigkeiten böte, wie dieses 3 ). 
Dementsprechend finden sich bei den einzelnen Erklärern durchaus 
verschiedene Auffassungen. Wir haben hier die thomistischen 
Ansichten darzulegen und nicht in erster Linie den Sinn des 
Aristoteles festzustellen. Aristoteles und die verschiedenen Erklä- 
rungen, die von ihm gegeben werden, sind daher hier nur soweit 
zu berücksichtigen, als dies zum unmittelbaren Verständnis der 
Ansichten des Aquinaten erforderlich ist. 

Wir werden im Anschluß an den thomistischen Kommentar 4 ) 
der Reihe nach behandeln: i. Begriff und Form der Wiederver- 
vergeltung. 2. Verwirklichung der Wiedervergeltung vermittelst 
des Geldes. 3. Bedeutung des Bedürfnisses im Tausche; Bedürfnis 
und Geld als Masse der Güter. 

1. Begriff und Form der Wiedervergeltung. Der Be- 
griff der Wiedervergeltung erfordert eine aequalitas actionis et 
passionis; es gehört zum Wesen des contrapassum, »ut . . aliquis 
pateretur, secundum, quod fecerat« 5 ) oder, wie Thomas in der 
theologischen Summe ausführt: » . . hoc, quod dicitur contrapassum, 
importat aequalem recompensationem passionis ad actionem prae- 
cedentem« 6 ). 

Es ist somit vor allem festzustellen, was Thomas unter den 



a ) Vgl. unten S. 40 f. 

2 ) Nie. Eth. V, c. 8: »öoxeT de xioi xal xo dvziJiSTtov&dg eivai ouiXcüg dixatov, 
wojzeq 01 IIv&ayÖQeioi k'qpaoav.« Nachdem Aristoteles dann dargelegt, daß dies nicht 
in vollem Umfange zutreffe, weder bei der verteilenden noch bei der epanorthotischeD 
Gerechtigkeit, fährt er fort: »ixXX ev fiev zaig xoivcoviaig xaig akkaxxixalg ovvsx El T0 * ol °vxov 
dixaiov tÖ dvxtTisjtov&dg xax' avakoyiav xal fir] xax laöxrjxa.« 

3 ) Zudem ist die textliche Überlieferung des 5. Buches der nikom. Ethik sehr 
fehlerhaft. Vgl. Trendelenburg, histor. Beiträge zur Phil. III, 1867, S. 413. 

4 ) Com. in Ar. Eth. Nie. V, 1. VIII u. IX. 

5 ) C. in Ar. Eth. V, 1. VIII a. 

6 ) II, II q. 61, a. 4 c. 



- 38 - 

Begriffen actio und passio versteht. Am klarsten hat er sich 
darüber an einer Stelle ausgesprochen, wo er zugleich das Ver- 
hältnis der Wiedervergeltung zur justitia commutativa darlegt, 
und die für den ganzen hier vorliegenden Ideenkreis von entschei- 
dender Bedeutung ist. Es heißt dort 1 ): »Dicit 2 ) ergo, quod in 
communicationibus commutativis verum est, quod tale est justum, 
quod continet in se contrapassum , non quidem secundum aequali- 
tatem, sed secundum proportionalitatem. Videtur autem hoc esse 
contra id, quod supra dictum est, quod scilicet in commutativa 
justitia medium accipitur non quidem secundum geometricam pro- 
portionalitatem, quae consistit in aequalitate proportionis, sed secun- 
dum arithmeticam, quae consistit in aequalitate quantitatis. Dicen- 
dum est autem, quod circa justitiam commutativam semper quidem 
oportet esse aequalitatem rei ad rem, non tarnen actionis et passi- 
onis, quod importat contrapassum. Sed in hoc oportet adhiberi 
proportionalitatem ad hoc, quod fiat aequalitas rerum, eo 
quod actio unius artificis maior est quam actio alterius 
sicut aedificatio domus quam fabricatio cultelli, unde si 
aedificator commutaret actionem suam pro actione fabri- 
cationis, non esset aequalitas rei datae et acceptae: puta 
domus et cultelli.» 

Hiernach ist zunächst soviel klar: Der Begriff actio hat, wie 
sich oben bereits bei dem entsprechenden Ausdruck facere ergab 3 ), 
einen durchaus objektiven Inhalt. Das Maß der Leistung der 
Tauschkontrahenten wird durch den vorhergehenden Produktions- 
prozeß bestimmt: actio ist der allgemeine Begriff zu den speziellen 
aedificatio usw. Darüber hinaus besteht die actio im Tausche 
darin, daß die beiden Tauschkontrahenten ihre eigenen Sachen 
dem anderen übertragen und demgemäß die passio in der An- 
nahme des Übertragenen 4 ). Naturgemäß kann im Tausche von 
einem »Leiden«, einem pati nur in übertragenem Sinne gesprochen 
werden, wie Thomas bemerkt 6 ). 



*) C. in Ar. Eth. V, 1. VIII f. 

2 ) sc. Aristoteles. 

3 ) Vgl. oben S. 36. 

4 ) Vgl. hierzu auch II, II q. 59, a. 3, c. : »actio de sui ratione procedit ab 
agente; passio autem secundum propriam rationem est ab alio.« 

6 ) Ein Leiden im eigentlichen Sinne liegt zunächst bei Verletzung einer Person 
z. B. durch Schlagen vor; dann bei einem Bestohlenen im Falle eines Diebstahls 
»Tertio vero transfertur nomen contrapassi ad voluntarias commutationes, in quibus utrius- 
que est actio et passio; sed voluntarium diminuit de ratione passionis.« II, II q. 61, a. 4 c. 



— 39 — 

Ferner soll im Tausche Gleichheit von Leistung und Gegen- 
leistung herrschen. Darin besteht eben die Wiedervergeltung, 
darin besteht aber auch das Wesen der justitia commutativa, wie 
sich schon oben bei der Behandlung derselben ergab und wie 
Thomas überdies ausdrücklich hervorhebt. 

Um nun diese arithmetische Gleichheit von Leistung und 
Gegenleistung zu bestimmen, bedarf es einer geometrischen Pro- 
portion: Daß von den Tauschkontrahenten jeder ein Einheits- 
produkt seiner Tätigkeit übertragen würde, z. B. ein Baumeister 
ein Haus, und ein Schuster, der mit ersterem tauschen will, ein 
Paar Schuhe, würde der Gerechtigkeit nicht entsprechen: »nam 
plures expensas facit aedificator in una domo quam coriarius in 
uno calciamento« 1 ). Vielmehr muß zunächst der Unterschied, der 
zwischen den beiden Personen hinsichtlich ihrer Aufwendungen 
besteht, bestimmt werden; hierdurch ist dann auch das Wertver- 
hältnis ihrer Einheitsprodukte bestimmt: Bezeichnet man Bau- 
meister und Schuster mit A und B, ihre Produkte mit C und D, 
so muß folgende Proportion aufgestellt werden: 

A : B = C : D. 

Ist so das Wert Verhältnis zwischen dem Produkte des Bau- 
meisters und dem des Schusters gefunden, so ist damit zu gleicher 
Zeit bestimmt, wie viele Schuhe für ein Haus gegeben werden 
müssen, damit Wertgleichheit erzielt werde. Für den Tausch 
erscheinen also die Produkte in ihrem Wertverhältnis durch das 
Verhältnis der zur Produktion nötigen Aufwendungen bestimmt. 
In bezug hierauf wird Gleichheit von Leistung und Gegenleistung 
gefordert 2 ). So sagt Thomas in einem etwas anderen Zusammen- 
hange, aber in demselben Sinne: »Oportet igitur ad hoc, quod 
sit justa commutatio, ut tanta calciamenta dentur pro una 
domo vel pro cibo unius hominis — es wird hier von einem 
Tausche zwischen Baumeister, Schuster und Landmann ge- 
sprochen — , quantum aedificator vel agricola excedit coriarium 
in labore et in expensis« 3 ). 

In prinzipieller Kürze hat Thomas das Wesen der Wieder- 
vergeltung und ihr Verhältnis zur justitia commutativa in der 
theologischen Summe zusammengefaßt: 

»Similiter etiam nee in commutationibus voluntariis esset 
semper aequalis passio, si quis daret rem suam, aeeipiens rem 

1 ) C. in Ar. Eth. V, 1. VIII h. 

2 ) C. in Ar. Eth. Nie. V, 1. VIII h. cf. Ar. Nie. Eth. V, c. 8. 

3 ) 1. c. 1. IX b. Den Text des Aristoteles s. S. 41. 



— 4Q — 

alterius, quia forte res alterius est multo maior quam sua. Et ideo 
oportet secundum quandam proportionatam commensurationem 
adaequare passionem actioni in commutationibus« J ). 

Daß Thomas das Maß der actio bestimmt sein läßt durch 
das Maß der Kosten und der Arbeit, ergibt sich, wie oben dar- 
gelegt, aus den weitergehenden Ausführungen der Nikomachischen 
Ethik, wie Thomas sie in seinem Kommentar zu derselben inter- 
pretiert hat. 

Es entsteht nun zunächst die wichtige Frage, wie sich die 
hier entwickelten Gedanken zu denen des Aristoteles verhalten. 
An dieser Stelle nur soviel: 

Was die Auffassung angeht, die Thomas hinsichtlich des 
Verhältnisses zwischen der justitia commutativa und des contra- 
passum vertritt, so dürfte eine genauere Untersuchung darüber, 
ob Thomas die aristotelische Meinung damit richtig wiedergibt, 
weit über den Zweck vorliegender Arbeit hinausgehen. Bei den 
modernen Erklärern ist die Frage der aristotelischen Einteilung 
der Gerechtigkeit durchaus umstritten. Während z. B. Trendelen- 
burg 2 ) das öly.aiov ijiavog&cüuxöv nicht als eigentliches Gerechtig- 
keitsprinzip des Tausches gelten lassen will, vielmehr in ihr nur 
die Form der richterlichen Tätigkeit sieht, die eine vorausgegangene 
Vertragsverletzung ausgleichen soll, und als eigentliche Tauschge- 
rechtigkeit lediglich das ävxuiexov&os annimmt, verteidigt Wetz el 3 ) 
demgegenüber die Ansicht, die auch Thomas einnimmt. 

Ungleich wichtiger für den Nationalökonomen ist die andere 
Frage, die bei einem Vergleich zwischen Thomas und Aristoteles 
auf zuwerfen ist: findet sich die Auffassung der Tauschgerechtigkeit 
als einer Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten, die Thomas 
Aristoteles zuschreibt, tatsächlich bei letzterem. Soviel ist jeden- 
falls klar, daß Aristoteles diesen Gedanken nirgends formell aus- 
gesprochen hat. Andererseits finden wir bei ihm doch Spuren, 
die zu einer derartigen Deutung zu berechtigen scheinen. So 

*) II, II q. 61, a. 4 c. Zur Erklärung des Begriffes maior vgl. C. in Ar. Eth. 
V, 1. VIII, f. et h. 

2 ) Trendelenburg, Hist. Beitr. z. Phil. III, 1867, S. 399 ff.; vgl. auch Zell er 
Gesch. II, 2, 642 f., der gegen Trendelenburg polemisiert, selbst aber keine klare 
Stellung einnimmt, vielmehr das ävzuzEJiov&ög in der eigentlichen Darstellung der aristo- 
telischen Lehre ganz ausscheidet. 

3 ) "Wetzel, Die Lehre des Aristoteles von der distributiven Gerechtigkeit und 
die Scholastik. Anhang: Widerlegung der Ansicht Trendelenburgs über die aristo- 
telische Einteilung der Gerechtigkeit, S. 1 7 ff. 



— 4i — 

spricht er davon, daß im Tausche die beiden Kontrahenten ihre 
EQya x ) austauschen. Er schreibt der Beobachtung der Wiederver- 
geltung eine grundlegende Bedeutung für die nöhg zu, »tö> ävn- 
jzoieiv yaQ ävakoyov ov/u/uevei f\ nohg 2 )«. 

Ähnlich legt er die Bedeutung der Gerechtigkeit für die 
Handwerke (rexvai) dar 3 ). Zu einer xoivoovia, meint er ferner, ge- 
hörten zwei verschiedene Personen, z. B. ein Arzt und ein Landmann, 
zwei Ärzte hingegen könnten dieselbe nicht bilden 4 ). Vor allem 
aber scheint sich jene Berücksichtigung objektiver Faktoren an 
einer anderen Stelle zu finden, wo er die Proportion des Tausches 
darlegt: „dei toivvv ojzeq oixodö/uog Jigög oxvtotojuov, xooddi vnodrjfia- 
ra TiQog olxiav i) TQO<pi]v 5 ). 

Ramsauer 6 ) deutet in seinen Anmerkungen zur Nikomachi- 
schen Ethik wenigstens die Möglichkeit an, den Unterschied, der 
hier zwischen den tauschenden Personen angenommen wird, als 
einen Unterschied hinsichtlich der Herstellung ihrer Produkte auf- 
zufassen: »ut eodem jure dici potuerit öneg olxodo/uia ngög oxvxoxo- 
juiav«. Er lehnt freilich selbst diese Erklärung ab, und ohne hier 
ein endgültiges Urteil fällen zu wollen, scheint auch mir die thomi- 
stische Auffassung kaum richtig zu sein; jedenfalls leuchtet soviel 
ein, daß die thomistische Deutung wenigstens zu einem Teile ihren 
Grund im Texte des Aristoteles selbst hat, wobei freilich die Ein- 
wirkung anderer Faktoren auf die Entstehung derselben noch 
dahingestellt bleiben muß. Doch um dieser Frage näher treten 
zu können, müssen wir erst den ganzen Ideenkreis bei Thomas 
und Aristoteles überblicken. 



J ) Nie. Eth. V, 8. 

2 ) 1. c. 

3 ) 1. c. 

4 ) 1. c. 

5 ) 1. c. 

6 ) »In hominibus . . . artifieibus vel operariis nil quaeritur nisi ars eorum seu 
opera vel etiam id, quod illa arte operaque conficitur. Annon id tandem agitur, ut rerum 
summa diversitas xaxa to jtoiöv inventa ratione aestimandi eam, numeri vel copiae diffe- 
rentia (iw nöoio) exaequetur? Neque obloquitur Aristoteles.« Ramsauer lehnt freilich 
diese Auffassung ab. Er fährt nämlich fort: »Atqui rö /lietqeTv illud, unde omnis res 
pendet, ipse ubique ad res neque ad homines retulit. Quare cavendum est, ne in inter- 
pretanda eius sententia nimium nominibus: olxodö/uog, oxvxoxoßog, yswgyög . . . tribua- 
tur« (G. Ram sauer »Aristotelis Ethica Nicomachea.« Leipzig 1878, S. 319/20. 
Lasson in seiner Übersetzung, S. 247, gibt die freilich nicht übermäßig deutliche Er- 
klärung: »Das Wertverhältnis zwischen qualifizierten Arbeitskräften kehrt wieder im 
Preisverhältnis ihrer Erzeugnisse.« Im allgemeinen wird die Stelle jedoch im Sinne einer 
subjektiven Werttheorie erklärt, was weiter unten gezeigt werden wird. 



Wir fahren daher in der Darstellung fort und behandeln 
2. Die Verwirklichung der Wiedervergeltung vermittelst 

des Geldes. 

Über Entstehung und Wesen des Geldes hat sich Aristoteles 
in seiner Politik ziemlich ausführlich geäußert 1 ), und Thomas hat 
die aristotelischen Ideen in seinem Kommentar entwickelt 2 ): 

Der Tausch erfordert, sobald er allgemeiner geworden ist 
und insbesondere von größerer örtlicher Ausdehnung, einen Gegen- 
stand zur Vermittlung der Umsätze. Als solcher dienen die 
Metalle, wie Eisen, Silber und Gold, die in sich selbst Wert 
(utilitas) besitzen, insofern sie, wie Thomas hinzufügt, zu Gefäßen 
und ähnlichen Dingen verwandt werden können, und die ihres 
hohen spezifischen Wertes wegen sich zu dem besagten Zweck 
vorzüglich eignen 3 ). Die anfängliche Mühe des Abwägens ersparte 
dann ein Prägezeichen (character), das das Gewicht des Metalles 
beglaubigt. Damit aber diese Münze als allgemeines Tauschmittel 
gelten kann, ist Anerkennung von Seiten des Staates (des rex 
oder der communitas) nötig; wie entsprechend der Staat ihr auch 
diese Funktion wieder nehmen kann 4 ). 

Diese Funktion des Geldes als Tauschmittel wird nun in der 
nikomachischen Ethik eingehender besprochen. Im Tausche soll, 
das war das Ergebnis unserer früheren Darlegungen, eine Wieder- 
vergeltung von Arbeit und Kosten stattfinden. Damit diese ver- 
wirklicht werden kann — so geht der thomistische Gedanken- 
gang weiter — müssen alle Gegenstände, die getauscht werden 
sollen, irgendwie vergleichbar sein. Es muß festgestellt werden, 
welches Gut mehr wert ist als das andere: »Et ad hoc inventa est 
moneta, id est denarius, per quam mensurantur pretia talium rerum«. 
Das Geld mißt also gewissermaßen die Güter und bestimmt damit 
deren Preis 5 ). Ist dies geschehen, so findet der Austauch nach 



J ) Ar. Pol. I., 3 § 13 — 16. Vgl. hierzu Zmavc: Die Geldtheorie und ihre 
Stellung usw. Z. f. g. St., Bd. 58, S. 56 ff. 

2 ) C. in Ar. Pol. I, 1. VII, f— k. 

3 ) Inhaltlich hiermit übereinstimmend: Aegidius Colonna (Romanus), ein 
Schüler des Thomas v. A. (vgl. K. L. III, 667 ff.) in seiner für Philipp d. Schönen, 
dessen Erzieher er war, verfaßten Schrift: De regimine principum: 1. II, p. 3, c. 9. 

4 ) cf. Anm.2. 

5 ) C. i. Ar. Eth. V, 1. IX a.: »Dicit (sc. Arist.) primo, quod ad hoc, quod opera 
diversorum artificum adaequentur et sie commutari possint, oportet, quod omnia illa, quorum 
potest esse commutatio, sint aliqualiter adinvicem comparabilia, ut scilicet sciatur, quid 
eorum plus valeat et quid minus«. Es folgt dann obiges Zitat: »Et sie denarius fit 
quoddam medium, inquantum scilicet omnia mensurat et superabundantium scilicet et 



— 43 — 

Gleichheit statt, und zwar muß der Preis in der Weise festgesetzt 
werden, daß die Forderung der Gerechtigkeit, die Wiedervergel- 
tung, von Arbeit und Kosten verwirklicht wird 1 ). Das pretium 
muß ein justum pretium sein. 

3. Bedeutung des Bedürfnisses im Tausche: Bedürfnis 
und Geld als Maße der Güter. 

Nach dem bisher Gesagten läge nun der Gedanke nahe, das, 
was nach Thomas subjektiv in den Gütern gleichgesetzt werde, 
sei der objektive Aufwand an Arbeit und Kosten; darauf beruhe 
die Vermittlungsrolle des Geldes. Doch liegt das Wesen der Funk- 
tion des Geldes als eines Wertmessers in etwas ganz anderem. 
Die ratio praedictae commensurationis ist darin begründet, daß 
alle Güter durch ein bestimmtes Etwas gemessen werden 2 ). Dies 
ist aber das Bedürfnis: »Hoc autem unum, quod omnia mensurat, 
secundum rei veritatem est indigentia, quae continet omnia com- 
mutabilia, inquantum omnia referuntur ad humanam indigentiam. 
Non enim appretiantur secundum dignitatem naturae ipsorum; 
alioquin unus mus, quod est animal sensibile, maioris pretii esset, 
quam una margarita, quae est res inanimata, sed rebus pretia impo- 
nuntur, secundum quod homines indigent eis ad suum usum« 3 ). 

Scharf wird hier die Bedeutung des Bedürfnisses im Tausche 
hervorgehoben. Sie liegt nach Thomas zunächst darin, daß ohne 
Vorhandensein eines Bedürfnisses zum Tausche bei den beiden 
Kontrahenten ein Tausch überhaupt nicht zustande kommen könnte; 
z. B. ein Besitzer von Getreide und ein Besitzer von Wein werden 
nur dann zum Tausche kommen, wenn sie wechselseitig ihrer Pro- 
dukte bedürfen. 

Aber hierüber hinaus übt das Bedürfnis auch als Maß einen 
bestimmenden Einfluß auf die Umsätze aus: Der Preis wird be- 
stimmt nach dem Maße des Bedürfens: Die Güter werden nicht 
gleichgesetzt nach ihrer Rangordnung in der Natur, sondern nach 
ihrer Beziehung zum menschlichen Bedürfnis. — Man sieht, der 
Gedanke, daß die tatsächliche Gleichsetzung der Güter etwa 
nach dem Aufwand von Arbeit und Kosten erfolgen könne, liegt 
hier völlig fern. So kann Thomas einen Beweis für die darge- 
legte Bedeutung des Bedürfnisses in der Natur des Geldes finden : 

defectum, inquantum una res superexcedit aliam, sicut supra dictum est, quod medium 
justitiae est, quasi dicat, quae mensurat superabundantiam et defectum.« cf. S. 36, Anm. 2. 

*) 1. c. !. IX b. cf. S. 39, Anm. 3. 

2 ) 1. c. c. 

s ) 1. c. Die Stelle geht auf Augustinus zurück. Vgl. oben S. 10. 



— 44 — 

Das Geld ist das Maß der Güter nicht von Natur, sondern kraft 
menschlicher Satzung. Kraft menschlicher Übereinkunft dient es 
dem Austausch der Gegenstände des Bedürfnisses: »Est enim 
condictum inter homines, quod afferenti denarium detur id, quo 
indiget« 1 ). Das Geld ist seinem Wesen nach Vertretungsgut für 
die Bedürfnisgegenstände. So sagt Thomas einige Abschnitte 
später: »Oportet enim esse istam virtutem denarii, ut quando ali- 
quis ipsum affert, statim contingat accipere illud, quo homo indi- 
get« 2 ). Aus dieser Natur des Geldes, die für Thomas feststeht, folgert 
er, daß der Preis bestimmt werde nach dem Maße des Bedürfens. 

Wenn z. B. ein Besitzer von Wein und ein Besitzer von Ge- 
treide einander gegenübertreten, so hat ersterer vielleicht an Wein 
Überfluß, bedarf aber nicht des Getreides, sondern vielleicht eines 
ganz anderen Gutes, während letzterer den Wein nötig hat. Oder 
der Weinbesitzer bedarf für den Augenblick des Getreides nicht, 
voraussichtlich aber in Zukunft. In Zeiten des Naturaltausches 
käme es in allen diesen Fällen überhaupt nicht zum Tausche. 
Anders im Zustande der Geldwirtschaft, wo das Geld als Unter- 
pfand des Bedürfnisses auftritt, als ein fidejussor futurae necessitatis 3 ). 

Das Geld hat also für die Zirkulation der Güter eine außer- 
ordentliche Bedeutung. Aber diese Bedeutung ist ihm verliehen 
durch menschliche Satzung. Sie kann ihm daher auch wieder ge- 
nommen werden; es würde damit seinen eigentlichen Nutzen ver- 
lieren. Die Funktion des Geldes wird ferner erschwert durch die 
Veränderlichkeit des Geldwertes. Freilich ist letztere geringer als 
die Wertänderung anderer Güter; wenigstens muß das Geld so 
eingerichtet werden, daß sein Wert möglichst stabil bleibt 4 ). 

Der tatsächliche Vorgang des Tausches ist also der, daß die 
Güter gemessen werden durch das Bedürfnis. Hierauf ruht gemäß 
menschlicher Übereinkunft die Funktion des Geldes. Aber indem 
die Güter in dieser Weise ausgetauscht werden, muß nach Thomas 
die alte Forderung der Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten 
erfüllt werden. Der Wertunterschied, der zwischen Schuster und 
Landmann besteht, muß im Austauschverhältnis ihrer Produkte 
wiederkehren. Vollzöge sich der Tausch nicht in dieser Weise, so 
würde einer der beiden Tauschkontrahenten mehr gearbeitet haben, 
als der andere und würde so einen größeren Verlust erleiden: 

1 ) 1. c. 

2 ) 1. c. g. 

3 ) 1. c. 

«) 1. e. 



»puta, si agricola daret modium tritici pro calciamento, haberet 
superabundantiam laboris in opere et haberet superabundantiam 
etiam damni, scilicet plus vellet dare, quam accipere« x ). 

Soweit legt Thomas die Bedeutung des Bedürfnisses und die 
Funktion des Geldes im Tausche dar. Auch diese Ausführungen 
sollen ohne Zweifel nur eine durchaus sinngemäße Wiedergabe der 
aristotelischen Gedanken sein. 

Doch die zunächst auffallende Verbindung der objektiven 
und subjektiven Momente, insbesondere die Bedeutung der Wieder- 
vergeltung von Arbeit und Kosten treten uns bei Thomas nicht 
in voller Klarheit entgegen. Es bleibt hier manches dunkel und 
zweifelhaft. Wir werden daher zunächst die Ausgestaltung des- 
selben Ideenkreises bei einem anderen mittelalterlichen Denker, 
bei Albertus Magnus untersuchen, um uns später wieder Thomas 
zuzuwenden. 

§ 3. Der Tausch nach Albertus Magnus. 

Thomas von Aquin hat seinen Kommentar zur Ethik jeden- 
falls unter Berücksichtigung des Kommentars des Albertus ver- 
faßt 2 ). Eine Gegenüberstellung der Ansichten beider dürfte des- 
halb unumgänglich sein, um so mehr als im Kommentar des 
Albertus, der eine ausführliche Paraphrase des aristotelischen 
Textes, untermischt mit eigenen Anschauungen, bietet, manche Ge- 
danken schärfer und ausführlicher entwickelt sind, als im Kom- 
mentar des Aquinaten, wo jeder Gedanke des Aristoteles für sich 
betrachtet und dargestellt wird und Thomas seine persönlichen 
Ansichten völlig zurücktreten läßt. 

Wir versuchen gleich die Ansichten des Albertus in syste- 
matischer Zusammenfassung wieder zu geben. 

Das menschliche Gemeinschaftsleben beruht auf der Arbeits- 
teilung. Nur durch sie kann für alle eine Befriedigung ihrer Be- 



x ) 1. c. d. 

2 ) Der thomistische Kommentar ist aber nicht nur eine Jugendarbeit, die nur eine 
Nachschrift der Vorlesungen des Albertus enthielte, sondern ein durchaus selbständiges 
Werk aus Thomas' späterer Lebenszeit, wie Kuhlmann a. a. O. S. 95 f. gegenüber 
Maurenbrecher a. a. O. S. 24 nachweist. Ein Hinweis auf Albertus Magnus bei Brants, 
a. a. O. S. 194 f. Erörterungen über das Wesen des Wertes finden sich in der Scho- 
lastik vor Albertus Magnus und Thomas v. Aquin so gut wie gar nicht. Nur 
Alexander Halensis ("j" 1245) unterscheidet in seiner Summe zwischen »res, cuius valor 
totas est ex artificio« z. B. Binsenmatten; »res, cuius valor est ex materia et artificio« 
z. B. Holzschränke; und »res, cuius valor totus est ex se ipsa.« (1. c. III, q. 5°> 
m. 2), was immerhin schon von einer Beschäftigung mit dem Wertproblem zeugt. 



- 4 6 - 

dürfnisse erreicht werden, die den einzelnen, wenn sie nur für 
sich arbeiten wollten, nicht möglich ist 1 ). Die einzelnen Glieder 
der Gemeinschaft müssen also ihrer Tätigkeit nach verschieden 
sein, in gegenseitiger Ergänzung aber für einander arbeiten: sie 
müssen ihre verschiedenen Arbeitsleistungen austauschen 2 ). Ohne 
diesen Tausch der Arbeitsleistungen ist ein Gemeinschaftsleben 
unmöglich; vielmehr: Commutatione . . existente semper manet 
communicatio 3 ). 

Bei einer solchen commutatio communicativa wird im Wege 
einer freiwilligen Übereinkunft die Sache des einen gegen die des 
anderen getauscht (»per contractum voluntarium res unius pro re 
alterius commutatur« 4 ); es findet ein Eigentumswechsel statt: 
»quod unius est, aliquo modo transit ad potestatem alterius« 5 ). 

Form und Bedingung dieses Tausches sind näher zu unter- 
suchen. 

Allgemein gesprochen soll im Tausche Gerechtigkeit herrschen 
und zwar sowohl im Sinne der justitia commutativa wie des justum 
contrapassum. 

Die justitia commutativa besteht in der Mitte zwischen Ge- 
winn und Verlust: eine Mitte, die bestimmt wird durch das Prinzip 
der Wertgleichheit 6 ). Der Ausgleich vollzieht sich nach arith- 
metischer Proportion, deren Wesen schon bei Thomas dargelegt 
ist 7 ). Die Wertgleichheit besteht aber dann, wenn sowohl auf 
Seiten des Käufers wie des Verkäufers Gleichheit der labores 
et expensae hergestellt wird. Der Käufer, der agens in con- 
tractu emptionis et venditionis, muß mit dem Gegenstande, mit 
dem er bezahlt, so viel an Arbeit und Kosten übertragen, daß 
der Verkäufer, der patiens, seine Aufwendungen vergütet erhält. 
Wäre das nicht der Fall, so würde der Verkäufer zusetzen und 
bald sein Gewerbe aufgeben, das damit dem Untergang entgegen- 
ginge 8 ). Die Gerechtigkeit bildet so das Fundament für das Be- 



*) Eth. Hb. V, tract. II, c. 9 (31). 

2 ) 1. c. 

3 ) 1. c. c. 10 (36). Ebenda: . . . »commutatione operum non existente communi- 
catio civium non erit.« 

4 ) 1. c, c. 9 (31). 

5) 1. c, cap. 3 (18). 
8 ) 1. c. c. 6 f. (25 ff.). 

7 ) cf. 1. c, c. 5 ff . S. oben S. 34 f. 

8 ) »Talis autem coniectatio medii (sc. nach arithm. Proportion!) in commutatione 
artium mechanicarum est. Artes enim illae destruerentur utique, nisi faciens, qui per 
modum agentis se habet in contractu emptionis et venditionis, tantum et tale faceret, 



— 47 — 

stehen jeden Gewerbes. Letzteres selbst erfordert seiner wirtschaft- 
lichen Natur nach einen »gerechten« Tausch. 

Der Begriff des Gerechten als einer Wiedervergeltung scheint 
zunächt völlig dasselbe zu fordern. Jeder der Tauschkontrahenten 
fordert, »ut tantum et tale recipiat secundum quantitatem et mo- 
dum, quantum et quäle fecit alteri« 1 ), also im allgemeinen einen 
Tausch nach Wertgleichheit. Doch ist der Begriff des contra- 
passum zunächst etwas umfassender. Bei behördlicher Festsetzung 
des Preises z. B. wird nicht nach Wertgleichheit vergolten, sondern 
gemäß dem Gesetze, »ad judicatum«; oder bei Privatverträgen, 
die nicht auf Wertgleichheit, aber ohne betrügerische Absicht ge- 
schlossen werden, gemäß der Vereinbarung, »ad pactum« 2 ). 

Aber die beiden genannten Fälle sind doch mehr als Aus- 
nahmen zu betrachten. Im allgemeinen erfordert auch die Wieder- 
vergeltung, einen Tausch nach Wertgleichheit »ad rei paritatem« 3 ). 

Sodann aber gibt, was ungleich bedeutsamer ist, die Auf- 
fassung der Gerechtigkeit im Tausche als eines contrapssum, Ver- 
anlassung und Möglichkeit, Wesen und Bedingungen des Tausch- 
prozesses selbst schärfer zu bestimmen. 

Im Tausche soll also Gleiches mit Gleichem vergolten werden. 
Aber diese Wiedervergeltung soll nicht etwa in der Weise statt- 
finden, daß dem Verkäufer einer Sache die gleiche Sache zurück- 
gegeben würde; sie vollzieht sich nicht secundum aequalitatem 
rei 4 ). Wenn ein Schuster z. B. seine Schuhe tauscht, so will er 
nicht etwa dieselbe Zahl Schuhe dafür wieder erhalten. In diesem 
Falle wäre der Tausch sinnlos. Vielmehr treten sich im Tausche 
Produzenten gegenüber, deren Produkte völlig verschieden sind 5 ). 

quantum et quäle patiens passus est, hoc est vendens, qui per modum patientis se habet 
in artificiati, quod operatus est laboribus et expensis, commutatione. Si enim lectorum 
factor pro lecto non tantum et tale accipiat, quantum et quäle posuit in expensis, lec- 
tum de caetero non faciet: et sie destruetur ars, quae lectorum factrix est. Similiter 
autem est in aliis artibus.« 1. c. c. J (28). 
!) 1. c, c. 8 (31). 

2 ) L c, c. 9 (31). 

3 ) 1. c. 

4 ) 1. c, c. 9 (31) »non per aequalitatem rerum commutatarum . . .!« Man vgl. 
hierzu Karl Marx, Kapital I (3), S. 8: »Wie Rock und Leinwand qualitativ ver- 
schiedene Gebrauchswerte und so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ ver- 
schieden — Schneiderei und "Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedene 
Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedener nützlicher Arbeiten, so 
könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht 
aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.« 

6 ) 1. c. 



— 4 8 - 



Das liegt ja, wie wir oben sahen, im Wesen des Tausches, der 
die durch die Arbeitsteilung getrennten Wirtschaften wieder zu- 
sammenführen soll 1 ). Ganz verschiedene Dinge müssen also ein- 
ander gleich gesetzt werden. Der Wiedervergeltung liegt also 
eine Proportion zugrunde; sie fordert eine aequalitas proportionis 2 ). 

Da die Darstellung derselben bei Albertus in mancher Hin- 
sicht geeignet ist, das über Thomas Gesagte zu verdeutlichen, 
wollen wir sie, selbst auf die Gefahr einiges dort bereits Erörterte 
zu wiederholen, etwas ausführlicher wiederzugeben versuchen. 

Albertus legt den Vorgang des Tausches in folgender Weise 
dar: Ein Baumeister und ein Schuster wollen ihre Produkte 
tauschen. Dann läßt sich ihr Tausch in der Figur eines Quadrates 
darstellen. Der Baumeister sei A, der Schuster B, das Haus, 
dessen der Schuster bedarf, C, und eine dem Werte des Hauses 
entsprechende Zahl Schuhe D. Demgemäß sei ein Quadrat ge- 
zeichnet A B C D. 



(Baumeister) A 



(Haus) C 




B (Schuster) 



D (Schuhe) 



In diesem bedeutet die Linie AB die beiden Tauschkontra- 
henten, die zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse aufeinander an- 
gewiesen sind. Das Haus C ist die Arbeit des Baumeisters A 
und hängt insofern von ihm ab, was A C darstellt. Entsprechendes 
versinnbildet die Linie B C. Die gegenseitige Austauschbarkeit 
von C und D wird durch C D angedeutet. 

Dann findet die Wiedervergeltung nicht gemäß den Seiten 
des Quadrates statt: A gibt nicht C hin und bekommt C wieder 
und B erhält entsprechend nicht D zurück. Der Tausch vollzieht 
sich vielmehr nach den Diagonalen des Quadrates: A bekommt D 
für die Hingabe von C, B demgemäß (für D) C. Der Tausch 
wird also durch die beiden sich kreuzenden Diagonalen AD und 
BC dargestellt. Wir haben es also mit vier Größen zu tun, die so 
gruppiert w T erden müssen, daß das Verhältnis von A und D gleich 
dem von B und C wird 3 ). Diese proportionale Gleichheit besteht 

x ) S. oben S. 45 f. 

2 ) 1. c. 

3 ) Der Begriff der Wiedervergeltung nach Proportion ist bei Thomas schärfer 
entwickelt. Nach Albertus besteht die Proportion eigentlich nur darin, daß die vier 
Größen im Tausche angeordnet werden, wie die Glieder einer geometrischen Proportion. 
Daß ihr "Wertverhältnis selbst durch die Proportion bestimmt wird, ist nicht klar ersichtlich. 



— 49 — 

aber in der Gleichheit von Arbeit und Kosten, die unter Zugrunde- 
legung obiger Proportion gleichgemacht werden müssen. »Secun- 
dum hanc igitur descriptionem aedificatorem a coriario oportet 
accipere opus eius et vice versa aedificatorem retribuere coriario, 
quod secundum contrapassum iustum est ipsius coriarii : quia aliter 
in laboribus et expensis non respondebit.« Die Beachtung der 
Wertgleichheit im Sinne der dargelegten Proportion bildet das 
Fundament des Tausches und damit des Gemeinschaftslebens über- 
haupt, wie Albertus an derselben Stelle ausführt 1 ). 

Das aber, was den Tausch überhaupt erst ermöglicht, was 
die dargelegte Proportion erst zustande bringt, ist das Bedürfnis 
der beiden Tauschkontrahenten nach den gegenseitigen Gütern. 
Würde der Baumeister nicht der Schuhe bedürfen, und der Schuster 
nicht des Hauses, so wäre an einen Tausch nicht zu denken 2 ). 
Das Bedürfnis erscheint so zunächst als die »causa commutationis« 3 ). 
In der gegenseitigen Befriedigung ihrer Bedürfnisse sehen die 
Tauschkontrahenten Ende und Zweck des Tausches: »In utroque . . 
ex utroque suppleta est indigentia: et hoc vocatur figura propor- 
tionalitatis« 4 ) ; das ist Ende und Form des Tausches. 

Aber weiter: das Bedürfnis ist den Kontrahenten nicht nur 
die causa ihres Tausches. Sie nehmen jedes auszutauschende Gut 
nicht als solches, dem Grade seiner Wesenheit nach betrachtet — 
ein Gedanke, der bei Thomas klarer entwickelt ist, weshalb wir 
auf die dortigen Darlegungen verweisen — , sondern nach seiner 
Beziehung zum menschlichen Bedürfnis, »secundum relationem ad 
usum, hoc est, secundum quod valet in usu supplere indigentiam« 5 ). 
Sie messen 6 ) die Güter auch nach dem Maße ihres Bedürfens; 
das Bedürfnis erscheint im Tausche als die wahre mensura commu- 
tabilium. Wenn ein Tausch zustande kommt, so ist auf beiden 
Seiten ein gleich starkes Bedürfnis vorhanden. Ohne diese Gleich- 
heit wäre ein Tausch undenkbar. Wenn z. B. von zwei Tausch- 



x ) 1. c. »non salvatur aequalitas proportionis, qua non salvata, civitas non com- 
manet: quia non retribuitur in laboribus et expensis.« 

2 ) 1. c. c. io (34). 

3 ) 1. c. c. 9 (31). 

4 ) 1. c. c. 10 (33). 

5 ) 1. c. 

6 ) 1. c. (32): »Proportionata autem non erunt, nisi aliquo uno mensurentur quem- 
admodum prius dictum est, quia in se proportionalia non sunt. Oportet ergo uno aliquo 
omnia commensurari commutabilia (33). Hoc autem unum quidem secundum veri- 
tatem in omnibus acceptum est, quod dicimus opus sive indigentiam. Hoc autem quidam vo- 
cant usum vel utilitatem: hoc enim opus continet omnia, ut permaneant et sint in civitate.« 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft I. 4 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 5 o — 

kontrahenten der eine den Gegenstand des andern unbedingt nötig 
hätte, der andere aber des Produktes des ersteren weniger bedürfte, 
so würden sie ihre Sachen nicht tauschen oder wenigstens nicht 
nach Wertgleichheit tauschen: »vel non esset eadem, de qua diximus, 
(sc. commutatio) quod res in rem commutatur secundum valorem« 1 ), 
was wohl in folgender Weise zu verstehen ist: Ein Haus sei 
hinsichtlich der Beschaffungskosten 5 Betten gleichwertig. Dann 
wäre zu einem gerechten Tausche erforderlich, dass das Bedürfnis 
des Bettfabrikanten nach dem Hause und das des Baumeisters 
nach 5 Betten gleich stark wären. Sonst käme es nicht zum Tausche. 

Läge z. B. der Fall so, daß der Baumeister 6 Betten für 
sein Haus begehrte, so würde entweder der Bettfabrikant auf das 
Haus verzichten oder, wenn er desselben dringend bedürfte, den 
verlangten Preis zahlen, aber von Wertgleichheit könnte dann 
keine Rede sein. Allerdings würde in diesem Falle der Tausch 
zustande kommen, aber auf die Dauer wäre ein solcher Zustand, wo 
der Bettfabrikant seine Aufwendungen nicht vergütet erhielte, son- 
dern zusetzen müßte, undenkbar, wie schon dargelegt wurde a ). 

Damit ist die Stellung des Bedürfnisses gekennzeichnet. Die 
indigentia humana — opus, usus, utilitas 3 ) sind die sonstigen Be- 
zeichnungen, die Albertus noch kennt — ist das Bindemittel der 
menschlichen Gemeinschaft und des Tausches, den es veranlaßt 
und regelt, den es aber so bestimmen muß, daß gemäß der For- 
derung der Gerechtigkeit Arbeit und Kosten in gleichem Maße 
wiedervergolten werden und damit das Fundament der Arbeits- 
teilung gewahrt bleibt. 

Diesem Doppelcharakter des Tausches entsprechend bezeichnet 
der Begriff valor bei Albertus ganz verschiedene Dinge. Abge- 
sehen davon, daß Albertus schon in der Bedeutung eines Gutes 
für das menschliche Bedürfnis ohne Rücksicht auf den Tausch ein 
valere sieht 4 ), besitzt auch der Begriff valor im Sinne unseres 
Tauschwertes einen ganz verschiedenen Inhalt; einmal erscheint 
letzterer bestimmt durch das objektive Moment der Kosten 6 ), bald 
aber auch durch das subjektive Moment des Bedürfens. Auch der 



a ) 1. c. (33) 

2) Vgl. S. 46. 

3 ) Vgl. Anm. 6 d. vor. S. 

4 ) Vgl. das Zitat auf d. vor. Seite. 

5 ) Eth. 1. V, tr. II, c. IX (31). In talibus (scilicet artificibus) nihil prohibet 
opus unius melius esse in valore quam opus alterius et magnam habere differentiam 
secundum labores et expensam. 



— 5i — 

Gebrauchswert ist ja für den Tausch von außerordentlicher Be- 
deutung; findet doch im Tausche eine comparatio der Güter »ad 
valorem secundum usum indigentiae« x ) statt. 

Durch die Einführung des Geldes werden Form und Be- 
dingungen des Tausches nicht wesentlich geändert. Das Geld 
selbst hat Wert, der, wenn auch weniger als der der übrigen 
Dinge, schwankt 2 ). 

Das Geld hat im Tausche die Funktionen eines Wertmessers 3 ), 
allgemeinen Tauschmittels und Wertaufbewahrungsmittels 4 ), Funk- 
tionen, die ihm freilich nicht von Natur zukommen, sondern durch 
menschliche Satzung festgelegt sind 5 ). 

Auch dem Tausche, der sich vermittelst des Geldes vollzieht, 
liegt die oben dargelegte Proportion zugrunde 6 ). Zwar tauschen 
die Kontrahenten ihre Produkte nicht mehr aus, indem sie un- 
mittelbar ihre Bedürfnisse nach denselben wechselseitig befriedigen. 
Schuster und Landmann tauschen nicht mehr Schuhe gegen Ge- 
treide. Beide verkaufen ihre Waren gegen Geld: im Hinblick auf 
einen einzelnen bestimmten Landmann und Schuster kommt der 
proportionale Tausch der Produkte vielleicht gar nicht zustande. 
Aber doch ruht die Proportion, wenn man die Gemeinschaft als 
Ganzes betrachtet, innerhalb derselben in dem Gesamtkreis ihrer 
Bedürfnisbefriedigung, so daß der proportionale Tausch im Hin- 
blick darauf zustande kommt, »secundum urbanitatis indigentiam«. 
Auch hier muß dann wieder die Forderung der Gerechtigkeit, die 
Gleichheit von Arbeit und Kosten verlangt, erfüllt werden 7 ). 

*) 1. c. i. f. Vgl. den Anfang des folgenden Kapitels, wo derselbe Gedanke 
wiederholt wird. 

2) 1. c, c. X (35). 

3) 1. c, c. X (32). 

4 ) 1- c. (35). 

5 ) 1. c. (37): »Unura ergo aliquid erit mensurans omnia (sc. numisma) relata ad 
umim (sc. indigentiam): et cum non possit unum ex natura, oportet, quod sit unum 
ex suppositione et legis institutione.« An anderer Stelle (33) wird das Geld mit der 
Elle, dem Scheffel usw. verglichen, die ihre Eigenschaft als Maße ebenfalls menschlicher 
Einrichtung verdanken. 

6 ) 1. c. (33): »Sicut scilicet agricola ad cibum, sie coriarius ad calceamentum 
secundum urbanitatis indigentiam et sicut agricola ad coriarium, sie eibus ad calceamen- 
tum secundum eundem indigentiae modum. Et sicut agricola cum eibo ad communi- 
cationem se habet, sie coriarius cum calceamento: utrumque enim est secundum commu- 
tationem indigentiae sive operis, quod opus vel utilitas vocatur. Et secundum diametros 
sicut agricola cum calceamento, sie coriarius cum eibo; in utroque enim ex utroque 
suppleta est indigentia et hoc vocatur figura proportionalitatis.« Der etwas unklare 
Begriff urbanitatis indigentia ist vielleicht in der oben dargelegten Weise zu erklären. 
Möglicherweise ist aber auch an den Marktpreis gedacht. 

7 ) cf. 1. c. (32). Es wird hier zunächst von der Gleichsetzung von Schuhen mit 
einem Hause bzw. Getreide vermittelst des Geldes gesprochen Albertus führt 

4« 



— 52 — 

Ein näherer Vergleich der Ansichten des Albertus Magnus 
mit den von Thomas vertretenen würde im einzelnen manche Ver- 
schiedenheiten der Auffassung ergeben. Was aber die Werttheorie, 
speziell die eigentümliche Verbindung des objektiven und subjek- 
tiven Momentes, worauf es hier allein ankommt, betrifft, so stimmen 
hierin die beiden Denker völlig überein. 

Mir scheint sich daher als Ergebnis unserer etwas weitläufigen 
Untersuchung folgendes herauszustellen: 

i . Das unmittelbare Maß der Güter ist das für alle gleiche Be- 
dürfnis. Nach Gleichheit der Bedürfnisse zweier Tauschkontrahenten 
erfolgt im Tausche die tatsächliche Gleichsetzung, muß sie erfolgen, 
wenn Gerechtigkeit herrschen soll. 

2. Aber dieses subjektive Moment des Bedürfens ist kein 
willkürliches, ist nicht in das Belieben der Tauschenden gestellt. 
Der Tausch findet innerhalb einer Gemeinschaft statt, die auf Ar- 
beitsteilung gegründet ist. Er muß sich daher so vollziehen, daß 
dieses Fundament der Arbeitsteilung bestehen bleiben kann, und 
damit eine Fortdauer der Gemeinschaft überhaupt ermöglicht wird. 
D. h. jeder, der für die Gemeinschaft produziert, muß seine Auf- 
wendungen an Arbeit und Kosten vergütet erhalten. So wäre es 
z. B.. einfach undenkbar, daß ein Schuster mit der Herstellung von 
Schuhen fortführe, wenn er dabei zusetzen müßte. Die Wieder- 
vergeltung von Arbeit und Kosten erscheint als das notwendige 
Korrelat der Arbeitsteilung; besonders bei Albertus kommt dies 
zum Ausdruck. Die Idee des objektiven Wertes, der das gesell- 
schaftliche Substrat des subjektiven bildet, ist erwachsen aus einer 
tief sozialen Auffassung des Gemeinschaftslebens: Die Bürger sollen 
in gleichem Maße für einander arbeiten und damit eine Ergänzung 
ihrer eigenen verschiedenartigen und in sich unzureichenden Tätig- 
keiten, d. h. eben ein Gemeinschaftsleben ermöglichen. Ihr tieferer 
Sinn ist kein anderer als der: »multitudo artificum sibi invicem sub- 
serviens commanere facit civitatem« 1 ). Weiter: Die Preise der 
Waren müssen so bestimmt werden, daß der Produzent außer 
den Kosten, die er für Herstellung der Waren aufgewandt hat, 
noch seine Arbeit vergütet erhält. Nun weist allerdings Thomas 
an der Stelle, wo er das Prinzip der Wiedervergeltung von Arbeit 

dann fort: »In tali autem proportione oportet, quod sicut aedificator se habet ad cori- 
arium in laboribus et expensis sui operis secundum excessum, tot et tanta calceamenta 
per additionem numismatis commutentur ad domum vel cibum habendum: ad domum 
quidem, si comparatur ad aedificatorem, ad cibum, si comparatur ad agricolam.« 
a ) Alb. Mag. 1. c. 9 (31). 



— 53 — 

und Kosten entwickelt, nicht ausdrücklich darauf hin, aber wir 
können doch aus seinen allgemeinen wirtschaftlichen Anschauungen 
darauf schließen, daß er unter der Vergütung der Arbeit nichts 
anderes als den standesgemäßen Unterhalt begreift. Denn wie 
in der Einleitung gezeigt wurde, ist darauf der Umfang des Be- 
sitzes sowie das Maß wirtschaftlichen Strebens beschränkt. In 
dem thomistischen Wertgesetze kommt also nichts anderes zum 
Ausdruck, als daß jeder, der an der Produktion beteiligt ist, seinen 
standesgemäßen Lebensunterhalt gewinnen soll. In dem gleichen 
Anrechte hierauf besteht der »abstrakt gesellschaftliche« Charakter 
der qualitativ verschiedenen Arbeiten. 

§ 4. Die nähere Ausgestaltung des Prinzips der "Wertgleichheit. 

Die bisherigen Erörterungen haben über die Grundsätze des 
Tausch verkehrs im allgemeinen Klarheit gebracht. Es handelt sich jetzt 
darum, das dort Gesagte tiefer zu begründen und weiter auszubauen. 

Als Wertmaß trat uns oben die Beziehung der Güter zum 
menschlichen Bedürfnis entgegen. Diese Anschauung hängt mit 
dem Grundcharakter der thomistischen Philosophie zusammen. 

Wie alles, was tätig ist, durch bestimmte Zwecke zu seinem 
Streben veranlaßt wird 1 ), so geht auch der Mensch in seinem wirt- 
schaftlichen Handeln bestimmten Zwecken nach. Und insofern 
materielle Dinge den Gegenstand menschlichen Strebens ausmachen, 
insofern sind die Güter, bona im eigentlichen Sinne. Denn wie 
Thomas im Anschluß an Aristoteles sagt: »Bonum est, quod omnia 
appetunt« 2 ). Ein Gut bringt die Stillung eines Strebens, eine 
»terminatio appetitus« mit sich 3 ). 

Der Grund aber für das Streben des Menschen nach materi- 
ellen Gütern liegt darin, daß sie, worauf das Wesen des »bonum« 
überhaupt beruht 4 ), der menschlichen Natur angemessen sind, und 
menschlicher Vervollkommnung dienen. Und zwar dienen die wirt- 
schaftlichen Güter zur Hebung gewisser Mängel, die von Natur 
im Menschen vorhanden sind 5 ), vor allem zur Erhaltung des körper- 

*) S. c. g. III., 2. »Oportet igitur, quod omne agens in agendo intendat finem.« 

2 ) I, 5 a. 1. c. ; »Ratio enim boni in hoc consistit, quod sit aliquid appetibile. 
Unde Philosophus dicit, quod: »bonum est, quod omnia appetunt.« (Eth I, c. I.)« 

8 ) I, 5. a. 6. c: »bonum est aliquid, inquantum est appetibile et terminus 
motus appetitus.« Vgl. Stökl: Gesch. d. Philosophie des Mittelalters. II. 655 ff. 

4 ) S. c. g. III., 3. »Id autem, ad quod agens determinate tendit, oportet esse 
conveniens ei, non enim tenderet in ipsum nisi propter aliquam convenientiam ad ipsum. 
Quod autem conveniens est alicui, est illi bonum.« De verit, q. 21., a. 2. »Ratio boni 
in hoc consistit, quod aliquid sit in profectionem alterius per modum finis.« 

B ) I. II., q. 2. a. 1. c. Vgl. S. c. g. III, 134. 



— 54 — 

liehen Lebens 1 ) und, wie dieses wieder die Grundlage für das höhere 
geistige und sittliche Leben des Menschen bildet 2 ), so stellt der 
Besitz sachlicher Güter für den Menschen eine unbedingte Not- 
wendigkeit dar hinsichtlich seiner ganzen Betätigung für die Auf- 
rechterhaltung des menschlichen Lebens überhaupt, insofern dieses 
eben äußerer Dinge bedarf 3 ). Und somit liegt die eigentliche Be- 
deutung der wirtschaftlichen Güter darin, daß sie den Menschen 
durch Stillung seiner Bedürfnisse Vorteil und Nutzen gewähren 4 ). 
Diese Bedürfnisse können wichtiger und weniger wichtig sein: 
Thomas unterscheidet unbedingt notwendige und weniger not- 
wendige, Existenz- und standesgemäße Bedürfnisse 5 ). 

Der Mensch erstrebt also die wirtschaftlichen Güter nicht 
um ihrer selbst willen; sie sind der körperlichen Gesundheit, vor 
allem aber dem geistigen und sittlichen Handeln untergeordnet 6 ). 
Sie gehören nicht zur Art des bonum honestum, sind nicht die 
endlichen Gegenstände menschlichen Strebens; sie gehören auch 
nicht zur Art des bonum delectabile, d. h. sie bilden nicht die 
Gegenstände, in denen der Mensch schließlich ruht und sich er- 
götzt, sondern sie sind bona utilia, sie werden als Mittel zu dem 
dargelegten anderen Zwecke erstrebt 7 ). 

In der Bedürfnisbefriedigung liegt also der eigentliche Wert 
der Güter. Bona in diesem Sinne sind zunächst solche Dinge, die 
dem angegebenen Zwecke unmittelbar dienen, mögen sie beim 
einzelnen Befriedigungsakte ihrer Substanz nach ganz verbraucht, 
oder nur abgenutzt, gebraucht werden 8 ). Bona sind ferner solche 

J ) I. II., 59. a. 3. c. Über die Stellung des Menschen zur materiellen Güter- 
welt, s. Schaub, a. a. O. S. 3 14 ff. 

2 ) Cg. III., 141: »Cum enim omnia exteriora ad interiora ordinentur, corpus 
autem ad animam, intantum exteriora et corporalia bona sunt homini bona, inquantum ad 
bonum rationis proficiunt.« 

3) I. IL, q. 4. a. 7. 

4 ) Cg. III. 127. cf. I, IL q. 2. a. 1. c. 

5 ) Quodl. IV., a. 24: aliquid ad finem ordinatur dupliciter. Uno modo ut ne- 
cessarium ad finem, sine quo finis esse non potest sicut eibus ad vitam corporis obser- 
vandam. Alio modo sicut necessarium ad finem, sine quo ad finem non ita bene perveniri 
potest, sicut equus ordinatur ad iter.« IL IL, q. 32, a. 6. c: »Necessarium dupliciter 
dicitur: uno modo, sine quo aliquid esse non potest . . . Alio modo dicitur aliquid esse 
necessarium, sine quo non potest convenienter vita transigi seeundum conditionem et statum 
propriae personae et aliarum personarum, quarum cura ei ineumbit.« Vgl. hierzu S. 18 f. 

6 ) Vgl. Anmerkg. 2. 

7 ) cf. I, q. 5, a. 6. c. 

8 ) Quodl. III, a. 19: »rerum in usum hominis venientium quaedam sunt quarum 
usus non et ipsius rei consumptio, et si contingat rem deteriorari vel consumi per usum, 
hoc est per aeeidens, sicut domus, vestis, liber, equus et huiusmodi« — »Quaedam vero 
res sunt, quarum usus nihil est aliud quam consumptio ipsarum rerum.« 



— 55 — 

Güter, die im Gegensatz zu Konsumtivgütern nur mittelbar der 
Bedürfnisbefriedig'img dienen, sei es, daß sie als Produktivgüter 
verwendet werden 1 ), sei es, daß sie als Metallgeld, als künstlicher 
Reichtum (divitiae artificiales), i. G. zum natürlichen (div. naturales) 
der in Gegenständen des Konsums besteht, eine Erleichterung des 
Tausch Verkehres bezwecken 2 ), der eben seinerseits wieder seineVeran- 
lassung und Rechtfertigung in dem Ziele besserer Bedürfnis- 
befriedigung findet. 

Durch diese Auffassung der Güter als »instrumenta deser- 
vientia beatitudini«, welch' letztere in den höheren Werten des 
geistigen und sittlichen Lebens liegt 3 ), gewinnt Thomas ähnlich 
wie Aristoteles eine ethische Begrenzung für das Maß wirtschaft- 
lichen Strebens. Wie die Mittel überhaupt nach dem zu erreichen- 
den Ziel bemessen werden, so soll das Streben nach materiellen 
Gütern durch das Ziel derselben, die Aufrechterhaltung des mensch- 
lichen Lebens, > secundum conditionem et decentiam« beschränkt 
sein. Schon Aristoteles hatte als Beispiel die Verwendung der 
Medizin nach der damit zu erzielenden Gesundheit angeführt 4 ). 
Freilich stimmen die tatsächlichen Verhältnisse mit dieser Forde- 
rung sehr oft nicht überein, indem das Streben nach Reichtum, zumal 
seit Einführung des Geldtausches praktisch meist unbegrenzt ist 5 ). 

Dieses subjektive Moment des Bedürfnisses ist nun weiterhin, 
wie für die ganze Ausgestaltung der Produktion, so für das Zu- 
standekommen und die Art der Zirkulation, des Tausches, maß- 
gebend. Daß die necessitas oder indigentia es ist, welche den 
Tauschverkehr beherrscht, ist bereits oben eingehend dargelegt 
worden 6 ). Indem nun aber die durch das Bedürfnis bestimmten 
Güter ihrem eigentlichen Wesen und Werte nach getauscht werden 7 ), 
— der valor, die bonitas der Dinge tritt gerade beim Tausche sicht- 



a ) C. i. Ar. Pol. I, 2 (f.) 

2 ) II, II q. 187, a. 7, ad 5. Vgl. Aristoteles Pol. I, 3, § 12, cf. II, II q. 117, 
a. 3. c. 

3 ) I, II q. 4, a. 7. c. 

4 ) Arist. Pol. I, 3, § 17; cf. III, q. 52 a 2 ad 3; II, II q. 1, a. 1. c. 

5 ) I, II q. 2, a. I. ad3. »Appetitus naturalium divitiarum non est infinitus, quia 
secundum certam mensuram sufficiunt naturae, sed appetitus divitiarum artificialium est 
infinitus, quia deservit concupiscentiae inordinatae.« 

6 ) S. oben S. 43 f., vgl. S. 49 ff. 

7 ) Com. in Ar. Pol. I, 1 VII, b: »Est enim uniuscuiusque rei duplex usus . . . unus 
eorum est proprius usus rei, alius autem non est proprius, sed communis, sicut duplex 
est usus calciamenti, unus quidem proprius, scilicet calceatio, alius communis, scilicet 
commutatio . . sed quamvis commutatio non sit proprius usus calciamenti, est tarnen 
usus eius per se et non secundum accidens, quia ille, qui commutat ipsum, utitur eo 



- 5 6 - 

bar in Erscheinung — bedeutet der Austausch hinsichtlich der 
weggegebenen Güter zwar nicht den »usus proprius« derselben, 
wohl aber einen »usus per se«; die Verwendung der Güter ist 
nicht äußerlich und zufällig, kein »usus per accidens« 1 ). 

Das Maß des Bedürfens ist nun keineswegs unter allen 
Umständen gleich, vielmehr nach Zeit und Ort wesentlichen Schwan- 
kungen unterworfen. »Pretium rei est mutatum secundum diver- 
sitatem loci vel temporis« 2 ). Interessant dafür, in welchem Maße 
Thomas eine Wertänderung für möglich hält, ist eine Stelle im 
Sentenzenkommentar 3 ). Petrus Lombardus spricht über den Be- 
griff des Wuchers und zitiert zustimmend den Satz des Hiero- 
nymus, daß es z. B. Wucher sei, wenn jemand zu bestimmtem 
Zeitpunkt 10 Scheffel Getreide hingäbe und nach bestimmter Zeit 
sich 15 wiedergeben lasse. Thomas schließt sich dem durchaus 
an, fügt aber einschränkend hinzu : es wäre möglich, daß an jenem 
späteren Zeitpunkt der Wert des Getreides so weit gestiegen 
wäre, daß die früheren 10 Scheffel jetzt den Wert von 15 hätten, 
dann liege kein Wucher vor. 

Für die Bestimmung der Wertgröße sind folgende Momente 
namhaft zu machen 4 ): 

1 . Für die Tatsache und Höhe des Wertes kommen vor allen 
Dingen die objektiven Eigenschaften der Güter in Betracht, die 
sie befähigen, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Käufer und 
Verkäufer müssen über die » . . rei . . qualitates . . per quas redditur 
humanis usibus apta« 5 ) unterrichtet sein; sie müssen die »conditiones 
rei« kennen, »secundum quas est bona et utilis« 6 ). Ein Fehler in 
den objektiven Eigenschaften eines Gutes macht dieses weniger 



secundum valorem suum.« Die Beziehung auf die Werttheorie kommt bei Aristoteles 
nicht zum Ausdruck (Arist. Pol. I, 8). Vgl. hierüber Zmavc: »Die Werttheorie bei 
Aristoteles und Thomas v. Aquin.« Arch. f. Ph., 1899, S. 411 ff. 
a ) S. d. vor. Anmerkung. 

2 ) II, II q. 77, a. 4, ad. 2. 

3 ) Comm. in III lib. Sent. d. 37, q. 1, a. 6. Das Zitat ist aus Hieronymus 
(sup. Ezech. c. 18); cf. in lob. 28, b. 2: »pretia lapidum non sunt eadem nee in 
omnibus locis nee in omnibus temporibus.« 

4 ) Vgl. Schaub, a. a. O. S. 178 ff., Pesch: St. a. M-L. XLI 1891, S. 48 
Anmerkung 3, Walter, a. a. O. S. 46 ff. Es fehlt in den genannten Schriften meist 
an einer tieferen Verarbeitung der mehr oder minder vollständig angeführten einzelnen 
Momente. 

5 ) II, II q. 77, a. 2, ad 3. 
c ) I. c. a. 3, ad 2. 



— 57 — 

wertvoll 1 ). Der höhere Wert des echten Goldes und Silbers gegen- 
über dem von Alchimisten nachgemachten beruht zum Teil darauf : 
»cum sint aliquae utilitates auri et argenti veri, secundum naturalem 
operationem ipsorum, quae non conveniunt auro per alchimiam 
sophisticato« 2 ). 

2. Ist die abstrakte Art der Bedürfnisse, die Skala der Bedürfnis- 
gattungen 3 ) würde man heute sagen, in Betracht zu ziehen. Brot 
befriedigt wichtigere Bedürfnisse wie Edelsteine. Und wenn gleich- 
wohl für gewöhnlich die letzteren im Werte höher stehen, so liegt 
dies daran, daß dieses Moment der Wichtigkeit, meist durch andere 
Faktoren überkompensiert wird, was nach deren Beseitigung, z. B. 
in Zeiten der Hungersnot, klar zutage tritt 4 ). Die Wirkung dieser 
anderen Momente wird gleich zu erörtern sein. 

3. Die Art und Weise, wie diese abstrakten Bedürfnisgattungen 
befriedigt werden, bedingt einen Unterschied im Werte der Güter. 
Gold und Silber werden in ihrer Werthöhe nicht nur dadurch 
bestimmt, daß sie z. B. das Bedürfnis des Menschen nach Gefäßen 
überhaupt stillen, sondern vor allem dadurch, daß sie diese Auf- 
gabe in besonders vollkommener Aufgabe erfüllen. »Propter 
dignitatem et puritatem substantiae ipsorum« 5 ). 

4. Wesentlich sind Angebot und Nachfrage, die »diversitas 
copiae et inopiae« 6 ) für die Stärke des Bedürfnisses maßgebend. 
Das Gold ist zumal auch deshalb wertvoll, weil es selten ist 7 ). Das 
Brot steigt im Werte, weil an ihm Mangel vorhanden ist, »in 
tempore necessitatis« 8 ). Auf dieser Tatsache beruhen vor allem 
die örtlichen Preisverschiedenheiten, indem die Güter dort, wo sie 
häufig sind, geringere Werte darstellen, als dort, wo sie weniger 
häufig sind 9 ). Verstärkte Zufuhr zum Markt führt zu Minderungen 
des Preises; ja, schon die Erwartung einer so begründeten Preis- 

*) Ein Käufer erleidet Schaden: ». . . si propter . . . vitium res quae vendenda 
proponitur, minoris sit pretii, ipse (sei. d. Verkäufer) vero propter hiusmodi vitium nihil 
de pretio subtrahat«, 1. c. c. cf. quodl. II, a. 10: »si ergo vitium rei venditae faciat rem 
minus valere, quam pretium impositum a venditore.« 

2 ) II, II q. 77, a. 2, ad 1. 

3 ) Vgl. z. B. Böhm-Bawerk: Grundz. d. Theor. d. subj. Güterw. J. f. N. 
u. St. N F., Bd. 13, S. 12 f. 

4 ) Quodl. I, a. 14: »et aliqua preciosa margarita est carior uno pane; et tarnen 
in aliquo casu famis panis praeeligeretur.« 

5 ) II, II q. 77, a. 2, ad 1. 
•) 1. c. ad 2. 

7 ) c. l Pol. 1, 1. vnf. 

8 ) Quodl. I, a. 14. 

9 ) IL II q. 77, a. 2, ad 2. 



- 58 — 

Senkung dehnt letztere Erscheinung auch auf die Gegenwart aus 1 ). 
Daher muß derjenige, der Rinder, Pferde usw. mit Gewinn ver- 
kaufen will, wissen, ob dieselbe infolge Überflusses oder Mangels 
billig oder teuer sind 2 ). Ein zu großer Überfluß an bestimmten 
Dingen kann zu völliger Nutzlosigkeit derselben führen: »sicut de 
fistula apparet, quoniam si sint maiores aut plures, quam possint 
moveri a fistulante, nocent aut non proficiunt« 3 ). 

5. Arbeit und Kosten sind insofern wertbildend, als durch 
sie die objektiven Eigenschaften der Güter, die letztere für die 
Bedürfnisbefriedigung verwendbar machen, verbessert werden: sie 
führen zunächst zu einer »melioratio rei« und damit zu einer Wert- 
steigerung 4 ). Von dieser immerhin dürftigen Bemerkung abgesehen 
hat aber Thomas den Zusammenhang der subjektiven Bewertung 
der Güter mit den zu ihrer Herstellung erforderlichen Kosten nicht 
näher untersucht. 

6. Ein sicherer Besitz hat einen höheren Wert als ein unsicherer. 
Wem die Möglichkeit eines Gewinnes genommen ist, verliert nicht 
die ganze Höhe des möglicherweise erreichten Wertes, sondern 
weniger: »minus est habere aliquid virtute quam habere actu«. Dieses 
liegt in der Unsicherheit begründet 5 ). 

7. Die Bedürfnisse einzelner Personen denselben Gütern gegen- 
über sind der Größe nach verschieden; der Wert ist nicht etwas 
Abstraktes, für alle Menschen Gleichförmiges, vielmehr etwas indi- 
viduell Relatives. So erörtert Thomas den Ausnahmefall, daß 
beim Tausche dem Empfänger der Ware ein besonderer Nutzen 
erwächst, und zwar »ex conditione ementis«, oder umgekehrt der 
Verkäufer einen besonders großen Schaden erleidet 6 ). 

Und zwar beruht diese individuelle Verschiedenheit z. T. auf 
den im Vorstehenden angeführten, den Wert beeinflussenden Mo- 
menten. Insbesondere bestimmt das Maß des Besitzes die persönliche 
Wertschätzung der Güter. So zitiert Thomas zustimmend die Stelle 

*) II, II q. 77, a. 3, ad 4; ob. 4. 

2 ) »oportet autem eum, qui ex bis vult lucrari pecuniam, esse expertum, quae 
eorum sint maxime cara et in quibus locis, quia alia istorum in aliis regionibus abundant, 
ut seil, emat in loco, ubi abundant, et vendat in loco, ubi sunt cara«. C. in Ar. pol. 
I, 1, IX b. 

3 ) C. in Ar. Pol. VII 1, if; vgl. Kraus, Die arist. Werttheorie, Z. f. St., 61 
(1905), S. 582 f. Allerdings stammt das 7. Buch von einem Schüler des Thomas v. A. 
Kuhn a. a. O. S. 96 ff. s. o. S. 17. 

4 ) 1. c, a 4, ad 1 : »si enim rem in melius mutatam carius vendat, videtur prae- 
mium sui laboris aeeipere.« cf. ib., ad 2. 

5 ) II, II q. 62, a. 4 c. 

6 ) II, II q. 77. a. 1. c. 



— 59 — 

bei Ambrosius, wo dieser bei seinen Ausführungen über die Frei- 
gebigkeit an die Erzählung vom Scherflein der armen Witwe 
anknüpft und bemerkt: »Denique duo aera viduae illius muneribus 
praetulit (Luc. XXI, 3) (seil. Dominus) quia totum illa, quod habuit 
contulit, Uli autem ex abundantia partem ex iguam contulerunt. 
Affectus igitur divitem collationem aut pauperem 
facit et pretium rebus imponit« 1 ). Die Größe eines Almosens 
bemißt sich nicht nach der quantitativen Menge des Gegebenen, son- 
dern nach dem »habitus dantis«, wie Thomas im Anschluß an 
Aristoteles sagt' 2 ). Ein Almosen wird, heißt es an anderer Stelle, 
»ex parte dantis« dann groß genannt: ». . . cum scilicet aliquis ali- 
quid dat, quod est multum seeundum proportionem propriae facul- 
tatis« 3 ). 

Die Bedürfnisse der einzelnen sind ferner verschieden dem 
Stande nach, den die einzelnen in der Gesellschaft einnehmen. Leute 
von vornehmem Stande bedürfen, wenn sie in Not sind, ebenso 
dringend kostbare Kleider und Speisen als Almosen, als Leute von 
geringerem Stande in gleicher Lage weniger wertvolle Dinge 4 ). 

Ferner sind ethische Anschauungen von großem Einfluß auf 
die verschiedenen Schätzungen der einzelnen. Wer der oben er- 
wähnten ethischen Lehre genügt und die wirtschaftlichen Güter 
als Mittel zu höheren Zwecken ansieht und ihr Maß hiernach 
begrenzt, indem er das darüber Hinausgehende für überflüssig und 
schädlich hält 5 ), schätzt die Güter anders wie andere Menschen, 
die ihrer »coneupiscentia« 6 ) keine Schranke auferlegen, welch letzteres 
übrigens meistens der Fall ist, wie Thomas hervorhebt: »in exte- 
rioribus bonis, quae communiter homines maxime cupiunt« 7 ). Aber 
von dem an erster Stelle erwähnten Ausnahmefall abgesehen, 



*) Ambrosius, de offic. ministr., I. c. 30 (149). (Migne S. L. XVI, 72). cf. 
Thomas II, II. 117, a. 1. ad 3. 

2 ) L c. Similiter etiam nihil prohibet, aliquos virtuosos, licet sint pauperes, esse 
liberales. Unde Philosophus dicit (Nie. Eth. IV, 1), >Secundum substantiam, id est, 
facultatem, divitiarum, liberalitas dicitur: non enim consistit in multitudine datorum, sed 
in dantis habitu.« Zu Arist. vgl. Kraus, a. a. O. S. 581 f. 

3 ) II, II q. 32, a. 10, c. 

4 ) 1. c. ad. 3. »cui (seil, dem Almosenempfänger) non est danda eleemosyna, ut inde 
luxurietur, sed ut inde sustentetur, circa quod tarnen est discretio adhibenda propter diversas 
conditiones hominum, quorum quidam delicatius nutriti indigent delicatis eibis aut vestibus.« 

5 ) cf. Cg. III, 129: »Et autem aliqua mensura determinata seeundum quam usus 
praedietarum rerum humanae vitae est conveniens; quae quidem mensura, si praetermit- 
tatur, fit homini noeivum, sicut apparet in sumptione inordinata eiborum.« 

6 ) I, II q. 2, a. I. ad 3. cf. S. 55, Anm. 5. 

7 ) II, II q. 117, a. 6, ad 3. 



— 6o — 

handelt es sich bei den angeführten Stellen über die individuell ver- 
schiedene Schätzung der einzelnen Menschen doch mehr um Äuße- 
rungen, die auf die Wertlehre nicht unmittelbar Bezug nehmen. 
Eine Verschiedenheit des Wertes nach den einzelnen Individuen, 
als allgemeine Erscheinung eine individuelle Subjektivität des Wertes, 
die auf die Gestaltung des Tausches von Einfluß wäre, kennt 
Thomas nicht. Hierüber weiteres im Folgenden. 

8. Der Einzelne steht mit dem Besitz seiner Güter nicht für 
sich allein da, sondern innerhalb der menschlichen Gemeinschaft, 
die in ihrer Gesamtheit nur dann eine Befriedigung ihrer Bedürf- 
nisse erreicht, wenn ihre einzelnen Glieder im Tausche ihre Güter 
zur Verfügung stellen x ). Wenn daher ein bestimmtes Gut für den 
Besitzer in seiner Isolierung vielleicht völlig nutzlos ist, so ist es 
damit noch nicht wertlos innerhalb der Gemeinschaft. Dann ge- 
winnt dies Gut vielmehr den Wert, den es in der Gemeinschaft 
hat, auch für den einzelnen Besitzer, indem dieser es gegen für 
ihn persönlich wertvolle Güter austauschen kann : ». . usus rei, 
etsi non competat venditori, potest tarnen esse con- 
v e n i e n s a 1 i i s « 2 ). Die einzelnen Güter gewinnen dann Geld- 
charakter, den Begriff Geld im allerweitesten Sinne genommen: 
»Ea vero, quae emittenda sunt ab uno nomine in alium, sunt bona 
possessa, quae nomine pecuniae significantur« 3 ). Dann aber ist 
es für den Wert nicht mehr das individuelle Bedürfnis des ein- 
zelnen in Betracht zu ziehen, sondern die gesellschaftliche Schätzung; 
für den Preis wird bestimmend das »forum commune« 4 ). Es bildet 
sich so ein allgemeiner Wert, ein »Wert« der Dinge schlechthin, 
der für den Tausch maßgebend ist 5 ). Diese vertiefte Auffassung 



1 ) Siehe oben S. 19 ff. 

2) II, II q. 77, a. 3, c. 

3 ) II, II q. 117, a. 2, c. 

4 ) Com. in III, 1. Sent. d. 37, q. 1. a. 6. cf. S. 62. Ferner Op. 67. (De emptione 
et venditione ad tempus): »Si mercatores, . .plus vendant pannos, quam debeant secun- 
dum commune forum, non est dubium, esse usuram.« Vgl. hierzu Schaub, a. a. O. 
S. 206: »Zweitens geschieht die Schätzung meistens durch eine größere Zahl von Ur- 
teilenden. Dadurch werden die Fehler der Einzelnen bis zu einem gewissen Grade be- 
richtigt, und nach Ort und Zeit gewisse objektive Anhaltspunkte für die Bewertung ge- 
wonnen.« Die Bedeutung des »forum commune« liegt nicht in der »Berichtigung« von 
Fehlern Einzelner ; in dem Sinne gibt es hinsichtlich der Wertschätzung der Güter kein 
Richtig oder Unrichtig; sondern darin, daß auf dem Markte an die Stelle der indivi- 
duellen Schätzungen die gesellschaftliche, durch das Bedürfnis der Gemeinschaft be- 
stimmte tritt. 

5 ) Dies ist der II, II 77, a. 1. c. genannte valor der Dinge. Vgl. i. F. 



— 6i — 

und Begründnng des normalen Wertes trotz individuell zunächst 
verschiedener Wertschätzungen findet sich vor Thomas nicht. 

Halten wir einen Augenblick inne und untersuchen wir die 
Bedeutung der angeführten Einzelbestimmungen hinsichtlich des 
Wertes für die Lehre vom justum pretium! Wie verhalten sich 
die einzelnen dargelegten Momente zum Prinzip der aequalitas 
valoris? Sind sie im Tausche geltungsberechtigt oder nicht? 

Die Forderungen des »justum pretium« insofern sie die Be- 
deutung des Bedürfnisses im Tausche betreffen, lassen sich in zwei 
Gruppen auflösen: 

i. Der Tausch vollzieht sich faktisch nach Gleichheit der 
Bedürfnisse. Wir haben bereits oben darauf hingewiesen 1 ) und 
hier die einzelnen Momente untersucht, die die Stärke des Bedürfens 
bestimmen. Die Forderung des justum pretium nimmt diese Be- 
stimmungen als Tatsachen hin und hat ihnen gegenüber nur die 
eine Aufgabe, dafür zu sorgen, daß sie sich im Tausche nach 
Meinung beider oder wenigstens einer der beiden Tauschkontra- 
henten vollziehende Gleichheit der gewechselten Güter nicht auf 
einem Irrtum beruhe über eines der Momente, von denen die 
Stärke des Bedürfens abhängt, und nicht durch unredliche Mittel 
des Käufers oder Verkäufers erzielt werde. Ein dreifacher Mangel 
kann in dieser Hinsicht einen Tauschkontrakt objektiv und eventuell 
im Falle des absichtlichen Betruges, auch subjektiv ungerecht 
machen: a) ein »defectus secundum speciem« rei. Dieser liegt z. B. 
vor, wenn unechtes Gold oder mit Wasser vermischter Wein als 
echt bzw. rein verkauft werden; b) ein »defectus secundum quan- 
titatem« z. B. bei Verwendung eines falschen Gewichtes oder 
sonstigen Maßes; c) ein »defectus ex parte qualitatis«, wenn z. B. 
ein krankes Pferd als gesund verkauft wird 2 ). 

Ein Fehler an einer Sache braucht natürlich nur soweit im 
Preise berücksichtigt zu werden, als er eine Wertverminderung des 
Gegenstandes bedingt. Er braucht vom Verkäufer nicht unter 
allen Umständen angegeben zu werden, sondern kann durch still- 

x ) Siehe oben S. 52. 

2 ) 1. c. a 2 c. Außer den im Text angeführten Bestimmungen vgl. ebenda: »Et in 
omnibus talibus non solum aliquis peccat injustam venditionem faciendo, sed etiam ad resti- 
tutionem tenetur. Bei unabsichtlichem Irrtum begeht der Verkäufer zwar subjektiv kein 
Unrecht . . . Tenetur tarnen, cum ad eius notitiam pervenerit, damnum, recompensare emptori. 
Et quod dictum est de venditore, etiam intelligendum est ex parte emptoris. Contingit enim 
quandoque venditorem credere rem suam esse minus pretiosam quantum ad speciem, sicut 
si aliquis vendat aurum loco auricalchi, et tunc emptor, si id cognoscat, iniuste emit et 
ad restitutionem tenetur. Et eadem ratio est de defectu qualitatis et quantitatis«. 



— 62 — 

schweigende Herabsetzung des Preises ausgeglichen werden 1 ). 
Doch muß im allgemeinen dem Käufer ein voller Überblick über 
die Sache zustehen 2 ). 

Von den eben genannten Bestimmungen der Tauschgerech- 
tigkeit sind diejenigen zu trennen, die mit dem oben dargelegten 
Ersatz der individuellen Wertschätzungen durch die gesellschaft- 
lichen Schätzungen zusammenhängen. Der Marktpreis, eine an 
sich rein tätsächliche Erscheinung, ist zugleich auch derjenige 
Wert eines Dinges, der an sich als gerecht erscheint und dem- 
gemäß beim Tausch einzuhalten ist 3 ). So sagt vielleicht noch 
klarer Albertus Magnus »Justum autem pretium est, quod secun- 
dum aestimatiomem fori illius temporis potest valere res vendita« 4 ). 

Aber gleichwohl bleiben Fälle denkbar, wo ein Verkäufer durch 
die Veräußerung einer Sache auf Grund besonderer Verhältnisse — 
also ein Ausnahmefall — einen Schaden erleiden würde, der größer 
wäre, als dem gesellschaftlichen Werte derselben entspräche, und 
umgekehrt könnte ein Käufer durch den Kauf eines Gegenstandes 
einen über dessen Wert hinausgehenden individuellen Nutzen er- 
zielen. Nach Thomas gilt dann folgender Grundsatz: Der Ver- 
käufer darf den höheren Wert, den ein Gut für ihn persönlich hat, 
im Preise berechnen; er verkauft dann etwas, was ihm eigentüm- 
lich zugehört, worüber ihm Verfügungsgewalt zusteht. Dagegen 
darf der Verkäufer den besonderen Nutzen des Käufers nicht in 
Anschlag bringen; denn dieser bildet nicht sein Eigentum. Im 
ersteren Fall findet der Tausch nach Gleichheit der Bedürfnisse 
statt, indem auch der Käufer ein stärkeres als das gesellschaftliche 



*) Quod II, a. 10: »Si ergo vitium rei venditae faciat rem minus valere quam 
pretium impositum a venditore, injusta erit venditio; unde peccat occultans vitium. Si 
autem non faciat rem minus valere quam pretium impositum, quia forte venditor minus 
pretium imponit propter vitium, tunc non peccat tacens vitium, quia venditio non est 
injusta et forto esset sibi damnosum, si vitium diceret, quia emptor vellet habere rem 
etiam pio minori pretio quam valeret.« 

2 ) II, II q. 77, a. 3, ad 1: »Judicium non potest fieri nisi de re manifesta . . . 
Unde si vitia rei, quae vendenda proponitur, sint occulta, nisi per venditorem manifestentur, 
non sufficienter committitur emptori Judicium.« 

3 ) II, II q. 77, a. 1. c. »Et ideo, si vel pretium excedat quantitatem valoiis 
rei, vel e converso res excedat pretium, tolletur iustitiae aequalitas. Et ideo carius ven- 
dere vel vilius emere rem quam valeat, est secundum se iniustum et illicitum«, cf. S. 36. 

4 ) Sent. IV d. 16, a 46. Albertus Magnus stützt sich wohl seinerseits wieder auf 
Alexander Halensis, der verlangt hatte, daß der Handel betrieben werde: »iusta existi- 
matione rei et commercii prout communiter venditur in illa civitate vel loco, in quo 
negociari contingit.« (S. th. III q. 50, m. 1). 



- 6 3 - 

Bedürfniss empfindet; im zweiten hat der Käufer einen besonderen 
Vorteil 1 ). 

Indem aber die gesellschaftliche Schätzung, der Marktpreis, 
maßgebend wird, wird das Fundament geschaffen für die Ver- 
wirklichung jener Idee, die bei der Erörterung des Tauschprozesses 
in der nicomachischen Ethik durchaus im Vordergrunde steht und 
die den Zentralpunkt der thomistischen Wertlehre ausmacht: Die 
Idee der Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten 2 ). 

Die Güter erscheinen also vom Standpunkte der Gesellschaft 
aus als Produkte, deren Wert nach den Kosten bestimmt ist. 
Hiernach werden sie zueinander in Verhältnis gesetzt und dann 
nach Gleichheit des Aufwandes ausgetauscht 3 ). Die subjektive 
Werttheorie geht, wie wir oben sahen, von der Stellung des ein- 
zelnen zu den Gütern aus und zeigt dann die Gestaltung der 
individuellen Schätzung im Kreise der Gesellschaft. Anders die 
objektive Werttheorie: Sie geht zunächst vom Standpunkte der 
Gemeinschaft aus; sie erscheint als notwendiger Ausdruck des 
gesellschaftlichen Lebens der Menschen überhaupt, das auf Arbeits- 
teilung gegründet ist. 

Hier ist jedoch ein wesentlicher Mangel der thomistischen 
Wertlehre hervorzuheben: Die angegebene Parallelität erscheint 
als notwendig und durch die Aufrechterhaltung der Arbeitsteilung 
bedingt. Wie sie aber des näheren möglich sein soll, wie sich 
der nähere Zusammenhang zwischen den objektiven und subjekti- 
ven Momenten gestaltet, läßt Thomas ununtersucht, obwohl doch 
gerade dies für die Vereinheitlichung seiner Wertlehre von grund- 



1 ) 1. c. Abweichend jedoch de Mal. XIII, 4 ad 14. 

2 ) S. 37 ff. S. 46 ff. 

3 ) Ich halte es nicht für richtig, wenn, wie dies z. B. von Pesch (St. a. M.-L. 
XLI 48 ff.) geschieht, Arbeit und Kosten nur als ein Moment neben vielen anderen, 
die auf die Stärke des Bedürfens einwirken, aufgefaßt werden. Gesellschaftlich erscheinen 
die Güter als in ihrem Werte lediglich durch die aufgewendeten Kosten bestimmt. Ein 
Tausch nach Gleichheit der Bedürfnisse wäre »gesellschaftlich« noch nicht gerecht. 
Freilich widersprechen kleine Modifikationen des vom Standpunkte der Gesellschaft aus 
lediglich in Betracht kommenden Tauschwertes durch andere Momente dem Gesellschafts- 
prinzip der Wiedervergeltung der Kosten nicht. Subjektiver und objektiver Wert laufen 
einander parallel. Der objektive Inhalt des Marktpreises sind Arbeit und Kosten: sie 
machen das sozial -bedeutungsvolle des Preises aus, worüber weiter unten. Dasselbe 
gilt von Biederlack, »Zur Gesellschafts- und Wirtschaftslehre des hl. Thomas.« 
Zeitschr. f. Kathol. Theol., XX, s. 1876, S. 578 ff. Vgl. desselben Soziale Frage. 
3. Aufl. S. 91 f. Auf Pesch fußt Walter, a. a. O. S. 46 ff., ähnlich Schaub, 
a. a. O. S. 194 ff. 



- 64 - 

legender Bedeutung gewesen wäre 1 ). Jedenfalls erscheinen die 
Kosten keineswegs nur insofern von Einfluß, als sie eine Verän- 
derung der menschlichen Schätzung bedingen, so daß man von 
einer subjektiven Werttheorie, die auch objektive Momente berück- 
sichtigt, sprechen könnte. Vielmehr stehen die objektiven Momente 
für Thomas durchaus im Vordergrunde, und sein Gedanke ist wohl 
der, daß die subjektiven Schätzungen unter der Herrschaft der 
Kosten stehen und nur die Aufgabe haben, der Durchsetzung des 
Prinzips der Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten zu dienen. 

Die objektive Werttheorie enthält ein Sollen vom Stand- 
punkte der Gesellschaft aus. Sie bedingt natürlich keinen absolut 
festen Wert der Güter. Individuell abweichende Wertschätzungen 
bleiben bis zu einem gewissen Grade durchaus gerechtfertigt. 
Kann doch überhaupt der gerechte Preis der Güter nicht unbedingt 
fest erfaßt werden: »iustum pretium rerum non est punctualiter 
determinatum, sed magis in quadam aestimatione consistit; ita quod 
modica additio vel minutio non videtur tollere aequalitatem iusti- 
tiae« 2 ). So kann es vom Standpunkte der Gesellschaft aus hin- 
gehen, wenn das bürgerliche Recht im Falle der Verletzung der 
Tauschgerechtigkeit erst dann zur Restitution zwingt, wenn ein 
»defectus ultra dimidiam iusti pretii quantitatem« vorliegt, wenn 
auch eine Ungerechtigkeit schon weit eher vorhanden ist, nur 
nicht gestraft wird, wie es z. B. im römischen Rechte bestimmt 
ist 3 ). Kleine Schwankungen im Preise der Güter können unter 
Umständen gerechtfertigt sein; sie müssen freilich in ihrer Größe 
dem gesellschaftlichen Grundprinzip der Wiedervergeltung von 
Arbeit und Kosten untergeordnet bleiben. 

Damit ist im Grunde schon hingewiesen auf die ungeheure 
Bedeutung, die Thomas der Lehre vom iustum pretium und damit 



i) Vgl. S. 58. 

2 ) II, II q. 77, a. 1, ad 1. 

3 ) 1. 8. C. 4, 44, vgl. S. 15. Ein Tausch darf nicht rückgängig gemacht werden : 
»nisi minus dimidia iusti pretii, quod fuerat tempore venditionis, darum esset.« Thomas 
II, II q. 77, a. I, ad 1: »Et ideo lex humana non potuit prohibere quidquid est contra 
virtutem ; sed ei sufficit, ut prohibeat ea, quae destruunt hominum convictum, alia vero 
habeat quasi licita, non quia ea approbat, sed quia ea non punit. Sic ergo habet quasi 
licitum, poenam non inducens, si absque fraude venditor rem suam supervendat, aut emptor 
vilius emat nisi sit nimius excessus, quia tunc etiam lex humana cogit ad restituendum ; 
puta si aliquis sit deceptus ultra dimidiam iusti pretii quantitatem.« Es ist aber zu 
beachten, daß das Gerechtigkeitsprinzip als solches weitergeht, als hier im Rechte be- 
stimmt ist. Das Recht bringt das iustum pretium wohl im Kerne, aber nicht voll 
zur Ausführung. 



- 65 - 

seiner Wertlehre zuweist. Wir haben es, wenn wir den vollen 
Kreis der dargelegten Gedanken überblicken, mit Forderungen 
naturrechtlichen Inhalts zu tun. 

Hier müssen wir kurz auf die thomistische Rechtslehre hin- 
weisen. Dieselbe ist bereits bei Gelegenheit des Streites um den 
Charakter der thomistischen Eigentumslehre eingehender behandelt. 
Wir können uns daher kurz fassen. 

Thomas 1 ) unterscheidet zwischen dem ius naturale, dem ius 
gentium und dem ius positivum. Im Naturrecht sind die Bestim- 
mungen enthalten, die sich unmittelbar, aus der Natur des Men- 
schen ergeben, wie sie vernünftigen und unvernünftigen Wesen 
gemeinsam ist. Dahin gehört z. B. die Forderung des Gemein- 
schaftslebens für den Menschen, die schlechthin naturnotwendig ist. 
Dieses Naturrecht kann nun im positiven Recht vom Menschen in 
doppelter Weise ausgestaltet werden: Einmal sind aus demselben 
notwendige Folgerungen zu ziehen. Diese machen den Inhalt des 
ius gentium aus: es enthält Normen, die notwendig sind, im Hin- 
blick auf ihre Folgen für das soziale Gemeinschaftsleben. Die 
Ausführung der Rechtsprinzipien zu näherer Bestimmtheit gehört 
dem ius civile an 2 ). Inhaltlich gehört das ius gentium noch zum 
Naturrecht, zu dem Thomas selbst es an anderen Stellen rechnet 3 ). 

Zu diesen also inhaltlich naturrechtlichen Forderungen des 
ius gentium gehören auch die Forderungen des gerechten Preises: 
»Nam ad ius gentium pertinent ea, quae derivantur ex lege naturae 
sicut conclusiones ex principiis, ut justae emptiones, . yenditiones et 
alia huiusmodi, sine quibus homines ad invicem convivere non pos- 
sunt; quod est de lege naturae, quia homo est naturaliter animal 
sociale« 4 ). 

Wenn wir an die Begründung des Prinzips der Wiedervergel- 
tung- von Arbeit und Kosten denken, so werden wir vor allem 
diesem den hier im allgemeinen dem justum pretium zugesprochenen 
naturrechtlichen Charakter beilegen dürfen 6 ). 



*) Vgl. zum Folgenden: Cathrein: »Das jus gentium im Römischen Recht und 
beim hl. Thomas. Philos. Jahrb. II (1889) S. 374 ff. Femer: Walter a. a. O., 
S. 23fr. Schaub a. a. O., S. 259 ff. Kuhn a. a. O., bes. S. 35 f. 

2 ; I, II q. 95, a. 4, c. II, II q. 57, a. 3, c. 

3 ) Vgl. hierzu Cathrein: a. a. O. 

*) I, II q. 95, a. 4, c. 

5 ; An anderer Stelle hat Thomas einen etwas anderen Begriff des justum naturale. 

11, II 57, a. 2, c. : »jus sive justum est aliquod opus adaequatum alteri secundum aliquem 

aequalitatis modum. Dupliciter autem potest alicui homini esse aliquid adaequatum: uno 

quidem modo ex ipsa natura rei, puta cum aliquis tantum dat, ut tantumdem recipiat, 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 5 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 66 — 

§ 5. Die Quellen der thomistischen Wertlehre, insbesondere ihr 
Verhältnis zu Aristoteles. 

Im Vorangehenden ist die thomistische Wertlehre zur Dar- 
stellung gelangt. Es bleibt jetzt die Aufgabe die dogmengeschicht- 
liche Stellung derselben insbesondere ihr Verhältnis zur aristote- 
lischen Wertlehre zu untersuchen 1 ). 

Ohne Zweifel ist der allgemeine Ideengang bei Thomas von 
Aquin und Aristoteles derselbe. Die aristotelischen Anschauungen 
über Wesen und Einteilung der Gerechtigkeit sind von Thomas 
einfach übernommen. Vielleicht ist hier und dort eine Stelle falsch 
und unrichtig erklärt. Jedenfalls handelt es sich dann um 
Fragen, die mit vorliegender Arbeit nur in losem Zusammenhange 
stehen und für das Verhältnis von Aristoteles und Thomas von 
Aquin, wie wir es hier darzustellen haben, ohne Bedeutung sind; 
der allgemeine Ideengang hinsichtlich des gerechten Preises trägt 
bei Thomas ein spezifisch aristotelisches Gepräge. 

Dagegen muß eine Frage eingehender behandelt werden, 
die im Mittelpunkt der Lehre vom gerechten Preise steht. Wir 
fanden bei Thomas die eigentümliche Verbindung von objektiven 
und subjektiven Momenten im Tausche. Geht diese auf Ari- 
stoteles zurück oder tritt sie bei Albertus Magnus und Thomas 
von Aquin ursprünglich auf oder versuchen hier die beiden 
Scholastiker den Ideenkreis früherer Zeiten mit dem des Aristoteles 
zu vereinigen? 

Xun sind, worauf wir schon oben hingewiesen haben, die 
Stellen im 5. Buche der nicomachischen Ethik, die von der Wert- 
lehre handeln, nicht durchaus klar. Auch heute noch werden sie 
von den verschiedenen Erklärern verschieden erklärt 2 ). 

Ohne nun die Frage endgültig entscheiden zu wollen, scheint 
mir Aristoteles an den bezeichneten Stellen lediglich vom Bedürfnis 
als Wertmaß der Güter zu sprechen. Wir haben bereits oben 

et hoc vocatur jus naturale. Alio modo aliquid est adaequatum vel commensuratum alten 
ex condicto sive ex communi placito.« Das letztere ist das jus positivum. Hiernach 
würde also die Tauschgerechtigkeit unmittelbar dem justum naturale angehören. 

x ) Zur aristotelischen Wertlehre s. vor allem: Kaulla: Die Lehre vom gerechten 
Preis usw. Z. f. ges. St. 1904, S. 582 ff. Brentano: Entwicklung d. Wertlehre. 
Sitzungsb. d. k. b. Ak. d. W., München 1908, S. 8 ff. O. Kraus: Die aristotelische 
Werttheorie in ihren Beziehungen zu den Lehren der modernen Psychologenschule. Z. 
f. g. St. 1905, S. 573 ff. Johann Zmavc: Die Werttheorie bei Aristoteles u. Thomas 
von Aquin. Archiv f. Philosophie (Geschichte) 1899. S. 407 ff., sowie die weiter unten 
angeführte Literatur. 

2 ) Vgl. oben S. 40 f., vgl. im Folgenden. 



— 6 7 - 

darauf hingewiesen, daß manche Ausdrücke Veranlassung geben 
könnten, bei Aristoteles eine Berücksichtigung objektiver Faktoren 
zu finden x ). Aber wenn man diese Stellen im Zusammenhang 
erwägt, wonach bei den Erörterungen über den Tausch dem Be- 
dürfnis eine zentrale Stellung zugewiesen ist, so lassen sich die- 
selben ohne Zweifel restlos und ungezwungen in rein subjektivem 
Sinne erklären. Und eben deshalb scheint mir die Einführung 
objektiver Momente in die Erklärung des Aristoteles nicht gerecht- 
fertigt zu sein. 

Aristoteles spricht zunächst davon, daß die Wieder Vergeltung 
nach geometrischer Proportion erfolge und Ähnlichkeit habe mit 
dem Kreuzen der Diagonalen eines Parallelogramms und fährt 
dann fort: »Ist nun zunächst das nach Proportion Gleiche fest- 
gestellt und findet danach der Entgelt statt, so ist dieser Vorgang 
der von uns bezeichnete. Mangelt es daran, so findet keine 
Gleichheit statt, und der Austausch läßt sich nicht aufrecht erhalten. 
Denn da hindert nichts, daß das Erzeugnis des einen das des 
anderen an Wert übertreffe. Es muß also Gleichheit zwischen 
beiden ausdrücklich hergestellt werden« 2 ). 

Es muß also Gleichheit zwischen den verschiedenen Pro- 
dukten hergestellt werden: »de! ovv xavxa loaoftfjvai«. Oder wie 
es gleich darauf von den verschiedenen Tauschkontrahenten heißt: 
»dXXd xovxovg dei loao&rivai«. 3 ). 

Alle Tauschgegenstände werden nun durch das Geld gemessen 
und vermittels desselben einander gleichgesetzt und zwar muß die 
Gleichsetzung in bestimmter Weise erfolgen: -»dei xoivvv öjieq ol- 
xodojuog jzqÖq oxvxoxö/uov xooaöi vjiodrjjuaxa Jioög oixiav rj XQO<pr]v« 4 ). 
Das Geld ist aber nur Vertreter eines anderen Maßes; es 
ist entstanden als ein »vjidXXay /ua xrjg %Qeia<;«. In Wirklichkeit 
werden die Güter nach ihrer Beziehung zum menschlichen Be- 
dürfnis einander gleichgesetzt: „Sei äga evi xivi ndvxa juexqeio$cu. 
rovxo de l'oxc xfj juev aXrjfteiq fj xQ £ ^ a i *] ^o.vxa övve%ei". Werden die 
Güter in dieser Weise gemessen und mit einander verglichen, 
dann kann die Forderung gerechter Wiedervergeltung erfüllt 
werden: »eoxai drj ävxuiEJiov&ög , oxav ioaofifj, ojoxe öjieq yEcogyög 
Jigog oxvxoxöfjiov, xb EQyov xo xov oxvxoxö/uov Jigög xö xov y£cooyov« & ). 



x ) Vgl. oben S. 40 f. 

2 ) Nie. Ethik V, 8 (Übersetzung von Lasson, S. 105). 

3 ) 1. c. 

4 ) 1. c. 
6 ) 1. c. 

5* 



— 68 — 

Es wird also hier von einem Unterschied zwischen den beiden 
Tauschkontrahenten gesprochen, der das Austauschverhältnis ihrer 
Produkte bestimmen soll. Würdigt man diese Stelle im Zusammen- 
hang, so kann doch wohl nur die Erklärung richtig sein, die 
Kaulla 1 ) und andere derselben gegeben haben: Das Produkt des 
Landmanns befriedigt ein Bedürfnis von bestimmter Größe, ebenso 
das Produkt des Schusters. Treten sich nun Landmann und 
Schuster einander zum Tausche gegenüber, so hat der Landmann 
ein bestimmtes Bedürfnis nach Schuhwerk, der Schuster ein be- 
stimmtes Bedürfnis nach Getreide. Setze ich nun das Verlangen 
des Landmanns nach Schuhen der Stärke nach = i, so ist vielleicht 
das des Schusters nach einem Scheffel Getreide doppelt so stark, 
= 2. Dann muß dieser Unterschied zwischen der Bedürfnisstärke 
der beiden Tauschkontrahenten, der schlechthin als der Unterschied 
zwischen Schuster und Landmann erscheint, im Austauschverhältnis 
ihrer Produkte wiederkehren, d. h. es müssen 2 Paar Schuhe 
gegen einen Scheffel Getreide gegeben werden. Die Tausch- 
gegenstände mögen also an sich verschieden und insofern genau 
genommen unvergleichbar sein: Im Hinblick darauf, daß Menschen 
ihrer bedürfen, bilden sie eine gewisse Einheit, die eine Ver- 
gleichung zuläßt 2 ). 

Auf die Frage, welche Momente im einzelnen das Bedürfnis 
nach den Gütern bestimmen, geht Aristoteles an der betreffenden 
Stelle in der nicomachischen Ethik nicht näher ein. Eingehender 
kommt er darauf in anderen Werken, so vor allem in der Pvhetorik 
zu sprechen. Er will hier zeigen, woher ein Redner beim An- 



*) Kaulla: Die Lehre vom gerechten Preis usw. Z. f. g., St. 1904, S. 585: 
Es wird Aristoteles zitiert: »Die Vergeltung wird eine verhältnismäßige sein, wenn eine 
Gleichheit vorhanden ist, so daß, wie z. B. der Landmann (seil, zu seinem Bedürfnis 
nach Schuhwerk) zum Schuster (seil, zu dessen Bedürfnis nach landwirtschaftlichen Er- 
zeugnissen) sich verhält, so die Arbeit des Schusters (im Wert) zu der des Landmanns 
sich verhält.« Ähnlich Brentano a. a. O., S. 9. 

2 ) Nie. Eth. 1. c. Atfj fisv ovv äXtj&eiq. ddvvarov ra roaovtov öiacpioorra ov/nfistga 
ycvio&at, nQog Sk rtpi yoelav hbsyszai ixavcog.« Karl Marx (Kapitel I, 4, S. 26 f.) 
und im Anschluß an ihn Hohoff (Monatsschr. f. Christ. Sozialref. XV, 1893, S. 28gff. 
u. S. 303 ff.) erklären diese Stelle dahin, daß, nachdem Aristoteles zunächst das Be- 
dürfnis, dann das Geld als gemeinsames "Wertmaß bezeichnet habe, er nun stutze und 
diese Gleichsetzung als etwas der wahren Natur der Dinge Fremdes, also nur als »Not- 
behelf für das praktische Bedürfnis« ansehe. Die wahre Gleichheit der Tauschgegen- 
stände, die menschliche Arbeit, habe Arist. nicht entdecken können, jedoch die Unzu- 
länglichkeit der subjektiven Werttheorie gefühlt. Die Unrichtigkeit dieser Erklärung 
hebt mit Recht Zmavc a. a. O., S. 415 hervor. 



- 6g - 

und Abraten seine Beweisgründe zu nehmen habe 1 ), und erörtert 
zu diesem Zwecke den Begriff des Gutes und die Gründe, die die 
Menschen bestimmen, irgendwelche Güter höher als andere zu 
schätzen. Im Zusammenhang hiermit äussert er manche Gedanken, 
die für seine Wertlehre von Wichtigkeit sind. Außerdem kommen 
noch gelegentliche Äußerungen in anderen Werken in Betracht 2 ). 
Wir beschränken uns auf die Hervorhebung des für uns Wichtigen. 

Zunächst erscheint auch hier das menschliche Bedürfnis als 
entscheidend für das Wesen der wirtschaftlichen Güter. 

Ein Gut ist dasjenige, erklärt Aristoteles, wonach alle Wesen 
streben, durch dessen Besitz man sich wohl und zufrieden fühlt, 
oder das, was diesen Zustand hervorzubringen oder zu erhalten 
imstande ist. Ein Gut in diesem Sinne ist auch der Reichtum, 
der Besitz äußerer Güter 3 ). Diese Güter lassen Abstufungen zu 
nach dem Grade, in welchem sie uns Befriedigung gewähren: 
»Das Lustvollere ist ein grösseres Gut, als das geringere Lust 
Gewährende« 4 ). Das ist ein höheres Gut, »dessen Entbehrung 
fühlbarer ist« 5 ). Damit ist gegeben, daß das Gut, das dem End- 
zweck der Bedürfnisbefriedigung näher steht als ein anderes, an 
sich ein größeres Gut ist 6 ). 

Die abstrakte Nützlichkeit und die Seltenheit eines Gutes 
sind dann des näheren die Faktoren, die den Güterwert bestimmen. 

Dem subjektiven Momente des Bedürfens untergeordnet ist 
auch durchaus der Einfluß der Kosten und Aufwendungen. Sie 
erscheinen nicht wie bei Thomas als selbständige, an sich den 
Wert bestimmende Momente. So hebt Aristoteles hervor: Etwas, 
worauf wir viele Mühe und Kosten verwendet haben, erscheint 
uns schon deshalb als Gut: »Auch das, worauf man viele Mühe 
oder Kosten verwendet hat; denn das erscheint schon als ein Gut 
und wird als ein solches zum Endzweck gemacht und zwar zum 
Endzweck von Vielem; der Endzweck ist aber immer ein Gut« 7 ). 

Hohe Kosten und Seltenheit als wertbildende Momente fallen 
nach Aristoteles häufig zusammen und bedingen sich gegenseitig. 
Worauf er in folgenden Sätzen hinweist: »Sodann ist das Seltenere 



*) Vgl. Rhetor. I, c. 7, i. f. 

2 ) Vgl. des näheren Kraus: Die aristotelische Werttheorie. S. 573 ff. 

3 ) Rhet. I, c. 6. 

4 ) 1. c, c. 7. 
6 ) 1. c. 

6 ) 1. c. 

') Rhet. I, c. 6. 



— 7° — 

ein größeres Gut als das Häufigere; z. B. Gold ein größeres als 
Eisen, obgleich es minder ist; denn der Erwerb desselben ist 
etwas höheres, weil er schwieriger ist«. . . . Im Allgemeinen wird 
das »Schwerere höher geschätzt als das Leichtere; denn es ist 
seltener« x ). Zur Erklärung der Begriffe schwer und leicht ist 
eine Stelle aus dem vorhergehenden Kapitel heranzuziehen: »Leicht 
ist, was ohne Beschwerde oder in kurzer Zeit vollbracht wird; 
denn das Schwere wird als solches bezeichnet entweder durch 
die Beschwerlichkeit oder die Größe des Zeitaufwandes« 2 ). 

Dies sind im wesentlichen die Bestimmungen, die für die 
Wertlehre des Aristoteles in Betracht kommen. Sie erinnern 
zuweilen an die Sätze der modernen Grenznutzentheorie 3 ). Freilich 
hat Aristoteles ihre Bedeutung für den Tausch der Güter und 
das in diesem zu verwirklichende Gerechtigkeitsprinzip nicht erörtert. 

Vergleicht man nun die aristotelischen Gedanken mit der 
thomistischen Wertlehre, so ergeben sich wichtige Gesichtspunkte. 

Zunächst müssen wir die Erklärung der Gerechtigkeit im 
Tausche im objektiven Sinne als unrichtig ansehen: Thomas er- 
klärt den Unterschied, der zwischen den Tauschkontrahenten be- 
stehen soll, als einen Unterschied hinsichtlich der von beiden auf- 
gewendeten Arbeit und Kosten, sich hierin seinem Lehrer Albertus 
Magnus anschließend. Freilich ist diese unrichtige Erklärung 
durch den dunkeln und unklaren Text des Aristoteles selbst zum 
großen Teil veranlaßt und entschuldigt. Auch moderne Erklärer 
interpretieren zum Teil noch die betreffenden Stellen in ähnlichem 
oder demselben Sinne. Bereits oben ist hierüber gesprochen 
worden 4 ). 

Aber trotz der damit gegebenen prinzipiellen Verschieden- 
heit kann man die thomistische Wertlehre noch insofern als durch- 
aus aristotelisch bezeichnen, als die mittelalterlichen Erörterungen 
über den Wert, wie über wirtschaftliche Dinge überhaupt sich 
emporgerankt haben an Aristoteles: »Dem Philosophen« meinten 
Albertus Magnus und Thomas auch in ihrer Wertlehre und in 
den Bestimmungen hinsichtlich der Tauschgerechtigkeit zu folgen, 
wenn sie ihn auch tatsächlich unrichtig erklärt haben. Eine ge- 



x ) Rhet. I, c. 7. 

2 ) Rhet. I, c. 6: y>QÖ.8ia 8e oaa r) ävev Xtuirjg 1} iv öXlym xgovcp. ro yag yaXenov 
ogiCetai fj Xvzifl tj jzXrj&si %QÖvov.« Unter Xvjirj kann man mit Kraus a. a. O., S. 589 
wohl soviel wie »Opfer« überhaupt verstehen. 

3 ; Vgl. Kraus a. a. O., S. 573 ff., wo interessante Parallelen aufgedeckt sind. 

*) Vgl. oben S. 40 f. 



— 7i — 

wisse Weiterführung aristotelischer Gedanken wird man bei ihnen 
allerdings zugeben müssen; denn schon, wenn man die Erklärung 
der Wiedervergeltung im objektiven Sinne, wie Thomas sie gibt, 
im Prinzip für richtig halten wollte, so bedeutete doch die Auf- 
lösung des Unterschiedes zwischen den Tauschenden in einen 
solchen von Arbeit und Kosten eine Ausgestaltung 1 ). 

Der Kommentar zur Ethik enthält mehr als eine einfache 
Wiederholung aristotelischer Gedanken, er will eben ein tieferes 
und volleres Verständnis des Stagiriten ermöglichen und bietet 
deshalb manches Eigene und Selbständige. Freilich wird in 
vorliegendem Falle der Sinn des Aristoteles nicht richtig erfaßt. 

Nun scheint mir aber die letztere Tatsache mit dem bloßen 
Hinweis auf die Schwierigkeit des Verständnisses der nikomachi- 
schen Ethik nicht genügend erklärt zu sein. Wir haben es viel- 
mehr ohne Zweifel bei der thomistischen Wertlehre auch mit Ge- 
danken zu tun, die ihren letzten Ursprung in den wirtschaftlichen 
Verhältnissen des Mittelalters haben. Allerdings tritt dieses Mo- 
ment bei dem straffen, sich streng an den Text des Aristoteles 
haltenden Text der thomistischen Kommentare etwas zurück. 
Anders bei Albertus Magnus, der ausführlich und unter häufigen 
Digressionen die aristotelischen Gedanken umschreibt' 2 ). Die mittel- 
alterliche civitas erscheint hier mit ihrer berufsmäßigen, arbeits- 
teiligen Produktion als Ausgangs- und Mittelpunkt der Betrach- 
tung. Die Bürger sollen im gleichen Maße für einander arbeiten. 
Die Wiedervergeltung nach Arbeit und Kosten, also Ersatz der 
Aufwendungen und Vergeltung der persönlichen Arbeit mit dem 
standesgemäßen Lebensunterhalt ist das Prinzip, ohne das die un- 
umgänglich notwendige Arbeitsteilung innerhalb der Stadt nicht 
aufrecht erhalten bleiben kann 3 ). Thomas gibt derselben Idee 
naturrechtliche Form 4 ). Kurz, es sind Gedanken, die man allen- 
falls im Keime bei Aristoteles finden kann, die aber letzten Endes 



l ) Zmavc a. a. O., S. 422. Kraus a. a. O., S. 589, Anmerkung 2: nimmt an, 
daß Thomas die in der Rhetorik entwickelten Gedanken über die Bedeutung der Kosten 
für die Schätzung der Güter (S. ob. S. 69 f.) zur Kommentierung der nikomachischcn 
Ethik benützt habe. Doch weisen weder Albertus Magnus noch Thomas darauf hin. 
Zudem ist der Charakter der beiden Stellen so verschieden, daß man sie zu ihrer gegen- 
seitigen Interpretierung kaum verwenden kann, selbst dann, wenn man wie Kraus 
'a. a. O., S. 591) bei Aristoteles den Gedanken einer Wiedervergeltung von Arbeit u. 
Kosten findet. Vgl. zudem S. 59, 63 f. 

2 ^ Vgl. oben S. 45 ff. 

3 Vgl. oben S. 5 2 f. 

4 ) Vgl. oben S. 65. 



— 72 — 

doch von außen hineingelegt sind, und die in dieser Ausprägung 
und Form nur vom Boden der wirtschaftlichen Verhältnisse des 
Mittelalters aus begriffen und verstanden werden können. Der 
Gedanke, der die mittelalterliche Stadtwirtschaft beherrscht, der 
zumal auch in der Zunftverfassung zur Ausgestaltung kommt, ist 
der, daß in der civitas jedem seine Existenz ermöglicht sein müsse. 
Die herrschende Motivrichtung des mittelalterlichen Wirtschafts- 
lebens ist, wie Sombart betont, das Bedarfdeckungsprinzip 1 ); es 
fehlt der kapitalistische Geist, für den der Reichtum Selbstzweck 
und die Aussicht auf Gewinn maßgebend ist. Das Streben des 
Handwerkers, der für das Mittelalter typisch ist' 2 ), charakterisiert 
Sombart dahin: »ein standesgemäßes Auskommen strebt er an, 
nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr. Seine gewerb- 
liche Arbeit soll ihm die materielle Basis für seine Existenz: seine 
»Nahrung« verschaffen, das Handwerk soll seinen Mann nähren« 3 ). 
Die thomistische Wertlehre, die, wie früher gezeigt, jedem den 
standesgemäßen Unterhalt garantieren will, ist nichts anderes als 
der adaequate Ausdruck der wirtschaftlichen Zustände des 
Mittelalters. 

So kam es unter Führung des Aristoteles, der freilich aus 
den wirtschaftlichen Verhältnissen des Mittelalters heraus verstanden 
und erklärt wurde, zum ersten Mal seit der Patristik zu einer 
inneren Fortentwicklung der Wertlehre. Die thomistische Wert- 
lehre mit ihrem objektiven Charakter ist freilich von der bei 
Augustinus im Keime vorliegenden subjektiven Theorie durchaus 
verschieden und stellt keine innere Ausgestaltung derselben dar. 
Freilich kommen in anderer Weise in dem Prinzip der Wieder- 
vergeltung von Arbeit und Kosten augustinische Ideen zur Gel- 
tung. Augustinus hatte von einer sozialen Auffassung des Ge- 
meinschaftslebens ausgehend unter Anwendung des paulinischen 
Grundsatzes, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert sei, den Handels- 
gewinn als gesellschaftlichen Arbeitslohn gerechtfertigt. Die Höhe 
des Einkommens sollte dem Stande angemessen sein. Die allge- 
meinen Grundsätze, die Augustinus hier auf den Handel anwendet, 
kehren in der thomistischen Wertlehre wieder, indem auch letzterer 
der Gedanke zugrunde liegt, daß die Gesellschaft dem, der für sie 
arbeitet, ein standesgemäßes Auskommen sichern müsse. Aller- 
dings waren die Ideale Augustins in den wirtschaftlichen Zu- 

a ) Der moderne Kapitalismus I, S. 6if. 

2 ) a. a. O., S. 71. 

3 ) a. a. O., S. 86. 



— 73 — 

ständen, die Thomas umgaben, in weitgehendem Maße ver- 
wirklicht 1 ). 

Noch nach einer anderen Richtung hin führt ein Blick auf 
die mittelalterliche Stadtwirtschaft, wie sie aus Thomas selbst 
sich uns gezeigt hat, zu einem tieferen Verständnis seiner Wert- 
lehre. Die Stadt Wirtschaft erscheint als Wirtschaft des direkten 
Austausches zwischen Produzent und Konsument. Auch Bücher 
schildert sie in derselben Weise 2 ). Unter diesen Verhältnissen 
ist die Preisbildung eine ganz andere als etwa heute. Auf dem 
mittelalterlichen Markte bildet sich tatsächlich für die einzelnen 
Produkte ein bestimmter Marktpreis, den die Tauschkontrahenten 
als gerecht ansehen, und dessen Nichteinhaltung als Übervorteilung 
empfunden wird. Wenn Thomas daher als allgemeine Norm die 
Einhaltung dieses normalen, durchschnittlichen Wertes der Waren 
verlangt, so ist auch das als Spiegelbild der allgemeinen Preis- 
bildung verständlich; ebenso wie die früher erörterte Behandlung der 
Ausnahmefälle von dieser allgemeinen Regel, die für unser mo- 
dernes Empfinden ganz unbegreiflich ist, verständlich wird, wenn 
wir uns den kleinbürgerlichen Rahmen der mittelalterlichen Preis- 
bildung vergegenwärtigen. Thomas konnte also auch hier die 
augustinische Lehre von dem normalen, gerechten Preis vertreten, 
ohne mit der Wirklichkeit in Widerspruch zu kommen. Er konnte 
endlich auch, was für sein Verhältnis zu Aristoteles bedeutsam 
ist, sich dessen Forderung anschließen, daß der Wert der zu tau- 
schenden Güter gleich sein müsse, wenn der Tausch nach Gerech- 
tigkeit vor sich gehen solle. Denn die Durchführung des Äquiva- 
lenzprinzips im Tausche ist bei Annahme eines allgemeingültigen, 
normalen Wertes leicht möglich. 

Bezüglich der Bedeutung des Bedürfnisses im Tausche konnte 
Thomas mit Recht Aristoteles folgen. Sowohl die allgemeinen 
Anschauungen über das Wesen der wirtschaftlichen Güter, wie 
auch die Bestimmungen bezüglich der Schätzungen derselben im 
einzelnen tragen ein spezifisch aristotelisches Gepräge. Thomas 
selbst macht in den bei Behandlung seiner Wertlehre angeführten 
Äußerungen vielfach auf Aristoteles als seine Quelle aufmerksam 3 ). 
Freilich ergibt eine genauere Vergleichung, daß der überraschende 
Tiefblick des Stagiriten hinsichtlich der psychologischen Vorgänge 

J ) Die Übereinstimmung des mittelalterlichen Wirtschaftslebens mit den Forde- 
rungen der Patristik hervorgehoben bei: Troeltsch, Archiv XXVII, S. 60 ff. 

2 ) Entstehung der Volkswirtschaft, S. 135 ff. 

3 ) Vgl. s. 53 ff. 



— 74 — 

bei der Bewertung der Güter von Thomas nicht erreicht wird; 
daß er jedoch selbständig eine tiefere Begründung des durch- 
schnittlichen, normalen Wertes der Güter zu geben versucht, ist 
bereits früher hervorgehoben worden 1 ). 

In diesem Zusammenhange ist nun noch auf eines hinzuweisen. 
An der Stelle, wo er die für die Stellung des Bedürfens im Tausche 
in Betracht kommenden aristotelischen Äußerungen wiedergibt, 
schiebt er den oben genannten Gedanken Augustins ein, daß wir 
im Tausche die Güter nicht nach ihrer natürlichen Rangordnung 
betrachten, sondern nach ihrer Bedeutung für das menschliche 
Bedürfnis. Auch bei Albertus Magnus wird dieselbe Stelle an- 
geführt 2 ). Freilich führen beide in ihren Kommentaren sie 
nicht ausdrücklich auf Augustinus zurück. Wo Thomas jedoch 
in der Summa von der subjektiven Wertlehre spricht, zitiert er 
nicht Aristoteles, sondern jetzt ausdrücklich Augustinus 3 ). In diesem 
Punkte also traf, so scheint es, die Autorität Augustins mit der 
des Stagiriten zusammen, ein etwas äußerlicher Ausgleich, der 
aber für das methodische Vorgehen charakteristisch ist, das Thomas 
bei inneren Verschiedenheiten der augustinischen und aristotelischen 
Gedankenwelten zwecks Herstellung- einer Synthese einzuschlagen 
pflegt 4 ). 

Die thomistische Wertlehre trägt den Charakter der mittel- 
alterlichen Philosophie überhaupt. Sie gleicht dieser in ihrer 
receptiven Art, indem sie ausgebaut wird unter reichlicher Ver- 
wendung des in früheren Zeiten Geschaffenen. Sie gleicht der 
Philosophie des 13. Jahrhunderts in der eigentümlichen Verbindung 
aristotelischer und augustinischer Gedanken, wie ja Thomas eben- 
sosehr an dem Kirchenvater, wie an dem griechischen Philosophen 
orientiert ist 6 ). Freilich hatte Albertus Magnus schon wesentlich 
vorgearbeitet, so daß das Verdienst, das speziell Thomas zuzu- 
schreiben ist, verhältnismäßig gering ist. Und wie man endlich 
der mittelalterlichen Philosophie keineswegs alle Originalität ab- 
sprechen kann, so wird man auch hier Albertus Magnus und 



*) S. oben S. 60 f. 

2 ) S. oben S. 43 sowie S. 49. 

3 ) II, II q. 77, a. 2, ad 3. 

4 ) Vgl. hierzu im allgemeinen: v. Hertling, Augustinus - Zitate bei Thomas 
v. Aquin. S. 558. 

5 ) De Wulf: Histoire de la philosophie medievale, S. 423: »Enfin il a etabli 
une etroite fusion de l'aristotelisme avec un groupe important de doctrines reprises de 
S. Augustin «. 



Thomas von Aquin eine gewisse Selbständigkeit nicht abstreiten 
dürfen. Dafür spricht schon die Tatsache, daß ihre Wertlehre 
wohl in erster Linie aus den wirtschaftlichen Verhältnissen des 
Mittelalters erwachsen ist. 

§ 6. Der gerechte Preis im Handel. 

Bereits früher ist über die Bedeutung gesprochen, die Thomas 
der wirtschaftlichen Funktion des Handels beilegt 1 ). Wir hatten 
sodann gesehen, daß die Tätigkeit des Händlers sich in der Weise 
vollzieht, daß durch Kauf und Wiederverkauf einer Ware ein 
Gewinn erzielt wird 2 ). 

Wir kommen jetzt zu der Frage: ist dieser Gewinn sittlich 
erlaubt? Darf der Kaufmann einen Gewinn berechnen, ohne gegen 
die Grundsätze der Gerechtigkeit zu verstoßen? Schließt nicht 
vielleicht die Idee des justum pretium den Handelsgewinn aus? 

Die aristotelischen Gedanken bewegen sich entschieden in 
letzterer Richtung 3 ). Es ist oben gezeigt, daß Thomas in der 
Erfassung der wirtschaftlichen Struktur des Handels durchaus auf 
Aristoteles fußt. Doch folgt er ihm in der sittlichen Beurteilung 
desselben nicht. Hier schließt sich Thomas vielmehr an Augustinus 
an. Es ist früher darauf hingewiesen, wie dieser von der wirt- 
schaftlichen Bedeutung des Handels ausgehend, den Handelsgewinn 
gewissermaßen als »gesellschaftlichen Arbeitslohn« rechtfertigt 4 ). 
Dieser augustinische Gedanke ist für die Folgezeit richtunggebend 
gewesen. 

Er trat Thomas einmal aus Augustinus selbst entgegen; dann 
war aber auch die ganze bisherige Beurteilung des Handels in 
der Scholastik vor Thomas von denselben Prinzipien getragen 
gewesen. 

Alexander Halensis(f 1245) kann hier in gewisser Beziehung 
als typisch gelten 5 ). Auf Augustinus sich stützend, nimmt er zu 
dem bekannten Worte aus Pseudo-Chrysostomus Stellung, daß der 
Kaufmann sündige, der, um zu gewinnen, eine Sache unverändert 
weiter verkaufe. Er verlangt einmal, daß der Händler von einer 
»necessaria et pia causa« geleitet werde, also zwecks Beschaffung 
des Lebensunterhaltes für sich und seine Familie Handel treibe, 



1 ) Vgl. S. 22 ff. 

2 ) Vgl. S. 31. 

3 ) Vgl. S. 26 f. sowie S. 29, Anm. 2. 

4 ) Vgl. S. ioff. 

s ) Vgl. zum Folgenden Summa theologica III, q. 50, m. I. 



— 7 6 — 

sowie daß er auf den Nutzen des Staates sehe, »cui conferunt 
negociationes«. Im übrigen sei ein höherer Verkaufs- als Einkaufs- 
preis gestattet im Hinblick auf die Arbeit des Transportes und 
die Mühe und Sorge, die mit der Übernahme der Gefahr der 
Aufspeicherung der Waren verbunden sei. In beiden Fällen ver- 
kaufe der Händler die Sache nicht mehr, »ut integram et inmu- 
tatam vendendo lucretur«. Die Waren seien vielmehr verändert, 
auch wenn sie der Substanz nach dieselben geblieben wären. Ferner 
wird vom Kaufmann Einhaltung des gerechten Preises verlangt 1 ). 
Zumal letztere Bestimmung, bemerkt jedoch Alexander, werde 
häufig nicht eingehalten, so daß der Handel kaum ohne Sünde 
betrieben werden könne 2 ). Die prinzipielle Anerkennung des Handels 
wird jedoch hiermit keineswegs aufgehoben. 

Diese im Kerne augustinische Beurteilung des Handels — 
augustinisch in der Einreihung desselben in das soziale Ganze, in 
der Rechtfertignng des Gewinnes als Arbeitslohnes — erfuhr auch 
unter dem Einflüsse aristotelischer Gedanken keine wesentlichen 
Veränderungen. 

Die Auseinandersetzung mit Aristoteles beginnt bereits bei 
Albertus Magnus. Der Handelsgewinn hat, so hebt er gelegentlich 
hervor, Ähnlichkeit mit dem Zins: »Si autem spes facit usuram, 
tunc negotiator videtur usurarius, quia sperat accipere ultra sortem«. 
Und doch besteht zwischen Handels- und Zinsgeschäft ein tief- 
gehender Unterschied; letzteres ist nach natürlichem und gött- 
lichem Rechte verboten, ersteres dagegen gestattet 3 ). 

Für die Rechtfertigung 4 ) des Handels ist wieder der Gesichts- 
punkt entscheidend, daß derselbe für die menschliche Gesellschaft 
durch Ausgleichung des Mangels hier und des Überflusses dort 
unentbehrlich und von großem Nutzen ist. Vom Boden dieser 
wirtschaftlichen Tatsache aus erfolgt die ethische Beurteilung: 
»Adhuc negotiationes utiles sunt toti terrae asportando abundantia 
in terra aliqua et reportando deficientia: nihil autem utilitati commu- 
nitatis deserviens est peccatum. Ergo negotiationes tales non sunt 
peccatum : non ergo generaliter dicere debuit de negotiatione, quod 
esset peccatum«. 

Wenn daher ein Handelsgeschäft als unerlaubt zu bezeichnen 
ist, so liegt das nicht am Handel als solchem, sondern an äußeren 

1 ) Die Bestimmung desselben s. S. 62, Anm. 4. 

2 ) 1. c, m. 2. 

3 ) Sent. III, 37; a. 13. 

*■) Vgl. zum Folgenden Sent. IV, 16 a. 46. 



— 11 — 

Umständen 1 ). Als derartige äußere Umstände möchte Albertus 
als für seine Zeit (»temporibus modernis«) besonders wichtig folgende 
namhaft machen: i. Momente, die in der Person des Handel- 
treibenden begründet sind: Ein Geistlicher oder Mönch darf sich 
nicht mit Handelsgeschäften befassen 2 ). 2. Umstände, die einen 
Handel als zeitlich unerlaubt erscheinen lassen: Das Handeln an 
Festtagen ist verboten. Ferner darf dann kein Handel getrieben 
werden, wenn dadurch wahrscheinlich eine Teuerung hervorgerufen 
würde; wenn z. B. jemand alles Getreide gleich nach der Ernte 
aufkaufen wollte, um dann den Preis steigern zu können. 3. Der 
Handelsgewinn ist, und darauf kommt es hier an, nur dann erlaubt, 
wenn bei Kauf und Verkauf einer Ware das justum pretium bezahlt 
und berechnet wird. Dieses justum pretium bestimmt, wie früher 
dargelegt, Albertus Magnus dahin: »Justum autem pretium est 
quod secundum aestimationem fori illius temporis potest valere res 
vendita.« Der erlaubte Handelsgewinn bedeutet also keine Über- 
schreitung des gerechten Preises. 

Wenn aber Kauf und Verkauf, die beiden commutationes, 
die ein Kaufmann vornimmt, sich nach den Grundsätzen der Ge- 
rechtigkeit vollziehen, so gilt vom Handel das, was vom Tausche 
überhaupt gilt, daß er das Zusammenleben der Bürger, die civi- 
litas, nicht nur nicht stört, sondern im Gegenteil begründet und 
stärkt. Und wenn es das Streben der Moral ist, das menschliche 
Zusammenleben zu ermöglichen, so kann vom moralischen Stand- 
punkt aus um so weniger gegen den Handel eingewendet werden. 

Den angeführten Gedanken über die Wirkung des Tausches 
innerhalb der menschlichen Gesellschaft entnimmt Albertus Magnus 
der Ethik des Aristoteles. Er geht jedoch weiter als letzterer 
und wendet ihn auch auf den Handel an, den Aristoteles in der 
Politik, die Albertus allerdings noch nicht verwertet, verwirft. 
In bemerkenswerter Weise aber werden hier schon Augustinus 
und Aristoteles verschmolzen: Man sieht, auch bei Aristoteles 
finden sich gewisse Prinzipien, aus denen heraus der Handel ge- 
rechtfertigt werden konnte. 

Hatte die Auseinandersetzung der augustinischen Anschauung 
vom Handel mit der des Aristoteles bei Albertus Magnus begonnen, 



J ) Das folgende bietet Alexander Halensis bereits in ähnlicher Zusammenstellung, 
nur fügt derselbe noch hinzu, der Handel könne unerlaubt sein: ex circumstantia con- 
sortii: »cum scilicet carius venditur res transeuntibus quam manentibus.« S. Th. III,. 
q. 50, m. 1. 

2 ) Vgl. c. 3, C. 14, q. 4. Hier wird den Geistlichen der Handel verboten. 



— 7« — 

so wird dieselbe von Thomas vollendet und zum Abschluß ge- 
bracht, indem er die grundlegenden Ausführungen der aristo- 
telischen Politik heranzieht. 

Im Grunde ist die Stellung, die Thomas zum Handelsgewinn 
einnimmt, der der früheren Scholastik ähnlich. Der Kern seiner 
Ausführungen ist wieder der augustinische Gedanke, daß der 
Handel für die menschliche Gesellschaft nutzbringend ist und die 
menschliche Gesellschaft deshalb dem Kaufmann eine wirtschaft- 
liche Existenz ermöglichen muß. Der Handelsgewinn erscheint 
wieder als »gesellschaftlicher Arbeitslohn«. Der Handel ist erlaubt, 
sagt Thomas, »cum aliquis negotiationi intendit propter publicam 
utilitatem, ne scilicet res necessariae ad vitam patriae desint, et 
lucrum expetit non quasi finem, sed quasi Stipendium laboris« 1 ). 

An einer anderen Stelle heißt es ähnlich: »illa, sine quibus 
non potest respublica conservari, non sunt vitia, sed magis ad 
virtutem ordinata.« Zu diesen unentbehrlichen Erwerbszweigen 
gehöre auch der Handel: »per quam necessaria populo procurantur« 2 ). 

Der Handelsgewinn hebt die Gerechtigkeit des Preises nicht 
auf. Freilich könnte es so scheinen; denn die Erzielung eines 
Gewinnes ist mit dem Gedanken unvereinbar, daß ein Gut als 
solches einen bestimmten gerechten Preis besitze, einen normalen 
Wert habe, so wendet Thomas selbst ein. Beim Handel haben 
wir es mit 2 Preisen zu tun, die derselben Ware beigelegt werden. 
Der Gewinn scheint nur erzielt werden zu können, wenn eine 
Ware zu billig eingekauft und zu teuer verkauft wird 3 ). 

Doch bereits oben ist darauf hingewiesen worden, daß Thomas 
einen unveränderlichen abstrakten Wert nicht kennt. Der Markt- 
preis ist vielmehr nach Ort und Zeit verschieden 4 ). Und wenn 
ein Händler durch Ausnützung dieser Verschiedenheiten einen 
Gewinn erzielt, so ist dies durchaus gestattet. 

Der Handelsgewinn ferner ist nach dem eben gebrachten Zitat 
im letzten Grunde Arbeitslohn, und wenn im Tausche nach dem 
Wertgesetz eine Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten statt- 
finden soll, wenn die Güter ausgetauscht werden sollen nach den 
verhältnismäßigen Kosten, dann darf auch der Kaufmann für 
seine Mühewaltung einen Lohn berechnen, der als Wieder- 
erstattung seiner Arbeit erscheint. Und insofern der Handels- 



J ) II, II q. 77, a. 4. c. Vgl. S. 21 ff. 

2 ) Sent. IV, 16, q. 4, a. 2. 3. 

3 ) II, II q. 77, a. 4. ob. 2. 

4 ) Vgl. oben S. 56 sowie die folgende Anmerkung. 



— 79 — 

gewinn als Arbeitslohn erscheint, steht er im Einklang mit dem 
Wertgesetz, er wird gerechtfertigt aus dem Gesichtspunkt der 
Wertlehre heraus. Es liegt hier eine bedeutungsvolle Anwendung 
der Grundsätze des iustum pretium vor. Wenn es gestattet ist, 
schon dann, wenn jemand durch Zufall veranlaßt wird, ein ge- 
kauftes Gut wieder zu verkaufen, ohne an den früheren Preis ge- 
bunden zu sein, einen höheren zu fordern, wenn der Preis sich 
inzwischen verändert hat, oder der Transport mit Gefahren ver- 
bunden war, für die ein Entgelt beansprucht werden darf, so darf 
mit noch größerem Rechte im Hinblick auf die volkswirtschaft- 
liche Unentbehrlichkeit des Handels der Händler einen höheren 
Verkaufs- als Einkaufspreis berechnen 1 ). 

Der Handelsgewinn kann also an sich nicht abgelehnt werden. 
Ob im einzelnen Falle der Kaufmann in erlaubter oder unerlaubter 
Weise Gewinn bezieht, muß nach anderen Umständen beurteilt 
werden. Der Handel wird zunächst nur dann erlaubt sein, wenn 
der Kaufmann sich fernhält von Übervorteilung des Nächsten 2 ). 
Bei Einkauf und Verkauf bleibt er an das iustum pretium gebunden. 
Der Gewinn insbesondere soll sich in mäßigen Grenzen halten. 
Thomas billigt dem Kaufmann nur ein moderatum lucrum zu 3 ), 
ähnlich wie schon Plato nur ein xegöog justqiov gestatten wollte. 
Der Handel soll nicht zu übermäßiger Bereicherung führen. 

Dazu kommt vor allem ein anderer Gesichtspunkt. Im Handel 
verkörpert sich das Streben nach Gewinn. Freilich ist letzteres 
nicht allein mit dem Handel verknüpft; es findet sich auch z. B. 
beim Handwerker, der einen Gegenstand kauft, um ihn verarbeitet 
teuerer mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen 4 ). Aber im letz- 
teren Fall hat der erzielte höhere Preis doch weniger Gewinn- 

*) 1. c. ad 2: »Ad secundum dicendum, quod non quicumque carius vendit aliquid 
quam emerit, negotiatur, sed solum qui ad hoc emit, ut carius vendat. Si autem emit 
rem, non ut vendat, sed ut teneat et postmodum propter aliquam causam eam vendere 
velit, üon est negotiatio, quamvis carius vendat. Potest enim hoc licite facere, vei quia 
in aliquo rem melioravit, vel quia pretium rei est mutatum secundum diversitatem loci vel 
temporis vel propter periculum, cui se exponit transferendo rem de loco ad locum vel 
etiam ferri faciendo. Et secundum hoc nee emptio nee venditio est iniusta.« 

2 ) cf. Quodlib. II, a. io, c. Sent. IV, 16, q. 4. 3. Als Bedingungen, unter denen 
der Handel erlaubt ist, werden hier aufgeführt: »quod . . . negotiator non habeat con- 
ditionem in se, quae ipsum ab officio hoc prohibeat sicut clericis et monachis non licet 
negotiari, quamvis liceat propria vendere, et quod tempore debito mercationes faciant, 
non diebus festivis et tempore, quo caristiam inducere possit, tale officium exercetur et 
modus debitus, ut sine fraude fiat et secundum licitum contractum.« 

3 ) II, II q. 77, a. 4 c. 

4 ) II, II 141, a. 6, ad I: »aedificatoris finis quandoque est lucrum.« 



— 8o — 

Charakter 1 ). Vielmehr tritt gerade beim Handel das Gewinnstreben 
besonders deutlich hervor. Diesem Streben nach Gewinn steht 
Thomas nicht besonders wohlwollend gegenüber 2 ). Der Handel 
sagt er, »iuste vituperatur, quia quantum est de se, deservit cupi- 
ditati lucri, quae terminum nescit, sed in infinitum tendit. Et 
ideo negotiatio secundum se considerata quandam turpidinem 
habet«, soweit schließt sich Thomas fast wörtlich an Aristoteles an. 
Er weist aber dessen gegen den Handel gerichtete Schlußfolge- 
rungen sogleich zurück, indem er seinen Worten hinzufügt: »in- 
quantum non importat de sui ratione finem honestum vel neces- 
sarium« 3 ). Entscheidend für die Erlaubtheit einer Gewinnerzielung 
ist ihm also der innere Zweck, den der Händler verfolgt. Die 
äußere wirtschaftliche Tatsache des Gewinnerzielens ist etwas ethisch 
Indifferentes: »lucrum tarnen, quod est negotiationis finis, etsi in sui 
ratione non importet aliquid honestum vel necessarium, nihil tarnen 
importat in sui ratione vitiosum vel virtuti contrarium« 4 ). Das 
Streben nach Gewinn um des Gewinnes willen ist unerlaubt. Der 
Kaufmann darf den Gewinn nicht als Endzweck, als finis »ultimus« 
setzen 5 ). Er muß seinem Streben einen andern Zweck unterlegen, 
der im Gegensatze zum ersteren ein finis honestus vel necessarius 
ist. So wenn der Händler den Unterhalt seiner Familie oder den 
Unterhalt von Armen erzielen will oder, wenn ihn die Absicht 
leitet, seinem Vaterlande durch Herbeischaffung der Lebensmittel 
zu dienen 6 ). Aristoteles hat recht, so können wir sagen, wenn er 
das grenzenlose Streben nach Gewinn um des Gewinnes willen 
verwirft, aber unrecht ist es, diese Gesinnung jedem Händler not- 
wendig zuzuschreiben. Die äußere Tatsache der Gewinnerzielung 
kann sehr w T ohl aus einer andern innern Absicht hervorgehen. 



x ) II, II q. 77, a. 4, ad i : »si enim rem in melius mutatam carius vendat, 
videtur praemium sui laboris accipere.« 

2 ) Vgl. zum folgenden: Hilgenreiner, Die Erwerbsarbeit usw., S. 142 f., 
Walter, a. a. O. S. 6of., Schaub, Eigentumslehre, S. 415, Baumann, a. a. O. 
S. 194 ff. 

3 ) IT, II q. 77, a. 4 c. 

4 ) 1. c. 

5 ) 1. c, ad 1. 

6 ) 1. c. : »unde nihil prohibet, lucrum ordinari ad aliquem finem necessarium vel 
etiam honestum; et sie negotiatio licita reddetur. Sicut cum aliquis lucrum moderatum, 
quod negotiando quaerit, ordinat ad domus suae sustentationem vel etiam ad subvenien- 
dum indigentibus vel etiam cum aliquis negotiationi intendit propter publicam utilitatem, 
ne scilicet res necessariae ad vitam patriae desint, et lucrum expetit non quasi finem, 
sed quasi Stipendium laboris«, vgl. S. 78. 



Wenn Brentano in seinen früher angeführten Schriften in 
diesem Punkte die mittelalterliche und moderne Auffassung vom 
Wirtschaftsleben einander gegenüberstellt, daß nämlich das Mittel- 
alter das Streben nach Gewinn verworfen habe, die moderne 
Nationalökonomie es einfach als Tatsache hinnehme, so ist dies 
sicher richtig. Es besteht ein tiefgehender Unterschied zwischen 
der thomistischen Ethik und dem modernen kapitalistischen Geiste. 

Aber dieses Ablehnen des grenzenlosen Gewinnstrebens und 
die Beschränkung des Händlers auf den standesgemäßen Lebens- 
unterhalt entspricht bei Thomas in etwa den wirtschaftlichen Zu- 
ständen. Mochten die bezeichneten Ideen in der altkirchlichen 
Zeit aus einer Reaktion des Christentums gegen das entartete 
kapitalistische Wirtschaftsleben entstanden sein, so hatten sich für 
Thomas die wirtschaftlichen Verhältnisse dem dort vorgezeichneten 
Bilde in bedeutendem Maße angepaßt. 

Vielleicht hat Sombart das Bild des mittelalterlichen Handels 
etwas verzeichnet. Ganz unrecht dürfte ihm jedenfalls nicht zu 
geben sein, wenn er betont, daß der Handel während des euro- 
päischen Mittelalters ein durchaus handwerksmäßiges Gepräge 
getragen habe 1 ), daß dem Händler nichts ferner gelegen habe wie 
Gewinnstreben, daß vielmehr seine ganze Tätigkeit von der Idee 
der Nahrung beherrscht gewesen sei 2 ). Es mag sich im Handel 
zu jeder Zeit ein gewisses kapitalistisches Gewinnstreben gefunden 
haben, und die Zersetzung des mittelalterlichen Wirtschaftslebens, 
soweit es auf dem Prinzip der Bedarfsdeckung aufgebaut war, 
gerade aus dem Handel heraus erfolgt sein, indem einzelne durch 
den Handel zu größerem Reichtum gelangten, den sie dann 
kapitalistisch verwerten konnten 3 ). Ja, es wäre aus diesem Gesichts- 
punkte heraus ein Mißtrauen dem Handel gegenüber um so 
mehr verständlich, als derselbe in gewissem Sinne ein fremdartiges 
Moment im Wirtschaftsleben war. Aber sicher entsprachen die 
tatsächlichen Verhältnisse in vielen Fällen dem gewünschten Ideal, 
und im übrigen werden wir es auch aus rein wirtschaftlichen 
Erwägungen heraus verstehen können, wenn die Forderung erhoben 
wurde, den Handel organisch in das Wirtschaftsleben einzufügen, 
ihn nach dem Bilde des .Handwerks' zu formen. 

Thomas erwartet vom Streben nach Gewinn keine Harmonie 



J ) Der moderne Kapitalismus, I, S. 165. 

2 ) a. a. O. S. 174. 

3 ) Vgl. die Kritik der Sombartschen Theorie bei Strieder: Zur Genesis des 
modernen Kapitalismus, 1904, S. 37 ff. 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 6 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 82 — 

des Wirtschaftslebens. Es ist bereits oben die Stelle angeführt 
worden, wo er die Wirkungen des Erwerbstriebes, der cupiditas 
lucri, für die menschliche Gesellschaft schildert. Das Erwachen des 
Handelsgeistes führt zu einer Zersetzung des Zusammenlebens, der 
einzelne folgt lediglich seinen Interessen, ohne an das Gemeinwohl 
zu denken; Laster, Betrug finden Eingang, »ut omnia fiant venialia« 1 ). 

Hiermit hängt es zusammen, daß den Geistlichen der Handel 
verboten sein soll. Dem Gewinnstreben haftet eine species mali an. 
Es führt leicht zu sündhaften Geschäften 2 ). Der Handel ist mit 
dem geistlichen Stande, der eine Ausnahmestellung einnimmt, un- 
vereinbar, weil er den Geist zu sehr in Anspruch nimmt, so daß vor 
lauter irdischer Sorge der eigentliche Beruf vernachlässigt würde 3 ). 

Hinsichtlich der Stellung zum Handel bedeutet Thomas den 
Abschluß der vorangegangenen Entwicklung. In der Auffassung 
des Handels seiner wirtschaftlichen Seite nach schließt er sich 
wesentlich an Aristoteles an. Auch der patristischen Zeit, besonders 
Augustinus werden hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Funktion 
des Handels wichtige Gesichtspunkte entnommen. In der sittlichen 
Beurteilung weicht er von Aristoteles ab, kommt ihm freilich 
wenigstens insofern entgegen, als er dem Handelsgewinn eine gewisse 
species mali 4 ) zuschreibt. Die Verschiedenheit zwischen der An- 
erkennung des Handels hier und seiner Ablehnung dort wird damit 
allerdings nicht überbrückt. In der Beschränkung des Handels- 
gewinnes auf den standesgemäßen Lebensunterhalt kommt Augustins 
Ideal zum Ausdruck, wie auch die prinzipielle Auffassung des 
Gewinnes als Arbeitslohnes augustinischen Ideen entspringt. 

Finden sich in der patristischen Zeit Äußerungen, die den 
Handel völlig ablehnen, oder doch abzulehnen scheinen, so werden 
diese bei Thomas dadurch überwunden, daß er sie dahin deutet, 
sie bezögen sich nur auf den Handel, dessen letztes Ziel im 
Gewinn bestände. Dies geschieht z. B. mit dem oben berührten 
Satze aus dem Op. imperf., das auch von Thomas irrtümlicher- 
weise dem Chrysostomus beigelegt wird 5 ). In allem waren 
freilich die Scholastiker vor Thomas, wie Alexander Halensis, 



x ) De reg. princ. II, c. 3, vgl. oben S. 23. 

2 ) Vgl. Sent. IV, 16, q. 4, a. 2, 3, wo der Handel zu den Erwerbszweigen gezählt 
wird: »quae habent peccatum annexum, quamvis quandoque sine peccato exerceri possunt«. 

3 ) II, II q. 77, a. 4, ad. 3. Ferner Quodl. VII, a. 12: saecularia esse negotia, 
quae fiunt causa pecuniae coli igen dae sine opere manuali, ut per mercationem et 
huiusmodi, a quibus servi Dei se debent penitus abstinere«. 

4 ) Vgl. Anmerkung 3. 

5 ) II, II q. y/ t a. 4, ad. I. vgl. ib. ob. 1. 



— 8 3 - 

Albertus Magnus ihm bereits mehr oder weniger vorausgegangen. 
Thomas überragt sie jedoch darin, daß er die aristotelischen 
Gedanken tiefer auffaßt und eine volle Auseinandersetzung der- 
selben mit dem alten augustinischen Ideenkreise herbeiführt, was 
speziell Albertus Magnus zwar angebahnt, aber in noch mehr 
äußerlicher und unvollkommener Weise getan hatte 1 ). 

§ 7. Die Lehre vom gerechten Arbeitslohn. 

Über die Höhe des gerechten Lohnes ist im Vorstehenden schon 
nach einer Seite hin gehandelt worden. Indem für den Tausch Wieder- 
vergeltung von Arbeit und Kosten gefordert wird, wird zugleich damit 
verlangt, daß der betreffende Produzent oder Händler außer dem 
Ersatz seiner Kosten noch eine Vergütung für seine Arbeit erhalten 
solle. Die Höhe derselben beläuft sich, wie gezeigt ist, auf den 
standesgemäßen Lebensunterhalt. Der Lohn wird in dem Preise der 
Waren bezahlt und ist so ein notwendiger Bestandtteil des Wertes. 

Eine ganz besondere Bedeutung erhält aber die Lehre vom 
Lohn dann, wenn es sich um einen Lohnvertrag handelt. Hier 
wird der einzelne nicht in der Weise betrachtet, daß er innerhalb 
der Gesellschaft arbeitend für seine Arbeit ein bestimmtes Ein- 
kommen erhält, das er durch Verkauf seines Arbeitsproduktes 
gewinnt; sondern hier wird die Arbeit selbst zur Ware, nach 
deren gerechtem Preis gefragt wird 2 ). Es handelt sich um den 
Lohnvertrag zwischen 2 Personen: Einer überläßt einem andern 
seine Arbeitskraft gegen Entgelt. 

Ein Lohnvertrag kann bei ökonomisch ganz verschieden 
gestellten Ständen vorliegen. Vor allem kommen die Arbeiter, 
wie Tagelöhner usw. in Betracht. Ihre ökonomische Lage charak- 
terisiert Thomas mit den Worten: »Mercenarii, qui locant operas 
suas, pauperes sunt, de laboribus suis victum quaerentes quoti- 
dianum« 3 ). Sie sind also auf das Existenzminimum beschränkt. 



1 ) Dieselben Bestimmungen, wie für den Handel, gelten auch für das Geschäft 
der campsores (vgl. S. 31). Freilich beachtet Thomas in der Summa in seiner weiteren 
Darstellung nur den Warenhandel. Auf die eigenartige Natur des Geldwechselgeschäftes 
kommt er nur im Kommentar zur Politik zu sprechen: Hiernach ist dasselbe erwachsen 
aus der zufälligen Beobachtung: »quod ex aliquibus terris in alias aliqui denarios trans- 
feientes, carius eos expenderint, quam acceperint.« Wie also der Kaufmann durch Aus- 
nützung der Verschiedenheit der Warenpreise an den einzelnen Orten seinen Gewinn er- 
zielt, so der Wechsler durch Ausnützung der Kursverschiedenheiten der Münzen. (C. i. 
Ar. Pol. I. 1 VII g.) 

2 ) Über die Lehre vom gerechten Lohn handelt vor allem Hilgenreiner, 
a. a. O. S. 1 39 ff. Vgl. ferner Kostanecki: Arbeit und Armut (Freiburg 1909) passim. 

3 ) I, II, 105, a. 2, ad. 6. Über das Verhältnis von Arbeit und Armut vgl. 
Kostanecki, a. a. O. passim. 

6* 



- 8 4 - 

Ihnen gegenüber stehen die anderen Klassen, wie Aerzte, 
Advokaten usw., die ebenfalls von ihren Arbeitsleistungen leben. 
Die Existenz derselben ist möglich durch die Arbeitsteilung; sie 
leben dann von der wirtschaftlichen Arbeit anderer. Dies ist aber 
nur berechtigt, w T enn sie ihre Dienste für die Gesamtheit ver- 
wenden. Thomas unterscheidet sich hier von Aristoteles, der den 
Gelderwerb aus geistiger Arbeit als unsittlich ablehnt 1 ). Übrigens 
nimmt bereits Augustinus eine freiere Stellung ein 2 ). Die ökono- 
mische Lage dieser Klassen ist selbstverständlich eine ganz andere 
wie die der gewöhnlichen Handarbeiter. 

Die vertragsmäßige Natur dieses Arbeitsverhältnisses hebt 
Thomas deutlich hervor; »pactum intervenit inter operantem et 
eum, cui operatur« 3 ). Es handelt sich näherhin um einen Tausch- 
vorgang zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer, in 
welchem ersterer dem letzteren zahlt, was seine Arbeit wert 
ist: . . . »commutatio proprie est, quando ex mutuis operibus fit 
aliquid alicui debitum, sicut ex hoc, quod unus laboravit in vinea 
alterius, alter constituitur sibi debitor in tanto, quantum valet 
labor eius, et in his dirigit commutativa iustitia« 4 ). 

Die Arbeit erscheint also als etwas, was einen bestimmten 
Wert hat: wie für jede andere Ware wird für die Arbeit ein 
Preis gezahlt, und eben letzteres ist der Lohn: »Id enim merces 
dicitur, quod alicui recompensatur pro retributione operis vel laboris 
quasi quoddam pretium ipsius« 5 ). Und wenn im Tauschvertrage 
ein justum pretium gefordert wird, so gilt dasselbe vom Lohn- 
vertrage: es gibt auch einen gerechten Preis der Arbeit. So fährt 
Thomas an derselben Stelle fort: »Unde sicut reddere iustum 
pretium pro re accepta ab aliquo est actus iustitiae, ita etiam 
recompensare mercedem operis vel laboris est actus iustitiae«. 

Näherhin hat der Arbeitsvertrag den Charakter eines Miet- 
vertrages, einer locatio et conductio. Das Wesen des Mietvertrages 
— es wird später darauf zurückzukommen sein, — besteht darin, 
daß der Eigentümer einer Sache unter Festhaltung des Eigentums 
an derselben einem anderen die Nutznießung überläßt. Es handelt 



2 ) Vgl. Aristoteles, pol. i, 3 (§ 19). Ferner Thomas: S. c. g. III, 15; Quod. 
VII, 18; Sent III, 37, a. 5 q. 2, ad. 2. und sonst häufig. Siehe hierzu des Näheren 
Maurenbrecher, a. a. O. S. 36. 

2 ) Ep. 153. (M. XXXIII, 663 f.). 

3 ) Op. XIX, c. 7. 

4 ) Sent III, 33, 3, a. 4. 

6 ) I, II, 114, 1. c. Vgl. Hilgenreiner, a. a. O. S. 141 f. 



- 8 5 — 

sich also um Dinge, die wie Häuser, Acker, usw. dauernder 
Nutzung fähig sind: Die Substanz des Hauses bleibt, abgesehen 
von etwaiger Abnutzung, bestehen; sie wird dem Vermieter 
zurückgegeben. Hiervon getrennt wird der Nutzen vertragsmäßig 
überlassen und ihm ein bestimmter Preis zugesprochen 1 ). 

Der Lohnvertrag hat nun, sagt Thomas, wohl im Anschluß 
an das römische Recht 2 ) Ähnlichkeit mit einer locatio: Jemand 
überläßt einem andern gegen Entgelt die Nutzung seiner Arbeits- 
kraft. Ja, Arbeitskraft und vermietbare Dinge werden direkt 
miteinander verglichen: »sicut aliquis mercenarius locat operas 
suas, ita etiam aliqui locant domum vel quaecumque alia 
huiusmodi« 3 ). 

In diesem Sinne spricht Thomas sowohl von den höheren 
Berufen, daß sie eine locatio ihrer Arbeitskraft vornehmen, als 
auch von den »mercenarii, qui operas suas locant« 4 ). 

Von seiten der Arbeitgeber entspricht der Vermietung die 
conductio: »Manifestum est autem, quod obsequium hominis ad ali- 
quam utilitatem ordinatur, quae potest pretio pecuniae aestimarit 
unde et pecuniaria mercede ministri conducuntur« 5 ). 

Die Gerechtigkeit des Lohnes besteht wie beim Tausch in 
der Gleichheit von Leistung und Gegenleistung 6 ). 

Die Bestimmungen, die Thomas über die Höhe des Lohnes 
gibt, sind spärlich. Doch finden sich einige wichtige Prinzipien. 

Der Begriff der Gleichheit der Wiedervergeltung im Arbeits- 
vertrage schließt zunächst ein, daß der Lohn, dem verchiedenen 
Wert der einzelnen Arbeiten entsprechend, verschieden bemessen 
sein muß: »Merces proportionatur merito, cum in retributione mer- 
cedis aequalitas iustitiae observetur« 7 ). Die leitende Arbeit ist dem- 
gemäß höher zu entlohnen als die ausführende, trotz der geringeren 
körperlichen Arbeit im ersteren Falle. So ist z. B. beim Bau eines 
Hauses dem Baumeister höherer Lohn zu zahlen, als den Hand- 
arbeitern, die sich nur mit dem Behauen der Steine und dem 
Anfertigen des Bauholzes befassen 8 ). 

1 ) Vgl. II, II, 78 a. 1. c. 

2 ) Vgl. z. B. 1. 38. D. 19, 2: »Qui operas suas locavit, totius temporis 
mercedem accipere debet«. 

3 ) I, II, 105, a. 2. ob. 6. 

4 ) Vgl. z. B. De reg. princ. I, 10. Quod. VIII. a. 11. Vgl. oben S. 83, Anra. 4. 

5 ) U, II, 100, a. 5. c. 

8 ) Vgl. i. vor. III, 49, a. 6. c. 

7 ) S. c. g. III, 149. Cf. I. ad. Cor. c. III. 1. 2. »maior labor maiorem mercedem 
meretur.« 

8 ) Quodl. I, a. 14. 



— 86 — 

Die absolute Höhe des Lohnes ergibt sich aus dem ganzen 
Zwecke der Arbeit. Soll letztere dem Erwerb des Lebensunter- 
haltes dienen, so ist damit schon gesagt, daß eben jener Lebens- 
unterhalt der gerechte Lohn der Arbeit sei. In diesem Sinne 
sagt Thomas: »ius naturale habet, quod homo vivat de labore 
suo. Dignus est enim operarius mercede sua. Hoc enim concessum 
est homini a creatore. In sudore etc. Gen. 3« 1 ). 

Lebensunterhalt und Lohn werden geradezu gleichgesetzt: 
Den Geistlichen wird Unterhalt geschuldet »quasi merces« 2 ). Die 
Leistung der Arbeit gibt ein unbedingtes Recht auf Unterhalt : 
» . . . constat quod militi cuilibet et plantatori vineae et pastori 
gregis debetur victus ex suo opere propter hoc, quod in opere 
laborant« 3 ). 

Nun ist selbstverständlich der Lebensunterhalt nicht für alle 
Menschen gleich. Ein Arzt z. B. stellt höhere Ansprüche als ein 
Tagelöhner. Und so kommt in die Bestimmung des gerechten 
Lohnes wieder der Standesbegriff hinein : es erscheint also für jeden 
Beruf der Lohn als gerecht, der eine standesgemäße Lebenshal- 
tung sichert. Es kommt also auf die Stellung an, die dem Berufe 
im Rahmen der Gesellschaft zukommt. So erklärt Thomas z. B. 
das pretium der Tätigkeit des Arztes für gerechtfertigt: »dum ta- 
rnen moderate accipiant considerata conditione personarum et ne- 
gotiorum et laboris et consuetudine patriae« 4 ). Von den anderen 
Bedingungen abgesehen, ist also vor allem die consuetudo patriae 
maßgebend. Fordern daher z. B. Advokaten mehr als ihnen zu- 
gebilligt ist, so bedeutet dies einen Verstoß gegen die Gerechtig- 
keit: »Si autem per improbitatem aliquid immoderate extorqueant, 
peccant contra iustitiam« 5 ). Der Lebensunterhalt, den die Tage- 
löhner für ihre Arbeit bekommen, beschränkt sich nach der früher 
zitierten Stelle auf den täglichen Bedarf, den victus quotidianus. 
Freilich ist damit wenig Bestimmtes gesagt. Thomas lobt im 
Anschlüsse daran die Forderung des alten Testamentes, den Ar- 



1 ) Quod. XII. a. 30. 

2 ) Op. XIX. c. 7. 

3 ) 1. c. 

4 ) II, II, 71. a. 4. c. 

5 ) 1. c. Ähnliche Äußerungen finden sich z. B. bei Hostiensis: De poenit. et 
remiss. 32 (1784b) oder bei Vincentius Bellov. Spec. doctrinale X, 88 (9451). Ersterer 
fügt noch hinzu, die Advokaten könnten auch durch Preisunterbietung sündigen: »quia 
ubi est copia advocatorum, ut aliis lucrum subtrahant, qui boni sunt, parvissimo salario 
sunt contenti tanqam viles et abiecti«. 



- 8 7 - 

beitern den Lohn sogleich auszuzahlen: »Ideo lex provide ordinavit, 
ut statim eis merces solveretur, ne victus eis deficeret« 1 ). 

Gerade die Behandlung des Lohnes der arbeitenden Klassen 
ist für unser Empfinden ziemlich dürftig. Dies hat wohl darin 
seinen Grund, daß ein Arbeiterstand in unserem Sinne in der 
damaligen Zeit höchstens in sehr geringem Umfange existierte 
und seine Lage im Rahmen der Gesellschaft nicht so war, daß 
ein zu erörterndes Problem sich ergeben hätte. Übrigens ist mit 
der Einbeziehung des Lohnes in den Ideenkreis der Lehre vom 
gerechten Preis ein sozial bedeutungsvolles Prinzip ausgesprochen, 
wie sich zeigen wird. 

Die Stellung, die Thomas zur Sklaverei einnimmt, kann in 
diesem Zusammenhange nicht behandelt werden 2 ). 

Der Arbeit wird also ein bestimmter valor zugesprochen und 
ein iustum pretium derselben gefordert. Dieses nötigt uns, die 
Lehre vom Lohn im Rahmen der allgemeinen Wertlehre zu be- 
trachten. Der Wert der Waren bemißt sich, wie wir sahen, nach 
der Summe von Arbeit und Kosten, die zu ihrer Herstellung er- 
forderlich sind. Ebenso bemißt sich der Wert der Arbeit, die 
Höhe des Lohnes, nach objektiven Faktoren, dem Lebensunterhalt, 
also nach ihren Produktionskosten. Oben war ferner gezeigt 
worden, daß von der Befolgung des Wertgesetzes die Aufrecht- 
erhaltung der Arbeitsteilung im Organismus der Volkswirtschaft, 
sowie die Erreichung des standesgemäßen Einkommens für den 
Einzelnen erwartet wird. Von der Zahlung des gerechten Lohnes 
verspricht sich Thomas dasselbe. Es handelt sich also um einen 
speziellen Fall des allgemeinen Wertgesetzes, indem im Grunde 
nur dasselbe Prinzip aufgestellt wird, ohne dessen Befolgung die 
Existenz der arbeitenden Klassen nicht denkbar ist. So betrachtet, 
liegt im thomistischen Lohngesetz nichts anderes vor, als eine 
Weiterführung des paulinischen Gedankens, daß jeder Arbeiter 
seines Lohnes, d. h. seines Lebensunterhaltes, wert sei. Die Gesell- 
schaft muß dem, der für sie arbeitet, ein standesgemäßes Ein- 
kommen gewähren. 

Die bedeutendste Quelle der thomistischen Lohnlehre ist 
damit schon namhaft gemacht worden. In der Stellung zu den 
liberalen Berufen wirken augustinische Ideen nach. Daß speziell 
auf die Bildung der Begriffe das römische Recht von weittragendem 

*) Vgl. oben. S. 83 Anm. 4. 

2 ) Vgl. hierzu außer Maurenbecher: Zeiller: L' idee de 1' etat dans St. Thomas 
d'Aquin. S. 44 ff. 



— 88 — 

Einfluß gewesen ist, ist bereits bemerkt worden. Der Einfluß des 
Aristoteles zeigt sich in Forderung und Fassung der Wertgleichheit. 
Die thomistische Lohnlehre ist also aus den verschiedensten Faktoren 
zusammengesetzt, und das Maß dessen, was Thomas selbständig 
geleistet hat, ist verhältnismäßig gering. Immerhin gibt er noch 
mehr, als die spätere Scholastik über den gerechten Lohn lehrt, die 
dieser Frage kaum Beachtung schenkt. 



§ 8. Gerechter Preis und Zins. 

In der Entwicklung der Wucherlehre bedeutet Thomas einen 
gewissen Abschnitt; die Ideen der vorausgegangenen Epoche wer- 
den von ihm zusammengefaßt und in ihrer speziell thomistischen 
Form haben sie dem Denken der Folgezeit ihren Stempel aufge- 
prägt 1 ). Ein kurzer Hinweis auf die Quellen und die Entwick- 
lung der christlichen Wucherlehre überhaupt ist deshalb un- 
umgänglich. 

Von entscheidender Bedeutung sind die Wucherbestimmungen 
des alten Testaments gewesen 2 ). Die älteste Form des Zinsverbotes 
findet sich Ex. 22, 25: »Si pecuniam mutuam dederis populo meo 
pauperi, qui habitat tecum, non urgebis eum quasi exactor nee usuris 
opprimes«. Später tritt es in schärferer Fassung auf, indem es 
nicht nur auf Darlehen an Arme bezogen, sondern auf das Dar- 
lehen überhaupt ausgedehnt, und zum Darlehnsverkehr mit frem- 
den Stämmen Stellung genommen wird. Dies geschieht Deut. 23, igf. : 
»Non foenerabis fratri tuo ad usuram pecuniam, nee fruges nee 
quamlibet aliam rem, sed alieno. Fratri autem tuo absque usura 
id, quo indiget, commodabis«. Bemerkenswert ist hier vor allem 
die Erlaubnis, von Fremden Zins zu nehmen, was von der alt- 
christlichen Zeit bis in unsere Tage hinein zu den verschiedensten 



*) Vgl. Endemann, Studien I, S. l6f. 

2 ) Das Folgende nach Hejcl: Das alttestemantliche Zins verbot im Lichte der 
ethnologischen Jurisprudenz, sowie des altorientalischen Zinswesens. (Bibl. Studien, 
herausg. von Bardenhewer XII. 4) 1907. Die Zitierung des A. T. nach der Vulgata 
dürfte in diesem Zusammenhange gerechtfertigt sein. Vgl. F. Schneider: Das kirch- 
liche Zins verbot und die Kuriale Praxis im 13. Jahrh. Festsch. für H. Finke 1904, 
S. 129 — 167. Über die Stellung des A. T. vergleiche ferner die betreffenden Artikel 
in Herzogs Realencyclopädie f. prot. Theol. und in Wetzer und Weite's Kirchen- 
lexikon. Eine kritische Besprechung der neueren Literatur über das Zinsverbot gibt 
Wuttke, Festgabe für Schmoller. 



- 8 9 — 

Erklärungsversuchen Anlaß gegeben hat 1 ). Eine weitere Ent- 
wicklung ist Lev. 25, 35 — 36 2 ) festzustellen, indem hier nicht nur 
das Zinsverbot wiederholt wird, sondern, wie Hejcl wahrscheinlich 
gemacht hat 3 ), auch eine bestimmte Umgehungsform desselben, 
die Konventionalstrafe bei Zahlungsverzug, als unerlaubt bezeichnet 
wird. In den späteren alttestamentlichen Schriften wird der Ge- 
danke der Sündhaftigkeit des Zinsnehmens oft hervorgehoben 4 ). 

Aus dem neuen Testamente 5 ) wurden, abgesehen von dem 
Gedanken, daß das neue Testament keine Aufhebung, sondern 
eine Erfüllung des Alten sei, womit es nahegelegt war, die alt- 
testamentliche Vorschrift, die in der Liebe der Stammesbrüder 
untereinander ihre Quelle hatte, im neuen Testamente in erhöhter 
Geltung zu lassen 6 ), vor allem zwei Stellen für die Begründung 
der Wucherlehre wichtig: Math. 5.42, wo lediglich von der Bereit- 
willigkeit, ein Darlehen zu geben, gesprochen wird 7 ), und sodann 
die bekannte Stelle Luc. 6. 35: »Mutuum date nihil inde sperantes«. 
Doch werden die letzteren Worte in späterer Zeit nicht einheitlich 
erklärt, wie sich im folgenden ergeben wird. 

Die kirchliche Praxis der ersten Jahrhunderte 8 ) stand einer 
gewissen Schwierigkeit gegenüber: nach dem weltlichen Rechte 
war das Zinsnehmen gestattet und ohne Zweifel hatten sich weite 
Kreise damit als einer zu Recht bestehenden Institution abgefunden. 
Die Kirche trug diesen Verhältnissen Rechnung indem sie nur den 
Geistlichen schlechthin das Zinsnehmen verbot und mit bald schär- 
feren, bald milderen Strafen belegte. Dagegen wird das Zins- 
nehmen der Laien im allgemeinen — von einigen wenigen Synodal- 
beschlüssen abgesehen — nicht unter Strafe gestellt, wenn es auch 
sonst oft getadelt wird. 

Die Kirchenväter 9 ) sind sich in der Verwerfung des Zinses 

') Hejcl, a. a. O. S. 74. Siehe desselben Erklärung unter Zuhilfenahme ethnolo- 
gischer Gesichtspunkte 75 ff. 

2 ) »Si attenuatus fuerit f rater tuus et infirmus manu, et susceperis eum quasi 
advenam et peregrinum et vixerit tecum: ne accipias usuras ab eo, nee amplius quam 
dedisti«. 

3 ) a. a. O. S. 77 ff. S. 92. 

4 ) z. B. Ps. 15. 5; Ez 18. 8; vgl. Hejcl, a. a. O. S. 90; 92. 

6 ) Vgl. Schneider, a. a. O. S. 134. 
•) Vgl. Math. V, 17. 

7 ) »Qui petit a te, da ei et volenti mutuari a te, ne avertaris«. 

8 ) Funk: Gesch. d. kirchl. Zinsverb. S. 7 f f . 

9 ) Vgl. Funk, a. a. O. S. 2 ff. Ferner Seipel, a. a. O. S. 162 ff, sowie 
die oben angeführten Schriften von Schilling, Sommerlad. Ferner Ratzinger: Die 
Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen. Wichtig auch Schaub: Der Kampf 
gegen den ungerechten Preis usw. 



— 90 — 

einig. Bei aller Verschiedenheit im einzelnen, sind die vor- 
gebrachten Gründe doch im allgemeinen dieselben. An erster 
Stelle steht der Hinweis auf das alte Testament: die in Betracht 
kommenden Stellen, die in fast allen Schriften wiederkehren, sind 
bereits oben angeführt. Dagegen wird das neue Testament nirgends 
zur direkten Begründung des Zinsverbotes angeführt; speziell die 
erwähnte Lucasstelle wird regelmäßig in dem Sinne erklärt, daß 
dort nicht der Verzicht auf das Zinsnehmen gefordert, sondern von 
unentgeltlichem Darleihen ohne Hoffnung auf Rückzahlung des 
Kapitals gesprochen werde. 

Schon Tertullian, der jede foeneris redundantia als Wucher 
bezeichnet, verwendet das neue Testament in diesem Sinne: »Prius 
igitur fuit, ut fructum foeneris eradicaret, quo facilius assuefaceret 
hominem ipsi quoque foenori, si forte, perdendo, cuius fructum 
didicisset amittere. Hanc enim dicimus operam Legis fuisse procu- 
rantis Evangelio« 1 ). Und ähnlich deutet Ambrosius, für den 
Wucher ist: »quodcumque sorti accedit«, in seinem Buche de Tobia, 
das wohl die ausführlichste Behandlung der Wucherfrage in der 
patristischen Literatur enthält, die Lucasstelle dahin: »Date mutuum 
iis, a quibus non speratis vos, quod datum fuerit, recepturos« 2 ). 
Das neue Testament erscheint ihm als die Vollendung des Alten; 
in diesem Sinne benutzt er Math. 5, 17 zur Begründung des Zins- 
verbotes: »audistis foeneratores, quid Lex dicat, de qua dixit dominus: 
non veni Legem solvere, sed adimplere« 3 ). In derselben Weise 
bedient sich Hieronymus der neutestamentlichen Schriften, um den 
Wucher, die omnis rei superabundantia, als unerlaubt hinzustellen 4 ). 

Daneben finden sich gelegentliche Hinweise auf die gleiche 
Überzeugung des heidnischen Altertums. So zitiert Ambrosius 
die bei Cicero (De off. I, II) angeführten Worte Catos »quid est 
foenerare? Hominem inquit occidere« 5 ). 

Am wichtigsten sind aber für die Ablehung des Zinses soziale 
Erwägungen, die das Bild der trostlosen wirtschaftlichen Zustände 
des ausgehenden Römerreiches wiederspiegeln und nur aus letzteren 
verstanden werden können. So betont Lactantius die im Zins- 



*) Adv. Marc. IV, c. 17 (M. II, 398 f.). 

2 ) De Tob. c. 16 (M. XIV, 780). Die Begriffsbestimmung des Wuchers findet 
sich c. 14. (778); auch: C. 14. q. 3. c. 3. 

3 ) 1. c. (M. XIV, 777.) Vgl. hierzu, sowie zum folgenden Schilling Reicht, 
u. Eigent. S. 137 ff. 

4 ) Super. Ez. VI, c. 18. (XXV, 176). cf. C. 14. q. 3 c. 2. 

5 ) De Tob. c. 14 (M. XIV. 777). 



— QI — 

nehmen liegende Unmenschlichkeit; »Quod qui facit, insidiatur 
quodammodo, ut ex alterius necessitate praedatur«. Und ähnlich 
läßt sich Ambrosius an verschiedenen Stellen aus 1 ). Dieser Vor- 
wurf der Ausbeutung wird auch ausgedehnt auf das sogenannte 
Produktivdarlehen, wie es vor allem im Handel vorkommt: Entweder 
geschehe dem Kaufmann Unrecht, oder letzterer werde zu Betrü- 
gereien veranlaßt, indem er ungerechte Preise fordere: »Inde 
ille fraudem facit in mercium pretio, unde tibi solvit usuram« 2 ). 
Und Basilius hält den wenigen, die aus einem Darlehen Vorteil 
ziehen, die große Menge jener entgegen, die es zu wirtschaftlichem 
Ruin führe. Der Reiche bedarf eines Darlehens nicht, der Arme 
soll arbeiten und kein Darlehen aufnehmen 3 ). Augustinus tadelt 
aus demselben Geiste heraus, das weltliche Gesetz, das das Zins- 
nehmen, die Ars nequitiae 4 ), gestattet: »quid dicam de usuris, quas 
etiam leges et judices reddi jubent? An cruclelior est, qui subtrahit 
aliquid vel eripit diviti, quam qui trucidat pauperem foenere. Haec 
atque huiusmodi male utique possidentur, et vellem restituerentur, 
sed non est, quo judice repetantur« 5 ). 

Den sozialen Erwägungen tritt der Hinweis auf die Un- 
fruchtbarkeit des Geldes zur Seite. Schon Basilius bedient sich 
dieses Argumentes 6 ), indem er die Entstehung des Zinses mit 
dem Gebären der Tiere vergleicht. Und schärfer noch wird es von 
Gregor von Nyssa betont: Das Zinsnehmen, heißt es bei letzterem, 
ist wider die Natur, jiagd cpvoiv; der Zins wird genommen von un- 
fruchtbaren Stoffen: tüv äyovcov vl&v 1 ). Thomas zitiert in seiner 
Catena in lateinischer Übersetzung dieselbe Stelle: »Debet autem 
homo vitare damnosam sollicitudinem, ne quaerat ab inope divi- 
tiarum augmenta, aeris et auri, metallorum sterilium, exigens fruc- 
tum« 8 ). Im Op. im per f. in Math, werden Pachtzins und Mietzins 

!) Inst. VI, 18 (M. 6, 699) Schilling, a. a. O. S. 77. Sommerlad, a. a. O. 
S. 114. Ferner de Tob. c. 3 ff. (M. XIV, 763 ff.). 

2 ) 1. c. 14. (M. XIV, 778). Daß mit der Auffassung also, die Kirchen- 
väter hätten nur das Konsumtivdarlehen im Auge, ihre Stellungnahme nicht erschöpft 
ist, bemerkt mit Recht Ratzinger, a. a. O. S. 120 f. Daselbst eingehendere 
Nachweise. 

3 ) Hom. In ps. 14 (M. 29, 272 f.) Schilling, a. a. O. S. 91 f. Zitiert wird 
dieselbe Stelle von Thomas Cat. aur. sec. Luc. VI, h. 

4 ) En. i. ps. 128, 6. (M. 37, 1692). 

5 ) Ep. 153, 6. 25 (M. 33, 665). Die Stelle findet sich C. 14. q. 4 c. 11. 

8 j Hom. In ps. 14 (M. XXIX, 273 ff.) vgl. Schilling, Reicht, u. Eigent. 
S. 91 f. 

7 ) Contra usur. (M. S. G. XXXXVI, 441). 

8 ) Sec. Luc. Vi, h. 



der Geldleihe gegenübergestellt und drei Verschiedenheiten hervor- 
gehoben. Das Geld werde nur als Tauschmittel gebraucht, eine 
eigentliche Nutzung desselben fände nicht statt; »pecunia non ad 
aliquem usum disposita est nisi ad emendum« beim Verkauf des 
Nutzens eines Ackers werde Gewinn gegen Gewinn getauscht: 
»ex pecunia reposita nullum usum capis«. Endlich wird darauf 
hingewiesen, daß bei verpachteten Gegenständen Amortisation statt- 
fände, beim Gelde dagegen nicht 1 ). Das Op. imperf. wurde im 
Mittelalter dem Chrysostomus zugeschrieben und die zitierte Stelle 
gegen Ende des 12. Jahrhunderts als Palea in das Decretum Grati- 
ani eingeschoben 2 ). 

Die zuletzt angeführten Argumente berühren sich etwas mit 
dem von Aristoteles Pol. 1, 3 (§ 23) über das Zinsgeschäft Ge- 
sagten. Das verzinsliche Darlehen ist ihm verhaßt: »weil dieses 
unmittelbar aus dem Gelde selber den Erwerb zieht und nicht 
aus dem, wofür das Geld doch allein erfunden ist. Denn nur zur 
Erleichterung des Tausches kam es auf, der Zins aber vermehrt 
es an sich selber, und daher denn auch der griechische Name 
»Zins« so viel als Junges bedeutet, denn das Junge pflegt seinem 
Erzeuger ähnlich zu sein, und so ist der Zins wieder Geld vom 
Gelde und diese Art von Erwerbskunst ist demnach die wieder- 
natürlichste von allen« 3 ). Vielleicht sind die Kirchenväter unmittel- 
bar von Aristoteles beeinflußt, vielleicht waren auch die genannten 
Ideen, möglicherweise unter Einwirkung der Aristotelischen Politik 
mehr oder minder allgemeine Anschauungen der damaligen Zeit 4 ). 

Überblickt man die Gesamtheit der patristischen Lehren, so 
wird man mit Ratzinger die Bekämpfung der Ausbeutung der Not 
des Nächsten, sowie die Ablehnung des rein lukrativen, arbeitslosen 
Erwerbs als ihre Haupteigentümlichkeiten bezeichnen können 5 ). 
Sie stellen die Reaktion gegen ein relativ hochentwickeltes Wirt-, 
schaftsieben dar. 

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches haben 
wir im Abendlande eine Rückehr zu naturalwirtschaftlichen Zu- 
ständen. Geldvorrat und Geldverkehr sind auf ein Minimum 



x ) Hom. 38 (M. 46, 840). Zitiert ist nach dem etwas abweichenden Dec. Grat. 

2 ) Die Stelle steht c. n D. 88, § 3, 4. Vgl. Schaub, a. a. O. S. 139, 
Anm. 2. ferner Schilling, Erwerb und Eigentum. S. 229L 

3 ) Pol. I, 3. Übersetzung von Susemihl. 

4 ) Die Begründung des Zinsverbotes, die das Op. imperf. gibt, steht mit ihrer 
Gegenüberstellung von Geld und vermietbaren Dingen immerhin in der alten Literatur 
einzig dar. 

5 ) a. a. O. S. 223 f. 



— 93 — 

beschränkt 1 ). Praktische Bekämpfung und theoretische Erörterung 
des Wuchers treten demgemäß zurück. So bleibt es bis in das 
12. Jahrhundert, von einer kurzen Unterbrechung zur Zeit Karls 
des Großen, abgesehen, mag dieselbe nun in den spezifischen wirt- 
schaftlichen Verhältnissen des Karolingischen Reiches ihren Grund 
haben oder eine durch konkrete Bedürfnisse nicht motivierte Er- 
scheinung sein und nur als Glied der allgemeinen Renaissance 
des Altertums am Hofe Karls verständlich werden 2 ). 

Seit Beginn des \z. Jahrhunderts ändern sich die wirtschaft- 
lichen Verhältnisse. Geld und Darlehn s verkehr nehmen zu. 
Damit wird das Wucherproblem von neuem aufgeworfen. Die 
kirchliche Gesetzgebung verbot den Wucher wieder, indem sie die 
alten Bestimmungen erneuerte 3 ). Es war natürlich, daß man auch 
in der Begründung des Zinsverbotes auf das christliche Altertum 
zurückgriff. 

Waren freilich die Kirchenväter mehr darauf ausgegangen 
den Zins, der eine das Wirtschaftsleben beherrschende Erscheinung 
bildete, praktisch zu bekämpfen, was ein Hervortreten sozialer und 
moralisierender, dagegen ein Zurücktreten rationaler Momente 
für die Begründung des Zinsverbotes mit sich brachte, so ist der 
Scholastik, für die der Zins etwas Fremdes, im Gegensatz zum 
bisherigen Wirtschaftsleben neu Aufkommendes ist, eine syste- 
matisch-theoretische Durchdringung des Zinsproblems die Haupt- 
sache, ihrem allgemeinen Ziele, eine rationale Ausgestaltung und 
allseitige Begründung der überkommenen christlichen Lehre zu 
liefern, entsprechend. Die Weiterbildung der Keime einer ratio- 
nalen Begründung des Zinsverbotes, die von der Patristik hinterlassen 
waren, ist die Hauptaufgabe der scholastischen Wucherlehre, die 
daher der Verschiedenheit der Aufgabe entsprechend ein anderes 
Gepräge zeigt als die patristische trotz innerer wesentlicher Über- 
einstimmung. 

Es wurde schon erwähnt, daß um diese Zeit die zitierte 
Stelle aus dem Op. imperf. in das Gratianische Dekret eingeschoben 
wurde. Dieselbe wurde die Grundlage der theoretischen Recht- 
fertigung des Zinsverbotes. Zugleich vollziehen sich andere wich- 
tige Wandlungen im Geistesleben: das tiefere Studium des römischen 



J ) Schneider, Das kirchliche Zinsverbot S. 138 ff. ; weitere Literatur ebenda. 

2 ) Die erstere Ansicht vertreten von Schaub, a. a. O. S. 33 ff-, gegen 
Schneider, a. a. O. S. I39f.; vgl. hierzu Schneider, Neue Theorien über das 
kirchliche Zinsverbot. Vierteljahrsschr. f. soz. und Wirtschaftsgesch. 1907. 

3 ) Funk, Gesch. S. 1 7 ff. Vor allem Lessei, a. a. O. S. 9 ff. 



— 94 — 

Rechts, sowie später das Bekanntwerden des Aristoteles. Beide 
Faktoren werden für die Ausbildung der scholastischen Wucher- 
lehre gleich bedeutungsvoll. Die theoretische Begründung des 
Wucherverbots erhält damit eine breitere Basis: die verschiedenen 
Beweise aus der Gegenüberstellung der vermietbaren und unver- 
mietbaren Gegenstände und der bei letzteren erfolgten Eigentums- 
übertragung, sowie aus der Unfruchtbarkeit des Geldes, dem Verkauf 
der Zeit kommen allmählich auf 1 ). Raimund von Pennaforte, 
Wilhelm v. Auxerre, Alexander Halensis, Vincenz v. Beauvais sind 
die wichtigsten Namen dieser Epoche. Die Stellung der einzelnen 
Autoren zum Zins zu verfolgen, gehört nicht zu den Aufgaben 
dieser Arbeit; ebensowenig ist hier die Geschichte der kirchlichen 
Gesetzgebung zu behandeln. Thomas bedeutet einen gewissen 
Abschluß der Entwicklung. Auf seine unmittelbaren Vorgänger 
wird nur soweit zurückzugreifen sein, als dies zum besseren Ver- 
ständnis und zur schärferen Heraushebung seiner Gedanken nötig 
ist. Vor allem werden wir Albertus Magnus im folgenden häufiger 
zum Vergleiche heranziehen. Hier dürfte soviel genügen, daß 
Thomas weniger schöpferisch, als vielmehr ordnend, systemati- 
sierend und ausbauend tätig gewesen ist. Wir wenden uns nun- 
mehr ihm zu 2 ). 

i. Die autoritäre Begründung des Zinsverbotes 
bei Thomas v. Aquin. 

Der Darlehnsverkehr hat nach Thomas zinslos zu sein, d. h. 
der Entleiher darf nur den Wert seines Kapitals zurückfordern, nicht 
mehr 3 ). DieBegründung des Zinsverbotes ist zunächst autoritärer Natur. 



*) Lessei, a. a. O. S. 13 ff. 

2 ) Für die thomistische Wucherlehre kommen vor allem in Betracht: Funk, 
a. a. O. S. 35; Lessei, a. a. O. S. 33 ff. Sowie die zitierten Schriften von 
Schaub und Walter über die Eigentumslehre des Thomas v. A. ; ferner Baumann: 
Die Staatslehre des hl. Thomas v. Aquin. S. 196 ff. 

3 ) Eine formelle Definition des Zinses (usura) gibt Thomas nicht (vgl. L es sei, 
a. a. O. S. 34), schließt sich aber materiell an seine Vorgänger an, die ihrerseits in 
allen wesentlichen Punkten übereinstimmen. So heißt es c. 3. C. 14 q. 3 mit Berufung 
auf Ambosius: »Quodcumque sorti accedit, usura est«. Die Scholastiker schließen 
sich meistens hieran an. (Vgl. Lessei, a. a. O. S. 10 f.) Am klarsten und der 
späteren thomistischen Anschauung am nächsten kommend, sieht Heinrich v. 
Segusio, Hostiensis, als usura an: »quodcumque solutioni rei mutuatae accedit ipsius 
rei usus gratia« (Aurea Summa 1. V. De usuris. n. 1. [i6i2f.]). Danach ist das Zins- 
verbot auf das Darlehen beschränkt und die usura der Preis für die Nutzung des dar- 
geliehenen Gegenstandes. Hiermit stimmt Thomas völlig überein, wenn er als Ver- 
gütung im Darlehen tadelt: »pretium usus, quod usura dicitur«, oder wenn er ebenda 



— 95 — 

Und zwar stützt sich Thomas vor allem auf das alte Testament 1 ). 
Im Mittelpunkt seiner Erörterungen steht die schon erwähnte 
Stelle Deut. 23, 19, nach der den Juden das Zinsnehmen von den 
Stammesangehörigeu verboten, dagegen den Fremden gegenüber 
erlaubt ist. Diese Stelle dient direkt zur Begründung des absolu- 
ten für alle geltenden Zinsverbote. Wenn den Juden verboten war, 
von den Brüdern Zins zu nehmen, so hat dasselbe Gebot im neuen 
Testament allgemeine Geltung: »debemus enim omnem hominem 
habere quasi proximum et fratrem praecipue in statu Evangelii, 
ad quod omnes vocantur«. Das Nichtgelten des Zinsverbotes 
Fremden gegenüber erscheint als eine Unvollkommenheit des alten 
Testamentes, die zur Verhütung größerer Übel, nämlich des Zins- 
nehmens von den eigenen Stammesangehörigen, den Juden gestattet 
war »non quasi licitum, sed quasi permissum« 2 ). Es wird so in 
eine Linie gestellt mit dem libellus repudii. Oder es wird eine 
andere Deutung versucht: unter den Fremden seien die Völker 
zu verstehen, die das den Juden nach göttlichem Rechte zustehende 
gelobte Land widerrechtlich noch im Besitz gehabt hätten. Die 
Erlaubnis des Zinsnehmens habe den Zweck gehabt, die Juden in 
den Besitz des ihnen rechtlich Zustehenden zu bringen. Albertus 
Magnus hatte freilich diesen schon älteren Erklärungsversuch in 
seinem Sentenzenkommentar zurückgewiesen 3 ). Ferner weist 
Thomas, wie schon Hieronymus getan 4 ), daraufhin, daß das Zins- 
verbot im alten Testament eine Entwicklung im Sinne absoluterer 
Geltung erfahren habe: an den Stellen Ps. 15, 5; Ez. 18 usw. werde 
das Zinsnehmen schlechthin verboten: »Sed postmodum per pro- 
phetas admoniti sunt, ut totaliter ab usuris abstinerent» 5 ). So 
verwendet Thomas in Übereinstimmung mit der kirchlichen Tra- 



sagt: »secundum se illicitum est, pro usu pecuniae mutuatae accipere pretium, quod 
dicitur usura« (II, II, 78 a. i. c). Das Nähere wird sich im Laufe der Darstellung 
selbst ergeben. 

x ) S. th. II, II q. 78 a. I. Ob. 2; ad 2. Sent. III, 37, q. I. a. 6. ob. I; 
ad I. De malo XIII, 4 ob. I ; ad I. 

2 ) 1. c. cf. de. Malo 1. c. 

3 ) Sent. III, 37 a. 13: Albertus Magnus bringt zunächst den von uns bei Thomas 
an erster Stelle angeführten Gesichtspunkt, dann den, daß die Juden den Kananäern 
gegenüber ein Anrecht auf das gelobte Land gehabt hätten und daß ihnen deshalb das 
Zinsnehmen gestattet wäre, sagt aber zu letzterem: ». . . tarnen, quia malum exemplum 
esset, reputo primam solutionem meliorem«. 

4 ) In ez. VI, 18, vgl. S. 90, Anm. 4. 

5 ) De mal. XIII, 4 ad. i; cf. II, II 78 a. 1 ad. 2. 



- 9 6 - 

dition das alte Testament für die autoritäre Begründung des Zins- 
verbotes 1 ). 

Hinsichtlich der Stellung, die Thomas zum neuen Testamente 
einnimmt 2 ), ist vor allem bemerkenswert, daß er die bekannte Lucas- 
stelle nicht ohne weiteres zur Begründung des Zinsverbotes ver- 
wendet, wenn er auch selbst darauf hinweist, daß es sonst vielfach 
geschehe: »in quo prohibetur usura, ut multi exponunt« 3 ). Er 
findet vielmehr in den Worten: »Mutuum date nihil inde sperantes« 
eine gewisse Schwierigkeit, die sie nicht ohne weiteres zur Begrün- 
dung des Zinsverbotes geeignet erscheinen lassen. 

Dem Zusammenhange nach, in dem die Worte Lucas 6, 35 
stehen, so wendet Thomas selbst ein, scheinen sie mehr ein con- 
silium, denn eine strenge, alle verpflichtende Vorschrift zu enthalten. 
Die Nichtbefolgung eines Rates aber sei an sich noch nicht sünd- 
haft; also könne man ohne gegen das neue Testament zu verstoßen, 
wenn man ihm auch nicht ganz nachkomme, Zinsen nehmen 4 ). 
Von den verschiedenen Lösungen dieses Einwandes, die Thomas 
anführt, übergehen wir die ersten, die noch eine direkte Beziehung 
der Lucasstelle auf den Zins bestehen lassen und betrachten nur 
die von Thomas angeregte dritte andere Möglichkeit. Die Stelle 
bei Lucas könne dahin aufgefaßt werden, daß dort überhaupt nicht 
von der Hoffnung auf Wucherzins gesprochen werde. Der Sinn 
der Worte sei vielmehr der: der Darleiher solle für die gute Tat, 
die er verrichte, nicht irdischen Lohn von seiten der Menschen 
erwarten, sondern seine Hoffnung einzig auf Gott setzen 5 ). Hier- 
mit würde aber eine direkte Bezugnahme der Lucasstelle auf den 
Zins wegfallen, wenn auch das Wucherverbot sich indirekt aus 



*) Ambrosius (de Tob. 15. M. 14, 779) (vgl: c. 12. C. 14. q. 4) erklärt die 
Erlaubnis vom Fremden Zins zu nehmen dahin: »Cui merito nocere desideras, cui jure 
inferuntur arma, huic legitime indicantur usurae ... ab hoc usuram exige, quem non 
sit crimen occidere, . . . ergo ubi jus belli, ibi etiam jus usurae. Frater autem tuus omnis, 
fidei primum, deinde romani juris et populus«. Thomas nimmt hierzu nicht Stellung. 
Albertus (sent III, 37 a. 13 ad. 3) erklärt, in zweifellos unrichtiger Weise: 
»Ambrosius loquitur per ypothesim impossibilis, quia impossibile est, quod alicui nocere 
possumus desiderare: ergo impossibile est, quod ab aliquo accipiamus usuras«. 

2 ) II, II 78 a. 1 ob. 1; 4; ad. 1; 4 de Malo XIII, 4 ob. 3; ad. 3. Sent. III, 
37 q- 1 a. 6. 

3 ) De Malo 1. c. 
*) II, II 78 1. c. 

5 j De Mal. 1. c. : »Vel potest dici, quod non loquitur ibi de spe usurarii lucri, 
sed de spe, quae ponitur in homine; non enim debemus bona nostra facere sperantes 
ab homine retributionem, sed solo a Deo«. cf. II, II 78 1. c. 



— 97 — 

dem Geist der Stelle vielleicht noch ableiten ließe 1 ). Im Sentenzen- 
kommentar, seinem Jugendwerk, verwendet Thomas noch schlecht- 
hin die Lucasstelle als autoritäre Begründung des Zinsverbotes 2 ) 
in Übereinstimmung mit der früheren Scholastik, wie z. B. auch 
Albertus in seinem Kommentar zu Petrus Lombardus auf Lucas 
6, 35 Bezug nimmt 3 ). In seinen späteren Werken jedoch sucht 
Thomas das Zinsverbot nicht mehr unmittelbar aus dem neuen 
Testamente zu belegen, läßt letzteres vielmehr ersichtlich zurück- 
treten infolge exegetischer Schwierigkeiten, die er nicht ganz zu 
lösen vermag. Vielleicht haben wir hier eine Entwicklung in den 
thomistischen Anschauungen festzustellen. 

Auf die Kirchenväter beruft Thomas sich oft. Gregor von 
Nyssa, Basilius, Hieronymus, Ambrosius, Augustinus werden an 
verschiedenen Stellen seiner Werke zitiert 4 ). Daß sie auf Thomas 
nicht nur durch die Tatsache der Ablehnung, sondern auch durch 
die Art der Begründung des Zinsverbotes tiefgehenden Einfluß 
gehabt haben, wird im folgenden zu zeigen sein. 

Ebenso wird die Bedeutung, die Aristoteles für die Ausbil- 
dung der thomistischen Wucherlehre gehabt hat, sich aus der 
späteren Darstellung ergeben. Dazu war Thomas selbstverständlich 
die kirchliche Gesetzgebung bekannt, auf die er überdies gelegent- 
lich hinweist 5 ). Vom römischen Rechte zunächst abgesehen, stimm- 
ten Vergangenheit und Gegenwart, wie Thomas sie kannte, im 
Verbot des Zinsnehmens überein. 



x ) Zur Erklärung der immerhin etwas unklaren Stelle kann vielleicht Alex. Hai. 
herangezogen werden. Dieser hält es für erlaubt, daß der Gläubiger sich ausbedingt, 
daß der Schuldner ihn umgekehrten Falles gleichfalls mit einem unverzinslichen Dar- 
lehen unterstütze, fügt aber hinzu: »tarnen si hac inten tione tradit sibi mutuum non 
est meritorium, quia non ponit Deum finem. Ideo dicit Dominus: Date mutuum nihil 
inde sperantes: scilicet ab nomine, sed a Deo retributionem« (III, q. 36 m. 1. ad. 4). 
im Hinblick auf diese Stelle, die Thomas vielleicht vorgeschwebt hat, wäre dann der 
Sinn der thomistischen Erwiderung folgender: Die Lucasstelle bezieht sich nicht auf 
das Zinsverbot, sie enthält nur den Rat, bei Gewährung eines Darlehens auch von 
solchen Motiven abzusehen, die noch nicht der Gerechtigkeit widersprechen, vielleicht 
von der Hoffnung auf irgendeine Dankbarkeit von Seiten des Schuldners. — Die Aus- 
bedingung der remutuatio lehnt Thomas als sündhaft ab. — Das Darlehen wäre von 
der Lucasstelle dann als Akt des Wohltuns aufgefaßt; daß das Zinsnehmen direk 
sündhaft sei, würde sich dann wohl nicht mehr ganz stringent daraus folgern lassen. 

2 ) 1. c. 

3 ) Sent. III, 37 a. 13. 

4 ) Vgl. vor allem Cat. aur. sec. lue. 6, h. Teilweise ist schon früher darauf 
hingewiesen worden. 

5 ) cf. II, II 78 a. 3 ob. 2. 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft I. 7 

Schreiber, Die yolkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



- 9 3 - 

Die vorstehendenden Erörterungen haben an sich gewiß wenig 
mit dem speziellen Gesichtspunkt des gerechten Preises zu tun, 
unter dem hier die thomistische Wucherlehre zu betrachten ist. 
Sie waren aber doch nötig, weil der Hinweis auf die Tradition, 
unter deren Einfluß Thomas steht, zum vollen Verständnis unum- 
gänglich ist: die Tradition war für ihn und die spätere Scholastik 
maßgebend. Ihr Einfluß konnte leicht auch dann noch nachwirken, 
wenn die Betrachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse in mancher 
Hinsicht eine andere Stellung nahelegte. 

Für Thomas selbst steht allerdings unmittelbar die rationelle 
Begründung des Zinsverbotes im Vordergrunde: das Zinsnehmen 
ist unerlaubt, weil es der Natur des Darlehens widerstreitet und 
vor der Einsicht der menschlichen Vernunft nicht standhalten kann. 
Eben deshalb wird es auch allseitig verurteilt und bekämpft 1 ). 
Thomas konnte an den relativ einheitlichen Gedankenkomplex an- 
knüpfen, den die früheren scholastischen Philosophen bei ihrem 
Bestreben, das Wucherverbot vor der Vernunft zu rechtfertigen, 
bereits geschaffen hatten. 

2. Die rationale Begründung des Zinsverbotes. 

a) Allgemeines. Beim Mutuum handelt es sich dem Kerne 
nach um eine commutatio, die auf Grund eines Vertrages der 
zwischen zwei Personen, dem debitor und dem creditor geschlossen 
wird, vor sich geht. Dieser Tatsache entsprechend, daß es sich 
um einen Tauschvertrag im weiteren Sinne handelt, sind dieselben 
Grundsätze der Gerechtigkeit in Anwendung zu bringen, wie für 
den Tausch schlechthin. Es muß also gefunden werden, was nach 
dem Prinzip der iustitia commutativa jedem zusteht, d. h. mit anderen 
Worten, es muß das justum pretium für den im Darlehen vorsich- 
gehenden Tausch bestimmt werden 2 ). 

Wird nun aber der wirtschaftliche Vorgang, der sich im Dar- 
lehen vollzieht, daraufhin untersucht, was in ihm der Darleiher leistet, 
und dementsprechend als Gegenleistung rechtlich fordern kann, 
so ergibt sich folgendes: die Leistung des Gläubigers bemißt sich 
ausschließlich nach der Höhe der von ihm dargeliehenen Summe. 
Und wenn die Gerechtigkeit Gleichheit von Leistung und Gegen- 
leistung verlangt, so hat er nur ein Recht auf den gleichen Betrag, 

nicht mehr. So sagt Thomas vom Gläubiger: » recompen- 

sationem potest accipere eius, quod fecit, sed non amplius debet 

x ) De Mal. q. XIII a. 4 c. 

2 ) 1. c. vgl. ferner die späteren Darlegungen. 



— 99 — 

exigere. Recompensatur autem ei secundum aequalitatem justitiae, 
si tantum ei reddatur, quantum mutuavit« 1 ). Ein darüber hinaus- 
gehender Zins, er bestehe in Geld oder Geldeswert, widerspricht 
der Gerechtigkeit, sobald der Darleiher ihn vertragsmäßig fordert 2 ). 
Das Darlehen kann in Geld oder in Dingen, die demselben in 
bestimmter später zu behandelnder Weise gleichstehen, gewährt 
sein. Doch erörtert Thomas in erster Linie das Gelddarlehen. 

b) Die Funktion des Geldes. Eine bestimmte Vorstellung 
vom Wesen des Geldes bildet den Ausgangspunkt der thomistischen 
Wucherlehre: wie früher dargestellt, unterscheidet Thomas zwei 
Arten von wirtschaftlichen Gütern, wenn dieselben in ihrer Bedeu- 
tung für die menschliche Bedürfnisbefriedigung betrachtet werden: 
Verbrauchs- und Nutzungsgüter; letzteres sind solche, die wie ein 
Haus oder ein Acker einen dauernden Nutzen abwerfen, erstere 
dagegen werden in den einzelnen Akten der Bedürfnisbefriedigung 
verbraucht. Wenn ich z. B. Wein konsumiere, so ist damit eine 
Zerstörung der Substanz des Weines verbunden. Der Wein bildet 
also keine dauernde Nutzquelle 3 ). 

Zu den Dingen, »quarum usus est ipsarum consumptio«, ge- 
hört nun auch das Geld, freilich in besonderer Weise: andere Güter 
nämlich sind in sich nützlich, insofern sie unmittelbar der mensch- 
lichen Bedürfnisbefriedigung dienen. Dies ist beim Gelde nicht der 
Fall: es stillt nicht unmittelbar ein menschliches Bedürfnis, sondern 
mißt den Nutzen anderer Güter, es ist eine »mensura utilitatis 
aliarum rerum«. Diese Eigenschaft Maß zu sein, liegt aber nicht 
im Gelde selbst — etwas kann nicht aus sich selbst Maß sein — , 
sondern sie setzt andere Güter voraus, die durch das Geld gemessen 
werden. Indem jemand da ist, der andere Güter in Beziehung 
zum Gelde setzt, sie gegen Geld tauscht, erhält letzteres seinen 
Charakter als Maß. An sich ist es nutzlos: daß das Geld in sich 



*) II, II 78 a. 1 ad. 5. 

2 ) 1. c. a. 2 c. : »Omne illud pro pecunia habetur, cuius pretium potest pecu- 
nia mensurari: et ideo sicut si aliquis pro pecunia mutuata vel quacumque alia re, quae 
ipso usu consumitur, pecuniam accipit ex pacto tacito vel expresso, peccat contra 
justitiam, ut dictum est; ita etiam quicumque ex pacto tacito vel expresso quodcumque 
aliud acceperit, cuius pretium pecunia mensurari potest, simile peccatum incurrit«. Der 
Überschußbegriff ist bei Thomas, wie Lessei, a. a. O. S. 35, 64 hervorhebt, schärfer 
formuliert als bei seinen Vorgängern dank der Verwendung der aristotelischen Begriffs- 
bestimmung des Geldes, die, wie Thomas selbst angibt, der Nik. Eth. (IV, c. 1) ent- 
nommen ist. Übrigens braucht auch das römische Recht das Wort pecunia im Sinne 
von Vermögensobjekt überhaupt. Vgl. Oertmann, a. a. O. S. 88 ff. 

3 ) S. o. S. 54. 

7* 



IOO — 

wieder aus nutzbaren Stoffen, wie Gold und Silber, besteht, was 
den Grund der Möglichkeit der Funktion des Geldes bildet, ist 
ein hiervon scharf zu trennender Gesichtspunkt 1 ). Das Geld als 
solches ist, wie gesagt, an sich nutzlos. Es ist nur Form und erst 
in Beziehung zu anderen Gütern gesetzt, gewährt es Nutzen, indem 
es dieselben mißt und repräsentiert. 

Der Nutzen des Geldes kann also nur realisiert werden im 
Tausche. Gewiß kann das Geld auch in anderer Weise verwendet 
werden: ich kann es z. B. ausstellen und als Seltenheit sehen lassen 2 ). 
Aber hier kommt es nicht seiner eigentümlichen Bedeutung nach 

zur Geltung: »pecunia secundum Philosophum prin- 

cipaliter est inventa ad commutationes faciendas« 3 ). Und in dem- 
selben Sinne sagt Thomas an anderer Stelle: »Proprius usus pecuniae 
est, ut expendatur pro commutatione aliarum rerum« 4 ). 

Ein Tausch der Dinge ist aber in gewissem Sinne gleich- 
bedeutend mit einem Verbrauche derselben. Das gilt von allen 
anderen Gütern 6 ) ebenso wie vom Gelde. Thomas begründet 
diesen Satz mit den Worten: »Commutatio autem est usus quasi 
consumens substantiam rei commutatae, inquantum facit eam ab- 
esse ab eo, qui commutat 6 ). 

Der Nutzen des Geldes ist also ein ganz bestimmter: wie 
der Nutzen des Weines, Getreides usw. ist er beschränkt auf 
den Akt der Konsumtion, d. h. er ist mit dem Tausche beendet. 
Das Geld bildet keine dauernde Quelle wirtschaftlichen Nutzens: 

»usus pecuniae non est aliud, quam eius substantia 7 )«. 

Eine Kritik dieser Anschauungen dürfte nicht nötig sein. Das 
Geld wird hier lediglich im Sinne eines konkreten Einzeldinges, 
nach seiner äußeren Erscheinung, als Münze betrachtet 8 ). 

Nun konnte aber auch im Mittelalter die Möglichkeit pro- 
duktiver Verwendung des Geldes nicht verborgen bleiben. Wie 
stellt sich Thomas hierzu? 

Daß das Geld als Mittel des Erwerbs benutzt werden kann, 
ist ihm ein durchaus geläufiger Gedanke. Der Ausdruck »lucrari 



a ) Übersehen von Hohoff, Die Wertlehre des hl. Thomas v. Aquin, a. a. CK 

2 ) II, II 78 a. 1. ad 6. 

3 ) 1. c. c. 

*) De Mal. XIII, 4 c. 

5 ) II, II 78 a. 1, ad 6 wird dies z. B. an den vasa argentea erläutert. 

6 ) De Mal. XIII, 4 ad. 15. cf. II, II 78 a. 1 c. 

7 ) De Mal. 1. c. c. 

8 ) Vgl. Ashley, a. a. O. II, S. 425. 



lOI 



de pecunia« kehrt häufig wieder 1 ). Die Bedeutung des Geldes 
für den Handwerker oder Kaufmann wird betont' 2 ), und speziell 
beim Darlehen wird anerkannt, daß dem Gläubiger ein Nutzen, 
ein commodum, eine utilitas zuwachsen kann, ein Nutzen, der den 
des Geldes in dem eben angegebenen Sinne unter Umständen 
weit übertrifft 3 ). Das Geld ist nach Thomas zwar in gewissem 
Sinne die Wurzel (radix) des Erwerbs, jedoch nur ratione materiae, 
die Ursache des Gewinnes als causa instrumentalis. Hinter ihm 
steht aber dasjenige, was den Gewinn eigentlich erzeugt und pro- 
duktiv tätig ist, das ist die menschliche Arbeit. Letztere ist die 
causa activa des Gewinnes und damit die causa principalis des- 
selben. Die Tätigkeit des Menschen gebärt den Gewinn, sie ist 
gewissermaßen seine Nahrung, sein nutrimentum. Wenn dem 
Gelde also auch eine gewisse Bedeutung zukommt, so ist dieselbe 
hinsichtlich der Gewinnerzielung doch beschränkt auf den in der 
Hingabe im Tausch bestehenden Verbrauch. Erwächst mithin 
dem Gläubiger durch das Darlehen ein Nutzen über den im ange- 
gebenen Sinne begrenzten des Geldes hinaus, so ist dieser Ertrag 
Ertrag der menschlichen Arbeit. So sagt Thomas ausdrücklich 
im Sentenzenkommentar: »Quidquid autem de utilitate contingit 
ei, cui mutuum dedi ultra mensuram mutui ex pecunia mutuata, 
hoc est ex industria eius, qui sagaciter pecunia usus est« 4 ). 

Diese Vorstellung von der Funktion des Geldes zieht sich 
durch Thomas sämtliche Schriften, soweit sie für seine Wucher- 
lehre in Betracht kommen. Nur in den Quaestiones quodlibetales 
ist die Formulierung desselben Gedankens insofern eine etwas 
andere, als dort der Begriff radix auf die causa activa beschränkt 
und daher dem Gelde abgesprochen wird 5 ). In den anderen 
Schriften wird er gleichmäßig auf das Geld und die menschliche 
Arbeit angewandt und dann geschieden zwischen der radix ratione 
materiae und ratione causae activae. Sachlich besteht kein Unter- 
schied. Nur kommt im letzteren Falle die Anerkennung der 
»Produktivität« des Geldes noch deutlicher zur Geltung. 

Das Geld, das ist das Ergebnis, ist seinem Wesen nach eine 
unfruchtbare Sache, eine »res, quae non fructificat« 6 ). 

*) z. B. II, II 62, a. 4 ob. 2. 

2 ) Sent. III, 37 q. 1 a. 6 ob. 2 »constat, quod ille, qui alicui pecuniam mutuat, 
aliquod commodum ei facit«. Vgl. ferner die folgenden Darlegungen. 
») II, II 78 a. 3. 
4 ) 1. c. ad. 4. 
8 ) Quodl. III. a. 19. 
6 ) II, II 61 a. 3 c. 



— 102 

Die Vorstellung von der Unfruchtbarkeit des Geldes ist alt. 
Schon von Aristoteles wird sie vertreten. Bei den Kirchenvätern 
sind wir ihr zu wiederholten Malen begegnet. Unweifelhaft hat 
das Mittelalter sie zuerst aus der patristischen Literatur über- 
nommen. Nach Bekanntwerden des Aristoteles findet sie dann 
in dessen Anschauungen eine erwünschte Bestätigung. Thomas 
faßt auch hier die gesamten Ideen zusammen und bildet sie syste- 
matisch durch, indem er sie zu gleicher Zeit mit der dem römischen 
Recht entnommenen Vorstellung von der Konsumtion des Geldes 
im Tausche verbindet 1 ). Ebenso ist der Gedanke, daß der bei 
Verwendung des Geldes erzielte Mehrertrag nicht wesentlich dem 
Gelde zu danken sei, bereits vor Thomas vertreten worden 2 ). Letz- 
terer formuliert ihn freilich in weit klarerer Weise, als dies vor ihm 
geschehen war. Wir dürfen darin wohl einen Einfluß der all- 
mählich schärfer hervortretenden wirtschaftlichen Bedeutung des 
Kreditverkehrs erkennen, die eine genauere Präzisierung des Be- 
griffes der Unfruchtbarkeit des Geldes erforderte 3 ). 

Die Stellung, die Thomas zum Darlehensvertrage einnimmt, 
ist mit der dargestellten Geldtheorie bereits bestimmt. Es ergeben 

') § 2 J. II, 4 heißt es vom Gelde: »ipso usu assidua permutatione quo- 
dammodo extinguitur«. Näheres bei O er t mann, a. a. O. S. 96. 

2 ) L es sei, a. a. O. S. 16. Vgl. d. folg. Anm. 

3 ) Die Anschauung, daß das Geld nur im Tausche Nutzen stiften könne, nur 
als Tauschmittel zu betrachten sei, liegt ja der Bekämpfung des Zinses als deren eigent- 
licher Kern zugrunde und ist darum so alt, wie das Zinsverbot überhaupt. Immerhin 
bildet Thomas den Gedanken in eigenartiger Weise weiter, wie ein Blick auf seine 
scholastischen Vorgänger zeigt. Raymundus (Sum. de poenit. 1. 2. t. 7. § 5) bringt 
lediglich die früher erörterte Stelle aus dem Op. imperf., dazu einen ähnlich lautenden 
Satz aus Gregorius (?), dessen Ursprung ich nicht näher habe nachweisen können. Es 
heißt hier: »usus pecuniae nullum fructum vel utilitatem parit utenti«. An Raymundus 
schließt sich Vincentius Bellov. in seinem Specul. doctrin. an (X, c. 104. S. 961). 
Hostiensis bringt bereits den Gedanken, daß das Geld im Tausche »konsumiert« 
werde (Summa 1. V. De usur. 1. (Sp. 1613). Am klarsten äußert sich Alex. Hai.: 
»pecunia concessa ad usuram numquam excedit pretium sive valorem suum ... de 
natura enim sua non habet usum aliquem, de quo fructificare possit«. (IV. q. 110. m. 
3 ad. 4.) Der Tatsache, daß mit dem Gelde sich ein Mehrertrag erzielen läßt, wird 
wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nur Wilhelm von Auxerre (Summa 1. III. De 
poen. et rem. 6) bemerkt, der Mehrertrag sei seinem Wesen nach (ex se) nicht dem 
Gelde zu danken, sondern höchstens accidentell »per accidens«. Albertus Magnus 
bringt nur den Gedanken, daß das Geld im Gegensatz zu den vermietbaren Dingen 
unfruchtbar sei (Sent. III, 37. 13). Thomas faßt das Problem tiefer, indem er die 
aristotelischen Anschauung vom Gelde, sowie die römischrechtliche Idee von der 
Konsumtion des Geldes im Tausche zur Durchbildung der überkommenen Gedanken 
verwendet. Das Problem des mit dem Gelde erzielten Mehrertrages behandelt er zuerst 
in tiefer und der Form nach durchaus origineller Weise. 



— 103 — 

sich aus letzterer eine Reihe juristisch und wirtschaftlich gleich- 
bedeutender Folgen. 

c) Das Zinsverbot als Konsequenz der thomistischen 
Geldtheorie. 

a) Juristische Unmöglichkeit des Zinses. 

Zunächst ist darin ein wichtiger rechtlicher Unterschied 
zwischen der Leihe von nutzbaren Dingen und der Leihe von 
Geld begründet: vermiete ich z. B. einem anderen ein Haus, so 
geschieht es in der Weise, daß ich mir die Zurückgabe des Hauses 
ausbedinge; nur den Nutzen, der sich sinnenfällig aus dem Objekte 
ergibt, verkaufe ich; das Haus selbst bleibt in meinem Eigentum. 
Die locatio ist so ihrem Kerne nach nichts anderes als ein Tausch- 
geschäft: der Nutzen eines Gegenstandes, der im Eigentum des 
Entleihers bleibt, wird gegen Geld getauscht 1 ). 

Beim Gelddarlehen aber ist der Vorgang ein wesentlich 
anderer: übergebe ich einem anderen Geld, so bedingt der Ge- 
brauch desselben von seiten des Entleihers zugleich dessen Ver- 
brauch. Das Geld wird, wie oben gezeigt, seiner Substanz nach 
vernichtet. Damit ist aber gesagt, daß dem Entleiher ein Eigen- 
tumsrecht an dem entliehenen Gelde zustehen muß: »cuicumque 
conceditur usus, ex hoc ipso conceditur res, et propter hoc in 
talibus per mutuum transfertur dominium 2 )«. Das Darlehen ist 
nichts anderes als ein Tausch zweier verschiedener Summen von 
Münzen. Der Unterschied vom Tausche liegt nur darin, daß 
Leistung und Gegenleistung zeitlich auseinanderfallen. Diese 
Zwischenzeit verändert aber für Thomas den Tausch vertrag" nicht 



a ) II, II 78 a. 1 c. cf. de mal. XIII, 4 c. In diesem Zusammenhange sei 
noch auf einen Punkt hingewiesen, in dem bei Thomas eine Fortbildung der scholastischen 
Wucherlehre zu erkennen ist. Die frühere Scholastik bringt in der Regel, um die 
Zinslosigkeit des Darlehens zu begründen bei der Gegenüberstellung von Mietvertrag und 
Darlehen auch den Gesichtspunkt: bei vermieteten Gegenständen fände eine Abnutzung 
statt, für die der Zins einen Ersatz biete; beim Gelde sei dies jedoch nicht der Fall. 
Schon das Op. imperf. argumentiert in dieser Weise: »ager vel domus utendo veterascit. 
Pecunia autem, cum fuerit mutuata, nee minuitur nee veterascit«. Ähnlich heißt es in dem 
S. 102 Anm. 3 erwähnten Zitat aus Gregorius, das Raym. u. Vincent, bringen. Gof- 
fredus de Trano sagt ähnlich: »res locata usu deterior redditur, quod in mutuo non con- 
tingit« (De usur. n. 29. (S. 214). Alex. Halensis steht auf demselben Standpunkt 
(cf. III, 36 m. 1. ad. 8). Alb. Magnus bezeichnet das Argument bereits als »non ge- 
neraliter necessario verum« (Sent. III, 37. a. 13). Thomas lehnt es jedoch bereits im 
Sentenzenkommentar (III, 37. q. 1. a. 6. c.) und ähnlich quodl. III. a. 19 c. als völlig 
unrichtig und nicht zum eigentlichen Zinsproblem gehörig ab (vgl. auch De mal. 13. 4. 
c). Er bringt also den Scheidungsprozeß zwischen dem Rohzins, der auch eine Amorti- 
sationsquote enthält, und dem reinen Zins zum Abschluß. Vgl. auch Lessei, a. a. O. S. 40- 

2 ) II, II 78 a. 1 c. und sonst. 



— 104 — 

grundlegend. Er weist kaum darauf hin, in Übereinstimmung mit 
den Anschauungen relativ noch wenig entwickelter Wirtschafts- 
perioden, für die die Zeit zwischen Leistung und Gegenleistung 
von geringerer Bedeutung ist 1 ). 

Der Gedanke, daß im Darlehen eine Eigentumsübertragung 
stattfindet, ist dem römischen Recht entnommen 2 ). 

Diese juristische Erfassung des Darlehens beruht auf der 
oben geschilderten Auffassung von der Natur des Geldes. Der 
Vorgang wird sofort ein anderer, wenn das Geld entgegen seiner 
eigentlichen Bestimmung verwendet wird, wenn es z. B. aus- 
gestellt oder als Pfand hinterlegt wird. Dann liefert es tatsächlich 
einen Nutzen, der unter Zurückbehaltung des Eigentumsrechtes 
verkauft werden kann. In diesem Falle aber handelt es sich nicht 
mehr um ein mutuum, sondern um eine locatio, wie umgekehrt 
es keine locatio, sondern ein Darlehensvertrag wäre, wenn jemand, 
z. B. einen Schuh, leihen würde, damit dieser ihn als Tauschmittel 
gegen andere Dinge benutze 3 ). Dieser Vorgang wäre ohne Eigen- 
tumsübertragung nicht denkbar. Der wirtschaftliche Inhalt des 
Vertrages entscheidet also in jedem Falle über die juristische Form 
desselben. 

Schon für die rein juristische Betrachtung ergibt sich aber 
damit schon die Unmöglichkeit des Zinses: das dargeliehene Geld ist 
nicht mehr Eigentum des Verleihers; es ist juristisch undenkbar, ihm 
das Recht zubilligen zu wollen, Nutzen aus einer Sache zu ziehen, 
die ihm nicht mehr gehört. So sagt Thomas: »Pro usu pecuniae, 
quae fit alterius ex hoc ipso, quod mutuatur, aliquid accipere nihil 
aliud est, quam accipere aliquid ab aliquo pro usu rei propriae« 4 ). 

Diese mehr formal-juristische Begründung für die Uner- 
laubtheit des Zinsnehmens — vor Thomas wohl das Hauptar- 
gument der Scholastik für die Zinslosigkeit des Darlehens, — be- 
zeichnet Thomas in seinem Sentenzenkommentar noch als satis 
probabilis 5 ). Sie steht hier für ihn noch im Vordergründe gegen- 
über anderen Argumenten. In seinen späteren Schriften tritt sie 

x ) Vgl. Lessei, a. a. O. S. 18. 

2 ) Albertus sagt ähnlich: »dicitur mutuum quasi de meo factum tuum. Nisi 
enim de meo fieret tuum, tu tuam voluntatem et utilitatem de mutuo facere non posses«. 
In Ev. Luc. IV, 35. Auch das etymologische Wortspiel ist aus dem römischen Recht 
entnommen. Vgl. z. B. 1. 2 § 2 D. 12, 1. Über die Auffassung der früheren 
Scholastik vgl. S. 105. Anmerk. 1. 

3 ) z. B. II, II, 78, a. 1 ad 6. 

4 ) Sent. 1. c. 

5 ) 1. c. Vgl. Lessei, a. a. O. S. 38. 



— 105 — 

dagegen völlig zurück. Hier argumentiert er in der Weise, daß 
er auf den wirtschaftlichen Vorgang, der sich im Darlehen voll- 
zieht, die Prinzipien der Gerechtigkeit anwendet und aus ihnen 
die Ungerechtigkeit des Zinses folgert. Im Sentenzenkommentar 
findet sich hingegen diese spätere Begründung noch nicht. Es 
ist also hier eine bedeutsame Entwicklung der thomistischen 
Wucherlehre festzustellen J ). 

ß) Der Zins im Widerspruch mit der justitia com- 
mutativa. 

Worin das Wesen der Gerechtigkeit im Tausche besteht, ist 
früher erörtert worden: sie erfordert Wertgleichheit, Gleichheit von 
Leistung und Gegenleistung. Im Darlehensverkehr wird also dann 
Gerechtigkeit herrschen, wenn der Gläubiger das Gleiche an Wert 
zurückerhält, wie er dargeliehen hat. Die Höhe dessen aber, was 
der Darleiher leistet, ergibt sich aus dem bisher Gesagten mit 
logischer Konsequenz: sie beschränkt sich auf den im Gelde lie- 
genden Nutzen, der mit der Substanz, dem Werte des Geldes 
identisch ist. So sagt Thomas: »non autem aliquis plus accepit, 
quam ipsam quantitatem pecuniae, quia eius usus, qui est pecuniae 
consumptivus, non est aliud quam ipsa pecunia. Et ideo non debet 
ad plus obligari quam ad restituendum pecuniam« 2 ). Wird mehr 
gefordert, so liegt eine Ungerechtigkeit vor: »Beneficium mutui 
non est amplius quam pecunia mutuata, unde si plus exigitur, 
exigitur plus quam debitum et ideo est injusta exactio« 3 ). Der 
Schuldner muß sich also verpflichten, den Wert dessen zurück- 

x ) Ein Vergleich der thomistischen Ansichten mit denen der scholastischen Vor- 
läufer zeigt Thomas noch völlig im Kreise der letzteren, z. B. bemerkt Hostiensis: 
»ratio enim naturalis, quod pro mutuo non possit exigi ultra sortem, haec videtur esse, 
quia res mutuata transit in dominium recipientis ... et suum est periculum, unde contra 
naturam est, quod rem propriam sibi locem: si enim petam a te 10, quia cum pecunia 
tua lucraris, numquid tibi apparebo furiosus?« (Sum. De usur. 8. (S. 1623). Ähnlich 
heißt es bei Goffredo (1. c. n. 1; 2 [S. 212]). Alex. Hai. erklärt: »contra ius 
naturale' est, ut aliquis percipiat emolumentum de usu rei, quae non est sua« (III, 36 
m. 1. ad. 8). Albertus erklärt über dies juristische Argument: »Et haec omnibus 
solutionibus probabilior videtur mihi«. Auch in dem Jugendwerke des Aquinaten, dem 
Sentenzenkommentar, ist diese Beweisführung noch ausschlaggebend. Später verschiebt 
er aber den Schwerpunkt der Argumentation, indem er nunmehr die aristotelische Idee 
der justitia commutativa mit aller Schärfe auf den Darlehnsverkehr anwendet und 
Gleichheit von Leistung und Gegenleistung fordert. Man kann insofern in Thomas 
späteren Schriften von einem »Aristotelismus« seiner Wucherlehre sprechen, durch den 
er seine scholastischen Vorläufer überragt. Über ein mit der Eigentumsübertragung 
zusammenhängendes Argument der Summa vgl. unten S. III. Anm. 1. 

2 ) De mal. 1. c. ad. 5. 

3 ) Sent. III, 1. c. ad. 2. cf. quodl. V, a. 17. 



— io6 — 

zuzahlen, was er erhalten hat. Geschieht dies, dann ist der For- 
derung des justum pretium im Darlehensverkehr genügt. 

Die Ungerechtigkeit des Zinses ergibt sich also einmal aus 
dem positiven Nachweise dessen, was gerecht ist. Sodann aber 
noch durch weitere Überlegungen. 

a) Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß Thomas 
im Darlehen einen Tausch von Geld gegen Geld sieht. Bedingt 
sich nun der Gläubiger einen Zins aus, so ist dies nichts anderes, 
als ein Verkauf von Geld gegen Mehrgeld, was natürlich eine 
Ungerechtigkeit in sich schließt. In diesem Sinne sagt Thomas 
in der Summa: »pecunia non potest vendi pro pecunia ampliori, 
quam sit quantitas pecuniae mutuatae, quae restituenda est 1 ). 

b) Im Sentenzenkommentar findet sich ein ähnlicher Gedanke, 
jedoch in etwas anderer Fassung, indem er hier verknüpft wird mit 
der Vorstellung vom Gelde als einem Maße aller Dinge. Der 
Gläubiger entleiht eine bestimmte Quantität der mensura utilitatis, 
der Schuldner gibt eine andere von gleicher Größe zurück. Würde 
anders verfahren, so bedeutete dies eine Veränderung und Ver- 
fälschung des Maßes: »unde accipere maiorem pecuniam pro minori 
nihil aliud esse videtur, quam diversificare mensuram in accipiendo 
et dando« 2 ). Diese Einkleidungsformel des Gedankens von der 
Ungerechtigkeit des Wuchers findet sich vor Thomas nicht 3 ). Sie 
hat, wie leicht ersichtlich, und, wie Thomas selbst hervorhebt, ihre 
Quelle in der aristotelischen Geldtheorie. Die spätere Scholastik 
hat diesen Gesichtspunkt nicht verwertet; auch bei Thomas hat 
sowohl dieses als auch das vorige Argument nur eine untergeord- 
nete Bedeutung. 

c) Die Ungerechtigkeit des Zinsnehmens ergibt sich aber 
auch aus einem anderen Gesichtspunkt, der mit dem Vergleich 
des Darlehens mit der Vermietung enger zusammenhängt. Auch 
für das mittelalterliche Denken zeigen der Pacht- oder Mietzins 
und der Leihzins eine gewisse Verwandtschaft, wenn es sie auch 
grundverschieden beurteilt. Bei der locatio wird der Gebrauch, 
der Nutzen eines Gegenstandes gegen Geld verkauft. Leiht jemand 
Geld auf Zins aus, so wird damit ein äußerlich ähnlicher Vorgang 
geschaffen. Der Gläubiger verlangt eine doppelte Vergütung', 



*) II, II 78 a. 2, ad. 4. cf. ib. 4. Übrigens zieht schon Alex. Hai. dieselbe 
Folge aus seiner Anschauung vom Gelde, indem er bezüglich desselben äußert: »Est 
enim ordinata ad aequalem commutationem (IV. q. 110 m. 3. ad. 4.). 

2 ) Sent. III, 37, 1, 6 c. 

3 ) Lessei, a. a. O. S. 47. 



— 107 — 

zunächst die Rückzahlung des Kapitals, darüber hinaus aber dann 
noch einen Preis für die überlassene Nutzung des Geldes. Der 
Preis dieses stipulierten Nutzens ist eben die usura, welchem 
Worte eine tadelnde Bedeutung innewohnt: »Dicitur enim usura 
ab usu, eo scilicet, quod pro usu pecuniae pretium quoddam acci- 
pitur, quasi ipse usus pecuniae mutuatae vendatur« 1 ). Der Zins- 
nehmer verlangt, wie bereits betont, eine doppelte Vergütung. Nun 
liegt es aber in der Natur des Geldes, daß Sache und Nutzung des- 
selben nicht voneinander getrennt werden können. Mit der recompen- 
satio rei ist zugleich die recompensatio usus verbunden. Handelt 
der Gläubiger anders, so verkauft er dasselbe zweimal oder rich- 
tiger, er verkauft etwas, was gar nicht vorhanden ist: »quia ergo 
usus rei est inseparabilis ab ipsa re, quicumque vendit usum talium 
rerum retinendo sibi obligationem ad sortem reddendam, mani- 
festum est, quod idem vendit bis« 2 ). An anderer Stelle äußert 
sich Thomas in ähnlicher Weise 3 ). Ein Zins für ein Gelddarlehen 
wäre dasselbe, wie wenn jemand einem anderen Wein liehe und 
sich dann dessen Substanz und Benutzung bezahlen lassen wollte. 
So sagt Thomas in der Summa: »Si quis ergo seorsum vellet ven- 
dere vinum et vellet seorsum vendere usum vini, venderet eandem 
rem bis vel venderet id, quod non est« 4 ). Diese Form des Beweises 
für die Zinslosigkeit des Darlehens war nahe gelegt durch das 
römische Recht, das an manchen Stellen den Zins als fructus des 
Geldes auffaßt, oder von einem ususfructus des Geldes spricht 5 ). 
Hieraus erhellt, daß der Zins seiner inneren Natur nach un- 
gerecht ist. Weil er zwischen den beiden Tauschkontrahenten Un- 
gleichheit hervorruft 6 ). Damit ist bereits ein anderer Punkt be- 
rührt. Das Recht enthält seinem Inhalte nach die Forderung der 
Gleichheit zwischen zwei Personen. Ergibt sich diese Gleichheit 
unmittelbar aus der Natur des unter Rechtsnormen zu bringenden 
Vorganges ex ipsa natura rei: »puta cum aliquis tantum dat, 
ut tantumdem recipiat«, sagt Thomas — so ist die sich ergebende 
Forderung eine solche des Naturrechts 7 ). 



*) De mal. XIII, 4, c. 

2 ) Quodl. III, a. 19. 

3 ) De mal. XIII, 4, c. 

4 ) II, II 78 a. 1 c. cf. op. IV, de 7 praecepto. 

5 ) Vgl. z. B. 1. 34 D. 22, 1. Hier sagt Ulpian: >usurae vicem fructuum 
obtinent et merito non debent a fructibus separari«. Vgl. Oertmann, a. a. O. 
S. 147. Vgl. auch S. 114 Anmerk. 2. 

«) II, II 78 a. 1 c. 
7 ) II, II 57, a. 2 c. 



— io8 — 

Es ist nun im Vorhergehenden bereits gezeigt worden, daß 
das Zinsnehmen nicht etwa unerlaubt ist infolge positiven gött- 
lichen oder menschlichen Gebotes, sondern die Ungerechtigkeit 
des Zinsnehmens folgt mit logischer Konsequenz aus der Natur 
des Darlehens selbst. Es ist gegen die »ratio naturalis« x ) es ist 
»secundum se iniustum« 2 ); mit anderen Worten, das Verbot des 
Zinsnehmens ist eine Forderung des Naturrechtes. Demgemäß 
erklärt Thomas, es sei: »manifeste contra rationem justitiae 
naturalis« 3 ). 

Dieses Argument für das Wucherverbot von Thomas ist 
das eigentlich thomistische 4 ). Es ist leicht ersichtlich, daß hier 
Momente zu einer Einheit verbunden sind, die bereits vor Thomas 
vorhanden waren. Die Anschauungen über die Natur des Geldes 
und des Darlehens, wie sie vom römischen Recht, den Kirchen- 
vätern, Aristoteles vertreten werden, sind hier vereint mit der 
aristotelischen Auffassung vom Wesen der Gerechtigkeit. Zweifel- 
los enthält es die schärfste Ausprägung der scholastischen Wucher- 
lehre. Thomas selbst legt ihm die größte Bedeutung bei, wie 
sich aus der häufigen Wiederholung gerade dieses Argumentes 
ergibt. Im Sentenzenkommentar findet es sich allerdings noch 
nicht. Seine Ausbildung fällt also in Thomas spätere Lebenszeit. 
Die Scholastik nach ihm bedient sich häufig gerade dieses Argu- 
mentes 5 ). 

y) Der Zins als Aneignung fremder Arbeit. Zins und 
Wertgesetz. 

Es ist also bisher gezeigt worden, worin nach Thomas die 



*) Quo dl. III, a. 19 mit Berufung auf Aristoteles Politik. 

2 ) Vgl. Anm. 6 d. vor. S. 

3 ) De mal. XIII, 4 c. cf. quodl. III, 19. Albertus Magnus äußert sich ganz 
ähnlich. "Vgl. Sent. III, 37 a. 13. 

4 ) Lessei, a. a. O. S. 39. Daß in der Summa jedoch auch andere, als der in 
Frage stehende Gesichtspunkt für die Unerlaubtheit des Wuchers geltend gemacht 
werden, und dies nicht, wie L es sei annimmt, der einzige ist, dürfte die Darstellung 
gezeigt haben und noch des weiteren zeigen. 

6 ) "Wörtlich wird die thomistische Wucherlehre wiedergegeben im Speculum 
morale, III, d. 11, p. 7 (S. 1295 ff.). Hinzugefügt sind hier noch moralisierende Be- 
trachtungen über die Schlechtigkeit des Wuchers (S. 1299 ff.). Auch bedient sich der 
Verfasser des Argumentes von der Unverkäuflichkeit der Zeit (S. 1301), das sich bei 
Thomas nicht findet. Auch ÄgidiusColonna Romanus bringt neben dem aristotelischen 
Gedanken, daß das Geld nicht wie lebende Wesen Junge erzeugen könne, vor allem 
die thomistische Begründung des Zinsverbotes, teilweise in wörtlicher Wiederholung. 
Das Zinsnehmen, heißt es weiter, widerstreite dem Naturrecht, deshalb sei es auch von 
der stattlichen Gewalt zu verbieten. De reg. prine. 1. II. p. 3. c. II. 



— ic>9 — 

Gerechtigkeit im Darlehen besteht. Der Wucher ist ungerecht, 
weil durch ihn eine Ungleichheit konstituiert wird. Doch ist die 
Untersuchung noch nicht zu Ende. Die bisherigen Argumente 
waren mehr negativer Natur, insofern sie zeigten, daß im Zins- 
nehmen ein ungerechter Mehrwert liegt. Es entsteht nun natur- 
gemäß die Frage: was bildet die Substanz dieses Mehrwertes, wo- 
her stammt derselbe? Die Frage hängt zusammen mit der nach 
dem eigentlich ökonomischen Inhalt des Zinsverbotes und nach 
seiner Bedeutung für den wirtschaftlichen Organismus, die ihm 
nach den thomistischen Anschauungen zukommt. Das Zinsverbot 
hat sich bisher als spezieller Fall des allgemeinen Wertgesetzes 
erwiesen, es ergibt sich aus dem Prinzip der Wertgleichheit im 
Tausche. Die Verwendung dieses Prinzips wird im folgenden 
eine tiefere Begründung erfahren. 

In welchem Sinne das Geld produktiv ist, hat sich oben 
ergeben: Der Überschuß über den Nutzen seines unmittelbaren 
Verbrauchs stellt sich dar als Ergebnis menschlicher Arbeit, er 
ist behaftet mit einem persönlichen Momente. Läßt sich nun der 
Darleiher einen Zins geben, so bedeutet dies nichts anderes, als 
daß er die Arbeit des Schuldners ausbeutet, indem er sich einen 
Teil seines Arbeitsertrages aneignet. Dies ist aber offenbar un- 
sittlich. So sagt Thomas in prinzipieller Kürze: »industriam autem 
eius sibi vendere non debeo« 1 ). 

Insbesondere ist für Thomas folgender Gesichtspunkt maß- 
gebend: Der Gewinn gebührt dem Entleiher deshalb, weil er die 
Gefahr des Unternehmens, in dem das Geld verwendet wird, trägt. 
Die Übernahme des Risikos ist ebenfalls wirtschaftliche Arbeit, 
die mit Recht Anspruch auf Gewinn als ihren Lohn machen 
kann. Von der Gefahr aber, die mit der Verwendung des Geldes 
in einem Unternehmen verknüpft ist, ist der Darleiher völlig ge- 
trennt, .denn die entliehene Summe ist nicht mehr sein Eigentum. 
Das Unternehmen mag gelingen oder nicht, ihm steht der An- 
spruch auf die gleiche Summe Geldes zu. Das Zinsnehmen be- 
deutet eine Ausbeutung der Tätigkeit des Schuldners. So sagt 
Thomas: »ille, cui pecunia mutuatur, sub suo periculo tenet eam 
et tenetur eam restituere integre, unde non debet amplius exigere 
ille, qui mutuavit« 2 ). 

Dieselbe Stellungnahme zeigt sich in einem anderen Fall: 
hat jemand unerlaubter Weise Zinsen genommen, so ist er zur 

a ) Sent. III, 37, i a. 6 ad 4. 
2 ) II, II 78 a. 2 ad 5. 



— I 10 — 

Restitution verpflichtet. Es liegt dann tatsächlich eine Art Dar- 
lehen vor, indem der unrechtmäßige Besitzer der Zinsen gewisser- 
maßen Geld geliehen hat von dem, der ihm den Zins zahlte 1 ). 
Die zu leistende Restitution umfaßt aber nach Thomas nur die 
Rückgabe des Kapitals, d. h. der gegebenen Zinsen, nicht etwa 
auch den Gewinn, der inzwischen mit dem Gelde erzielt wurde. 
Der letztere verdankt seinen Ursprung der Arbeit des unrecht- 
mäßigen Besitzers und steht deshalb ihm zu. »Non tenetur« 
heißt es in der Summa, »homo ad restitutionem, nisi id, quod 
accepit, quia id, quod de tali re est acquisitum, non est fructus 
huiusmodi rei, sed humanae industriae« 2 ). 

Es kommt hier derselbe Gedanke zum Ausdruck, den Thomas 
hinsichtlich des einfachen Tausches aufstellt. Das Zinsnehmen 
widerspricht dem allgemeinen Prinzip, daß das Fundament der 
Arbeitsteilung bildet: der Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten. 
Es widerspricht der Idee, die den volkswirtschaftlichen Organismus 
durchdringen sollen: daß nämlich die einzelnen Glieder füreinander 
in gleichem Maße arbeiten sollen. Albertus Magnus hebt den- 
selben Gedanken hervor 3 ). Für den Zins fehlt also der Rechts- 
grund der Arbeit, er wird als Aneignung fremder Arbeit ab- 
gelehnt. 

Daß dieser Gesichtspunkt eine zentrale Stellung in der thomi- 
stischen Wucherlehre einnimmt, zeigt die Erörterung des Gesell- 
schaftsvertrages. In diesem bleibt der Kapitalist Eigentümer des 
Geldes, daß er für das Unternehmen hergibt; dies zieht aber die 
wirtschaftliche Folge nach sich, daß er das Risiko des Unter- 
nehmens mitträgt. Gerade das, dessen Fehlen im Darlehen den 
Zins unerlaubt macht, ist hier verwirklicht: der Besitzer des 
Geldes nimmt in gewissem Sinne teil an der Arbeit des Kaufmanns 
oder Handwerkers. Er darf deshalb als Gegenleistung der Höhe 
des eingezahlten Geldes entsprechend, die eben das Maß seiner 
Leistung bestimmt 4 ), Anspruch auf Anteilnahme am Gewinn erheben. 
Dieser Gewinnanteil hat dann ein gewisses persönliches Moment 
und wird deshalb von Thomas durchaus gestattet 6 ). Die thomi- 
stische Stellung zum Gesellschaftsvertrage soll also nicht etwa eine 
Ausnahme vom Zinsverbot in sich schließen, sondern sich aus 

*) Vgl. hierzu quodl. III, a. 19. 

2 ) II, II, 78, a. 3. c. 

3 ) Albertus Magnus in Ev. Luc. IV, 35. Vgl. Lessei, a. a. O. S. 42 f. 

4 ) Cf. In Eth. Nie. V, 1. 1. Zum Gesellschaftsvertrage vgl. Endemann, Studien I, 
S. 346. Über den Zusammenhang mit dem römischen Recht daselbst S. 334. 

6 ) II, II 78, 1. c. 



— III — 

denselben Prinzipien ergeben, die für die Behandlung des Dar- 
lehens maßgebend sind 1 ). 

Der Zusammenhang zwischen der thomistischen Wert- und 
Wucherlehre ist aber noch nach einer anderen Seite zu betrachten. 
Der Zweck der geforderten Wiedervergeltung von Arbeit und 
Kosten geht darauf hinaus, den Tausch in seiner volkswirtschaft- 



*) Unter der societas quaedam versteht Thomas möglicherweise die sog. Commenda, 
eine im frühen Mittelalter zumal in den italienischen Städten gebräuchliche Gesellschafts- 
form. Über letztere vgl. Silberschmidt: »Die Commenda in ihrer frühesten Ent- 
wicklung bis zum 13. Jahrhunderte. Hiernach Schaub: Der Kampf usw. S. 159 f. 
Vgl. auch Endemann, a. a. O. I, S. 361 ff. Daß Thomas das Tragen des Risikos 
als wirtschaftliche Arbeit auffaßt, die ein besonderes Entgelt verdient, ist bereits bei 
Erörterung des Handelsgewinnes betont (S. 79). Gleichwohl ist die Rechtfertigung 
des Gesellschaftsunternehmens ungenügend und steht in gewissem Sinne im Gegensatz 
zu der sonst von Thomas eingehaltenen Argumentation. II, II 78. a. 2. ad. 5 heißt 
es: »ille, qui mutuat pecuniam, transfert dominium pecuniae in eum, cui mutuat; unde 
ille, cui pecunia mutuatur, sub suo periculo tenet eam et tenetur restituiere integre: unde 
non debet amplius exigere ille, qui mutuavit. Sed ille, qui committit pecuniam suam 
vel mercatori vel artifici per modum societatis cuiusdam, non transfert dominium 
pecuniae suae in illum, sed remanet eius; ita quod cum periculo ipsius mercator de ea 
negotiatur vel artifex operatur; et ideo sie licite potest partem lucri inde provenientis 
expetere tanquam de re sua«. Der Darlehenszins wird hier deshalb als unerlaubt 
erklärt, weil infolge der Eigentumsübertragung im Mutuum der Gläubiger von jedem 
Risiko befreit sei, und der Gesellschaftsvertrag hierzu in Gegensatz gestellt. Thomas 
bringt hier eine Begründung des Zinsverbotes, die sich schon in der erwähnten Stelle 
bei Gregorius findet und auch von Goffredo v. Tr. und Alex. Hai. bei der Gegen- 
überstellung des Miet- und Darlehenszinses gebracht wird. Der Vermieter eines Gegen- 
standes dürfe ein Entgelt beanspruchen, weil er Eigentum und damit Risiko behalte, 
was im Darlehen nicht der Fall sei, eine Auffassung, die auf einer unklaren Erfassung 
des Wesens des Zinses beruht. (De usur. 2. [212] S. th. III, 36 m. 1 ad. 8). Eine 
größere Bedeutung hat dies Argument in der Scholastik nicht gehabt. Auch Thomas 
bringt es nur im Zusammenhang mit der Behandlung des Gesellschaftsvertrages. Die 
letztere ist also ungenügend, insofern als ein Gedanke verwendet wird, der sonst bei 
Behandlung des Zinses völlig zurücktritt. Zudem dürfte es kaum ausreichend sein, 
den Gewinn, den ein Kapitalist aus einem Unternehmen bezieht, lediglich als Prämie 
für das Risiko, das er infolge der Rückbehaltung des Eigentumsrechtes an der einge- 
zahlten Geldsumme übernimmt, aufzufassen. Thomas steht hier unter dem Einfluß der 
Tradition, dem er sich nicht zu entziehen vermag. So sagt z. B. schon Goffredo r. Tr. : 
»Vis autem dare pecuniam naviganti vel eunti ad nundinas seu alii mercatori sine 
peccato: pone tu pecuniam et alius operam personalem et pecuniam tantam vel minorem: 
plerumque enim, quod pecuniae deest, opera supplet ... et communicetis pericula, 
lucra et damna« (1. c. n. 29. [214^]). Ähnlich Hostiensis vgl. Lessei, a. a. O. 
S. 31. Zudem ist die Auffassung, daß der Gesellschafter Eigentümer des Geldes bleibe, 
schwerlich mit den sonstigen thomistischen Anschauungen vom Gelde vereinbar. Denn 
auch im Gesellschaftsunternehmen muß das Geld verausgabt werden. Es kann also dem 
Kommittenten nur ein Forderungsrecht, kein Eigentum verbleiben, wie schon häufig 
hervorgehoben ist. Vgl. L es sei, a. a. O. S. 61. 



112 

lieh unentbehrlichen Funktion auf eine dauernd sichere Basis zu 
stellen. Wir können vermuten, daß die Anwendung der Prin- 
zipien des gerechten Preises auf den Darlehensverkehr, der ja 
nur eine andere Form der commutatio ist, hinsichtlich desselben einen 
ähnlichen Zweck verfolge. Es ist zu dem Zwecke zunächst die 
Bedeutung festzustellen, die nach Thomas dem Darlehensverkehr 
im volkswirtschaftlichen Organismus zufällt. Wenn hierüber 
Thomas sich auch nicht ausdrücklich äußert, so kann man doch 
aus manchen Stellen dahingehende Schlüsse ziehen. 

Es fehlt bei Thomas vollständig der Gedanke, daß die 
Kreditgewährung für den normalen Verlauf des Wirtschaftslebens 
notwendig sei. Es geht dies deutlich hervor aus der Art und 
Weise, wie Thomas die Stellung des Schuldners im Darlehensver- 
kehr behandelt. Diese war für ihn zumal unter moraltheologischem 
Gesichtspunkt zu erörtern. Wurde das Zinsnehmen als sündhaft 
hingestellt, so konnte leicht der Gedanke aufkommen, auch das 
Zinsgeben sei ungerecht, weil der Schuldner Veranlassung und 
Möglichkeit zur Sünde gäbe 1 ). Die Stellung, die Thomas zu dieser 
Frage einnimmt, ist wichtig; er hält das Zinsgeben unter be- 
stimmten Verhältnissen für sittlich erlaubt. Jener rigoristischen 
Anschauung gegenüber, die es als sündhaft ablehnt, weist er zu- 
nächst auf die »contraria consuetudo multorum bonorum« hin, die 
sich am Zinsgeben nicht stoßen 2 ). Der Schuldner, erklärt er 
weiterhin, befindet sich in einer necessitas 3 ). Letzterer Begriff ist 
keineswegs ein engbegrenzter. Es kann ein Darlehen absque 
magna necessitate aufgenommen werden 4 ). Unter dem necessarium 
v ersteht Thomas einmal dasjenige, ohne welches eine Existenz 
unmöglich ist, wie z. B. die Nahrung; dann aber auch dasjenige, 
was zum standesgemäßen Lebensunterhalt gehört 5 ). In einer von 
beiden Beziehungen leidet der Darlehensnehmer stets Mangel: 
»semper autem ille, qui mutuum aeeipit, patitur necessitatem vel 
primo vel seeundo modo« 6 ). 

Sieht sich nun jemand veranlaßt, ein Darlehen aufzunehmen, 



M II, II 78 a. 4 ob. 1. 

2 ) de mal. 1. c. ob. 17. 

3 ) II, II, 78 a. 4 c. und sonst. 

4 ) De mal. 1. c. ob. 8. 

B ) Siehe oben S. 18 f., S. 54. 

6 ) De mal. 1. c. ad. 8. Albert Magnus wagt (III, 37 a. 15) den Umfang der 
necessitas nicht näher zu bestimmen, überläßt es vielmehr dem Gewissen des Einzelnen 
und der Entscheidung der Obrigkeit, wann die Aufnahme eines verzinslichen Darlehens 
gerechtfertigt sei. 



— H3 — 

so ist der Gläubiger zwar an sich verpflichtet, es ihm zinslos zu 
geben. Es ist aber der Fall denkbar, daß er hierzu nicht bereit 
ist. Dann darf der Entleiher, vorausgesetzt, daß er sich in der 
gekennzeichneten Zwangslage befindet, Zinszahlung versprechen, 
jedoch nur unter der Bedingung, daß der Gläubiger bereits zum 
Zinsnehmen entschlossen ist und nicht etwa erst durch den Schuld- 
ner dazu veranlaßt wird 1 ). Der Darlehensnehmer will dann nicht 
das Zinsgeben, sondern nur die »mutuatio, quae est bona« 2 ). Er 
zahlt den Zins nicht schlechthin freiwillig, sondern »quasi coactus 
necessitate« s ). Die Schuld liegt einzig auf seiten des Gläubigers: 
»qui licet ei non inferat violentiam absolutam, infert ei tarnen 
quandam violentiam mixtam«: diese Gewalttätigkeit liegt eben in 
der Ausnützung der Notlage des Schuldners 4 ). Es wäre unerlaubt, 
wenn jemand ohne in Not zu sein, ein verzinsliches Darlehen 
aufnehmen wollte 5 ). 

Die Gestattung der Zinszahlung in Not hat natürlich nur 
dann Sinn, wenn das Darlehen trotz der Verpflichtung zur Zins- 
zahlung dem Schuldner noch Nutzen gewährt. Daß dies der Fall 
sein kann, ist Thomas durchaus bekannt. So hebt er den großen 
Vorteil hervor, die »multae commoditates, quas interdum aliqui 
consequuntur ex pecunia mutuata, licet sub usuris« 6 ). 

Man sieht deutlich, daß Thomas dem Darlehnsverkehr 
immerhin eine wichtige wirtschaftliche Funktion zuerkennt: es 
erscheint ihm berechtigt für den, der sich in Not befindet, sei es 
im absoluten Sinne oder in dem Sinne, daß er das standesgemäße 
Einkommen nicht genießt. Die Kreditgewährung soll also der 
Heilung anormaler Zustände, die im volkswirtschaftlichen Orga- 
nismus zutagetreten, dienen. Die Erlaubnis des Zinsgebens von 
seiten des Schuldners hat in der volkswirtschaftlichen Unent- 
behrlichkeit des Darlehens ihren Grund. 

Es dürfte klar sein, daß die Theorie, die das Verständnis 
des mittelalterlichen Zinsverbotes fördern wollte durch den Hin- 
weis darauf, der Kreditverkehr habe im Mittelalter wesentlich kon- 
sumtiven, nicht produktiven Zwecken gedient, aus den thomi- 



*) II, II 78 l. c. 

2 ) ib. ad. 1. 

3 ) Sent. III, 37 1 a. 6 ad. 6. De mal. 1. c. ad. 9. Vgl. Albertus Magnus 
Sent. 111, 37 a. 13 ad. 1. 

4 ) De mal. 1. c. ad. 7. 

5 ) ib. ad. 18. 
G ) Ib. ad. 6. 

Beitrüge zur Geschiebte der Nationalökonomie. Heft I. 8 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— ii 4 — 

stischen Gedankengängen keine Bestätigung, vielmehr eher eine 
Zurückweisung erfährt. 

Die geschilderten Vorstellungen von der Bedeutung des 
Kreditverkehrs sind auch für die Stellung entscheidend, die Thomas 
zur weltlichen Gesetzgebung, teilweise im Anschluß an seine 
scholastischen Vorläufer einnimmt 1 ). Thomas weist zunächst darauf 
hin, daß das römische Recht, das Zinsnehmen zwar gestatte, aber 
nicht in dem Sinne, als ob es voll innerlich berechtigt sei. Auch 
nach dem bürgerlichen Rechte gehöre das Geld zu den Dingen, 
»quae ipso usu consumuntur«, die deshalb keine wirtschaft- 
liche Nutznießung gestatteten. Für die Einrichtung einer Nutz- 
nießung seien lediglich bestimmte Zweckmäßigkeitsrücksichten maß- 
gebend 2 ). 

Die gewaltsame Unterdrückung alles sittlich unerlaubten, 
erklärt Thomas, könne für die menschliche Gesellschaft die Ver- 
hinderung wesentlicher Vorteile mit sich bringen, ja bedeutenden 
Schaden zur Folge haben. Und so erlaube das bürgerliche Recht 
das Zinsnehmen »dispensative«, »non quasi existimans eas esse 
secundum justitiam, sed ne impedirentur utilitates multorum« 3 ;. 

Diese Erörterungen bleiben völlig unverständlich, wenn nicht 
angenommen wird, daß Thomas von der wirtschaftlichen Bedeu- 
tung des Darlehens überzeugt war und es im volkswirtschaftlichen 
Organismus für notwendig erachtete. Der Kredit, der ihm vor- 
schwebte, kann mit Keller als Notkredit bezeichnet werden. Er 
soll der Hebung der necessitas, d. h. eben der besseren Erreichung 
des Zieles dienen, daß das Ziel der wirtschaftlichen Arbeit ist, 
nämlich der Erlangung des standesgemäßen Einkommens, die in 
dem Fall, wo ein Darlehen begehrt wird, durch irgendwelche 
anormalen Verhältnisse als nicht möglich erscheint 4 ;. 

*) Vgl. z. B. Alex. Hai. III, q. 66 m. 3 ad. 4. Albertus Magnus 111, 
37 a. 13: »Dare autem ad usurarn multum confert ad bonura statum temporalem illum 
et ideo Imperator permittit et reges similiter«. 

2 ) II, II, 78 a. 1 ad. 3. Er nimmt hier Bezug auf § 2 J. 2, 4, wo es vom 
Senate heißt, er habe »per cautionem« einen »quasi ususfructus« des Geldes festgesetzt. 
Man hat in späterer Zeit im Sinne des römischen Rechts die Zinsen als fructus civiles 
bezeichnet. Auch das römische Recht verkennt die Produktivität des Kapitals und 
sieht letzten Endes nur die Willensübereinstimmung über den Credit als Grund des 
Zinses an. Der Zins ist also tatsächlich nur geduldet, obwohl er im übrigen nicht 
wohlwollend beurteilt wird. Senatoren war z. B. das Zinsnehmen verboten. Vgl. 
Oertmann, a. a. O. S. 148 ff., S. 75. 

3 j 1. c. f. De mal. 1. c. ad. 6. 

4 ) Unternehmung und Mehrwert (191 2), S. 24 ff., ohne daß damit den übrigen 
Ausführungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann, zugestimmt werden soll. 



— ii5 — 

Diese Funktion des Darlehensverkehrs soll durch die Durch- 
dringung mit den Forderungen des gerechten Preises geschützt 
und bewahrt werden. Freilich wird sie durch das Zinsnehmen im 
Einzelfalle nicht gestört, wie ja auch ein Tausch, der nicht den 
Prinzipien der Gerechtigkeit entspricht, nicht gleich den ganzen 
Organismus der Arbeitsteilung zerstört. Wie aber der Tausch, 
wenn anders er auf dauernder Grundlage ruhen will, seiner ganzen 
Idee nach die Einhaltung des gerechten Preises fordert, in der- 
selben Weise verlangt auch der wirtschaftliche Inhalt des Dar- 
lehens, das ja nichts anderes als ein Tausch ist, die Zinslosigkeit 
desselben, weil nur letztere der Wiedervergeltung von Arbeit und 
Kosten entspricht. Die Basierung des Kreditverkehrs auf die 
Forderungen des gerechten Preises bietet zugleich die Gewähr 
dafür, daß derselbe seine volkswirtschaftliche Funktion, die Er- 
möglichung des standesgemäßen Einkommens, in geregelter Weise 
erfüllt, wie es seiner inneren Natur entspricht. Das ist offenbar 
der tiefere Sinn der thomistischen Wucherlehre, die durch die 
Einreihung in den Gesamtideenkreis des gerechten Preises eine 
bedeutsame Vertiefung erfährt. 

Das Zinsverbot entspricht auch insofern den wirtschaftlichen 
Verhältnissen, die Thomas vor Augen hatte, als der Zins eine 
Durchbrechung des Ideals bedeutet, daß jeder durch Arbeit seinen 
Unterhalt sich erwerben soll. Mit Recht sagt Sombart: »Es kommt 
doch wohl in jenem Rechtssatze des Zinsverbotes nichts anderes 
zum Ausdruck, als die prinzipielle Anerkenntnis des dem hand- 
werksmäßig organisierten Wirtschaftsleben adäquaten Wirtschafts- 
prinzips der Bedarfsdeckung durch Werkschaffung« 1 ). Das Wirt- 
schaftsleben selbst verlangte seiner innern Natur nach Schutz gegen 
den rein lukrativen Erwerb, gegen den Kapitalismus. So tadelt 
Thomas es an den Juden, daß sie »ociose viventes solis usuris 
ditentur« und hält es für besser, sie zum Erwerb des Lebensunter- 
haltes durch Arbeit zu zwingen 2 ). 

Der Wertlehre liegt die Idee zugrunde, daß der Arbeit ein 
standesgemäßer Unterhalt gebühre. Wenn dem nicht genügt ist, 
soll das Darlehen korrigieren. Diesen Vorgang benutzt der 
Wucherer, um ohne Arbeit vermittels seines Überflusses ein über- 
standesgemäßes Einkommen zu erzielen. Das widerstreitet dem 
in der Wertlehre niedergelegten Organisationsprinzip der Ge- 
sellschaft. 

1 ) Der moderne Kapitalismus I. S. 184. 

2 ) Op. XXI. 

8* 



— n6 — 

3. Die bisherigen Erörterungen haben sich lediglich mit 
dem Schutze des Schuldners beschäftigt. Nun ergibt sich aber 
zuweilen die Notwendigkeit, auch die Rechte des Gläubigers zu 
schützen. Bei Thomas geschieht dies einmal durch Einschärfung 
der Restitutionspflicht des Schuldners, sowie durch Hinweis auf 
die für letzteren bestehende Pflicht der Dankbarkeit. Vor allem 
aber wird der Darleiher gegen eigenen Schaden geschützt durch 
die sogenannten Zinstitel, die an sich organische Bestandteile 
des Zinsverbotes sind, allerdings wohl auch häufig zur Umgehung 
des Zinsverbotes verwendet wurden. Thomas hat sich mit der 
Theorie der Zinstitel eingehender beschäftigt, als die Scholastik 
vor ihm 1 ). Freilich ist die diesbezügliche Lehre auch bei ihm 
noch relativ unentwickelt. Von einer Scheidung verschiedener 
Zinstitel, wie sie später gebräuchlich wurde 2 ), ist bei ihm noch 
kaum, wenigstens nicht formell die Rede. 

Man kann vom Gläubiger nicht verlangen, daß er sich durch 
Gewährung des Darlehens selbst einen Schaden zuzieht, während 
dem Schuldner ein Vorteil erwächst. Nun ist es aber wirtschaft- 
lich möglich, daß der Gläubiger zwar einen Schaden, der Schuldner 
aber durch Benutzung des entliehenen Kapitals einen Gewinn er- 
zielt, der größer ist, als der genannte Schaden, so daß der Schuldner 
diesen ersetzen und darüber hinaus noch genügenden Gewinn erzielen 
kann 3 ). Es ist in dem Falle wünschenswert, den Gläubiger, trotz des 
Verlustes, den er erleidet, zum Darleihen zu veranlassen. Freilich 
muß ihm dann ein Anspruch auf Schadenersatz gewährt werden. 

Für den Schaden, der dem Gläubiger erwachsen kann, ge- 
braucht Thomas das Wort damnum, das jeden Nachteil der irgend- 
wie entstehen kann, umfaßt. Dieser Schaden kann in zwei Formen 
auftreten. Einmal kann dem Gläubiger durch die Darlehensge- 
währung ein Teil seines tatsächlichen Besitzes entzogen werden: 
ein damnum, »per quod subtrahitur sibi aliquid, quod debet habere«. 
Andererseits wird ihm die abstrakte Möglichkeit, einen Gewinn 
mit seinem Gelde zu machen, genommen; dies ist ein damnum, 
»quod consideratur in hoc, quod de pecunia non lucratur« 4 ). 

Ein eigengearteter Schaden ist das »interesse« das nicht von 
vornherein feststeht, sondern sich zwischen der Leihe und Rück- 



!) Vgl. Lessei, a. a. O. S. i8ff., 4 8ff., S. 66f. 

2 ) Vgl. Funk, Gesch. d. Kirchl. Zinsverb. S. 40ff. Derselbe, Zins- und 
Wucher S. 78 ff. Endemann Studien II, S. 24611. 
'') II, II 78 a. 2 ad. 1. 
4 ) 1. c. 



— ii7 — 

gäbe des Kapitals ergibt, also erst bei Beendigung des Darlehens- 
geschäftes in seiner Höhe festgestellt werden kann 1 ). Auch hier 
sind zwei Möglichkeiten zu unterscheiden: der Gläubiger wird 
geschädigt im Hinblick darauf, daß ihm die abstrakte Gewinn- 
möglichkeit genommen war; oder er erleidet in dem Sinne Nach- 
teil, daß ihm etwas, was er bereits hatte, entzogen wurde 2 ;. Für 
die abstrakte Möglichkeit des Gewinnes darf auf keinen Fall Er- 
satz gefordert werden, weder gleich bei Abschluß des Vertrages, 
noch später bei Rückgabe des Kapitals wegen völliger Unsicherheit 
desselben 3 ). Der tatsächliche Schaden zeigt sich, wie erwähnt 
stets darin, daß dem Gläubiger etwas entzogen ist »de hoc, quod 
habebat«. Dieses »habere« kann nun wieder doppelter Art sein: 
ein »habere actu« und ein »habere virtute« 4 ): im mutuum kann 
der Darleiher etwas von seinem tatsächlichen augenblicklichen 
Besitz einbüßen oder es kann ihm die Möglichkeit genommen 
werden, einen an sich sicheren Gewinn zu realisieren. Dasselbe 
gilt hinsichtlich des Interesses, wo für das »damnum rei jam habitae« 
ebenfalls die beiden angegebenen Möglichkeiten anzunehmen sind. 
In beiden Fällen muß der Schuldner den Schaden ersetzen nach 
Maßgabe des Wertes 5 ), wobei freilich zu bedenken ist, daß für 
die Entziehung des Besitzes im ersten Sinne eine recompensatio 
ex aequo stattfinden muß, des virtuellen Besitzes dagegen unter 
Berücksichtigung des Satzes, daß »minus est habere aliquid actu 
quam virtute«, die Wiedererstattung demgemäß erfolgen muß: 
»secundum conditionem personarum et negotiorum« 6 ). 

Freilich ist hier eine Ausnahme zu machen, wo es sich um 
das Interesse handelt, also um einen Schaden, der nicht vorher 



*) De mal. 1. c. ob. 14; »duplex est interesse; quoddam quidem ex eo, quod 
aliquid non adest, quia scilicet aliquis non acquisivit, quod acquirere potuisset . . . Aliud 
est interesse ex eo, quod aliquid abest, quia scilicit aliquid subtractum est alicui de hoc, 
quod habebat«. Man beachte acquisivit, potuisset, Ausdrücke, die zu der im 
Text gegebenen Deutung berechtigen. Vgl. ferner ib. Ad. 14: »debebat enim ille, qui 
pecuniam mutuavit, sibi cavisse, ne detrimentum incurreret«. Quodl. III, a. 19 c. 
»damna et interesse« setzt einen Unterschied zwischen beiden Begriffen voraus. Die 
Darstellung von Lessei, a. a. O. ist ziemlich unklar; die Scheidung zwischen damnum 
und interesse wird nicht genügend durchgeführt. Ferner wird nicht beachtet, daß 
zwischen dem Gewinn, der eine res habita ist (vgl. im folgenden) und der abstrakten 
Gewinnmöglichkeit zu scheiden ist. 

2 ) Siehe d. vor. Anm. 

3 ) J I, II 78 1. c. : »quia non debet vendere id, quod nondum habet et potest 
impediri multipliciter ab habendo«. 

4 ) 11, II 62 a. 4 c. 

5 ) Vgl. Anm. 3. 

6 ) Vgl. Anm. 4. 



— n8 — 

bestimmt ist, sondern sich zwischen Leihe und Rückgabe des 
Kapitals herausstellt; hier ist zu scheiden, je nach dem ob der 
Schuldner das Kapital »infra tempus deputatum« zurückgegeben 
oder »ultra statu tum terminum« behalten hat 1 ). Im ersteren 
Falle trifft die Schuld an dem eingetretenen Verlust lediglich den 
Gläubiger, der sich bei Abschluß des Vertrages hiergegen hätte 
sichern müssen und für seine eigene Nachlässigkeit nicht den 
Schuldner aufkommen lassen darf 2 ':. Anderenfalls tritt Restitu- 
tionspflicht ein. Unter Berücksichtigung der angegebenen Ein- 
schränkungen kennt also Thomas im Sinne der späteren Termino- 
logie das damnum emergens; das lucrum cessans, je nachdem, 
ob man in ihm bereits eine res habita erblicken kann oder nicht 3 . 
Die im vorhergehenden dargelegte Schadenersatzpflicht des Schuld- 
ners fügt sich durchaus harmonisch in das Gesamtbild der thomi- 
stischen Wucherlehre ein. Sie bildet nicht etwa eine Ausnahme 
von dem allgemeinen Wucherverbote, wie Thomas ausdrücklich 
hervorhebt 4 ). 

4. Zum Schluß ist noch kurz hinzuweisen auf die Verträge, 
die zwar nicht Darlehensverträge sind, in denen sich aber 
doch, wie Thomas sagt, eine gewisse »ratio mutui« findet« 5 ). 

Es sind die folgenden: 

1. Die exspectatio pretii solvendi 6 ). Sie liegt dann 
vor, wenn der Verkäufer seine Ware dem Käufer eher übergibt, 
als dieser zahlt. Es handelt sich hier um einfaches Tauschge- 
schäft, das mit dem Darlehen insofern Ähnlichkeit besitzt, als 
Leistung und Gegenleistung zeitlich auseinanderfallen. Wie aber 
im Darlehen die Zeit nicht in Anschlag gebracht werden darf, so 
auch in diesem Falle. Ein »augere pretium pro dilatione« 7 ) wäre 
Wucher, ein »quasi pretium mutui, quod pertinet ad rationem 
usurae« 8 ). 



*) De mal. 1. c. ad. 14. 

2 ) 1. c. 

a ) Man kann also Funk, Zins und Wucher, S. "8 f. sowie Schaub, die 
Eigentumslehre usw., S. 362 beistimmen, wenn sie den Zinstitel des lucrum cessans 
wenigstens implicite bei Thomas anerkannt sehen. 

4 ) II, II, 78 a. 2 ad. 1. 

5 ) Ib. ob. 7. Vgl. Lessei, a. a. O. S. 26 ff. S. 561. 

6 ) 1. c. ad. 7. Über die diesbezüglichen Bestimmungen des kanonischen Rechts 
vgl. Endemann, Studien II, S. 4; Grundsätze S. 9. Einige Bemerkungen über Thomas, 
Studien II, S. 48. 

7 ) Ib. ob. 7. Über das Verhältnis von ob. 7 und ad. 7 vgl. Lessei, a. a. O. 
S. 58 f. 

8 ) 1. c. 



— i ig — 

2. Die anticipatio solutionis 1 ). Sie ist das Gegenstück 
zu dem vorigen Vertrage. Der Verkäufer übergibt eine Ware 
erst später, während vertragsmäßig die Zahlung des Käufers früher 
erfolgt. Es gilt hiervon dasselbe, wie von dem eben genannten 
Vertrag: Der Käufer muß auch dann den gerechten Preis zahlen 
und darf »pro acceleratione pretii< 2 ) keine Verringerung desselben 
fordern. 

3. Hiervon zu scheiden ist ein ähnlicher Fall 3 ): der Käufer 
ist verpflichtet, später bei Übergabe der Ware einen bestimmten 
Preis zu entrichten. Der Verkäufer wünscht jedoch entgegen 
seinem rechtlichen Anspruch aus irgendwelchen Gründen frühere 
Zahlung. Dann darf letzterer zur Erreichung seines Zweckes 
etwas von dem ausgemachten Preise ablassen. Thomas sieht in 
diesem Abzüge kein pretium mutui : weder Käufer noch Verkäufer 
wird geschädigt. Ersterer nicht, weil er weniger zahlt als er 
mußte, letzterer nicht, weil ihm durch die frühere Zahlung ein 
Vorteil erwächst, indem er z. B. das Geld zu neuen Geschäften 
verwenden kann; er darf an diesem Vorteil den Käufer durch 
Verringerung des Preises teilnehmen lassen, wenn auch letzterer 
nicht berechtigt ist, einen Nachlaß vom Preise zu fordern. Diese 
Bestimmung steht durchaus im Einklang mit den oben bei Behand- 
lung der Wertgleichheit im Tausche erörterten Affektionspreisen 4 ). 

Auch die Unentgeltlichkeit der Kreditgeschäfte ist nur ver- 
ständlich, wenn man sich den kleinstädtischen, antikapitalistischen 
Charakter des mittelalterlichen Wirtschaftslebens vergegenwärtigt. 

!) 1. C. 

2 ) 1. c. ob. 7. 

3 ) 1. c. Zur Erklärung ist das op. 67 benutzt worden, wo der in Betracht 
kommende Fall, wenn auch mit gewissen Bedenken, für erlaubt erklärt wird. — Ebendort 
wird es den Kaufleuten erlaubt, innerhalb des Marktpreises bei Stundung der Zahlung 
eine Preiserhöhung vorzunehmen: »si autem non plusquam valent, plus tarnen, quam 
acciperent, si eis statim solveretur, non est usura«. Diese Ideen finden sich allerdings 
erst in späterer Zeit in der Scholastik wieder, so daß ihr Vorkommen bei Thomas — 
die Echtheit des op. 67 vorausgesetzt — immerhin auffallend ist. 

4 ) Lessei, a. a. O. sieht in den auf diesen Fall bezüglichen Worten eine weitere 
Beurteilung der anticipatio solutionis: der Diskontnehmer sündige zwar, der Diskontgeber 
dagegen nicht. Im Texte ist dies als ganz neuer Fall behandelt, in dem nicht nur der 
Verkäufer von der Wuchersünde freigesprochen, sondern das Geschäft als solches als nicht 
wucherisch hingestellt wird. Die Summa spricht klar vielleicht weder für das eine noch 
für das andere. Doch setzt die Deutung Lesseis voraus, daß der Verkäufer unter einem 
Zwange von Seiten des Käufers handelt, was aus Thomas' Worten kaum geschlossen 
werden kann. 



C. Schluß. 

Im Vorstehenden ist die thomistische Wertlehre zur Dar- 
stellung gelangt. Was Thomas selbständig geleistet hat, ist ver- 
hältnismäßig gering. Er ist mehr receptiv als produktiv. Daß 
hier und dort Verbesserungen und Weiterführungen alter Gedanken 
vorliegen, ist mehrfach erwähnt worden. Vor allem fanden wir 
in der Wucherlehre in mancher Hinsicht ein selbständiges Vor- 
gehen. Wesentlich Neues hat Thomas jedoch nicht geschaffen. 
Daß er aber gleichwohl in allen Dingen die wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse seinerzeit vor Augen hatte, ist an mehreren Stellen zu 
zeigen versucht. Seine Wertlehre ist nur vom mittelalterlichen 
Boden aus verständlich, und in der Wiederspiegelung des mittel- 
alterlichen Wirtschaftslebens liegt ihre Bedeutung. Man kann in 
Thomas immerhin einen charakteristischen Vertreter der objektiven 
Wertlehre des Mittelalters sehen 1 ). 

Daß die thomistische Wertlehre für die heutigen Verhält- 
nisse, wo wir ein kapitalistisches Wirtschaftsleben haben, ihre 
Bedeutung verloren hat, braucht kaum erwähnt zu werden. Es 
ist dies schon mit dem Nachweis gegeben, daß sie dem Boden 
I der mittelalterlich wirtschaftlichen Verhältnisse entsprungen ist. 
Für die Idee eines standesgemäßen Einkommens haben wir kein 
Verständnis mehr, und an die Stelle ruhigen Beharrens ist das 
Streben nach ruhelosem wirtschaftlichen Fortschritt getreten. Der 
modernen Preisbildung ein iustum pretium im thomistischen Sinne 
aufzwängen zu wollen, wäre ein vergebliches Bemühen. Ein all- 
gemeiner Marktpreis, der alle verpflichten soll, ist ebenso undenkbar, 
wie es unmöglich ist, an die Stelle der modernen Volkswirtschaft 
mit ihrer freien Konkurrenz wieder die mittelalterliche Stadtwirt- 
schaft zu setzen. Und was die Forderung der Wertgleichheit im 
Tausche angeht, so bietet, wie wir noch sehen werden, die spätere 



2 ) Es geht entschieden zu weit, wenn Brants, a. a. O. S. 69 mit Rücksicht auf 
Thomas v. Aquin bemerkt: »il n'y a point de vrai analyse de la valeur«. Allerdings gibt 
Thomas keine geschlossen-systematische Darstellung seiner Wertlehre. 



121 

Entwicklung der scholastischen Wertlehre die beste Kritik, indem 
sie an die Stelle derselben das Prinzip setzt, daß das Preisgut von 
dem Käufer weniger hoch geschätzt wird, als das zu kaufende 
Gut, was schließlich überhaupt zu einer Preisgabe der Idee des 
gerechten Preises führt. 

Und wie so die thomistische Wertlehre sich mit den wirt- 
schaftlichen Verhältnissen überlebt hat, so wird auch die Wucher- 
lehre trotz ihrer naturrechtlichen Färbung kaum noch Anhänger 
finden. 

Ganz unverständlich ist es aber, wie man bei Thomas sozia- 
listische Gedanken hat sehen können. Die sozialistische Wertlehre, 
wie sie bei Proudhon, Rodbertus usw. vertreten ist, erblickt in 
der Arbeit die Quelle des Güterwertes und knüpft daran die 
Forderung eines natürlichen Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag. 
Thomas räumt der Arbeit nur ein Recht auf den standesgemäßen 
Lebensunterhalt ein. Zu den Problemen, die sich in moderner 
Zeit aus dem Verhältnis von Kapital und Arbeit ergeben haben, 
nimmt er in keiner Weise Stellung. Höchstens könnte man auf 
seine Behandlung des Gesellschaftsvertrages hinweisen, um zu 
zeigen, daß Thomas sozialistische Gedanken im modernen Sinne 
völlig fern gelegen haben. Schon die bloße Tragung der Gefahr 
sieht er als Arbeit an. Auch der Händler darf für sein Risiko 
einen Gewinn beanspruchen. Daß die rein körperliche Arbeit also 
allein den Wert der Ware bestimme, wie Rodbertus annimmt, 
liegt ihm völlig fern. Und wenn man endlich auch hier die 
Unterschiede zwischen dem mittelalterlichen und dem modernen 
Wirtschaftsleben beachtet, so wird man auch in der Ablehnung 
des Zinses keine sozialistischen Gedanken sehen können 1 ). 

Eine Gleichstellung mit der marxistischen Wertlehre ist 
schon um dessen Willen unmöglich, weil bei Marx die ethisch- 
naturrechtliche Färbung der objektiven Wertlehre fehlt. Marx 
hat aus seiner Wertlehre nie sozialistische Schlüsse gezogen 2 ). 



x ) Hoho ff sieht bei Thomas eine sozialistische Wertlehre; vgl. seinen mehrfach 
angeführten Aufsatz: Die Wertlehre d. hl. Th. v. A. Dieselben Gedanken kehren wieder: 
Die Bedeutung der Marxschen Kapitalkritik. Hohoff selbst ist infolgedessen »Marxist«! 

2 ) Vgl. Diehl, Soziahvissensch. Erläuterungen zu Ricardos Grundsätzen der Volks- 
wirtschaft I, S. 143. 



Zweiter Teil 



Die Entwicklung der Wertlehre in der 
übrigen Scholastik seit Thomas v. Aquin 



Erster Abschnitt. 

Die allmähliche Ausbildung der subjektiven Wertlehre. 

Die hier behandelte Periode schließt sich zeitlich unmittelbar 
an die vorhergehende an, ja in dem an erster Stelle behandelten 
Bonaventura läuft sie derselben parallel. Sie schließt mit dem 
Tode des Duns Scotus in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahr- 
hunderts. Die folgende Darstellung wird zu zeigen haben, daß es 
gerechtfertigt ist, diese Zeitspanne als einen besonderen Abschnitt 
abzugrenzen. 

Die geistigen Faktoren, die die Entwicklung des ökonomi- 
schen Denkens in dieser Periode bestimmen, sind dieselben wie in 
der vorigen. Auch in den wirtschaftlichen Verhältnissen tritt keine 
wesentliche Änderung ein; nur werden wir ein allmähliches weiteres 
Aufblühen des Wirtschaftslebens anzunehmen haben, das sich vor 
allem in einer Ausdehnung des Handels äußert. 

Ausführlicher werden in der Scholastik seit Heinrich von 
Gent Rentenverträge behandelt und die Erlaubtheit ihres Kaufes 
bzw. Verkaufes erörtert. Doch fehlt es noch an einer klaren 
Terminologie, sodaß es häufig kaum möglich ist, ein genaues Bild 
von den behandelten Verträgen zu gewinnen. Es kommen Renten- 
käufe und -verkaufe auf eine bestimmte Reihe von Jahren oder 
auf Lebenszeit oder sogenannte ewige Rente (census haeredi- 
tarius) vor. Es handelt sich teilweise um Renten, die auf ein be- 
stimmtes Grundstück fundiert sind, oder deren Grundlage das ge- 
samte Vermögen des Rentenschuldners bildet. Auch bezüglich der 
Entstehung der Renten liegen mannigfache Unterschiede vor: Über- 
tragung eines Grundstückes von seiten des Eigentümers unter 
Vorbehalt des Obereigentums, dessen wesentlichen Inhalt die Rente 
bildet — die für das mittelalterliche Wirtschaftsleben so bedeutungs- 
volle Form der Leihe (census reservativus); Überlassung einer Geld- 
summe, die als Kaufpreis einer Rente erscheint, mag dieselbe 
schon bestehen (Zinskauf) oder neu errichtet werden (der eigent- 
liche Rentenkauf, census constitutivus). Alle diese Unterschiede, 
die in der späteren Literatur für die Stellung zu den einzelnen 



I2Ö 

Vertragsarten von außerordentlicher Bedeutung werden, liegen 
hier bereits vor, treten aber nicht klar zutage, so daß es, wie be- 
tont, häufig schwierig ist, zu ermitteln, welche Vertragsart im 
Sinne der späteren Terminologie behandelt wird 1 ). 

Der allmählichen kapitalistischen Entwicklung des mittel- 
alterlichen Wirtschaftslebens entsprechend, wurde der eigentliche 
Rentenkauf am wichtigsten. Derselbe besteht in der Zahlung einer 
Geldsumme, wogegen der Empfänger derselben an seinem Grund- 
stücke einen dinglichen Zins bestellt. Das belastete Grundstück 
bleibt Eigentum des Schuldners. Der Rentenkauf ist aus den Be- 
dürfnissen des mittelalterlichen Wirtschaftslebens heraus entstanden, 
zuerst in den Städten seit dem 12. Jahrhundert, wo einerseits die 
aufblühenden Gewerbe und vor allem der Handel der Benutzung 
fremder Kapitalien bedurften, und wo andererseits Bedürfnis nach 
der Anlage erworbener Kapitalien bestand. Der Rentenvertrag 
war wenigstens anfangs von beiden Seiten unkündbar; es handelt 
sich also um einen census haereditarius. 

Juristisch ist der Rentenkauf vom Darlehen verschieden: 
Das Kapital ist nicht zurückzuzahlen, sondern bildet den Kauf- 
preis für die ewige Rente. Die Rente ruht ferner auf dem Grund- 
stücke, ist eine dingliche, keine persönliche Last. Die juristischen 
Verschiedenheiten ermöglichten der kanonistischen Literatur eine 
grundsätzlich andere Stellungnahme, als sie zum Darlehen einnahm. 

§ 1. Bonaventura. 

I. Bedeutung und Leben 2 ). Die Stellung, die Johannes 
Fidanza, mit seinem kirchlichen Namen Bonaventura genannt, in 
der Entwicklung des mittelalterlichen Geisteslebens einnimmt, ist 
in erster Linie für die Geschichte der Mystik bedeutungsvoll. 
Gleichwohl dürfen seine Leistungen auf dem Gebiete der Scholastik 
nicht unterschätzt werden; man zählt ihn vielmehr zu deren größten 
Vertretern. 

1221 zu Bagnarea im Kirchenstaate geboren, wurde er Mit- 
glied des Franziskanerordens, war ein Schüler des Alexander v. Haies, 
und starb 1274 in Lyon. 

x ) Vgl. die diesbezügliche Bemerkung von Funk, Gesch. des kirchl. Zinsverbots, 
S. 45 Anm. 3. Zu den Rentenverträgen vgl. Loening, Art. Rentenkauf und Renten- 
schuld H. W. d. St. V, S. in ff.: v. He ekel, Art. Rentenkauf W. d. V. II, S. 680 ff.; 
Ashley, a. a. O., II, S. 436 ff. ; Endemann, Studien II, S. 104 ff.; Bruder, 
Studien S. 15 ff. 

2 ) K. L. II, ioijff.; R. E. III, 282ff; Hurter II, 32off.; Überweg-Heinze 
H, 279 ff. 



— 127 — 

Bonaventuras Äußerungen über wirtschaftliche Dinge sind 
im Gegensatz zu Thomas von Aquin äußerst spärlich. Am ein- 
fachsten dürfte dies aus der mystischen Richtung seines Geistes 
zu erklären sein, sowie daraus, daß er die Schriften des Aristoteles, 
die für Thomas den Quell seiner wirtschaftlichen Anschauungen 
gebildet hatten, noch nicht verwertet. Insofern ist er also noch 
vorthom istisch. Ausführlicher kommt er nur auf Arbeit, Armut, 
Betteln usw. in den Schriften zu sprechen, in denen er das Ideal 
seines Ordens gegen Angriffe verteidigte; die aber für unsere 
Zwecke kaum etwas enthalten. Im übrigen sind wir zum größten 
Teile auf mehr oder minder zufällige Äußerungen angewiesen, die 
aber manche wichtige Prinzipien enthalten, die ihn weit über 
Thomas hinausheben. Häufiger wird sonst noch die Frage des 
Wuchers behandelt, ohne daß indessen die thomistische Begründung 
des Zinsverbotes erreicht würde. Man wird sich hüten müssen, 
aus den meist zufällig geäußerten Gedanken zuweitgehende Schlüsse 
ziehen zu wollen. 

IL Das Eigentum. Der Besitz der Güter ist eine wesent- 
lich greistiee Funktion , indem allein durch den menschlichen 
Willen Eigentum begründet wird 1 ). Während vor dem Sünden- 
falle Gemeineigentum als Naturgesetz bestand, ist jetzt das Privat- 
eigentum ein dictamen naturae; es hat die Verhinderung der con- 
tentiones et lites unter den Menschen, zum Zwecke 2 ). Den Be- 
eriff des Naturgesetzes bestimmt Bonaventura unter Berufung auf 
verschiedene augustinische Schriften dahin: »Lex naturalis est im- 
pressio facta in anima a lege aeterna; lex autem aeterna est illa, 
qua incommutabili permanente cetera ordinantur« 3 ). Für den in 
äußerster Not Befindlichen hört das Privateigentum auf 4 ;. 

III. Wert lehre. Der Tausch erscheint als notwendig, weil 
sonst dem einzelnen eine volle Befriedigung seiner Bedürfnisse 
nicht möglich wäre 5 ). Über die Gerechtigkeit und Wertgleichheit 
im Tausche äußert sich Bonaventur nicht. Immerhin finden sich 
einige Äußerungen zur Wertlehre, auf Grund deren man ihn als 
Anhänger einer subjektiven Wertlehre bezeichnen kann. So 
betont er: »cupiditas hominum valorem rebus imposuit vel opinio, quia 
si opinio hominum vellet, stannum plus valeret sicut aurum vel argen- 



J ) Apol. Paup. c. XL, 9 (VIII, S. 313). 

2 ) Sent. II, 44, 2 ad IV (II, S. 1009). 

3 ) De perf. Evang. q. IV, a. 1. (V, S. 181). 

4 ) Apol. Paup. c. X, 13 (VIII, S. 309). 

5 ) Determin. Quaest. P. II, q. 14 (VIII, S. 367). 



— 128 — 

tum « l ). Jeder, heißt es an einer anderen Stelle, erwartet vom Tausche 
Gewinn : das Gut, das man zu erlangen hofft, wird höher geschätzt, 
als das, welches man hingibt: »carius habetur illud, quod 
emitur, quam pretium, quo emitur« 2 ). Es ist hiermit ein 
Prinzip aufgestellt, das für die spätere Entwicklung der Lehre 
vom gerechten Preise von großer Bedeutung geworden ist. Bona- 
ventura selbst untersucht diese Frage nicht. In einem anderen 
Zusammenhange erörtert er die Bedeutung der Kosten für den 
Preis: »in terra sterili et saxosa agricola plus laborat etsi fructus 
paucior, sed precium maius, etquae difficilius elaborantur, 
saepe cariusvenduntur« 3 ). Die Betonung der Arbeit als preis- 
bildenden Momentes trägt aber ersichtlich einen subjektiven Cha- 
rakter. Die Kosten erscheinen nicht als die Grundlage des Preises 
schlechthin. 

IV. Der Handel. Wenn Bonaventura auch das Ideal seines 
Ordens, die volle Armut des einzelnen und der Kommunität, das 
Leben von milden Gaben der Gläubigen mit Eifer verteidigt, so 
will er dies doch keineswegs als allgemeingültiges Ideal hinstellen. 
Er betont vielmehr die Notwendigkeit und Verdienstlichkeit wirt- 
schaftlicher Arbeit für die menschliche Gesellschaft. Auch hebt er, 
wie schon Thomas, die Bedeutung der körperlichen Arbeit für das 
sittliche Leben hervor, wenn er auch die rein geistige Arbeit höher 
schätzt 4 ). Ein näheres Eingehen auf diese Fragen ist hier nicht 
möglich. 

Den Handel rechnet Bonaventura nicht zur körperlichen 
Arbeit; er bezeichnet ihn vielmehr als opus civile, das von der 
körperlichen Handarbeit einerseits und den opera spiritualia anderer- 
seits verschieden ist 5 ). An anderer Stelle rechnet er den Handel 
jedoch zu den opera servilia oder mechanica, von denen man sich 
am Sonntage zu enthalten hat 6 ). 



h Serm. de Temp. Fer. II, pr. Pascha (IX, S. 288). 

2 ) Sent, III, 32 q. 5 ad. 1 (III, S. 705 ff.). In diesem Prinzip sieht Böhm- 
Bawerk das Grundgesetz der Preisbildung (vgl. Grundzüge der Theorie des Subjekt. 
Güterwerts. J. f. N. u. St., N. F., Bd. 13, S. 489 ff.; Positive Theorie des Kapitals, 
S- 35/ ff.). Vgl. auch Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, S. 173 ff.; hier 
wendet er sich gegen das Äquivalenzprinzip. Dasselbe ist also schon vor der öster- 
reichischen Schule überwunden gewesen. 

3 ) De sex aliis Seraph, c. V, 10 (VIII, S. 140). 

4 ) Vgl. z. B.: Apol Paup. c. VII, 20 (VIII, S. 279); De perf. Evang. q. II, 
a 3 (V, S. 162 f.); Expos, sup. Reg. Frat. Min. c. V, 1 (VII, S. 419) und sonst häufig. 

5 ) De perf. Evang. q. 2, a 3 (V, S. 161). 

6 ) De dec. praecep. IV, 9 (V, S. 521). 



— 129 — 

Der Kaufmann erstrebt in erster Linie für sich Bereicherung: 
»habet indigentiam pretii et potius intendit in mercando se 
ipsum ditare quam alienam inopiam relevare« 1 ). Daneben 
betont Bonaventura die wirtschaftliche Notwendigkeit des Handels 
für die menschliche Gesellschaft, ohne den »multae terrae non 
possent vivere« 2 ). 

Der Handel an sich ist etwas ethisch Indifferentes 3 ); er kann 
je nach der Art, wie er ausgeübt wird, als sittlich gut oder schlecht 
zu beurteilen sein. Gegen eine Betreibung des Handels, wie sie 
dem Zwecke desselben entspricht, ist nichts einzuwenden. Freilich 
liegt die Gefahr des Mißbrauches sehr nahe 4 ), indem der Kaufmann 
leicht seine Kunden an Gewicht, Zahl oder Maß betrügt. Bona- 
ventura fügt das scharfe Urteil hinzu: »et de hoc rarissime eva- 
dunt mercatores« 5 ). Er sieht also den Handel an sich als erlaubt 
an, steht aber der praktischen Ausübung desselben nicht wohl- 
wollend gegenüber. Vielleicht wirken hier die Anschauungen der 
Patristik nach, deren Stellung zum Handel im allgemeinen von 
ähnlichen ethischen Erwägungen bestimmt ist. Über die Höhe 
des erlaubten Handelsgewinnes äußert sich Bonaventura nicht. 

V. Das Darlehen. Die Darlegungen Bonaventuras über das 
Darlehen sind nur kurz, und häufig sind seine Anschauungen mehr 
angedeutet als ausgeführt 6 ). Wucher liegt nach ihm dann vor, 
wenn der Gläubiger aus dem Darlehen Gewinn erzielen will. Um 
die Unerlaubtheit desselben darzutun, beruft er sich neben dem 
alten Testament auch auf die bekannte Lucasstelle. Aber wie 
Thomas erklärt er: »Quidam dicunt, quod usura sit mala, quia 
prohibita, sed certe est prohibita, quia mala.« Die Gründe, die 
er zum Erweis der Unerlaubtheit des Zinsnehmens vorbringt, sind 
im allgemeinen denen ähnlich, die wir bei den Vorgängern von 
Thomas von Aquin angetroffen haben. 

Er stellt das Verleihen von Geld und anderen nutzbaren 
Gegenständen gegenüber und betont, daß bei letzteren nicht wie 
bei ersteren eine Eigentumsübertragung stattfindet: »Et huius 
Signum est, quia non tenetur illam eandem numero reddere, sed 
Uli consimilem«; womit wohl die juristische Unmöglichkeit des 

J ) Sent. IIT, 32 q. 5 ad. 4 (III, S. 706). 

2 ) Sent. IV, 16 p. I, dub. 15 (IV, S. 402). 

3 ) In Ev. Luc. 19, 20 (VII, S. 479). 

4 ) Sent. IV, 16 p. I dub. 15 (IV, S. 402). 

5 ) De dec praecept. 18 (V, S. 528). 

6 j Vgl. zum Folgenden: In Ev. Luc. c. VI, 80 ff. (VII, S. 157), ferner de dec. 
praecep. 19 (V, S. 528). Sent III, 37. d. 7 (III, 836). 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 9 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— i3o — 

Zinses dargetan werden soll. Übrigens ein deutlicher Beweis, daß 
das Geld rein nach seiner äußeren Erscheinung im Sinne von 
Geldstücken betrachtet wird. Beim Gelde ferner finde durch den 
Gebrauch keine Abnutzung statt, als deren Ersatz etwa ein 
Überschuß über das Kapital zu zahlen wäre. Das Geld ist nur 
fruchtbar in Verbindung mit der menschlichen Arbeit: »tota ratio 
utilitatis est ex parte utentis.« Ebenfalls vor Thomas war uns 
schon der Gedanke begegnet, daß die ganze Gefahr, die mit der 
Verbindung des Darlehns verbunden sei, den Schuldner treffe, nicht 
den Gläubiger. Thomas verwendet die umgekehrte Tatsache zur 
Rechtfertigung des Gewinnes aus der Sozietät. 

Eigenartig ist ein anderer Gedanke, der freilich schon vor 
Bonaventura vereinzelt aufgetreten war, sich aber bei Thomas nicht 
findet 1 ): zwischen dem Darleihen und der Rückzahlung des Geldes 
liegt ein bestimmter Zeitraum, als dessen Vergütung der Zins 
aufgefaßt werden könnte. Bonaventura wendet sich hiergegen mit 
der Argumentation, daß die Zeit Gemeineigentum sei: »id, quod 
venditur, est commune, scilicet tempus.« Im Zins liege also eine 
»appropriatio communitatis« vor und damit eine »perversio ordinis«. 
Es ist dies ein Gedanke, der später noch häufig wiederholt wurde. 

Das Darlehen erscheint Bonaventura als eine Unterstützung 
des Nächsten, der sich in Xot befindet. Er weist darauf hin, daß 
der Begriff »Not« den verschiedenen Verhältnissen der einzelnen 
Menschen entsprechend verschieden angenommen werden müsse. 
Nur das Vorliegen einer Bedürftigkeit rechtfertige das Zinszahlen 
von seiten des Schuldners, weil er dieses dann nicht freiwillig tue, 
sondern wenigstens in gewissem Sinne gezwungen, indem er eben 
sonst auf die Unterstützung durch das Darlehen verzichten müßte. 
Bonaventura tadelt es aber, das, wozu man ex amore proximi ver- 
pflichtet sei, zum Gelderwerb zu benutzen 2 ). 

VI. Rückblick: Wie betont, sind Bonaventuras Äußerungen 
speziell über die Wertlehre nur gelegentlich und unzusammen- 
hängend; gleichwohl zeugen sie von scharfer Beobachtung der 
ihn umgebenden wirtschaftlichen Verhältnissen. Bei ihm wird, 
soweit ich sehe, zuerst erkannt, daß der Tausch vom Gewinnprinzip 
beherrscht ist, und daß das Streben des Händlers in erster Linie 



x ) So sagt Wilhelm v. Auxerre in seiner Summa vom Wucherer, er ver- 
kaufe das, »quod de necessitate est omnium creaturarum commune«. (Fol. 225b.) Vgl. 
Lessei, a. a. O. S. 17 f. Vgl. auch oben S. 108, Anm. 5. 

2 ) Sent III, 37, dub. 7. (III, 835 ff.); cf. Sent. IV, 15 q. 1 (IV, S. 371). Vgl. 
die auf S. 129 Anmerkung 6 angegebenen Stellen. 



auf Gewinn gerichtet ist. Es sind, wie nochmals hervorgehoben 
sei, zufällige Bemerkungen, und man wird Bonaventuras Stellung 
zur Lehre vom gerechten Preise nicht daraus bestimmen können. 
Aber gleichwohl ist damit das Moment berührt, an das die weitere 
Entwicklung der Wertlehre in erster Linie anknüpfen konnte. 

Zunächst haben wir uns freilich einem Scholastiker zuzuwenden, 
der die Ideen des normalen Wertes und des Äquivalenzprinzips, 
wie Thomas sie vertrat, am schroffsten zur Ausbildung brachte, 
Heinrich v. Gent. 

§ 2. Heinrich von Gent. 

I. Leben und Schriften 1 ). Über das Leben Heinrichs von 
Gent besteht in vieler Beziehung Unklarheit. Wahrscheinlich 
wurde er um 12 17 geboren; er starb 1293. In der Hochscholastik 
nimmt er eine bedeutende Stellung ein. Von seinen Zeitgenossen 
wurde er als Dr. solemnis gefeiert. Von seinen Werken kommen 
für uns in Betracht vor allem die Ouodlibeta, der Niederschlag - 
seiner in Paris in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren seit 1256 
gehaltenen Disputationen; daneben, freilich in bedeutend geringerem 
Maße seine Summa quaestionum ordinariarum, die wohl zu derselben 
Zeit entstanden ist. Sein Wirken ist also unmittelbar in die Jahre 
nach dem Tode des Thomas von Aquin und Bonaventura anzu- 
setzen. Seine wirtschaftlichen Anschauungen sind in mancher Hin- 
sicht von hohem Interesse. 

IL Eigentum: Hinsichtlich der Frage des Privateigentums 
steht Heinrich von Gent ganz auf demselben Boden, wie seine 
Vorgänger: Wäre auch das Gemeineigentum an sich besser und 
wünschenswert, so ist doch das Privateigentum für den gegen- 
wärtigen Zustand nicht zu entbehren 2 ). Wir können die näheren 
Ausführungen, da sie nichts Neues bieten, überschlagen. Dasselbe 
gilt von seinen Anschauungen bezüglich des standesgemäßen Be- 
sitzes 3 ), die ebenfalls von den thomistischen Gedanken nicht ver- 
schieden sind. Wir gehen daher gleich zur Behandlung seiner 
Wert- und Preislehre über. 

III. Tausch und Wert: Das Bestehen des Privateigentums 
und die Tatsache, daß jeder einzelne zur Befriedigung seiner Be- 
dürfnisse auf die Unterstützung der anderen angewiesen ist, machen 
den Tausch notwendig 4 ). 

x ) Cf. Hurter II, S. 396 ff. R. E. VII, 602. K. L. V, 1704 ff. 

2 ) Vgl. z. B. Quod IV, q. 20 (S. 197 b ff). 

8 ) Vgl. z. B. IV, 26 (S. 21 ib f). 

4 ) Quod. I, 40 (S. 42b). Quod VI, 22 (S. 367). 

9* 



— 132 — 

Der Tausch hat nach Wertgleichheit vor sich zu gehen. Be- 
züglich seiner Anschauung vom Werte folgt Heinrich völlig den 
von Augustinus vorgezeichneten Richtlinien. Die von diesem für 
Tausch und Wertgleichheit aufgestellten Prinzipien sind in keiner 
Weise fortgebildet, werden vielmehr im alten Sinne nur in ausge- 
dehnterem Maße für die Beurteilung der einzelnen Vertragsarten 
verwendet. Wie Augustinus jedes billig einkaufen und teuer ver- 
kaufen als sündhaft verwarf, so fordert auch Heinrich v. Gent 
absolute Wertgleichheit im Tausche. Käufer und Verkäufer 
sollen sich verhalten wie zwei Wagschalen, die nach möglichster Aus- 
gleichung streben; es ist nicht gestattet über die Gleichheit hinaus 
zu nehmen 1 ). Er stützt sich hierbei auf Augustinus De Trin. 13,3 2 ). 

Der Wert der Güter wird bestimmt, wie ebenfalls wohl in 
Anlehnung an Augustinus ausgeführt wird, durch den Nutzen, den 
sie dem Menschen gewähren 3 ). Der Wert ist nach Ort und Zeit 
verschieden, besonders ist die vorhandene Menge von Einfluß. Er 
kann erhöht werden durch menschliche Arbeit usw. 4 ). Immer aber 
erscheint der Wert unter gegebenen Verhältnissen als fest bestimmt 5 ). 
Dieser normale Wert liegt allen weiteren Ausführungen bei Heinrich 
von Gent zugrunde. Die Gleichheit dieses festen Wertes ist für 
den Tausch anzustreben und naturrechtliche Forderung der aequitas 
naturalis: »quae stat in medio indivisibili secundum naturam 
inter emptum et venditum, sicut lingua librae stat perpendiculariter 
inter brachia librae aequaliter ponderantia« 6 ). Freilich können wir 
diese Gleichheit, wie sie an sich erfordert wird, nicht einhalten: 
ex parte nostra ist jenes medium divisibile, weil wir den wahren 
Wert der Güter nicht absolut genau zu schätzen vermögen 7 ). Die 
Tauschkontrahenten sind aber verpflichtet, demselben möglichst 
nahe zu kommen. Die Bestimmung des römischen Rechtes, die 
einen Vertrag erst dann für ungültig erklärt, wenn eine Übervor- 

a ) I, 40 (S. 42 b): »aequale debet esse omnino in valore datum et receptum hinc 
et inde et in hoc ambo debent esse iudices tanquam duo brachia librae et animatae 
iustitiae, ut qui in pondere pretii sentiat se plus recepisse de eo, quod est alterius, res- 
cindat et reddat ei de suo, quousque fiat aequale, et sie Stent quasi brachiis librae ele- 
vatis et depressis aequaliter.« Vgl. ferner: VI, 22 (S. 367). VIII, 24 (Bd. II, S. 46 b). 

2 ) I, 40 (S. 42 b). 

3) VI, 22 (S. 367). 

4 ) Hierüber im folgenden. 

5 ) Hein. v. G. betont z. B., daß wenn jemand Schafe zum gerechten Preise ge- 
kauft hat, es nicht gestattet ist, dieselben sofort teurer zu verkaufen, weil der Preis 
noch derselbe ist. VI, 22 (S. 367). 

6 ) II, 15 (S. 68 b). 

7 ) 1 c. 



— 133 — 

teilung über die Hälfte des gerechten Preises hinaus stattgefunden 
hat, mag für das positive Recht passend sein, die natürliche Ge- 
rechtigkeit begnügt sich damit nicht 1 ). Diese verlangt eine mög- 
lichst genaue Einhaltung der natürlichen Gleichheit. Andernfalls 
kann nur eine invincibilis ignorantia die Tauschenden vor Begehung 
einer Sünde schützen 2 ). So ist der Zweck des »Handelns« der, 
dem gerechten Preise möglichst nahe zu kommen 3 ). Und dem 
Satze: Tantum res valet, quantum vendi potest stellt er den anderen 
Satz gegenüber, eine bestimmte Sache bemesse ihren Wert darnach 
»quantum vendi debet«. Jenes »Können« des ersten Satzes sei als 
ein Können im Sinne der Gerechtigkeit, soweit letztere nicht ver- 
letzt werde, aufzufassen. Eine Übervorteilung könne ihren Grund 
nur darin haben, daß z. B. der Käufer den wahren Wert nicht 
kenne oder darin, daß der Verkäufer die Not des Käufers aus- 
beuten wolle 4 ). Bei voller Freiheit der Entschließung und klarer 
Kenntnis des Wertes einer Sache würde keiner mehr geben wollen, 
als er empfängt 5 ). Man sieht: Die ethische Bindung des Tausches 
ist hier in schroffster Weise durchgeführt. Das Äquivalenzprinzip 
ist mit dem Gedanken eines Gewinnes unvereinbar. 

Wie schon erwähnt ist die Wertlehre für die übrigen wirt- 
schaftlichen Anschauungen Heinrichs entscheidend. Dies zeigt 
sich zunächst in seiner Behandlung des Tausches verschiedener 
Münzen gegeneinander. 

Die Lehre vom Gelde enthält gegenüber der früheren Zeit 
eine gewisse Weiterführung und Vertiefung. Als Erfordernisse des 
Geldes werden die materia preciosa et utilis sowie das nötige Ge- 
wicht, als dessen Garantie der Stempel erscheint, bezeichnet. Der 
Wert des Geldes beruht auf denselben Faktoren wie der Wert der 
anderen Dinge. Im Tausche freilich fungiert es als abstraktes 
Wertäquivalent, oder wie Heinrich sagt: »Habet, inquantum num- 
mus est, cursum suum habens, rationem pretii, non substantiae, ut 
per pretium nummorum adaequentur pretia rerum venalium« 6 ). 



a ) I.e., ferner II!, 28 (S. 138): Die vom römischen Rechte geforderte Gerechtig- 
keit ist »inchoata et imperfecta«. 
-) III, 28 (S. 138). 

3 ) 1. c. Unde popter hoc permittuntur placitationes inter ementes et vendentes, 
ut scilicet venditor rem' appreciet plus et emptor offerat minus, quousque venditore 
auferente de appreciato et emente apponente ad oblatum sine omni coactione et deeep- 
tione deveniatur ad aliquod medium, in quo ambo consentiunt et putant esse medium 
et p.equale.« 

4 ) I, 40 (S. 42 b.) cf. XIV, 14 (II, S. 357 bf.). 

5 ) II, 15 (S. 68 b). 

6 ) VI, 22 (S. 367). 



— 134 — 

Bei einem Tausche von Geld gegen Geld muß daher an sich 
nach Gleichheit der Preise getauscht werden, wenn nicht besondere 
Umstände eine höhere Forderung rechtfertigen 1 ). Die Erörterung 
dieser einzelnen Fälle führt Heinrich zu manchen wichtigen neuen 
Aufschlüssen über das Geldwesen 2 ). Wenn in einem Lande durch 
staatliche Zulassung oder Anordnung mehrere Münzsorten um- 
laufen, so kann das Wertverhältnis so festgesetzt werden, daß dem 
Gewichte nach die eine Münze mehr wert sein müßte, als dem 
pretium institutum entspricht. Dann darf der Besitzer diese höher- 
wertige Münze aus dem Verkehr ziehen und das »pondus super- 
excrescens« verkaufen und zwar in »forma ponderis« und nur in 
dem Falle »nisi specialiter et publice a principe fuerit interdictum 
vel ex natura institutionis numismatis per impressionem characteris 
de iure communi sit interdictum, quemadmodum interdicta est 
decopatio nummorum.« 

Wäre das Wertverhältnis hingegen gerecht festgesetzt, so wäre 
eine Mehrforderung nur berechtigt, wenn eine besondere Mühe- 
waltung vorgelegen hätte. Der Wechslerstand hat mithin ein Recht 
auf Existenz. 

Eine Münze hingegen, die am Tauschorte nicht umläuft, ist 
eine Ware wie alle anderen Dinge auch, kein pretium, sondern eine 
»res apprecianda«. Sie kann daher nach ihrem inneren Metallwerte 
gekauft bzw. verkauft werden, und wenn sie an ihrem Ursprung's- 
orte einen höheren Kurswert hat, so kann der Käufer sie dorthin 
bringen und zu einem höheren Werte »in usum ponere«. Der er- 
zielte Gewinn ist eine Belohnung seiner Tätigkeit, seiner Industria. 
Der Gewinn des Wechslers aus der Kursverschiedenheit der Münzen 
wird also hier als »Arbeitslohn« aufgefaßt 

Heinrich besitzt in mancher Hinsicht tiefere Kenntnisse des 
Geldwesens als Thomas. So ist es ihm z. B. bekannt, daß ver- 
schiedenwertige Münzen im Umlauf seien und die höherwertigen 
aus dem Verkehr gezogen werden können. Freilich beschäftigt 
ihn nicht das Problem als solches, sondern er sucht nach einer 
ethischen Normierung des Vorganges. 

Doch die letzten Erörterungen über den Gewinn des Wechslers 
haben uns bereits zum Handel hingeführt. 

IV. Der Stellung zum Handel 3 ) liegt bei Heinrich von 
Gent das bekannteWort aus (Pseudo-) Chrysostomus zugrunde, daß der- 

*) 1. C. 

2 ) Vgl. zum folgenden: 1. c. (S. 367 b.). 

3 ) Vgl. zum folgenden: I, q. 40 (8.42b ff.). 



— 135 — 

jenige, der eine Ware unverändert weiter verkaufe, sündige. Hieran 
anschließend erklärt er nur den Mehrwert für gerechtfertigt, der durch 
eine zwischen Kauf und Verkauf stattgefundene Wert erhö hu ng 
erzielt ist. Eine solche Werterhöhung kann in verschiedener Weise 
vor sich gehen: durch Zusetzung körperlicher Arbeit, oder w r enn 
der Kaufmann die Ware von einem Orte, wo sie infolge größerer 
Menge weniger wert ist, nach einem Platze bringt, wo er einen 
höheren Preis erzielen kann, oder wenn er eine Ware zu einer 
Zeit, wo sie billig ist, aufkauft und zu einer anderen Zeit, wo sie 
teuerer ist, verkauft. Ferner ist ein teuerer Verkauf erlaubt, wenn 
z. B. ein Händler eine Ware, die auf dem Markte an sich zu ge- 
ring bewertet ist, ihrem wahren Wert nach erkennt; er darf dann 
die Ware zum Marktpreis kaufen und mit einem Aufschlag so- 
gleich wieder verkaufen, weil durch seine Tätigkeit der Wert der 
Ware allgemein erhöht ist — eine durchaus organische Ausge- 
staltung des Äquivalenzprinzips, nicht etwa eine Durchbrechung 
oder Lockerung desselben 1 ). Also nur dann ist der Handel er- 
laubt, wenn er zu einer Werterhöhung der Waren geführt hat, sei 
es ratione substantiae, loci, temporis oder ementis. Auch er ist 
also an die Forderung des gerechten Preises streng gebunden. 
Im übrigen ist der Gewinn auch nur dann erlaubt, wenn er nicht 
als Selbstzweck erstrebt wird, sondern wenn die Kaufleute darauf 
ausgehen, »ut ... de lncro vivant« 2 ). 

In der Nichtbeachtung des gerechten Preises liegt die Gefahr 
des Handels: »Unde, cum pauci sint mercatores, qui cum tanto 
studio servandae aequitatis vendant et emant, summe periculosa 
est venditionis et emptionis negotiatio« 3 ). 

Die Ausführungen über den Handel sind nichts anderes als 
die scholastische Wirtschaftsethik in ihrer vollen Konsequenz; sie 
sind aber ein getreues Spiegelbild der früher geschilderten anti- 
kapitalistischen Motivrichtungen des mittelalterlichen Wirtschafts- 
lebens und daher unverständlich, wenn sie nicht ergänzt werden 
durch einen Blick auf die Verhältnisse des mittelalterlichen Marktes, 
die Heinrich von Gent vorgeschwebt haben mögen. 

V. Wucherlehre. Das Mutuum ist unter Bezugnahme auf 
Luk. VI, 35 seiner Natur nach ein unentgeltlicher Vertrag: Jede 
Hoffnung auf Gewinn ist daher in ihm unerlaubt 4 ). Ein Darlehen 

1 ) Der Betreffende hat dem eigentlichen Zweck des Handelns, der Feststellung 
des natürlichen Wertes gedient. Vgl. S. 132 f. 

2 ) 1- c. (S. 43). 

: <) 1. c. (S. 42 b). 

*) Quod. VIII, q. 24 (II, S. 46 b f.) und sonst. 



- 136 - 

liegt nun überall dort vor, wo das Geld nicht seiner eigentlichen 
Natur entsprechend als medium emptionis et venditionis, sondern 
tanquam extremum dient, wo also Geld gegen Geld getauscht 
wird 1 ). In allen derartigen Verträgen ist jede Hoffnung auf Ge- 
winn wucherisch, mag der Mehrwert in Geld oder in anderen 
Dingen bestehen 2 ). Der Grund hierfür liegt nicht allein in einem 
positiven kirchlichem Verbote, wie wohl Juden und Legisten be- 
haupten 3 ), die ersteren zur Rechtfertigung ihres Tuns, letztere im 
Anschluß an das römische Recht 4 ), sondern das Zins verbot ist in der 
Natur der Sache begründet. Heinrich von Gent beweist dies vor 
allem dadurch, daß beim Gelde Gebrauch und Verbrauch identisch 
seien, daß daher nicht wie bei nutzbaren Gegenständen Substanz 
und Nutzung getrennt verkauft werden könnten. Auch das Zitat 
aus (Pseudo-)Chrysostomus 5 ) kehrt wieder. Eine Eigentumsüber- 
tragung am erwucherten Gelde lehnt Heinrich ab. Daher ist ge- 
schäftlicher Verkehr mit solchen, von denen bekannt ist, daß sie 
nichts als zu Unrecht erworbenes Geld besitzen, nicht gestattet, 
wenn sie durch Ausgabe ihres Geldes in ihrer Restitutionsfähigkeit 
geschädigt werden 6 ). 

Diese Lehre wird zunächst auf den Kreditkauf angewendet 7 ): 
Bei Stundung der Zahlung ist der Preis anzustreben, den die Ware 
im Augenblick der Zahlung haben wird. Erwartet nun der Ver- 
käufer z. B. eine Preissteigerung, so darf er bei Abschluß des Ver- 
trages sich einen höheren Preis ausbedingen, als die betreffende 
Ware zur Zeit des Abschlusses hat: Er muß sich aber bemühen, 
möglichst genau den Wert in der späteren Zeit zu schätzen. Hat 
er dann tatsächlich etwas mehr gefordert, so sündigt er zwar nicht, 
muß aber — auch hier wird nur eine allerdings schroffe Konse- 
quenz aus der Wertlehre gezogen — bei Erkenntnis seines Irrtums 
den Überschuß zurückgeben, ebenso wie im umgekehrten Falle 
der Käufer aufzulegen hätte. Eine Mehrforderung wegen der 
Zahlungsverschiebung als solcher ist nicht gestattet. 



!) l. C. 

2 ) III, q. 28 (S. 138 f.). Es wird hier betont, daß ein Darlehen auch in 
anderen Dingen gewährt werden kann als in Geld, was aber in den weiteren Ausfüh- 
rungen kaum beachtet wird. 

3 ) I, q. 39 (S. 40 b). VI, q. 26 (S. 374b). 

4 ) Möglicherweise ist hier an den Glossator Accursius v. Bologna (1182 — 1260) 
gedacht, der auf das römische Recht sich stützte und einen Zins an sich für erlaubt er- 
klärte. Vgl. Ashley, a. a. O. I, 152. 

5 ) I, q. 39 (S. 40). 

6 ) IV, q. 27 (S. 212 f.). 

7 ) Vgl. zum folgenden III, q. 28 (S. 139 f.). 



— 137 — 

Ähnliches gilt z. B. bei Verabredung des Pachtzinses auf 
längere Zeit: Ändert sich der Wert der Nutzung eines bestimmten 
Hauses, so muß der zu zahlende Preis dieser Veränderung ange- 
paßt werden. 

VI. Rentenverträge: Zum ersten Male in der Scholastik 
behandelt Heinrich von Gent ausführlicher den Rentenkauf 1 ). 
Funk 2 ) hat in seinen diesbezüglichen Äußerungen eine Wand- 
lung angenommen im Sinne einer allmählichen Milderung seiner 
Forderungen: Während er zuerst den Renten vertrag an sich über 
haupt verworfen habe, habe er ihn später wenigstens in einigen 
Formen gestattet Eine solche Entwicklung dürfte kaum vorliegen, 
was sich schon daraus ergibt, daß sich Heinrich noch an der Stelle, 
wo nach Funk bereits die Änderung vorliegen soll, auf seine 
früheren Ansichten beruft und mit seinen dortigen Darlegungen 
verbindet. Zu dem stimmen die einzelnen Ausführungen durch- 
aus zueinander. 

Für unerlaubt 3 ) erklärt Heinrich den Erwerb einer Geldrente 
unmittelbar gegen Geld, wenn dieselbe neu konstituiert wird und 
nicht bereits vorher bestanden hat; — er verwirft also den eigent- 
lichen Rentenkauf — , durchaus konsequent, wenn wir uns ver- 
gegenwärtigen, daß er überall dort ein Mutuum sieht, wo Geld 
gegen Geld getauscht wird, und für diesen Fall jede Hoffnung auf 
einen Gewinn verbietet. Wenn die Juristen, betont er, in diesem 
Vertrage einen einfachen Kauf- und Verkaufvertrag erblickten 
und ihn deshalb für erlaubt erklären wollten, so sei damit das 
wahre Wesen desselben nicht erfaßt, wie es sich bei Betrachtung - 
des Theologen und Philosophen ergäbe; für diese läge ohne Zweifel 
ein Mutuum vor: Denn der Erwerb einer Geldrente unmittelbar 
gegen Geld ist von einem Darlehen in keiner Weise verschieden: 



1 ) Aus der Zeit vor H. v. G. seien von denen, die rentenartige Verträge er- 
örtern, genannt: Goffredo v. Tr., der den Fall bespricht, daß von Klöstern oder 
Kirchen Besitzungen auf Lebenszeit erworben werden. Er weist die Ansicht derjenigen 
zurück, die diese Verträge für erlaubt erklären im Hinblick auf das in ihnen vorliegende 
incertura: »Sed puto contrarium eo, quod homines sperant vivere et sie taliter contra - 
hentes credunt se amplius pereepturos de possessionum proventibus quam sit peeunia 
quam dederumt. Et sicut in prineipio dictum est: sola spe contrahitur vitium usurarum 
(1. c. n. 30, S. 214b). Hostiensis weist dies zurück, nur Gleichwertigkeit sei nötig. 
Ebenso sei das Vorgehen derjenigen erlaubt: »qui oves vendunt vel donant et tradunt 
monasteriis sub hoc pacto, quod pro quolibet ove reeipiant in anno duos solidos. (1. c. 
8, Sp. 1626.) Vgl. Endemann, Studien II, S. 109 f. 

2 ) Geschichte d. kirchl. Zinsverbotes S. 42 ff. 

3 ) I, q. 39 (S. 40b f.); vgl. ferner II, q. 15 (S. 68 ff.); VIII, q. 24 (II, S. 46b f.); 
XII, q. 21 (II, S. 258b f.); an letzterer Stelle Hinweis auf I, q. 39. 



— 133 - 

ob ich einem anderen eine Summe Geldes leihe und nach Ablauf 
einer bestimmten Zeit Geld und Zinsen zurückfordere, oder ob ich 
eine Rente erwerbe und in bestimmten Raten allmählich ultra 
sortem erhalte, ist nichts wesentlich Verschiedenes; höchstens ist 
die letztere Form für den Schuldner noch drückender. Die Hoff- 
nung auf einen Gewinn, die im Darlehen die Wurzel des Wuchers 
ist, ist von einem derartigen Vertrage nicht zu trennen : Bei Kauf 
einer Rente auf Lebenszeit hofft der Käufer solange zu leben, 
daß er einen Gewinn erzielt, und der Käufer erwartet das Gegen- 
teil, von den ewigen Renten ganz zu schweigen 1 ). Die Ungewißheit 
für Käufer und Verkäufer kann nicht als Entschuldigungsgrund 
dienen, weil sie die Hoffnung auf einen Gewinn nicht aufhebt. 
Auch ein Darlehen kann in der Form gewährt werden, daß der 
Gläubiger nach Jahresfrist Kapital und Zinsen zurückerhält, daß 
aber, wenn er in der Zwischenzeit stirbt, beides dem Schuldner 
verbleiben soll. Wie der letztere Vertrag wucherisch sei, so auch 
der erstere. Einen von anderer Seite angeführten Grund gegen 
die Erlaubtheit eines derartigen Rentenkaufes weist Heinrich 
zurück: Daß der Verkäufer der Rente möglicherweise den 
Tod des Käufers wünsche, mache den Vertrag an sich noch 
nicht unerlaubt. 

In anderen Fällen dagegen hält Heinrich den Rentenkauf 
bzw. Verkauf für erlaubt 2 ); z. B. in der Weise, daß jemand ein 
Grundstück kauft und dieses gegen eine jährliche Rente in Leihe 
oder Erbleihe gibt [haereditarie concedere 2 )], oder dadurch, daß 
jemand einer Kirche oder einer Gemeinde seinen Besitz übergibt 
und sich dafür auf Lebenszeit eine Rente vorbehält, oder dadurch, 
daß ein Fürst seinen Dienstleuten eine Rente aussetzt, mag dieselbe 
auf eine bestimmte nutzbare Sache basiert sein, oder auf das Ver- 
mögen (bursa) des Königs schlechthin. In allen diesen Fällen ist 
es gleichgültig, ob die Rente auf Lebenszeit oder für immer er- 
worben oder gewährt wird. Nur wird natürlich bei einer ewigen 
Rente unter sonst gleichen Verhältnissen die jährliche Quote 
geringer sein. 

Aber Heinrich geht noch einen bedeutenden Schritt weiter: 
In allen Fällen, wo so eine Rente erlaubter Weise konstituiert ist, 
kann der Besitzer derselben gegen eine bestimmte Geldsumme sie 
weiter verkaufen: es wird dann nicht Geld gegen Geld getauscht, 



J ) VIII, q. 24. 

-) Vgl. zum folgenden: VIII, q. 24; XII, q. 21, 



— i39 — 

sondern mit Geld das ius percipiendi, also an sich eine unkörper- 
liche Sache erworben, sodaß in diesem Falle kein Verstoß gegen 
das Wesen des Geldes, das als Tauschmittel dienen soll, und kein 
Mutuum vorliegt. Eine Unterscheidung, die, wie wir noch sehen 
werden, in der späteren Scholastik wiederkehrt. Auch der Zins- 
kauf ist also berechtigt. Eine tiefere werttheoretische Durchdrin- 
gung der Renten vertrage ist nicht versucht. 

VII. Rückblick. Fassen wir die Ergebnisse zusammen, so 
hat rein äußerlich betrachtet das Gebiet der behandelten Vertrags- 
arten an Ausdehnung gewonnen. Neu treten die Rentenverträge 
in die scholastische Literatur ein. Bezüglich der Anschauungen 
vom Gelde haben wir eine Weiterentwicklung festgestellt. Im 
übrigen sind die althergebrachten Anschauungen nicht weiter ge- 
führt. Sie werden im einzelnen etwas rigoristisch durchgeführt. 
Heinrich selbst erwähnt, daß nicht nur seine Anschauungen über 
den Rentenkauf, sondern auch seine Lehre vom Handel Wider- 
spruch gefunden habe 1 ). Das erstere erscheint uns leicht begreif- 
lich, wenn wir daran denken, daß weite Kreise mehr oder minder 
an einer Aufrechterhaltung der von Heinrich verbotenen Renten- 
käufe interessiert waren. Heinrich selbst erwähnt, daß sie von 
staatlicher und kirchlicher Seite, wie von Klöstern, Beghinen, viel- 
fach angewendet wurden 2 ). 

Was bezüglich seiner Stellung zum Handel Anlaß zum Wider- 
spruch bot, bleibt unklar. Wenn wir jedoch die spätere Entwick- 
lung der scholastischen Wirtschaftslehre uns vergegenwärtigen, so 
können wir vielleicht vermuten, daß die schroffe, jeden Gewinn 
ausschließende Durchführung des Äquivalenzprinzips Anstoß erregte. 
Heinrich selbst weist gelegentlich unwillkürlich darauf hin, daß 
hier ein ungelöstes Problem ruhte: Er stellt einmal das Mutuum, 
in dem jeder Gewinn verboten sei, dem Kauf und Verkauf gegen- 
über, in dem eine Verletzung der Wertgleichheit verboten sei, 
führt also den Gegensatz nicht konsequent durch 3 ). So sind in 
seinen Gedanken gewisse Lücken und Unklarheiten, die zum Wider- 
spruch herausfordern und nach Ergänzung und Vertiefung ver- 
langen. An den bezeichneten Punkten setzt die weitere Ent- 
wicklung ein. 



i) II, q. 15 (S. 68 f.). 

2 ) I, q. 39 (S. 40b); II, q. 15 (S. 68 f.); VIII, q. 24 (II, S. 46b). 

3 ) VIII, q. 24 (II, S. 46 b). Man vgl. hiermit den Satz aus Avicenna, der 
Sum. quaest. ordin. p. I, a. 39 q. I. ad I (S. 244) zitiert wird: >Intendens est minoris 
esse, quam quod intenditur.« 



— 140 — 

§ 3. Ricardus de Mediavilla. 

I. Leben, Bedeutung und Schriften 1 ): Ricardus de Media- 
villa (Heinrich von Middletown) ist wie Heinrich von Gent ein Zeit- 
genosse des Thomas von Aquin. Weder sein Geburts- noch Sterbe- 
jahr lassen sich sicher ermitteln. Wahrscheinlich starb er in den 
Jahren 1300 bis 1307. Er war Mitglied des Franziskanerordens, 
stand aber in seinen theologischen und philosophischen Anschau- 
ungen Thomas von Aquin nahe. Die wichtigeren, für uns in Be- 
tracht kommenden Schriften des Doctor solidus oder fundatissimus, 
wie das Mittelalter ihn nannte, sind sein Kommentar zu den Sen- 
tenzen des Petrus Lombardus, sowie ein Reihe Quodlibeta. Für 
die Entwicklung der Wertlehre ist er von größter Wichtigkeit. 

IL Privateigentum und Notwendigkeit des Tausches: 
Die Notwendigkeit 2 ) des Gemeinschaftslebens für die Menschen 
ergibt sich aus deren Bedürfnis nach gegenseitiger Aushilfe und 
Unterstützung, zumal in wirtschaftlichen Dingen. Die wechselseitige 
Unterstützungspflicht greift aber über die Grenzen des eigenen 
Landes hinaus: »omnes homines secundum rectum dictamen naturae 
debent subvenire sibi invicem in contractibus suis inquantum sunt 
viventes sub uno principe, qui princeps Deus est« 3 ). Es hat dies 
in der wirtschaftlichen Tatsache seinen Grund, daß die einen 
Länder an Gütern Überfluß haben, an denen die anderen Mangel 
leiden, und umgekehrt 4 ). 

Die Stellung zur Eigentumsordnung ist wie überall von natur- 
rechtlichen Erwägungen bestimmt: Es ist die naturgesetzliche Be- 
stimmung der irdischen Güter, der Menschheit als solcher zum 
Unterhalt zu dienen. Das Privateigentum erscheint im Hinblick 
auf den durch dasselbe gewährleisteten besseren und friedlicheren 
Verlauf des wirtschaftlichen Lebens als dem ius naturae »consona 
pro statu naturae lapsae«. Freilich hört im Falle äußerster Not 
für den einzelnen das Privateigentum auf 5 ). 

III. Wert und Wertgleichheit. Mit Bestehen des Privat- 
eigentums ergibt sich die Notwendigkeit des Austausches. Über 
das Wesen des Wertes hat Ricardus sich nirgends ausführlicher 
geäußert, er gibt nur eine Reihe einzelner Angaben, die insofern 



J ) K. L. X. 1180 f. Überweg -Heinze II, S. 327 ff. Hurter II, 467 ff. ein 
kurzer Hinweis auf R. d. M. findet sich bei Pesch: Lehrb. II, S. 52, Anmerkung 1. 

2 ) Sent. IV, 26, a. 1, q. 1. 

3 ) Quod. II, 23, a. 1. 

4 ) 1. c. 

5 ) Sent. III, 37, 3, 4; Sent IV, 15, 5, 4. 



— Mi — 

ein gewisses subjektives Gepräge tragen, als die Verschiedenheit 
des Wertes der einzelnen Waren nach Ort und Zeit und nach der 
Schätzung der einzelnen Tauschenden hervorgehoben wird und 
als bestimmend hierfür regelmäßig der größere oder geringere Vor- 
rat der in Betracht kommenden Güter erscheint: »aliquid esset mo- 
dicum diviti, quod esset multum pauperi« x ). 

Aber gleichwohl erscheint die Vorstellung eines normalen 
durchschnittlichen Wertes als herrschend: Die vom Naturrecht ge- 
forderte reale Gleichheit der getauschten Dinge geht auf den Wert 
an sich. Dieser Gedanke eines festen Wertes wird auch durch 
den Hinweis auf den weiten Spielraum des gerechten Preises nicht 
aufgehoben 2 ). Für bestimmte Orte und Zeiten gilt ein bestimmter 
Preis als gerecht. 

Mit dieser Auffassung der Wertgleichheit verbindet sich nun 
bei Ricardus eine andere Vorstellung: nämlich die, daß jeder im 
Tausche gewinnen will. DieFrage, »quomodoiustaemercationes, 
in quibus tantum dat emens, quantum accipiat, sunt lucrativae« 
bildet den Kernpunkt seiner Preislehre 3 ). Sie war, wie oben ge- 
zeigt, bereits durch die Erörterungen seiner Vorgänger über das 
iustum pretium brennend geworden. 

Ricardus weist zunächst zur Lösung des gestellten Problems auf 
den auswärtigen Handel hin: Wenn von zwei Ländern das eine an 
Wein Überfluß hat und an Getreide Mangel, so werden dort die 
Preise für Wein niedrig, für Getreide dagegen hoch stehen; für 
das andere Land, das an Getreide Überfluß hat und an Wein 
Mangel, gilt das Umgekehrte. Nun kann ein Kaufmann aus dem 
ersten Lande in das zweite gehen und hier zu dem dort geltenden 
Preise Getreide kaufen und dasselbe in dem eigenen Lande zu 
dem dort geltenden Preise verkaufen. Dann ist hier wie dort der 
gerechte Preis bezahlt und doch ein Vorteil erzielt. Ein Kauf- 
mann aus dem zweiten Lande könnte im ersten Wein kaufen und 
denselben in seiner Heimat verkaufen und so, ohne Verletzung des 
gerechten Preises in der gleichen Weise einen Gewinn erzielen 4 ). 
»Vides ergo«, so schließt Ricardus, »quando possent esse iustae 
in se mercationes lucrativae propter mutuam indigentiam in diversis 
partibus mundi« 5 ). 



1 ) Quod. II, q. 29. 

2 ) Quod. II, q. 23, a. 3 ; ib. a. 7, dub. I ; Sent. III, 23, a. 3, q. 4. 

3 ) Quod. II, q. 23, a. 1. 

4 ) Quod. II, 23, a. I; ib. a. 7, dub. I. 

5) 1. C. 



— 142 — 

Was für den Verkehr zwischen verschiedenen Ländern gilt, 
gilt in ähnlicher Weise auch für den Tausch verkehr innerhalb des 
eigenen Landes: Wenn jemand z. B. an Wein Überfluß besitzt 
und an Getreide Mangel und ein anderer umgekehrt, so kann der 
erstere seinen Wein verkaufen zu dem geltenden Preise und mit 
dem erhaltenen Gelde wieder zum herrschenden Preise Getreide 
kaufen ; der andere kann entsprechend verfahren : beide haben dann 
einen Gewinn gemacht: »Ille autem, qui pro re, quae non est sibi 
necessaria, acquirit rem sibi necessariam, lucratur, quamvis illae 
res ex parte sua sint aequivalentes« 1 ). Das einzutauschende Gut 
gewährt dem Käufer einen höheren Nutzen als das vorher von 
ihm besessene. In diesem Sinne wiederholt Ricardus das Prinzip 
seiner Lösung an einer anderen Stelle: »servata iustitia potest esse 
commutatio lucrativa tarn ementi quam vendenti, quia pecunia, 
quam vendens recepit pro equo vendito sibi est utilior quam esset 
equus, et equus utilior est ementi quam pecunia, quam pro equo 
dedit, quoniam vendens plus indiget pecunia, quam equo et emens 
plus indiget equo quam pecunia« 2 ). 

Der Gedanke, daß die Wertgleichheit eine Gleichheit der 
normalen Werte verlange, ist also hier organisch mit dem andern 
verschmolzen, daß der Tausch vom Gewinnprinzip beherrscht ist. 

Über die Anschauungen Richards vom Gelde sind schon 
einige Andeutungen gemacht. Er sieht im Gelde das »precium, 
mensura et medium in emptionibus et venditionibus«, das daher 
weder gekauft noch verkauft werden kann 3 ). Näher hat sich Ricardus 
nicht damit befaßt. Auch über seine Stellung zum Handel ist aus 
dem früher Gesagten einiges zu entnehmen: jedenfalls ist der 
Handel, der von den Wertunterschieden der Waren in den einzelnen 
Ländern profitiert, erlaubt. Näher hat sich Ricardus auch hiermit 
nicht befaßt. 

IV. Rentenartige Verträge: Zu den Tausch- bzw. Kauf- 
und Verkaufsverträgen im weiteren Sinne gehören auch noch 
gewisse rentenartige Verträge, auf die im folgenden kurz hinge- 
gewiesen sei. Ricardus behandelt zunächst 

a) die emptio praedii ad vitam 4 ). Dieser Vertrag ist nur er- 
laubt, wenn in Hinsicht auf das Alter des Käufers, seinen Gesund- 
heitszustand, überhaupt seine Lebenserwartung, sowie im Hinblick 

1 ) 1. c. 

2 ) Sent. III, 33, a. 3, q. 4. 

3 ) Quod. II, 23, a. 6. 

4 ) Quod. n, 23, a. 3. 



— 143 — 

auf den wahrscheinlichen Ertrag des Landgutes und die zur Er- 
zielung desselben nötigen Aufwendungen und Kosten weder Käufer 
noch Verkäufer in bedeutendem Maße im Vorteil zu sein scheint. 

b) Die emptio pecuniae ad vitam 1 ): Gegen Zahlung einer be- 
stimmten Geldsumme erwirbt der Käufer das Recht auf eine jähr- 
lich bis zu seinem Lebensende zu zahlende Geldsumme (redditus); 
und zwar ist die Rente fundiert: »super bonis ipsius vendentis« 2 ). 
Abweichend von Heinrich von Gent, der den Erwerb einer neu 
zu bildenden Rente unmittelbar gegen Geld verworfen hatte, betont 
Ricardus, daß auch ein derartiger Rentenvertrag ein wahrer Kauf 
bzw. Verkaufsertrag sei, nicht etwa ein Mutuum: Es werde hier 
nicht Geld gegen Geld getauscht, sondern das ius percipiendi käuf- 
lich erworben. Ricardus erwähnt folgenden Fall, der die näheren 
Bedingungen dieses Vertrages zeigt: Männer und Frauen kaufen 
sich eine Rente unter der Bedingung, daß sie innerhalb einer Zeit 
von acht Jahren das eingezahlte Kapital zurückerhalten. Ricardus 
weist darauf hin, daß die Erlaubtheit dieses Vertrages strittig sei. 
Er selbst erklärt ihn für erlaubt, indem er auf den früheren Ver- 
trag zurückgreift: Ich kann mir ein Landgut auf Lebenszeit kaufen, 
kann dieses für Zeit meines Lebens an einen anderen übertragen 
mit der Verpflichtung, mir jährlich eine bestimmte Rente zu zahlen. 
Auch die Erlaubtheit dieses Vertrages setzt annähernde Wert- 
gleichheit zwischen Käufer und Verkäufer voraus. Werde z. B. 
der Vertrag, wie es häufig geschehe, in der Weise geschlossen, 
daß 25jährige Männer und Frauen gegen eine bestimmte Geld- 
summe eine Rente erwürben von der Höhe, daß sie in einer Zeit 
von acht Jahren das Kapital zurückerhielten, so sei dies nur dann 
erlaubt, wenn die betreffenden Personen so krank wären, oder in 
solchen Lebensgefahren schwebten, daß ihre wahrscheinliche Lebens- 
dauer sich nur auf acht Jahre beliefe. Im allgemeinen sei daher 
diese Form »salvo meliori iudicio« nicht erlaubt. 

c) Die emptio haereditariae terrae 3 ). Dieser Kauf auf ewige 
Zeiten entspricht dem Kauf eines Landgutes auf Lebenszeit. Er 
ist gestattet, wenn für beide Teile, Käufer wie Verkäufer, die 
Gleichheit hinsichtlich der Möglichkeit zu gewinnen oder zu ver- 
lieren gewahrt ist. 



*) Quod. II, 23, a. 4; ib. a. 7, dub. 2. Der Erwerb einer Geldrente wird 
1. c. a. 6 als »contractus bursalis« bezeichnet. 

2 ) 1. c. a. 6. 

3 ) Quod. II, 23, a. 5. 



— i 4 4 — 

d) Die emptio haereditariae pecuniae 1 ) (emptio haereditarii 
redditus, contractus bursalis), also der Kauf einer ewigen Geldrente. 
Analog dem Kauf einer Geldrente auf Lebenszeit wird auch die 
Erlaubtheit dieses Kontraktes gestützt auf die Erlaubtheit des 
vorigen Vertrages: Man könnte ein Landgut auf ewige Zeiten 
kaufen, dieses einem anderen für immer übergeben und ihm die 
Verpflichtung auferlegen, eine jährliche Rente von bestimmter 
Höhe zu zahlen. Das Prinzip der Wertgleichheit gilt auch hier, 
macht aber Ricardus ersichtlich Schwierigkeiten: Wenn ein anderer 
gegen Zahlung eines einmaligen Kapitales für immer, auch für 
seine Nachkommen, die Verpflichtung übernimmt, eine Rente zu 
zahlen, so könnte es scheinen, daß dieser Vertrag offensichtlich 
zugunsten des Rentenkäufers wäre; einer einmaligen Zahlung steht 
eine unbegrenzt wachsende Summe gegenüber. Ricardus sucht 
die Schwierigkeit durch den Hinweis darauf zu lösen, daß hier 
nicht darauf gesehen werde, was der erste Käufer erhalte und was 
dessen Nachkommen und sofort, sondern darauf, welchen Wert die 
Gesamtrente für den ersten Bezieher habe und da gelte der Satz, 
»ius naturale dictat, quod res sit amabilis magis in seipso, 
quam in filio et magis in filio quam in nepote et in nepote 
magis quam in pronepote« 2 ). So käme für den ersten Käufer 
eine Begrenzung des Wertes zustande und könne die Wertgleich- 
heit gewahrt werden 3 ). 

V. Darlehen und Wucher. Zwischen Darlehen und Kauf 
bzw. Verkaufsvertrag besteht ein grundlegender Unterschied. Beim 
Kauf und Verkaufsvertrag gehen die Kontrahenten, wie früher 
gezeigt, von der Absicht aus, einen Gewinn zu machen. Beim 
Darlehen ist hingegen die Absicht einen Gewinn zu erzielen uner- 
laubt 4 ), wenn diese Absicht der Hauptbewegungsgrund zur Ge- 
währung des Darlehens ist; sonst ist die Hoffnung auf einen frei- 
willig von Seiten des Schuldners geschenkten Zins erlaubt 5 ). Die 
naturrechtliche Unentgeltlichkeit des Darlehens wird im Anschluß 
an Thomas bewiesen 6 ). Im Mutuum seien Gebrauch und Ver- 



!j 1. c. a. 6; a. 7, dub. 3. Sent. IV, 15, 5, q. 5. 

2 ) 1. c. 

3 ) Es ist hiermit, wenn auch unklar, die Bedeutung der Zeit für die mensch- 
liche Schätzung anerkannt. 

4 ) Quod. II, 23, a. 2 : »mutuum est aliquid translatum ab aliquo in alterius do- 
minium et possessionem obligans recipientem ad aequalia mutuanti. Et est de natura 
istius contractus, quod sit gratuitus.« 

5 ) Quod. II, 23, not. 1. 

6 ) Sent. IV, 15, 5, q. 5. 



— 145 — 

brauch der Dinge identisch. Der Mehrertrag, der mit dem Gelde 
(ex pecunia) erzielt wird, wird gewonnen »per industriam et laborem 
vel fortunam« 1 ). Hieraus wird dann in fast sozialistisch klingender 
Weise gefolgert: »homo dominus est sui laboris et industriae« 2 ). 
Auch der Hinweis auf die Lucasstelle fehlt nicht. Die Aufnahme 
eines verzinslichen Darlehens ist nur im Falle der Not gestattet. 
Not liegt nach Ricardus dann vor, »quando homo notabiliter dam- 
nificaretur vel notabilem penuriam pateretur«. Ohne Zweifel spielt 
hier wieder die Vorstellung des standesgemäßen Unterhaltes hinein, 
die auch sonst bei Ricardus sich häufig findet 3 ). 

Von Zinstiteln 4 ) kennt Ricardus folgende: i. die Konven- 
tionalstrafe ; sie ist erlaubt, wenn sie nicht zur Umgehung des 
Zinsverbotes verwendet wird 5 ). 2. Der Zinstitel des interesse: Als 
Beispiel wird der Fall angeführt, daß z. B. durch verspätete Zahlung 
des Schuldners dem Gläubiger ein Schaden erwächst. 3. Der Zins- 
titel der Gefahr: im Falle, daß die Möglichkeit des Verlustes für 
Kapital und Gewinn besteht, darf der Gläubiger etwas über 
das Kapital hinaus fordern. Es scheint im letzteren Falle an ein 
gemeinsames Handelsunternehmen gedacht zu sein 6 ); die Stelle ist 
jedenfalls nicht ganz klar. 

VI. Rückblick. Die Bedeutung Richards liegt vor allem 
in der Durchführung des Gewinnprinzips im Tausche: Er verbindet, 
wie gezeigt, diesen Gedanken mit dem alten der absoluten Wert- 
gleichheit. Gewiß ist die Durchführung des Gedankens mangel- 
haft; vor allem führt der allgemeine, normale Wert eine etwas 
merkwürdige Existenz, wo doch die Einzelnen den Wert der Güter 
durchaus individuell verschieden bestimmen. Aber geschichtlich 
ist der Versuch von allergrößter Bedeutung : Es war damit für die 
•Folgezeit das Problem entschieden gestellt, an das die Weiterent- 
wicklung der Wertlehre anknüpfen konnte. Werttheoretisch ist 
interessant seine Stellungnahme zum Kauf einer ewigen Rente un- 
mittelbar gegen Geld. Es gelingt ihm diese Art des Rentenkaufes 
organisch in seine übrigen Ideen einzugliedern durch Anwendung 
des erwähnten Wertprinzips, was Heinrich von Gent, wie gezeigt, 

!) Sent. IV, 15, 5, q. 5. ad 1. 

2 ) 1. c. q. 6. 

3 ) 1. c. q. 5. ad. 2. cf. Quod, III, 20; Sent. IV, 15, 5. q. 4. 

4 ) Sent. IV, 15. 5. q. 5. 

5 ) Die Konventionalstrafe wird bei Thomas nicht behandelt, ist aber der Scho- 
lastik vor ihm durchaus bekannt. Vgl. z. B. Hostiensis 1. c. n. 1 (Sp. 1613), Goffred. 
v. Tr. (1. c. n. 3 [S. 212]). Näheres bei Lessei a. a. O. S. 20 f. 

6 ) Vgl. Lessei a. a. O. S. 56 f. 

Beitrage zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 10 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 146 — 

noch nicht hatte erreichen können. Es war damit der Scholastik 
der Weg gebahnt, der zur Erkenntnis der werttheoretischen Be- 
deutung der Zeit führen konnte. 

§ 4. Duns Scotus. 

I. Bedeutung im allgemeinen, Leben und Schriften x ). 
Duns Scotus ist neben Albertus Magnus und Thomas v. Aquin 
der bedeutendste Scholastiker des Mittelalters. Sein theologisches 
wie philosophisches System ist von einem gewissen Gegensatz gegen 
das thomistische getragen. Bei unbedingter Festhaltung des über- 
kommenen Glaubens steht er im übrigen der Tradition vorurteils- 
frei mit kritischem Blick gegenüber. In verstärktem Maße weist 
er auf Augustinus zurück, während Aristoteles und seine schola- 
stischen Vorläufer von ihm scharf kritisiert werden. Wegen der 
Schärfe seines Geistes erhielt er den Ehrennamen eines Doctor 
subtilis. 

Das Geburtsjahr des Duns Scotus ist nicht sicher zu ermitteln, 
dürfte aber wohl mit Recht in die Jahre 1265 oder 1266 zu ver- 
legen sein. Er starb als Mitglied des Franziskanerordens, der 
auch die Mehrzahl der Anhänger der an Duns Scotus sich an- 
schließenden und nach ihm benannten scotistischen Schule stellte, 
am 8. November 1308 in Köln. 

Neben mehreren Werken meist logischen, grammatischen und 
metaphysischen Inhalts sind seine Hauptschriften und kommen für 
uns ausschließlich in Betracht: Das Opus Oxoniense, wohl in den 
Jahren 1301 bis 1304 verfaßt in Form eines Kommentars zu den 
Sentenzen des Petrus Lombardus, ferner die Reportata, ebenfalls 
ein Sentenzenkommentar, der aber kürzer und zeitlich nach jenem 
ersten abgefaßt ist. Sie sind eine Nachschrift seiner in Paris ge- 
haltenen Vorlesungen; Seeberg charakterisiert das Verhältnis der 
beiden Sentenzenkommentare als das »eines Kollegheftes zu einem 
größeren Werke« 2 ). 

Duns Scotus' Äußerungen über wirtschaftliche Dinge bieten 
materiell im Verhältnis zur früheren Zeit wenig Neues. Gleichwohl 
sind sie ausgezeichnet durch Klarheit und Unvoreingenommenheit 
des Blickes, größere Selbständigkeit gegenüber gewissen traditio- 
nellen Anschauungen und klare systematische Formulierung. 

IL Die Eigentumsordnung. Über die Lehre vom gerechten 
Preise handelt Duns Scotus dort, wo er von der Restitutionspflicht 

J ) Über Duns Scotus siehe Seeberg: Artikel in R. E. V. S. 62 ff. Ferner K. 
L. X., 2127 ff. Hurter II, 453 ff. Überweg-Heinze II, S. 320 ff. 
2 ) a. a. O. S. 64. 



— 147 — 

spricht. Die Idee der Gerechtigkeit im Tausche setzt das Privat- 
eigentum voraus; letzteres ist das »fundamentum omnis iniustitiae 
in contrectando rem alienam«. Als Grundlegung einer Theorie 
vom gerechten Preise muß daher zunächst die Eigentumsordnung 
behandelt werden 1 ): Um so mehr dürfte dies gerechtfertigt sein, 
als die scotistische Eigentumslehre wohl die ausführlichste der 
Scholastik überhaupt ist. 

Als naturgesetzliches Ziel jeder Eigentumsordnung, sie sei 
Kommunismus oder Privateigentum, bezeichnet Duns Scotus die 
Gewährleistung der »pacifica et congrua conveisatio« der mensch- 
lichen Gesellschaft und der Erlangung der »necessaria sustentatio« 
des einzelnen. Vor dem Sündenfalle nun und im Hinblick auf die 
menschliche Xatur als solche, wenn von deren sündhaften Neigungen 
abgesehen wird, wird dieses Ziel in wirksamster Weise durch Ge- 
meineigentum erreicht: es fehlen alle Triebe zu widerrechtlicher 
Aneignung, jeder deckt seinen augenblicklichen Bedarf und nur 
diesen. In diesem Sinne spricht Duns Scotus von einem natur- 
gesetzlichen Kommunismus und sagt von der lex naturae: »ipsa 
autem determinavit in natura humana hoc, quod omnia essent 
communia« 2 ). 

Im Hinblick jedoch auf die menschliche Natur, wie sie jetzt 
ist, ist jenes praeceptum legis naturae widerrufen worden (revo- 
catum est post lapsum) 3 ). Jetzt erfordert die Erreichung des oben 
dargelegten Zweckes der Eigentumsordnung als vernunftgemäßes 
Mittel das Privateigentum: der einzelne würde sich sonst über 
seinen Bedarf hinaus Güter aneignen und würde vor gewaltsamem 
Kampfe, der den Sieg des Stärkeren zur Folge hätte, nicht zurück- 
schrecken; die Bedarfsdeckung des Schwächeren würde daher ge- 
fährdet sein. Damit ist die Rechtmäßigkeit des Privateigentums 
gegeben; im Hinblick auf das Naturgesetz ist also die »licentia 
appropriandi et distinguendi communia« an sich gewährt: Das Privat- 
eigentum ist eine Folgerung aus dem Naturgesetz. Doch ist mit 
dem Nachweis der Rechtmäßigkeit des Privateigentums als solchem 
noch nicht der Nachweis der Rechtmäßigkeit der konkreten Eigen- 
tumsordnung, der actualis distinctio dominiorum, insbesondere noch 
nicht der Rechtmäßigkeit der ersten historischen Begründung des 
Privateigentums, der prima distinctio, gegeben. Letztere kann 



*) Sent. IV, 15. q. 2 (3 — 8). (XVIIL, 256 ff)., Rep. IV. 15. seh. I. (7 — 12) 
(XXIV, 233 ff.). 



2 ) Sent. 1. c. (XVIII, 265). 

3 ) Sent. 1. c. (XVIII, 258). 



10* 



— 148 — 

ihren Grund nur in einem positiven menschlichen, gerechten Gesetz 
haben. Damit ein Gesetz gerecht sei, ist neben der Angemessen- 
heit desselben für das allgemeine Wohl der Erlaß von Seiten einer 
zuständigen Autorität erforderlich. Die Berechtigung zwingende 
Vorschriften zu erlassen, besitzt einmal der Vater nach dem Natur- 
rechte seinen Kindern gegenüber, dann das staatliche Oberhaupt, sei 
es in einer Einzelperson oder in einer Mehrheit solcher dargestellt. 
Die Rechtmäßigkeit seiner Autorität hängt, wie Duns Scotus suppo- 
niert, ab: »ex communi consensu et electione ipsius communitatis« x ). 

Ist so die Staatsgewalt rechtmäßig, so ist es auch die von 
ihr als Gesetz erlassene Eigentumsordnung. Duns Scotus nimmt 
folgende juristischen Konstruktionen vor: entweder habe Noe seinen 
Nachkommen nach der Sündflut die einzelnen Länder zugeteilt, 
oder die Menschen selbst hätten eine Teilung vereinbart, wofür 
an das Beispiel von Abraham und Lot erinnert wird. Oder man 
habe sich dahin geeinigt, und möglicherweise ein ausdrückliches 
Gesetz erlassen: »quod res tunc non occupata, esset primo occupantis.« 
Der Satz also: »Quod nullius est, occupanti conceditur« ist, wie 
Duns Scotus übrigens an einer anderen Stelle noch ausdrücklich 
hervorhebt, nicht »stricte« naturrechtlichen, sondern positivrecht- 
lichen Ursprungs 2 ); eine Anschauung, die in der Scholastik ver- 
einzelt dasteht, während man sonst wohl die scotistische Eigen- 
tumslehre als typisch mittelalterlich ansehen kann. 

III. Tausch und Wertlehre. Hat der einzelne ein Recht 
auf sein Eigentum, so kann er dieses Recht auch an einen anderen 
abtreten. Wie er durch einen Willensakt die Dinge besitzt, kann 
er durch einen Willensakt sie auch auf andere übertragen 3 ). 

Dies findet vor allem im Tausche statt. Derselbe ist durch 
das Prinzip der Entgeltlichkeit charakterisiert und z. B. von Schen- 
kungen unterschieden, »transferens expectat aliquid aequivalens 
ei, quod transfert« 4 ). 

Die Gesamtheit der Tauschvorgänge läßt sich nun nach ver- 
schiedenen Gesichtspunkten einteilen: 

a) Duns Scotus unterscheidet einmal solche Tauschverträge, 
in denen volle Eigentumsübertragung an den getauschten Dingen 
stattfindet, von solchen, in denen nur ein Recht der Nutznießung 



J ) 1. c. (XVIII, 266). 

2 ) 1. c. (XVIII, 271). cf. 1. c. (XVIII, 265). Ferner Rep. 1. c. seh. 1. (12). 
(XXIV, 235 f.). 

3 ) Sent. IV., 15, q. 2. (11), (XVIII, 277) cf. Rep. 1. c. seh. 2. (13) (XXIV, 236) 
«) 1. c. (12) (XVIII, 282). 



— 149 — 

eingeräumt wird 1 ). Als Arten der ersteren werden bezeichnet: 
i. Der unmittelbare Austausch von Nutzgegenständen (permutatio) ; 
2. Kauf und Verkauf (emptio et venditio); dadurch von ersterem 
unterschieden, daß hier Geld gegen Nutzgegenstand, bzw. Nutz- 
gegenstand gegen Geld getauscht wird. Das Geld dient der Er- 
leichterung des Tausches: »ad hoc ponitur numisma, ut sit medium 
faciliter commutandi.« 3. Das Darlehen (mutuum). In demselben 
findet ein Tausch von Geld gegen Geld statt: »numismatis pro 
numismate commutatio.« Diese Auffassung trat uns bereits früher 
entgegen. Ebenfalls ein Tausch von Geld gegen Geld ist das 
cambium, das Geldwechselgeschäft. Es wird in den Reportata 
unmittelbar dem Mutuum koordiniert' 2 ). Als Verträge, in denen nur 
das Nutzungsrecht an den getauschten Gütern übertragen wird, 
erwähnt Duns Scotus nur kurz die accommodatio und die locatio 
und conductio, die in ihrem Unterschiede dem zwischen dem un- 
mittelbaren und dem durch Geld vermittelten Tausche entsprechen. 

b) Nach dem Zwecke des Tausches unterscheidet Duns Scotus, 
offenbar im Anschluß an Aristoteles, die commutatio oeconomica 
und die »commutatio negotiativa« 3 ); erstere hat die unmittelbare 
Deckung eines Bedürfnisses zum Ziel, während bei letzterer ge- 
kauft wird, um mit Gewinn wieder zu verkaufen; »commutans 
intendit mercari de re, quam acquirit, quia emit, non ut utatur, sed 
ut vendat et hoc carius«; er fährt dann fort: »et haec negotiativa 
dicitur pecuniaria vel lucrativa«. Mit den letzten Worten wird 
deutlich das Gewinnstreben des Händlers betont. 

c) Endlich scheidet Duns Scotus zwischen einem Vertrage, 
der für die Gegenwart abgeschlossen wird, wo Leistung oder Gegen- 
leistung der Vereinbarung und den Absichten der Vertrag- 
schließenden entsprechend augenblicklich stattfinden soll, einer 
»commutatio statim facta«, einer »commutatio pro praesenti« und den- 
jenigen Verträgen, bei denen der Termin der Erfüllung, vor allem 
der Termin der Zahlungsleistung der Zukunft angehört. Zu ersterer 
Gruppe gehören im allgemeinen die oben angeführten Vertragsarten, 
wie Kauf, Verkauf, Darlehen, Verpachtung, bei denen Zahlung 
gleich nach beendeter Leistung erfolgt; zu letzterer gewisse Arten 
später zu erörternder Kreditgeschäfte 4 ). 



*) Vgl. zum folgenden: Sent. 1. c. (12); (XVIII, 282); Rep. 1. c. seh. 2 (18) 
(XXIV, 238). 

2 ) Rep. 1. c. 

3 ) Sent. 1. c. (22); (XVIII, 317). 

4 ) Sent. 1. c. (I9f.); (XVIII, 293 f.). 



— 150 — 

Es dürfte ohne weiteres ersichtlich sein, daß Duns Scotus mit 
dieser Systematisierung kaum über das von der Zeit vor ihm Ge- 
leistete hinausgekommen ist. Seine Wertlehre zeigt jedoch gewisse 
Eigenheiten 1 ). 

Es ist nach ihm eine Forderung des natürlichen Sittengesetzes: 
»Hoc facias alii, quod tibi vis fieri«. Auf den Tausch angewendet, 
fordert dieser Satz Gerechtigkeit, näherhin Wertgleichheit; denn 
die Gerechtigkeit im Tausche, die justitia commutativa, verlangt 
äußere Gleichheit der Dinge. Dies gilt im allgemeinen gesagt von 
allen erwähnten Arten des Tauschvertrages, wenn sich auch bei 
der Durchführung im einzelnen gewisse Verschiedenheiten ergeben. 

Wir behandeln zunächst den unmittelbaren Austausch, sowie 
den Kauf und Verkauf, bei denen sich die Fragen des justum 
pretium am einfachsten gestalten: 

Duns Scotus faßt die Bedingungen der Gerechtigkeit des 
Preises in diesen Fällen dahin zusammen: »quod domini rerum 
juste eas permutant, si sine fraude servent aequalitatem 
valoris in commutatis secundum rectam rationem«. 

Einmal hat also vom Tausche jeglicher Betrug fernzubleiben. 
Derselbe kann, wie Duns Scotus der Tradition gemäß ausführt, in 
der Substanz der getauschten Dinge liegen, wenn z. B. unechtes 
Gold statt echten Goldes gezahlt wird, oder in der Quantität, d. h. 
wenn nicht das versprochene Maß, Gewicht oder die versprochene 
Anzahl geliefert wird, oder endlich, wenn eine schlechtere als die 
vereinbarte Qualität übergeben wird; hält der Verkäufer diese Be- 
dingungen nicht ein, so fügt er unerlaubterweise dem Käufer 
Schaden zu. Letzterer hat eben unter für ihn günstigeren Be- 
dingungen den Tauschvertrag abgeschlossen. 

Die folgende hierüber hinausgehende Bedingung ist für uns 
ungleich wichtiger: sie verlangt Wertgleichheit. Was versteht nun 
Duns Scotus unter dem Werte der Dinge. Die für seine Wert- 
lehre entscheidende Stelle lautet: »Sequitur in illa regula, quod 
aequalitas valoris est servanda. Hoc probatur per Augustinum. 
13. Trin. c. 3: »Vili velle emere et care velle vendere, revera vitium 
est.« Et hoc intelligendo de re vili et cara quantum ad usum, 
quia frequenter res, quae in se est nobilior in esse naturali, minus 
est utilis usui hominum: et per hoc minus pretiosa secundum 
Augustinum de Civ. 1. 2. c. 16: Melior est in domo panis quam 
mus, cum tarnen omne vivum nobilius sit simpliciter non vivo in 

*) Vgl. hierzu Sent. 1. c. (13—15); (XVIII, 282 ff.). Rep. 1. c. seh. 2. (i9ff.) 
(XXIV, 238 f.). 



esse naturae. Et propter hoc additur secundum rectam rationem, 
attendentem scilicet naturam rei in comparatione ad usum humanuni, 
propter quem fit commutatio ista«. Seit Thomas v. Aquin finden 
wir hier zum ersten Male wieder eine etwas ausführlichere Erör- 
terung des Wertes als solchen: sie schließt sich eng an Augustinus 
an, während Aristoteles überhaupt nicht erwähnt wird. Das subjektive 
Moment des Bedürfens erscheint als Grundlage des Wertes und 
beherrscht damit den Tausch. Duns Scotus steht hiermit im Gegen- 
satze zu Albertus Magnus und Thomas v. Aquin, die freilich auch 
die Bedeutung des Bedürfnisses für den Tausch nicht übersehen 
hatten, aber die in der Gleichheit des Wertes bestehende Gerech- 
tigkeit des Preises vermeintlich an Aristoteles sich anschließend 
auf die objektiven Faktoren von Arbeit und Kosten funda- 
mentierten. 

Im Tausche wird also eine res utilis gegen eine andere, gleiche 
res utilis getauscht 1 ). Worin besteht nun näherhin diese Wert- 
gleichheit? Nennen wir zwecks besseren Verständnisses die beiden 
Tauschenden A und B, die ihnen gehörenden Güter C und D. 
Wenn dann A dem B sein Gut C übergibt und D dafür wieder 
empfängt, so setzt A sein Gut C nicht etwa dem anderen Gute D 
gleich, sondern letzteres wird höher geschätzt als das eigene Be- 
sitztum ; sonst würde A nicht zum Tausche schreiten wollen ; von B 
gilt das Entsprechende: beide Kontrahenten erwarten vom 
Tausche Vorteil. In geistreicher Weise findet Duns Scotus dies 
in dem Worte »contractus« ausgesprochen: »Alia translatio . . ., 
ubi transferens exspectat aliquid aequivalens ei, quod transfert, 
dicitur proprie contractus, quia ibi simul trahuntur voluntates partium ; 
trahitur enim iste ad transferendum in illum a commodo, quod ex- 
pectat transferendum in se« 2 ). Eine bewußte Ausgleichung des 
Äquivalenz- und Gewinnprinzips finden wir bei Duns Scotus nicht; 
beide stehen anscheinend unvermittelt nebeneinander. Ist die 
Lösung des Problems vielleicht dieselbe wie bei Ricardus de Media- 
villa? Man könnte versucht sein, dies anzunehmen. Bei näherem 
Zusehen zeigt es sich jedoch, daß Scotus etwas anders denkt. 

Schon Heinrich v. Gent und Ricardus de Mediavilla nahmen 
eine latitudo des gerechten Preises an; aber dies in dem Sinne, 
daß an sich ein absolut fester Punkt der Wertgleichheit bestünde, 
dessen Erreichung Pflicht der Kontrahenten sei; nur infolge mensch- 
licher Unvollkommenheit könne das Ziel nicht ganz erreicht werden, 

x ) Sent. 1. c. (12); (XVIII, 282). 
2 ) 1. c. 



und eben deshalb sei ein gewisser Spielraum anzunehmen. Oder 
jene latitudo hatte den Sinn gehabt, daß der Preis einer Ware 
etwas hin- und herschwanke; an sich aber sei für den Einzelfall 
ein einziger Punkt innerhalb jenes Rahmens gerecht. 

Diese Gedankengänge lehnt Duns Scotus ab: »Ista . . 
aequalitas . . non consistit in indivisibili, sicut dicit quidam Doctor, 
motus ex hoc, quia iustitia habet . . . medium rei . . ., immo in isto 
medio . . . est magna latitudo et intra illam latitudinem non attin- 
gendo indivisibilem punctum aequivalentiae rei et rei: quia quoad 
hoc, quasi impossibile esset commutantem attingere: et in quocunque 
gradu circa extrema fiat, iuste fit« 1 ). 

Von diesem Gedanken ausgehend kommt nun Duns Scotus 
zu einer etwas anderen Fassung des Prinzips der Gerechtigkeit im 
Tausche. Es bleibt den Kontrahenten überlassen : »ut pensata mutua 
necessitate reputent sibi mutuo dare aequivalens hinc, inde et acci- 
pere: durum est enim inter homines esse contractus, in quibus contra- 
hentes non intendant aliquid de illa indivisibili iustitia remittere sibi 
mutuo, ut pro tanto omnem contractum concomitetur aliqua donatio« 2 ). 

Hier wird zum ersten Male in der Scholastik ein verstärkter 
Nachdruck auf die freie Vereinbarung der Kontrahenten gelegt. 
Es laufen bei Duns Scotus zwei Theorien nebeneinander her: ein- 
mal erfordert die Gerechtigkeit im Tausche Gleichheit eines für 
alle maßgebenden, normalen Wertes. Aber indem dieser normale 
Wert etwas versubjektiviert wird, legt sich das andere Prinzip 
nahe, das die Gerechtigkeit dann erreicht sieht, wenn die Kon- 
trahenten in den Preis frei einwilligen. 

Der »normale« Wert wird etwas verflüchtigt und damit das 
Gewinnstreben in tieferer Weise anerkannt und ihm mehr Freiheit 
zur Betätigung gewährt. Der Zweck des »Handels« ist nicht 
mehr der, den einzig gerechten Preis zu finden. Die Vereinigung 
des Äquivalenzprinzips mit dem Gewinnprinzip ist nicht mehr so 
einfach und klar, wie bei Ricardus de Mediavilla. 

Die Stellungnahme zum Affektionspreis 3 ) ist ähnlich, wie bei 
Thomas v. Aquin. Es liegen zwei Möglichkeiten vor: Der Besitzer 
eines Gutes bedarf desselben sehr, legt ihm also einen anormal 
hohen Wert bei. Ein anderer wünscht dies Gut zu kaufen. Dann 
darf der Verkäufer sich schadlos halten, d. h. über den normalen 
Wert des Gutes hinaus fordern. 



*) l. c. (15); (XVm, 283 f.). 

2 l. c. 

3 j 1. c (16); (XVIII, 288). cf. Rep. seh. 2. (21 f.); (XXIV, 235). 



— ioo — 

Der normale Wert wird also in diesem Falle vernachlässigt. 
Aber die beiden Tauschkontrahenten werden gleichwohl zufrieden 
sein. Der Verkäufer würde sich sonst nicht zur Hergabe des Gutes 
entschließen; und daß der Käufer mit dem erlangten Vorteil ein- 
verstanden ist, ergibt sich schon aus der »magna instantia«, mit der 
er, wie Duns Scotus supponiert, den Verkäufer zum Tausche zu 
bewegen sucht: Das auf beiden Seiten befriedigte Bedürfnis 
ist gleich. 

Anders aber im umgekehrten Fall: wenn der Käufer einem 
Gute eine anormal hohe Schätzung entgegenbringt. Dann gilt für 
mich, der ich verkaufe, der Satz: »nee res mea est in se pretiosior 
nee mihi melior, et ideo non debet mihi maius pretium apportare.« 
In diesem Falle verlangt die Gerechtigkeit des Preises die Beob- 
achtung des normalen Wertes. Dagegen erlangt der Käufer ein: 
»maius commodum« als der Verkäufer. Die Stellungnahme des 
Duns Scotus ist hier etwas schärfer wie die des Thomas v. Aquin, 
der, wie oben gezeigt, von der honestas des Käufers eine höhere 
Zahlung erwartet. 

Vom kritischen Standpunkte aus wird man zunächst das 
dogmengeschichtlich Bedeutsame hervorheben müssen, das in der 
neuen Fassung des Prinzipes der Wertgleichheit liegt, indem dem 
Gewinnprinzip verstärkter Einfluß verstattet und der Satz tiefer 
durchgeführt wird, daß jeder am Tausche gewinnen will. Freilich 
hatte Bonaventura dasselbe Prinzip schon erkannt und Ricardus 
de Mediavilla es im Tausche durchzuführen versucht. Aber bei 
Duns Scotus besteht, wie gezeigt, das Neue darin, daß das Gewinn- 
prinzip nicht mehr harmonisch mit dem Gedanken der absoluten 
Wertgleichheit verbunden wird, der normale Wert wird vielmehr 
erschüttert und neben dem Äquivalenzprinzip der Nachdruck auf 
die Zufriedenstellung der Tauschkontrahenten gelegt. Der scoti- 
stischen Wertlehre fehlt also der einheitliche Charakter; sie will 
eine Synthese zweier Gedankenreihen bieten. 

Kauf und Verkauf unterscheiden sich, wie oben erwähnt, vom 
unmittelbaren Austausch durch die Zuhilfenahme des Geldes 1 ). 
Über den Zweck, den letzteres im Tausche zu erfüllen hat, ist 
bereits gesprochen worden. Das Geld besteht aus einem nützlichen 
Metall: »peeunia«, sagt Duns Scotus, »habet aliquem usum utilem 
ex propria natura, utpote ad videndum, ornandum. . .« Der Wert 
des Geldes beruht also auf denselben Grundlagen, wie der Wert 
der anderen Dinge d. h. er wird durch subjektive Schätzungen be- 

x ) Vgl. z. Folgend. Sent. 1. c. (16); (XVIII, 289}; ib (19); (293). 



— 154 — 

stimmt. Der gerechte Preis wird beim Geldtausche daher in der- 
selben Weise festgestellt, wie beim unmittelbaren Austausche. Den 
Unterschied beider kennzeichnet Duns Scotus dahin: »ibi ita oportet 
ex una parte considerare numisma, sicut hie rem permutatam.« 

Ebenfalls auf menschlicher Schätzung beruht der Wert der 
Nutzung eines Gegenstandes 1 ). 

IV. Der Handel 2 ). Die Stellung, die Duns Scotus zum 
Handel einnimmt, ist in mehrfacher Beziehung bemerkenswert. 
Worin er das Wesen desselben sieht, ist bereits dargelegt worden. 

Die Bedeutung des Handels für die Volkswirtschaft sieht 
Duns Scotus in zwei Dingen: einmal kauft der Händler Waren 
zusammen, speichert sie auf und sorgt dafür, daß sie jederzeit dem 
Käufer zur Verfügung stehen. Sodann sorgt er dafür, daß Waren, 
die im Staate fehlen, — er spricht von einer Respublica, nicht mehr 
von einer civitas, womit die eigentümlich mittelalterliche Färbung, 
wie sie bei Thomas sich zeigte, etwas zurücktritt — aus dem Aus- 
lande herbeigeschafft werden. Fast mit einer gewissen Wärme 
wird die industria, diligentia und sollicitudo des Kaufmanns her- 
vorgehoben, der die Waren, an denen Mangel besteht, ausfindig 
machen und unter großen Gefahren zu Wasser und zu Lande her- 
beischaffen muß. So bezeichnet Duns Scotus den Handel als ein 
ehrenhaftes und nutzbringendes »servitium communitatis«. Durch die 
Tätigkeit des Handels wird eine Werterhöhung der Waren erzielt, 
worüber sich Duns Scotus allerdings nicht näher ausläßt. 

Der Kaufmann darf daher mit Recht einen Mehrwert fordern, 
der eben wegen der Bedeutsamkeit seiner Leistungen sich nicht 
auf das Existenzminimum beschränken darf. Duns Scotus billigt 
also dem Kaufmannsstande ein hohes Einkommen zu 3 ). 

Die Berechtigung desselben erhellt aus seiner Unentbehrlich- 
keit für den Staat: »Sed si esset bonus legislator in patria indigente, 
deberet locare pro pretio magno huiusmodi mercatores ... et non 
tantum eis et familiae sustentationem necessariam invenire, sed 
etiam industriam, peritiam et pericula omnia locare; ergo etiam hoc 
possunt ipsi in vendendo.« 

!) Sent. 1. c. (16); (XVIII, 289). 

2 ) Sent. 1. c. (22 f.); (XVIII, 317); vgl. Keller a. a. O. S. 32, 62. 

3 ) 1. c. »ergo potest iuste ultra sustentationem necessariam pro se et familia sua 
ad istam necessitatem deputata reeipere pretium correspondens industriae suae; et ultra 
hoc tertio aliquid correspondens periculis suis.« Hiermit soll aber keineswegs das Standes- 
prinzip aufgehoben werden, wie es wohl scheinen könnte. Es geht dies aus der häufigen 
Betonung desselben in anderem Zusammenhange hervor. Cf . Rep. IV, dist. XV ; seh. 4 
(34) (XXIV, 244). 



— 155 — 

Je freimütiger Duns Scotus in der Anerkennung des Handels 
an sich, wenn er die angegebenen Funktionen und Bedingungen 
erfüllt, ist, um so schärfer verurteilt er die Ausschreitungen der 
Händler, die weder beim Einkauf noch beim Verkauf die Beding- 
ungen des gerechten Preises beachten und innerhalb der Volks- 
wirtschaft als unproduktive Schmarotzer zu betrachten sind: »pro- 
hibent immediatam commutationem volentium emere vel commutare 
oeconomice; et per consequens faciunt quodlibet venale vel usuale 
carius ementi, quam deberet esse, et vilius vendenti et sie damnificant 
utramque partem.« Ebenso tadelt es Duns Scotus, wenn der Handel 
zu übermäßiger Bereicherung der Kaufleute führt, so daß ihr Ein- 
kommen nicht mehr als Lohn ihrer Mühen angesehen werden kann. 

Hatten noch die Vorgänger des Duns Scotus, z. B. Thomas 
v. Aquin, mit manchen ungünstigen Urteilen über den Handel zu 
kämpfen, die zwar nicht zu einer Verurteilung des Handels führten, 
aber doch die volle Anerkennung seiner Bedeutung in etwa 
hemmten, so steht Duns Scotus dieser Tradition völlig unbefangen 
gegenüber; ja er kommt mit keinem Worte auf sie zu sprechen. 
In dem warmen Lobe des Handels liegt fast etwas wie ein be- 
wußter, stiller Gegensatz, der wohl die Folge seiner freieren Würdi- 
gung des Gewinnstrebens ist. Es muß allerdings daran erinnert 
werden, daß Duns Scotus in den ersten Jahren des 1 4. Jahrhunderts 
schrieb, als der Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens seit seinem 
Anfange im 11. und 12. Jahrhundert bereits weitere Fortschritte 
gemacht hatte. Die Rechtfertigung des Handelsgewinnes, der als 
gesellschaftlicher Arbeitslohn erscheint, könnte an die thomistische 
Wertlehre erinnern, die ja, wie gezeigt, darauf hinausläuft, jedem 
für das Wirtschaftsleben nötigen Gliede ein standesgemäßes Ein- 
kommen zu sichern, indem Thomas vielleicht von der Auffassung 
des Handelsgewinnes als Arbeitslohn ausgehend zur Aufstellung 
seines den ganzen Tausch beherrschenden Wertgesetzes kam. Doch 
ist letzterer Ausbau bei Duns Scotus nicht vollzogen. Zudem trägt 
seine Begründung des Handelsgewinnes in der Betonung der 
geistigen Unternehmerarbeit, in der Höhe des zugebilligten Ein- 
kommens, in der durch den Handel bewirkten melioratio rerum usw. 
einen mehr der subjektiven Werttheorie angemessenen Charakter. 

V. Das Darlehen. In der Stellungnahme zum Darlehens- 
vertrage steht Duns Scotus völlig auf dem Boden der traditionellen 
Anschauungen, ja urteilt in mancher Hinsicht noch schärfer als diese 1 ). 

1 ) Vgl. zum folgenden: Sent. 1. c. (17 — 19) (XVI II, 292 ff.); Rep. 1. c. seh. 2 
(23—27) (XXIV, 240 ff.). 



- 156 - 

Außer im alten Testamente sieht er an der bekannten Lucas- 
stelle des neuen Testamentes das Zinsverbot ausgesprochen. Wie 
seine Vorgänger erblickt er im Mutuum die Übertragung des 
Eigentums an einer Geldsumme verbunden mit der Verpflichtung 
zur Zurückzahlung einer gleichwertigen Summe. 

Die Gleichwertigkeit ist beim Gelde im allgemeinen leicht 
festzustellen. Das Mutuum ist nichts anderes als ein Tausch zweier 
verschiedener Geldsummen. Bonaventura gibt, wie oben erwähnt, 
diesem Gedanken in besonders sinnenfälliger Weise Ausdruck. 

Wirtschaftlich ist für Duns Scotus das Darlehen ein Akt des 
Wohltuns aus Mitleid; der Darleiher erweist seinem Nächsten, der 
sich in Not befindet, eine misericordia. Der Gedanke, daß das 
Darlehen eine andere Funktion erfüllen könnte, liegt gänzlich fern. 
In der Begründung des Zinsverbotes wendet sich Duns Scotus 
zunächst gegen die Meinung eines quidam, der den Zins 
deshalb für unerlaubt erkläre: »quia usus pecuniae est eius con- 
sumptio« x ). 

Seine eigenen Gründe sind die folgenden: Im Darlehen 
findet eine Eigentumsübertragung statt: »in mutui datione trans- 
fertur dominium : hoc enim sonat vocabulum mutuo, do tibi meum.« 
Der Darleiher kann dann konsequenter Weise für eine Sache, die 
nicht mehr sein Eigentum ist, nichts über die bloße Rückerstattung 



1 ) Duns Scotus wendet sich hier gegen die thomistische Begründung des Zins- 
verbotes : Thomas v. Aquin, Ricardus v. Mediavilla usw. hatten in der Weise argumentiert, 
daß beim Gelde Gebrauch, gedacht war hier an den principalis usus, die Verwendung im 
Tausche, und Verbrauch zusammenfiele. Das Geld könne daher nicht übertragen werden, 
ohne daß zugleich das Eigentum an demselben abgetreten werde; eine Verpachtung könne 
daher nicht stattfinden, weil es unmöglich sei, unter Zurückhaltung des Eigentums die 
Nutzung am Gelde besonders abzutreten. Der Zins sei ein doppelter Verkauf der- 
selben Sache. 

Er war nun von Seiten der Gegner des franziskanischen Armutsideals der spitz- 
findige Einwand gemacht worden, daß der Orden Geld verwende, daß er dies aber nicht 
könne, ohne das Eigentum daran zu besitzen ; von einer vollen Armut könne daher keine 
Rede sein. (Vgl. z. B. Bonaventura: Apol. Paup. c. XI [VIII, 312, 1 f.].) Nicolaus III 
statuierte 1279 das Eigentum der römischen Kirche an allen den Franziskanern zum 
Gebrauch oder Verbrauch überlassenen Dingen; also eine Trennung von dominium und 
usus. (Vgl. Scherer, Handbuch d. Kirchenrechts II, 738) (c. 3 in VI", 5, 12). 

Hierauf beruft sich Duns Scotus, und von der Möglichkeit einer Trennung von 
Eigentum und usus ausgehend, behauptet er die Möglichkeit einer locatio des Geldes: 
»Pecunia quantum ad suum naturalem usum, qui est quoddam pulchrum ad videndum 
et tangendum vel ordinandum aliquid, potest locari.« (Rep. 1. c.) 

Er selbst geht dann von der juristischen Tatsache einer Eigentumsübertragung im 
Mutuum aus. Die etwas sophistischen Distinctionen sind für die Begründung des Zins- 
verbotes nicht von sonderlicher Bedeutung. 



— i,57 — 

hinaus fordern. Andernfalls verkauft er etwas, was nicht ihm 
gehört, »pro non suo recipit sive vendit non suum.« 

Aber selbst, wenn diese Eigentumsübertragung nicht statt- 
fände, wäre ein Überschuß über das Kapital hinaus noch ungerecht. 
Denn, wenn auch dem Gelde für Produktion und Erwerb, beson- 
ders für den Handel, Bedeutung beizumessen ist, insofern als 
mit dem Gelde sich ein höherer Ertrag erzielen läßt, so liefert 
doch das Geld nicht diesen Mehrertrag, wie ein Baum z. B. neue 
Früchte hervorbringt, sondern »tantum provenit aliquis fructus ex 
industria alterius, scilicet utentis«; und er fügt hinzu »industria 
autem huius non est eius, qui concedit«. Auf einen Ertrag aber 
aus der Arbeit und Umsichtigkeit des Schuldners hat der Gläubiger 
keinen Anspruch. 

In Übereinstimmung hiermit steht der für die Restitutionspflicht 
wichtige Satz des Duns Scotus 1 ), daß Wucherer nur die Höhe des 
erwucherten Geldes zurückzugeben haben, nicht darüber hinaus 
noch etwa einen Zins, was allerdings nach dem Vorausgehenden als 
selbstverständlich erscheinen wird. Bereits Thomas von Aquin 
hatte dasselbe betont. Bemerkenswerterweise macht aber Duns 
Scotus darauf aufmerksam, daß dies im praktischen Leben leicht 
zu einer Ausdehnung des Wuchers führen könnte, indem manche 
erst durch Wucher Reichtum erwürben, dann mit diesem Geld 
erlaubte Gewinne erzielten und schließlich nur das unerlaubt er- 
worbene Wuchergeld zu restituieren brauchten. Deutlich tritt in 
diesen Worten zutage, daß Duns Scotus dem Gelde immerhin eine 
gewisse Produktivität zuerkennt, wenn es diese auch nur in Ver- 
bindung mit und in Kraft der humana industria besitzt. 

Das Argument von der Unverkäuflichkeit der Zeit, das z. B. 
Bonaventura vorbringt, wird von Duns Scotus im Sentenzenkommen- 
tar auf das Darlehen nicht angewendet und offenbar absichtlich 
nicht; denn in anderem Zusammenhange wird es uns später be- 
gegnen. Zum Verständnis dieser Erscheinung braucht nur an 
früher Gesagtes erinnert zu werden. Das Mutuum ist für Duns 
•Scotus ein contractus pro praesenti: Leistung und Gegenleistung 
erfolgen gleichzeitig; sobald die Leistung, die allerdings längere 
Zeit in Anspruch nimmt, erfüllt ist, erfolgt die Gegenleistung. 
Das Mutuum ist ebenso wie die Verpachtung eine commutatio 
statim facta. 



Sent. 1. c. (31) 



- 158 - 

Ein unberechtigter Verkauf des allgemeinen Gutes der Zeit 
kann also gar nicht in Frage kommen 1 ). 

VI. Die Zinstitel. Jeder Überschuß über das Kapital 
hinaus ist Wucher; nur in wenigen Fällen ist auf Grund besonderer 
Verhältnisse ein superfluum super capitale gestattet 2 ). 

a) Duns Scotus kennt einmal den Zinstitel der Conventional- 
strafe (poena Conventionalis) bei Zahlungsverzug, der von vorneherein 
ausbedungen werden darf. Er warnt vor einer Benutzung dieses 
Zinstitels zum Zwecke der Umgehung des Wucherverbotes. Wann 
dieses der Fall sei, könne leicht daran erkannt werden, ob der 
Darleiher lieber Einhaltung des vereinbarten Rückzahlungstermins 
wünscht oder Verpassung desselben 3 ). 

b) Der Zinstitel des interesse: Unter demselben versteht Duns 
Scotus offenbar den Schaden, der dem Gläubiger durch Zahlungs- 
verzug des Schuldners entsteht; der Schuldner ist zum Ersatz ver- 
pflichtet, mag ein besonderer Vertrag vorliegen oder nicht. 

c) Die Risikoprämie. Mit Berufung auf das kanonische Recht, 
das für den Handel (Kreditkauf) im Falle der Unsicherheit einen 
höheren Preis billigt, gestattet Duns Scotus auch im Darlehen, wenn 
die Rückzahlung" zweifelhaft ist, einen entsprechenden Ersatz. 

d) Auffallend ist, daß unter den bisher genannten Zinstiteln 
der des damnum emergens fehlt, d. h. der Ersatz des Schadens, 
der durch Gewährung des Darlehens entsteht. Duns Scotus scheint 
ihn an einer Stelle abzulehnen, wenn er vom Gläubiger sagt: »si 
non vult damnificari, pecuniam sibi necessariam reservet, quia 
nullus eum necessitat ad faciendam misericordiam proximo; sed 



x ) In den Rep. 1. c. seh. 2 (22) (XXIV, 239), wo ein höherer Verkauf einer 
Sache deshalb, weil der Käufer besonderen Vorteil erlangt, als unerlaubt hingestellt 
wird , heißt es : »Patet in usurariis , qui vendunt non damnum , sed necessitatem 
alterius, et tempus, quorum neutrum est illorum.« Man wird in dieser im Zu- 
sammenhange zufälligen Betonung des Zeitverkaufes im Wucher nur einen Widerspruch 
gegen den Sentenzenkommentar sehen können, wenn man nicht die etwas gekünstelte 
Annahme machen will, daß hier an den Kreditkauf gedacht wird. 

2 ) Sent. 1. c. (18 f.). — Rep. 1. c. seh. 2. (26 f.) (XVIII, 293 f.) (XXIV, 240 f.) 

3 ) Sent. 1. c. : »verbi gratia, ego indigeo peeunia mea ad mercandum, concedo 
tarnen tibi ad certum diem, adiieiens poenam conditionalem, quod nisi tali die solvas, 
quia multum damnificabor, solves postea tantum ultra. Haec poena adieeta licita est: 
quia licet me servare indemnem sie paemonendo illum, cum quo contraho.« Der Sinn 
der Stelle ist offenbar der, daß bei Vereinbarung der Strafe ein berechtigtes Interesse 
des Gläubigers an rechtzeitiger Zahlung vorliegen muß. Nicht wird dieser Zinstitel nur 
»als Kompensation des durch Zahlungsverzug wirklich entstehenden Schadens« aufgefaßt, 
wie Funk: »Über die ökon. Ansch. usw.« S. 159 annimmt. Es wäre doch dann die 
Aufstellung eines besonderen Zinstitels nicht berechtigt. 



— 159 — 

si vult misericordiam facere, ex lege divina necessitatur, ut non 
faciat eam vitiatam« 1 ). Doch will Duns Scotus hier die Meinung der- 
jenigen zurückweisen, die ganz allgemein einen Zins für erlaubt 
halten »quia licet unicuique in contractibus se servare indemnem.« 
Es dürfte bei diesem Schaden wohl mehr an das Entbehren des 
Geldes und ähnliches gedacht sein, nicht an eine positive Schädi- 
gung. In den Reportata hingegen heißt es ganz allgemein, der 
Schuldner sei dem Gläubiger gegenüber verpflichtet, »ut conservet 
eum indemnem«, so daß wir hierin wohl den Zinstitel des damnum 
emergens anerkannt sehen können 2 ). 

VII. Verkauf auf Kredit. Zum Schluß sind noch einige 
Verträge zu behandeln, die das Gemeinsame haben, daß der Händler 
den Verkauf seiner Ware nicht für den gegenwärtigen Zeitpunkt, 
sondern für einen späteren Termin beabsichtigt, sei es, daß dieser 
von vornherein für ihn feststeht, sei es, daß er eine Marktlage 
abwarten will, wo er möglicherweise höheren Preis und Gewinn 
erzielt. Der Käufer dagegen wünscht sofortige Lieferung der 
Ware, dagegen Kreditierung des Kaufpreises. Auf letzterer Grund- 
lage wird dann der Vertrag abgeschlossen. Es liegt also von Seiten 
des Kaufmanns ein Verkauf auf Kredit vor. Die Verwirklichung 
des Geschäftes ist für die Zukunft vereinbart. 

Duns Scotus stellt für diese Fälle zwei Regeln auf 3 ): einmal 
darf die Zeitdifferenz zwischen Leistung und Gegenleistung an sich 
keine Erhöhung des Kaufpreises mit sich bringen. Der Kaufmann 
darf die Zeit nicht verkaufen »quia tempus non est suum«. Ferner 
fordert Duns Scotus, daß der Preis im Hinblick auf die Möglich- 
keit eines Gewinnes oder Verlustes nicht einseitig zugunsten des 
Händlers festgesetzt werde. 

Auf Grund dieser allgemeinen Prinzipien nimmt Duns Scotus 
alsdann zu einigen speziellen Fällen Stellung, auf die auch hier 
kurz hingewiesen sein möge. 

a) Wenn der Verkäufer sofortigen Verkauf seiner Ware beab- 
sichtigt, jedoch später Zahlung erhält, dann muß der Preis so bemessen 
sein, daß er im Hinblick auf die Preis Verhältnisse im Augenblick 
der Ablieferung der Ware als gerecht bezeichnet werden kann. Eine 
Mehrforderung wegen Stundung der Zahlung ist nicht zulässig. 



*) Sent. 1. c. (26). 

2 ) 1. c. Funk a. a. O. S. 165 meint, im »interesse« seien die Zinstitel des lucrum 
cessans und damnum emergens zusammengefaßt. Nach dem Zusammenhang ist jedoch 
nur an den Fall des Zahlungsverzugs gedacht. 

3 ) Sent. 1. c. (201.) (XVIII, 303 f.). 



— i6o — 

b) Wird die Zahlung für einen späteren Termin vereinbart, 
wo der Kaufmann auf hohe Preise hofft, so kann der Preis gleich 
festgesetzt werden oder der Zukunft überlassen bleiben. Bei so- 
fortiger Festsetzung hat der Verkäufer das Recht, über das augen- 
blickliche iustum pretium hinaus »ratione dubii« etwas mehr zu 
fordern, weil der Wert des Gutes an dem fraglichen Termin un- 
sicher ist; jedoch kein »ita immoderatum pretium, quin tempore 
solutionis verisimiliter quandoque plus, quandoque minus valeat res 
vendita.« Im anderen Falle kann der Preis vereinbart werden, 
den das Gut am Zahlungstermin haben wird oder an einem Tage 
vorher, wo jedoch der Preis wahrscheinlich geringer sein wird, als 
an dem Termine selbst. In beiden Fällen wären die Bedingungen 
für den Käufer sehr günstig. Dagegen erklärt Duns Scotus einen 
Vertrag" von der Art für unstatthaft, daß der Verkäufer den 
höchsten Preis fordert, den das verkaufte Gut bis zum Zahlungs- 
termin gehabt hat. Dies wäre usura. »quia ponit se vel partem 
suam quoad lucrum ut in pluribus in tuto et illum, cum quo 
contrahit, ad damnum.« Zudem würde sich dabei der Verkäufer 
in einer Weise sichern, die ihm bei tatsächlich späterem Verkauf 
seines Gutes, wenn er keinen Verkauf auf Kredit vornähme, un- 
möglich wäre. Später müßte er an einem bestimmten Termine 
verkaufen, müßte sich aber der Möglichkeit aussetzen, nicht den 
Augenblick günstigster Preislage abgewartet zu haben. 

VIII. Abschließende Bemerkungen. Der kritische Geist, 
der das ganze scotistische System durchzieht, spiegelt sich in seinen 
wirtschaftlichen Anschauungen wieder. In einigen Punkten bei 
der Lehre vom Eigentum, Handel, Wucher, hat sich dies gezeigt; 
vor allem aber in der prinzipiellen Fassung des iustum pretium, 
indem die Durchführung des Gewinnprinzips im Tausche zu einer 
gewissen Erschütterung der alten Auffassung vom Werte führt. 
Das Nähere ist bereits gezeigt worden. Die Besonderheiten der 
scotistischen Anschauungen mögen teilweise in einem etwas über- 
mäßigen Streben nach Kritik ihren Grund haben; zum Teil haben 
sie aber auch ihren Grund in der Beobachtung" der realen Ver- 
hältnisse des Wirtschaftslebens. Vor allem von seiner Wertlehre 
und seiner Stellung zum Handel dürfte dies gelten. 

Im folgenden werden uns die Wirkungen des Auftretens des 
Duns Scotus beschäftigen. 



Zweiter Abschnitt. 

Die Auflösung der Lehre vom gerechten Preise; 
Prinzip der Vertragsfreiheit. 

§ 1. Aegidius Lessinus. 

I. Aegidius Lessinus 1 ) war ein Dominikaner, der in der Nähe 
von Paris in einem Kloster lebte. Die Datierung seines Lebens 
ist unsicher. Er ist ein Schüler des Thomas v. Aquin. Wenn 
seine wirtschaftlichen Anschauungen an dieser Stelle behandelt 
werden, so geschieht es im Hinblick darauf, daß sie über Duns 
Scotus hinaus einen derartigen Fortschritt bedeuten, daß sie zum 
mindesten sachlich in diesem Zusammenhange zu erörtern sind, 
auch wenn vom rein chronologischen Standpunkte die Recht- 
mäßigkeit dieser Anordnung sich nicht nachweisen läßt. 

Von seinen Schriften ist ganz nur ein ziemlich umfangreicher 
Traktat »De usuris« erhalten, der eine Zeitlang Thomas v. Aquin 
zugeschrieben wurde und deshalb in der Ausgabe seiner Opuscula 
als Op. 73 wiederholt gedruckt ist. Der Verfasser steht an Schärfe 
des Denkens weit hinter Thomas zurück. Die Darstellung ist 
nicht immer ganz klar, hier und dort reichlich weitschweifig, so- 
daß es zuweilen schwer ist, aus seinen Erörterungen den wahren 
Sinn herauszufinden. Gleichwohl sind seine wirtschaftlichen An- 
schauungen von größter Wichtigkeit, sodaß es unrecht wäre, 
etwa diesen Traktat so zu vernachlässigen, wie es bisher meist 
geschehen ist. 

IL Wertlehre: Wir behandeln zunächst seine Wertlehre. 
Dieselbe trägt einen ausgesprochen subjektiven Charakter. Aegidius 
geht davon aus, daß es der Zweck der wirtschaftlichen Güter sei, 
den Menschen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu dienen 2 ); 
und je nach dem Maße, wie sie diesem Zwecke gerecht werden, 
bemißt sich ihr Wert: ». . . requiritur, quod commensuratio ipsarum 
rerum fieri debeat in magis et minus habere in valore, secundum 

*) K. L. I. 254 f. Hurter II. 386. 

2 ) Op. 73, c. 3. 
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 11 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— IÖ2 — 

quod magis et minus habent de utilitate et necessitate ad vitam 
humanam« 1 ). Näherhin unterscheidet Aegidius zwischen einem 
doppelten Wert: einem valor »secundum rationem substantiae« 
und einem valor »secundum rationem usus vel fructus«. Unter 
ersterem versteht er den durchschnittlichen, normalen, einem Dinge 
an sich inhärenten Wert, in Abstraktion von dem Nutzen und 
der Bedeutung eines Gutes für den Menschen unter bestimmten 
Verhältnissen; der Nachdruck liegt auf der Substanz der Dinge. 
Letzteres ist der tatsächliche, im Augenblick vorhandene Wert, 
dessen Größe sich nach der Bedeutung des Gutes für einen be- 
stimmten Menschen unter bestimmten Verhältnissen bemißt. Er 
ist schwankend und veränderlich, während ersterer seiner Natur 
nach sich mehr gleichbleibt: »ex fructu rerum et usu ipsarum 
accidit, quod valor ipsarum naturaliter inter homines augetur et 
minuitur« 8 ). 

Wenn nun Aegidius auch betont, daß der Substanzwert an 
sich unveränderlich sei, so darf dies doch nicht dahin verstanden 
werden, als ob nun dieser Wert für alle Zeiten derselbe bleibe, 
etwa gleich Nützlichkeit zu nehmen sei. Aus dem eben ange- 
führten Worten könnte man freilich schließen, daß die Veränder- 
lichkeit des Wertes lediglich auf den Nutzwert gegründet würde. 
Dem widerspricht aber, daß Aegidius erklärt, im Darlehen dürfe 
nur auf den Substanzwert gesehen werden, und doch eine Ver- 
änderung im Werte des dargeliehenen Kapitals in weitgehendem 
Maße berücksichtigt 3 ). Der Substanzwert ist vielmehr einfach der 
Wert, den eine Sache an sich nach allgemeiner Schätzung hat, 
der also unter bestimmten Verhältnissen als fest erscheint, also 
gleich dem Nutzen für das menschliche Leben ist 4 ); im Gegensatz 
zum Nutzwert, d. h. zu der Bedeutung, die jemand unter kon- 
kreten Verhältnissen einem bestimmten Gute beilegt nach dem 
Nutzen, den er aus demselben zu erlangen hofft. 

Der Wert der Güter kann aus vielerlei Gründen verschieden 
und Schwankungen unterworfen sein. Maßgebend hierfür ist die 
Natur der Dinge selbst, die Lage der Personen, die den Gütern 
gegenübertreten, sowie Ort und Zeit; letztere zumal insofern, als 
sie auf die vorhandene Menge des betreffenden Gutes von Ein- 



x ) 1. c. c. IX, p. I. cf. c. X: »unaquaeque rei aestimatio iusta dependet ab utilitate 
vel necessitate ipsius rei.« 

2 ) 1. c. 

3 ) Vgl. z. B. c. VIII. 

*) Vgl. c. X, sowie im Folgenden. 



- i6 3 — 

fluß sind, und dadurch die subjektiven Schätzungen bestimmen, 
so z. B. ist das Getreide im Herbst unmittelbar nach der Ernte 
billiger als im Frühjahr 1 ). 

Auf dem subjektiven Prinzip des menschlichen Bedürfens 
beruhen auch die anderen werttheoretischen Gesetze, die Aegidius 
aufstellt, und über deren Verwendung im einzelnen später zu 
handeln ist; wie der Gedanke, daß ein vollendetes Gut einen 
höheren Wert besitzt als ein unvollendetes 3 ). 

Insbesondere wird der Einfluß der Zeit auf die Wert- 
schätzung der Güter hervorgehoben: »etiam res futurae per tempora 
non sunt tantae extimationis, sicut eaedem collectae in instanti nee 
tantam utilitatem inferunt possidentibus, propter quod oportet, quod 
sint minoris extimationis seeundum justitiam« 3 ). Gegenwärtige 
Güter werden höher bewertet, als dieselben Güter, wenn sie erst 
in späterer Zeit nach und nach in einzelnen Raten dem Besitzer 
zufallen. Ein Satz, in dem wenigstens im Keime ein Prinzip ent- 
halten ist, aus dem in neuerer Zeit Boehm-Bawerk die Erscheinung 
des Zinses zu erklären versucht hat 4 ). Aegidius wendet denselben 
allerdings, wie wir noch sehen werden, auf den Darlehenszins 
nicht an. 

III. Das Prinzip der Vertragsfreiheit: Auf Grund seiner 
Wertlehre nimmt nun Aegidius zum Tauschvertrage Stellung. 
Der Tausch ist beherrscht vom Gewinnprinzip: »de natura huius 
contractus potest quis sperare ultra id, quod datur« 6 ). 
Für Kauf und Verkauf ist nicht der normale Substanzwert maß- 
gebend, dessen Gleichsetzung im Tausche etwa anzustreben wäre, 
sondern für jeden der beiden Kontrahenten ist seine persönliche 
Schätzung bestimmend, die er einem Gute entgegenbringt: Das 
Maß des Nutzens, das er vom Tausche erwartet, ist für sein Ver- 
halten maßgebend. So stellt Aegidius den Satz auf: »tan tum 
res extimatur juste, quantum ad utilitatem possidentis 

a ) c. IX. p. i. cf. c. VIII. 

2 ) c. VIII. i. f. 

3 ) c. IX. p. 2. Im römischen Rechte finden sich ähnliche Sätze, in denen der 
Einfluß der Zeit auf die Wertschätzung betont wird, z.B. 1. 12. § 1. D. L. 16.: »minus 
solvit, qui tardius solvit, nam et tempore minus solvitur.« Weitere Stellen bei Oert- 
mann a. a. O. S. H2f. Bei dem verschiedenen Charakter der Stellen dürfte eine un- 
mittelbare Beeinflussung durch das römische Recht bei Aeg. kaum anzunehmen sein. 
Der von Oertmann a. a. O. den Kanonisten gemachte Vorwurf, sie hätten die Be- 
deutung der Zeit für die Wertschätzung übersehen, ist also unberechtigt. 

4 ) Vgl. Positive Theorie d. Kapitals, S. 426 ff. Über das Darlehen S. 486 ff. 
6 ) c. IX. p. 1. 

11* 



r 



— 164 — 

refertur et tantum juste valet, quantum sine fraude vendi 
potest« 1 ). 

Schon der Wortlaut des Satzes verlangt einen Vergleich mit 
Heinrich von Gent: letzterer lehnt das römisch-rechtliche Prinzip 
der Vertragsfreiheit ab und verlangt möglichste Einhaltung des 
normalen Wertes der Güter; ein fest bestimmter Wert erscheint 
als gerecht. Dieser Inhalt der Lehre vom gerechten Preis ist bei 
Aegidius gefallen. Er kennt zwar noch den abstrakten Substanz- 
wert, aber für den Tausch kommt demselben keine Bedeutung zu. 
Die Vereinbarung des Preises wird der libera voluntas 2 ) der Kon- 
trahenten überlassen. Ein Überschuß des gezahlten Preises über 
den normalen Wert hinaus ist an sich nicht ungerecht. Die Ge- 
rechtigkeit im Tausche besteht zunächst darin, daß beide Parteien 
sich von betrügerischen Manipulationen, die zu einer Täuschung 
über den Wert der Güter führen könnten, fernhalten. Bezweckt aber 
ist mit dem Prinzip der Freiheit, daß das Ziel des Tausches, die Er- 
reichung eines Gewinnes, verwirklicht wird. So rechtfertigt Aegidius 
eine Vertragsart: »quia uterque talia facit pro utilitate sua 
propria«. Für die Erzielung eines Gewinnes aber sorgen die 
Kontrahenten in der Regel selbst. Und so kommt Aegidius dazu, 
als entscheidend für die Gerechtigkeit eines Vertrages den »freien 
Willen« der Tauschenden anzusehen und daher den Satz aufzu- 
stellen: »omnis translatio facta libera voluntate dominorum 
iuste fit« 3 ). Hiermit ist noch ein wesentlicher Schritt über Duns 
Scotus hinaus getan. 

Der Einfluß dieser Auffassung vom Tausche zeigt sich unver- 
kennbar in der Stellung, die Aegidius zum Geldwechselgeschäft 
einnimmt. Er bringt zwar noch die früheren Gründe zur Recht- 
fertigung dieses Geschäftes, daß dem Wechsler ein Arbeitslohn 
gebühre usw., aber neu gegenüber der früheren Zeit und ein Aus- 
fluß seiner Wertlehre ist der Gedanke, daß die »ars necessaria 
et licita« deswegen erlaubt sei: »quia dicit actum iustitiae et 
libertatis per ampliorem utilitatem dati apud accipientem 
a campsore quam accepti ab ipso« 4 ). Das Geldwechsel- 
geschäft findet seine Berechtigung in dem Nutzen und Gewinn, 



*) 1. c. 

2 ) 1. c. 

3 ) 1. c. vgl. den ähnlichen Satz: »quidquid emens vel vendens amplius accipiant 
quam dederint, iuste accipiunt et ut suum factum libera voluntate dominorum«. 

*) c. XIII; ib.: »Ideo illud, quod plus accipi videtur, transit in dominium acci- 
pientis per simplicem voluntatem dantis«. 



- i6 5 - 

den derjenige, der sich Geld wechseln läßt, von der Umwechslung 
seines Geldes erzielt. 

IV. Das Darlehen: Das Darlehen ist nach Aegidius Lessi- 
nus seinem Wesen nach unentgeltlich: »mutuum gratuitum fieri 
debet de natura mutui« 1 ). Diesem Wesen des Darlehens wider- 
streitet es, wenn der Gläubiger daraus Gewinn erzielen will: Mutuum 
date nihil inde sperantes. Und der Darlehenswucher ist nichts 
anderes als die Hoffnung auf Gewinn in diesem seiner Natur nach 
unentgeltlichen Vertrag 2 ). 

Mit dem Gesagten ist bereits der Unterschied zwischen Kauf 
und Verkauf einerseits und dem Darlehen andererseits gegeben; 
erstere sind beherrscht von dem Streben nach Gewinn, was bei 
letzterem ausgeschlossen ist. Bei ersterem dürfen beide Parteien 
die zu tauschenden Güter nach dem Nutzen schätzen, den sie ihnen 
gewähren, und sind in der Festsetzung des Preises völlig frei; 
bei letzterem ist dies nicht gestattet, hier wird vielmehr Gleichheit 
des Substanzwertes gefordert. Der Gläubiger darf nur so viel 
zurückfordern an Wert, wie er ausgeliehen hat, und sich nicht 
etwa durch den Nutzen bestimmen lassen, den der Schuldner von 
den dargeliehenen Gütern erwartet. Fordert er mehr, so liegt 
Wucher vor 3 ). 

Der Wucher kann seiner Materie nach in allem bestehen, 
was durch Zahl, Maß oder Gewicht bestimmbar ist. Er kann in 
den Formen des einfachen Zinses oder Zinseszinses erhoben werden. 
Besondere Arten sind die centesima (100% des geliehenen Kapitals) 
und die emiola [50 %] 4 ). 

Die Verwerflichkeit des Zinses ergibt sich, abgesehen davon, 
daß er dem Wesen des Darlehens widerstreitet 5 ), noch aus fol- 
genden Gründen: a) das Zinsnehmen geht hervor aus der Sucht 
nach grenzenlosem Erwerb, indem das Geld nicht seiner Natur 
gemäß als Vermittler des Tausches gebraucht wird, sondern, um 
mit ihm wieder Gewinn zu erzielen, ein Gedanke, der, wie bekannt, 
auf Aristoteles zurückgeht 6 ), b) Der Wucher ist arbeitsloses Ein- 
kommen. Es liegt in ihm eine Aneignung fremder Arbeit vor: 

!) c. III, cf. c. VII; c. XIV; c. XV, und sonst. 

2 ) c. XIV. 

3 ) c. IX, p. I: »Et ideo nihil ultra valorem rei sperare debet mutilans ex usu 
rei mutuatae, quia ratione substantiae transfertur mutuum et non ratione usus.« 

4 ) c. II. 

5 ) c. III. cf. c. IV. 
8 ) c. IV. cf. c. XX. 



— 166 — 

Der mit dem Gelde erzielte Mehrertrag stammt »ex propria opera- 
tione et sollertia« des Gebrauchers 1 ), c) Dem Wucher liegt eine 
pretentio aequalitatis zugrunde, eine ficta aequalitas: Der Zins wird 
festgesetzt nach der Dauer des Ausleihens des Kapitals. Es wird 
also die Zeit verkauft, die ein allgemeines Gut ist — »a Deo 
datur aequaliter« 2 ) — und den Wert der Waren — hier ist an den 
Substanzwert zu denken — an sich nicht beeinflußt 3 ). Der Zins 
widerstreitet also göttlichem und natürlichem Recht 4 ). 

Es sei noch kurz darauf hingewiesen — eine Frage, die weit- 
läufig behandelt wird — , daß die Verpflichtung des Schuldners 
das Gleiche zurückzuzahlen, was er empfangen hat, sich auf den 
Wert der Güter bezieht. Ändert sich dieser in der Zeit zwischen 
Leistung und Gegenleistung, so kann der Gläubiger unter Um- 
ständen ein größeres Quantum verlangen, das dem hingegebenen 
Quantum an Wert entspricht 5 ). Der Gläubiger kann auf diese 
Weise z. B. dem Schaden einer Geldentwertung, mag dieselbe in 
einem positiven Gesetz oder in der Natur des Geldes ihren Grund 
haben, entgehen : Er leiht dem Schuldner eine bestimmte Geldsumme 
und verpflichtet ihn das Gleiche an Wert zurückzuzahlen und zwar 
gemessen an einer anderen Münzsorte. Tritt nun beim dargeliehenen 
Gelde aus irgendwelchen Ursachen eine Entwertung ein, so erhält 
der Gläubiger in diesem Falle nominell mehr zurück als er hin- 
gegeben hat 6 ). 

Im übrigen hat es weder Zweck noch Interesse die verschie- 
denen Möglichkeiten, die Aegidius im Hinblick auf etwaige Wert- 
veränderungen des ausgeliehenen Kapitals aufwirft und löst, im 
einzelnen zu verfolgen. Sie sind im allgemeinen von dem Be- 
streben beeinflußt, dem wirtschaftlichen Verkehr das Maß an 
Freiheit zu gewähren, das ohne Aufhebung des Zinsverbotes noch 
möglich ist. 



*) c. XX cf. c. IV: »Constat autem, quod nee labore aliquo fit recompensatio in 
contractu vel acquisitione usurae, quia tantum lucratur fenerator dormiens sicut vigilans 
et in diebus solemnibus sicut in feriis communibus.« 

2 ) c. IV. cf. c. VI; c. VIII; c. XIV. 

3 ) c. VIII. cf. c. IX, p. I: Die Zeit ist auf den Wert der Dinge von Einfluß, 
insofern sie der Natur der Dinge nach eine Veränderung bewirkt; so ist z. B. das Ge- 
treide der Jahreszeit nach von verschiedenem Wert, »potest etiam in contractibus tempus 
considerari, ut nihil conferens vel auferens de valore rei ex natura temporis, sed tantum 
consideratur ut mensura durationis extrinseca.« 

4 ) z. B. c. XV. 

5 ) c. VI und sonst. 

6 ) c. XIV. 



— 167 — 

Die Theorie der Zinstitel ist nicht weiter entwickelt 1 ). Das- 
selbe ist bezüglich der Frage der Eigentumsübertragung am er- 
wucherten Gelde zu sagen: Aegidius beschränkt sich auf die Fest- 
stellung, daß nach menschlichem Rechte eine Eigentumsübertragung 
stattfände, während dies nach göttlichem und natürlichem Rechte 
nicht der Fall sei 2 ). 

V. Kauf und Verkauf auf Kredit: Die Anschauungen, 
die Aegidius bezüglich der Preisfestsetzung für die Fälle, wo Leistung 
und Gegenleistung zeitlich auseinanderfallen, vertritt, sind im Kerne 
die althergebrachten ; gleichwohl tragen auch sie in gewissem Sinne 
eine neue Färbung, insofern als in verstärktem Maße die freie 
Vereinbarung der Kontrahenten betont wird. 

Wenn wir uns daran erinnern, daß das Mittelalter die For- 
derungen des Darlehensverkehrs auch auf alle die Fälle ausdehnt, 
wo die Zahlung zeitlich vor Empfang der Ware erfolgt, oder um- 
gekehrt eine Stundung des Kaufpreises stattfindet, indem in allen 
diesen Fällen ein Tausch von Geld gegen Geld und damit etwas 
dem Mutuum Ähnliches erblickt wurde, so werden wir uns nicht 
wundern, daß das, was beim Darlehen als Wucher bezeichnet 
wurde, auch hier als unerlaubt hingestellt wird. Auch in diesen 
Kreditgeschäften muß daher der Substanzwert zugrunde gelegt 
werden. Zahlt daher der Käufer früher als er die Ware empfängt, 
so darf er wegen dieser früheren Zahlung allein »causa temporis« 
einen Preisnachlaß nicht fordern und umgekehrt darf der Ver- 
käufer bei Kreditierung des Preises »propter credentiam ipsam« 
keine Preiserhöhung vornehmen. Die Zeit verändert eben den 
(Substanz-) Wert der Dinge an sich nicht 3 ). 

Das hindert aber nicht, daß aus vielerlei anderen Gründen 
eine Preisänderung vorgenommen werden kann 4 ): Bei früherer 
Zahlung darf der Käufer einen vom Verkäufer »gratis et libera- 
liter« gewährten Preisnachlaß annehmen; eine Bestimmung, womit 
den früheren Erörterungen wohl die praktische Bedeutung zum 
größten Teile genommen ist, indem letzten Endes alles der freien 
Vereinbarung der Kontrahenten überlassen ist. Auch darf der 
Käufer einen geringeren Preis für die Waren zahlen, wenn ihm 
durch die frühere Zahlung ein Schaden erwächst. 

*) c. VI; c. VII. 

2 ) c. V. cf. c. XX. Vgl. überhaupt die Restitutionslehre, die in den Kapiteln 
XVII — XXI gegeben wird. 

3 ) c. VIII, cf. c. X. 

*) Vgl. zum Folgenden die in der vorigen Anmerkung angegebenen Stellen. 



— i68 — 

Eine Kreditierung des Kaufpreises kann aus verschiedenen 
Gründen stattfinden: sie kann mit der Natur des betreffenden 
Geschäftes gegeben sein, oder vom Verkäufer freiwillig gewährt 
werden, oder in der Armut des Käufers ihren Grund haben. Ab- 
gesehen davon, daß in letzterem Falle eine Preiserhöhung gestattet 
ist im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die der Verkäufer mit 
der Erlangung seines Geldes wegen der Zahlungsunfähigkeit des 
Käufers haben wird, ist in allen anderen Fällen eine Preiserhöhung 
dann gerechtfertigt, wenn der allgemeine Preis der Waren aus 
irgendwelchen Gründen sich in der Zwischenzeit verändert hat; 
insbesondere darf der Händler, der eine Ware zu einem späteren 
Termin zu verkaufen beabsichtigt, wo »der Nutzen derselben für 
das menschliche Leben«, also der Substanzwert ein höherer ist, 
bei früheren Verkäufen den Preis stunden und erhöhen; eine Be- 
stimmung, die vor allem für den mittelalterlichen Getreidehandel 
von größter Bedeutung war, indem der Händler im Herbst nach 
der Ernte zu billigem Preise kaufte und im Frühjahr teuerer ver- 
kaufte. Es war ihm so bei etwaigen früheren Verkäufen der 
Gewinn gesichert. Den teilweise zu sehr ins einzelne gehenden 
Erörterungen brauchen wir hier nicht zu folgen. 

VI. Das Gesellschaftsunternehmen 1 ): Die Sozietät wird 
in ähnlicher Weise behandelt, wie dies schon von Thomas geschehen 
war: Der Geldgeber bleibt Eigentümer des eingezahlten Kapitals 
und nimmt an der Gefahr des Unternehmens teil. Aegidius faßt das 
Gesellschaftsverhältnis mehr als das Verhältnis eines Herrn zu 
seinem Diener auf. Er betont, der Kapitalist könne Gewinn er- 
hoffen: »quia tunc commissa est pecunia vel res alia sicut servo 
et ministro, qui de re domini negotiatur ad utilitatem domini sui«. 
Entscheidend für den Charakter des Gesellschaftsunternehmens ist 
die Eigentumsvorbehaltung; denn letztere nimmt dem Vertrage 
die Eigenschaft des Darlehens und gestattet so die Hoffnung auf 
Gewinn. Gewährung eines Darlehens mit Risikoübernahme recht- 
fertigt einen Zins nicht: »Et quia in mutuis vitium usurae annexum 
est: ex eo, quod fiant spe lucri . . . ideo, quia dubium et periculum de 
sua natura non tollunt hanc vitiositatem a mutuo, quando fit spe 
lucri, nee dubium nee periculum excusare possunt vitium usurae« 2 ). 

VII. Rentenartige Verträge. Die Ausführungen hierüber 
bieten in vielen Punkten nichts Neues. Wir können uns daher 



J ) Vgl. zum Folgenden c. XI. 

2 ) c. VI. Mit Berufung auf c. 19 X. V, 19. 



— 169 — 

sehr kurz fassen. Aegidius selbst behandelt nur wenige Fälle 
von Rentenverträgen. 

Zunächst wird die Frage erörtert, ob es gestattet sei, von einer 
Kirche oder einem Kloster gegen Zahlung einer einmaligen Geld- 
summe bestimmte Besitzungen oder Renten auf Lebenszeit zu er- 
werben 1 ). Aegidius tritt für die Erlaubtheit derartiger Verträge ein, 
zunächst vom Standpunkte des Eigentumsrechtes aus: die Ver- 
käufer in diesen Verträgen könnten frei über ihr Eigentum 
verfügen, könnten mithin auch Besitzungen und Renten auf Lebens- 
zeit verkaufen; ein neuer Beweis für den mehr liberal-individuali- 
stischen Zug, der das ganze System der wirtschaftlichen Anschau- 
ungen des Aegidius durchzieht 2 ). Er betont ferner, daß hier ein 
Kauf bzw. Verkauf vorliege, daß deshalb beide Parteien Gewinn 
erstreben dürfen: Die Güter würden »ad utilitatem possidentis« ge- 
schätzt, und wenn auf beiden Seiten freie Einwilligung vorliege, 
so mache schon der freie Wille beider Parteien den Vertrag er- 
laubt. Zudem sei es wegen der Ungewißheit der Lebensdauer 
des Käufers zweifelhaft, wer den größeren Vorteil ziehen werde, 
und ein solches dubium mache die Bedingungen des Vertrages 
für beide Parteien gleich 3 ). Von einem Darlehen, betont er, sei 
ein derartiger Vertrag grundsätzlich verschieden: Der Gewinn, 
den Käufer und Verkäufer hier erstreben, hängen mit der gekauften 
Sache selbst zusammen, sei de natura sortis, und falle nicht wie 
beim Mutuum der Zins äußerlich hinzu 4 ). Der Zins im Darlehen 
ferner werde nicht freiwillig gewährt, wie ein etwaiger Überschuß 
bei einem solchen Vertrage. Das Geld erzeuge nicht wie beim 
Mutuum wieder Geld, das Kapital bleibe nicht unangetastet, was 
im Begriff der Zeugung liege, sondern werde allmählich aufge- 
braucht, indem der Käufer einer Rente nicht das Recht habe, das 
gezahlte Kapital zurückzuverlangen. 



*) "Vgl. zum Folgenden c. IX, p. 1. 

2 ) 1. c. : »Dicimus etiam quarto, quod verus dominus rei sicut potest dare vel 
vendere proprietatem rei vel usum seu fructus alicuius possessionis simpliciter quantum 

"ad omne tempus, sie potest dare vel vendere quantum ad tempus determinatum vel 
particulare: Omnia ista probantur per veram rationem dominii.« 

3 ) "Vgl. hierzu noch c. VI. 

4 ) Der Begriff sors wird von Aeg. gleich »res iuste possessa vel debita alicui 
personae« bestimmt und erklärt: »hoc .... dicitur sorti aeeidere, quod non pertinet ad 
proprietatem sortis.« cf. c. VIII. Auf den Ertrag eines Ackers z. B. hat sich daher 
der Käufer desselben ein Recht erworben, das ihm auch dann nicht verloren geht, wenn 
er über den Kaufpreis gewinnt. So gehört auch der etwaige Mehrgewinn aus dem 
Rentenkauf zu dem, worauf der Käufer einen rechtlichen Anspruch hat. 



— 170 — 

Die zweite Frage, die Aegidius aufwirft, ist die folgende 1 ): 
Es bezieht z. B. jemand aus einer Pfarrei oder einer sonstigen 
Quelle ein jährliches Einkommen, eine Rente. Nun verkauft er 
dieselbe auf eine bestimmte Reihe von Jahren zu einem geringeren 
Preise als die einzelnen Posten der jährlichen Rente zusammen 
addiert ergeben. Auch dieser Vertrag wird als erlaubt bezeichnet: 
Aegidius geht von der Auffassung des Kaufs und Verkaufs aus, 
die das Streben nach Gewinn zulassen: der Verkäufer erwartet 
von der Geldsumme, die er sofort bekommt, einen größeren Vor- 
teil als ihm die jährliche Rente bringen könnte. Deswegen willigt 
er frei in den Vertrag ein, was diesen schon an sich erlaubt macht. 
Vor allem stützt sich Aegidius auf das oben erwähnte werttheo- 
retische Prinzip, daß eine zukünftige Geldsumme, die erst nach 
und nach zusammenkomme, geringer bewertet werde als dieselbe 
Summe, wenn sie augenblicklich gegenwärtig ist 2 ). Der Über- 
schuß hat deshalb nichts Bedenkliches und gehört zum Inhalt des 
Vertrages. Der Käufer der Rente erwirbt den ganzen Ertrag 
während der bestimmten Zeit. Der Gewinn ist daher mit der 
sors innerlich verbunden und steht nicht nur in einem äußerlichen 
zufälligen Zusammenhange. 

VIII. Rückblick. Bei Aegidius kommt zuerst die etwas mehr 
liberale Gesinnung, deren allmähliche Entwicklung im vorigen Ab- 
schnitt dargestellt ist, zur Entfaltung. Sie äußert sich in einer 
Aufgabe der alten Lehre vom justum pretium; die Vereinbarung 
des Preises wird unter Voraussetzung des Gewinnprinzips der freien 
Vereinbarung überlassen, ein Gesichtspunkt, der, wie wir sahen, 
z. B. bei den Rentenverträgen mit Geschick verwertet ist. Von 
größter Bedeutung ist ferner die Scheidung zwischen dem Werte 
secundum rationem substantiae und secundum rationem usus et 
fructus, die wie gezeigt, eine Aufrechterhaltung der Zinslosigkeit 
des Darlehens und der übrigen Kreditverträge möglich macht. 
Das Darlehen nimmt so eine völlig isolierte, von den Tauschver- 
trägen gänzlich verschiedene Stellung ein. 

Natürlich ist die Idee der Freiheit der Vereinbarung des Preises 
bei Aegidius verschieden von den modernen Gedanken des Indivi- 
dualismus, der den inneren Kräften eines kapitalistischen Wirtschafts- 
lebens freien Lauf lassen will. Die Verurteilung des kapitalistischen 
Gewinnstrebens bei Aegidius kommt deutlich in seiner Lehre vom 

1 ) Vgl. zum folgenden c. IX, p. 2. 

2 ) Vgl. oben S. 163 cf. ib.: »pluris valoris extimatur res aliqua praesens et collecta 
quam futura et divisa.« 



— 171 — 

turpe hierum zum Ausdruck. Es ist hierunter jener Gewinn ver- 
standen, der zwar nicht direkt ungerecht, aber gleichwohl zu ver- 
abscheuen ist. Der Tausch ist nach Aegidius nur berechtigt »propter 
necessitatem vitae humanae, quae de se finita est in suis indi- 
gentiis« 1 ). In diese Grenze ist also auch das Gewinnstreben gebannt. 
Die Überschreitung derselben ist eben das turpe lucrum, das dann 
vorliegt, wenn ein Geschäft abgeschlossen wird: »non propter finem 
debitum humanae vitae, sed propter avaritiam, cuius non est finis« 2 ). 
Daher wird denn auch z. B. eine kapitalistische Ausnützung des 
Rentenkaufes verurteilt. »Vitium autem turpis lucri .... tunc 
in ipso ineidit, quando aliquis dives sibi sufficiens ad vitam et 
seeundum rei naturam et personae et seeundum statum personae 
tales redditus emit, ut divitior fiat et plures divitias sine iusta et 
pia necessitate acquirat« 3 ). Dem Gewinnprinzip im Tausche stellt 
sich also das mittelalterliche Bedarfdeckungsprinzip einschränkend 
zur Seite. 

Es mag immerhin die Weitschweifigkeit und gelegentliche 
Undeutlichkeit der Ausführungen des Aegidius zu tadeln sein. In- 
haltlich gehören seine Ideen zu den fortgeschrittensten des Mittel- 
alters überhaupt. Sie kommen jedenfalls den Forderungen des 
aufblühenden Wirtschaftslebens in einer Weise entgegen, wie es 
bei den übrigen Denkern des Mittelalters selten zu finden ist. 

Anmerkungsweise seien verschiedene Werke genannt, denen 
für die Entwicklung der mittelalterlichen Wertlehre kaum Bedeutung 
zukommt. 

i. Die Summa Astesana, von einem unbekannten Franzis- 
kaner des 14. Jahrhunderts um 13 17 verfaßt (vgl. K. L. I, 1523 f.). 
Sie ist eine zum größten Teil wörtliche Kompilation aus Albertus, 
Thomas, Scotus, Ricardus usw. Die einzelnen Lehren über Tausch, 
Handel, Rentenkauf usw. können daher übergangen werden. Die 
verschiedenen Anschauungen über den Wert werden unausgeglichen 
nebeneinander vorgebracht. Einmal wird Gleichheit des Markt- 
preises im Tausche gefordert (z. B. P. I, 1. 3, a. 5, q. 3). An anderer 
Stelle heißt es vom Wechselgeschäft: »Et servatur ibi iustitia simi- 
lis illi, quae est in emptione et venditione, quia fit ibi recompen- 
satio seeundum ampliorem utilitatem dati apud reeipientem a camp- 
sore quam reeepti ab eo«. Der Kursgewinn des Wechslers beruht 
vor allem darauf, daß der Wert des Geldes in doppelter Weise 

x ) c. IV. 

2 ) c. IX, p. I. 

3 ) 1. c. 



— 172 — 

bestimmt sein kann: »secundum materiam« und »secundum legem 
positivam«. Das Auseinanderfallen beider kann vom Wechsler 
ausgenutzt werden (P. I. 1. 3, a. 5). 

2. Walter Burleigh (Burlaeus) (1275 — 1337, Schüler des 
Scotus vgl. K. L. II, 1542 f; Stöckl, Geschichte II, 1042 f) verfaßte 
einen Kommentar zur nikomachischen Ethik, der offenbar von 
Thomas abhängig ist. Die Wiedervergeltung erfordert Gleichheit 
der beiderseitigen Aufwendungen (cf. 1. V. c. 5. t. 1. pH, [S. 83]). 

3. Thomas von Strassburg 1 ) (gest. 1357), Verfasser eines 
Sentenzenkommentars. Es finden sich bei ihm höchstens gelegent- 
liche Bemerkungen, so wenn er betont, daß der Preis bestimmt 
werde im Hinblick »ad materiam et ad opus artificis« 2 ). Den 
Handel billigt er 3 ). Die Frage des Zinses wird kaum erörtert. 
Nur erklärt er, daß der Gläubiger im Falle, daß ihm durch Zahlungs- 
verzug des Schuldners ein Schaden erwachse, vollen Ersatz bean- 
spruchen dürfe, wenn dieser Schaden klar sei: wenn z. B. der 
Gläubiger selbst zur Fortführung seines Geschäftes ein verzinsliches 
Darlehen hat aufnehmen müssen. Für den bloßen Entgang eines 
möglichen Gewinnes soll Ersatz geleistet werden nach den 
Schätzungen eines »fidelis et iustus mercator« 4 ). 

§ 2. Franciscus de Mayronis und Durandus a. S. Poreiano. 

Es sind alsdann zwei Denker zu erwähnen, die, von dem allge- 
meinen kritischen Zeitgeiste getragen, in manchen Punkten an den 
herkömmlichen Anschauungen über den Wucher gerüttelt haben. 

1. Zunächst ist hier ein unmittelbarer Schüler des Duns Scotus 
zu nennen; Franciscus de Mayronis [f 1327] 5 ). Inder Behand- 
lung des Eigentums, des Handels, des Wechselgeschäftes und 
Rentenkaufes bringt er kaum etwas Neues 6 ). Der Forderung der 
Wertgleichheit scheint er die Annahme eines allgemein gültigen 
Marktpreises zugrunde zu legen 7 ). Freilich wird im übrigen die 
Subjektivität des Wertes stark betont, indem er das Wesen der 

*) K. L. XI, i689f. 

2 ) Sent. 4 d. 25 a. 4 ad 5. 

a ) 1. c. d. 16, a. 3. 

*) 1. c. d. 15, a. 4. q. 4. 

5 ) Vgl. K. L. VIII, 11 17 f. 

6 ) Über das Eigentum vgl. Sent. IV. d. 16. q. i. i. (fol. 29b): Der platonische 
Staat erscheint als vollkommen; M. bemerkt aber bezüglich der Menschen nach dem 
Sündenfall: »sicut erant imperfecti, necesse fuit, ut haberent politiam imperfectam.« Über 
die übrigen Geschäftsarten vgl. 1. c. q. 4 (fol. 30 b f.). 

7 ) 1. c. q. 3 (fol. 30b), cf. I, 2 (fol. 29b). 



— l /j — 

Tauschgerechtigkeit nicht mehr, wie Aristoteles, in einer realen 
Gleichheit der äußeren Dinge, sondern in einem »medium in ratione« 
sieht, eben im Hinblick auf den subjektiven, im Menschen gelegenen 
Charakter des Wertes. Das subjektive menschliche Bedürfen ist 
also wertbestimmend 1 ). 

Von seiner Wertlehre ist auch seine Stellung zum Zinsv erbot 
getragen 2 ). Nicht als ob er die Berechtigung desselben bezweifelt 
hätte. Dazu war der Einfluß von Tradition und Kirchenlehre zu 
mächtig. Das Zinsverbot ist ihm vielmehr von Gott gegeben. 
Der Staat darf es daher seinerseits nicht als zulässig erklären. 
Nur lehnt Mayronis die bisher übliche naturrechtliche Begründung 
der Zinslosigkeit des Darlehens ab. 

Sieht man die Gerechtigkeit im Tausche dann erfüllt, wenn 
beide Kontrahenten Nutzen haben, so bleibt das Zinsverbot un- 
verständlich: »modo usurarius dat 10 pro 12, mercator lucratur sie, 
quod reddit et vivit de peeunia«. Ein verzinsliches Darlehen kann 
also beiden Teilen von größtem Vorteil sein. 

Aus demselben Gedanken heraus wird das Argument von 
der Unfruchtbarkeit des Geldes verworfen: Das Geld darf nicht 
in der Weise betrachtet werden, daß es rein für sich genommen 
nicht fruchttragend sei, sondern der Nutzen des Geldes müsse im 
Hinblick auf die soziale Funktion desselben geschätzt werden. 
Dann quelle aber aus dem Gelde ein hoher Nutzen 3 ); und es sei 
unverständlich, daß der Zins nicht gestattet sein sollte: »quia salus 
et utilitas est rei publicae«. 

Das Argument von der Unverkäuflichkeit der Zeit wird mit 
dem Bemerken abgetan, daß man dann auch den Mietvertrag ab- 
lehnen müsse. Unklar bleibt der Grund für die Zurückweisung 
des Gedankens, daß der Zins als Aneignung fremden Arbeits- 
ertrages verurteilt werden müsse 4 ). 

Auch theologische Gründe für den nicht naturrechtlichen 
Charakter des Zinsverbots werden beigebracht: Das alte Testament 
habe Ausnahmen von Zinsverbot gekannt. Eine Dispensation von 

!) Sent. III, d. 37, q. 2 (fol. i8bf.) cf. IV, 16. I, 2. 

2 ) Vgl. zum folgenden: 1. c. IV, l6, q. 3. 

3 ) 1. c. : ». . peeunia sterilis est et ideo non debet reddere fruetum, ut plus reci- 
piant, quam mutuatum fuit .... Rendo: usus rei in politia attenditur ad utilitatein rei 
publicae, unde in se res non dieuntur steriles, sed ut cadunt in usu, quo peeunia est 
multum utilis.« 

*) 1. c. : »Alia ratio de industria humana: Contra, advocati reeipiunt ex industria 
sua multa et licita.« Soll gesagt sein, die Gläubiger düiften für die mit dem Ausleihen usw. 
verbundenen Mühen ein Entgelt beanspruchen? 



— i 7 4 — 

naturrechtlichen Bestimmungen aber sei nicht denkbar. So kommt 
Mayronis zu dem Ergebnis: »non apparet ratio demonstrationis, 
quod sit illicita«. 

Die einzige Begründung des Zinsverbotes liegt also in einem 
positiven göttlichen Gebot. In einem andern Zusammenhange, 
wo es sich nicht unmittelbar um das Darlehen handelt, sucht 
Mayronis das Zinsverbot dem menschlichen Verständnis dadurch 
näher zu bringen, daß er als den natürlichen Sinn desselben den Ge- 
danken bezeichnet, der Reiche müsse mit seinem Überfluß den 
Armen, der sich in Not befinde, unterstützen. Daß mit dieser »ratio 
naturalis« keine neue, andere naturrechtliche Begründung der Unent- 
geltlichkeit des Darlehens gegeben werden soll, dürfte klar sein *). 

Die Ausführungen des Mayronis sind von einem überraschenden 
Verständnis des ihn umgebenden Wirtschaftslebens getragen. Teil- 
weise mag allerdings eine gewisse Freude am Kritisieren mit- 
wirken. Wie Duns Scotus in Theologie und Philosophie eine 
»kritische« Richtung inaugurierte, so auch auf dem Gebiet der 
wirtschaftlichen Anschauungen. 

IL Durandus a. S. Porciano 2 ) wurde gegen Ende des 
13. Jahrhunderts in St. Pourcain geboren und starb 1332. Anfangs 
in Theologie und Philosophie Anhänger des Thomas von Aquin 
erneuerte er später, freilich nicht in konsequenter Durchführung, 
den Nominalismus. Auch sonst nimmt er in vielen Einzelfragen 
eine selbständige Stellung ein. Von seinen Schriften kommt für 
uns nur sein Sentenzenkommentar in Betracht. 

Was Veranlassung gibt, ihn in diesem Zusammenhange zu 
behandeln, ist seine Stellung zum Zins, die von scharfer Beobachtung 
des wirtschaftlichen Lebens zeugt 3 ). Zwar schließt er sich in der 
Verteidigung der Zinslosigkeit des Darlehens durchaus an seine 
Vorgänger an, äußert aber im übrigen einen Gedanken, von dem 
aus eine Überwindung des Zinsverbotes ohne große Mühe möglich 
gewesen wäre. Er geht von der wirtschaftlichen Notwendigkeit 
des Darlehens aus: In jedem Staate wären viele, die ein Bedürfnis 
nach Darlehen hätten, und wenn sie ein solches nicht erhielten, 
schwer geschädigt würden, was auch dem Staate selbst zu schwerem 

x ) 1. c. : »Sed quid de illis, qui expectant tempus caristiae, pauperes veniunt, ut 
emant; ipse non vult vendere; tunc dicunt, quod tan tum dabunt, quantum tunc valebit. 
Dicitur, quod fieri potest, licet sit inhumanum, et tenetur illis statim tradere, quod super- 
fluit, necessitatem patienti. Et haec ratio naturalis contra usuram: his, qui necessitatem 
patiuntur. Tarnen contractus non est illicitus.« 

2 ) K. L. IV, 43 ff. 

*) Vgl. zum folgenden Sent. III, d. 37, q. 2, a. 1; ib. a. 2. 



— i?5 — 

Nachteil gereichen könnte. Zudem könnten die Kommunitäten 
selbst zur Erfüllung ihrer schwierigen und kostspieligen Aufgaben 
das Darlehen nicht entbehren. Durch das Darleihen von Geld 
werde also eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion erfüllt, und 
diejenigen, die ihr Vermögen zu diesem Zwecke hergäben, leisteten 
dem Staate einen Dienst, verrichteten Arbeit im volkswirtschaft- 
lichen Sinne. Und als Lohn dieser Arbeit gebührt den Entleihern 
eine Vergütung, ein Zins: »ergo servientes, et se ac sua exponentes 
pro tali servitio exhibendo rei publicae a singularibus personis 
merentur mercedem ex tali labore et servitio.« Ein Zins, der so 
als Arbeitslohn »tanquam Stipendium laboris seu servitii ipsius 
mutuantis« erscheint, würde von Durandus nicht abgelehnt 
werden; er denkt sich die Zahlung desselben etwa in der Form, 
daß den Schuldnern von seiten der staatlichen Autorität zugunsten 
der Gläubiger, die vom Staate mit der Darlehensgewährung eigens 
beauftragt sind, ein »salarium annuatim taxandum« auferlegt wird. 
Er fügt noch hinzu, daß er von etwas derartigem weder gelesen 
noch gehört habe 1 ). 

Wenn Durandus so die wirtschaftliche Bedeutung des 
Darlehens ahnt und die Möglichkeit annimmt, daß unter Um- 
ständen von seiten des Staates ein Zins festgesetzt werden 
könnte, so will er damit das Ideal des mittelalterlichen Wirt- 
schaftslebens: Die Erlangung des standesgemäßen Unterhaltes 
aller nicht aufgeben. Nur bis zu dieser Grenze ist von seiten des 
Schuldners die Aufnahme eines verzinslichen Darlehens erlaubt. 
Und Durandus tadelt die cupiditas augendi pecunias der Kaufleute, 
die hierüber hinaus verzinsliche Darlehen aufnehmen, in der Hoff- 
nung, mehr zu gewinnen, als sie an Zinsen zahlen müssen 2 ). Seine 
übrigen Anschauungen sind von geringerem Interesse: er tadelt 
den Handel, der eine Teuerung herbeiführt 3 ), tadelt das Almosen- 
geben um jeden Preis und verlangt, daß denen fürder kein Almosen 
mehr gewährt würde, die dadurch zur Trägheit mit allen ihren 
Gefahren verleitet würden 4 ). 



*) *Sed istum modum nee legi nee audivi alieubi statutum vel ordinatum.« — 
Brants a. a. O. S. 159 sieht bei Durandus den Plan einer Leihanstalt, eines »office 
de pret«. Dies ist wohl kaum anzunehmen. Durandus spricht nur von der staatlichen 
Regelung des von zahlreichen Privatpersonen besorgten Leihverkehrs. Vgl. die im Text 
angeführte Stelle. Der Gedanke erinnert an die modernen Theorien, die den Zins als 
Arbeitsentgelt auffassen. 

») 1. c. q. 4. 

3 ) Sent. IV, d. 16, q. 5. 

4 ) ib. d. 15. q. 8. a. 3. 



— 176 — 

Das Bedeutungsvollste aus den Ansichten des Durandus ist 
natürlich seine neue Fassung des Zinsproblems, indem er die Mög- 
lichkeit behauptet, daß ein Zins unter Umständen vom Staate fest- 
gesetzt werden könnte. Es handelt sich hier um die naturgemäße 
Rückwirkung des aufblühenden Wirtschaftslebens, daß dem Be- 
obachter die Bedeutung der Kapitalsübertragungen vor Augen 
führte. Sie zeugt aber auch von einer gewissen Beweglichkeit in 
den wirtschaftlichen Anschauungen der Scholastik und von dem 
ernsten Streben über die althergebrachten Theorien hinaus das 
Wirtschaftsleben kennen zu lernen und seinen Forderungen gerecht 
zu werden. 

§ 3. Petrus de Palude. 

Paludanus, berühmter Theologe und Dominikaner [zwischen 
1275 und 1280 geboren; gestorben 1342 in Paris 1 )] gibt in seinem 
Kommentar zum dritten und vierten Buche der Sentenzen einige 
Äußerungen über wirtschaftliche Dinge, die aber nur zufälliger 
Natur sind und unter denen sich kaum ein Zusammenhang her- 
stellen läßt, die aber gleichwohl von Bedeutung sind. 

Er verlangt absolute Gleichheit der zu tauschenden Dinge 
»in ordine tarnen ad usum contrahentium« 2 ). Er scheint hier also 
den Wert im Augustinischen Sinne zu fassen. An anderer Stelle 
betont er, daß der Preis der Waren an demselben Orte und zur 
selben Zeit von verschiedenen Menschen verschieden geschätzt wird 3 ), 
untersucht aber die Bedeutung dieser Schätzungen für den Tausch 
nicht. Der Vereinbarung der Kontrahenten räumt er an anderer 
Stelle eine gewisse Freiheit ein: »in justitia commutativa potest 
dari alteri plus de lucro et minus de damno sine injustitia; immo 
hoc erit liberalitatis, dum tarnen ex consensu sine errore utriusque 
procedat« 4 ). Er wendet sich aber dagegen, daß die bedürftige Lage 
eines einzelnen (miserabilis indigentia, indigentia particularis) von Seiten 
des andern Kontrahenten zu einer Preiserhöhung beim Verkauf bzw. 
einer Preiserniedrigung beim Kauf benutzt wird. Nur ein allgemein 
höheres Bedürfnis (indigentia communis) rechtfertige eine Preis- 
erhöhung, wobei unter dem allgemeinen Bedürfnis aber nicht etwa 
das Bedürfnis der gesamten Gemeinschaft verstanden zu werden 
braucht, sondern nur das einer Mehrheit von Personen im Gegen- 



*) K. L. IX. 1 321 ff. 

2 ) HI, 33- q- 4- a. 4. 

3 ) III, 37. q. 2. a. 2. c. 3. 

*) s. Anm. 2, sowie die folgende Anm. 



satz zur Notlage eines einzelnen 1 ). Bei Verletzung der Wertgleich- 
heit muß Restitution eintreten. Auch für Rentenverträge auf 
bestimmte Zeit ist erforderlich, daß keiner den andern zu über- 
vorteilen scheint 2 ). 

Der Wert des Geldes wird durch drei Faktoren bestimmt: 
pondus, auctoritas, usus. Er ist im gegebenen Augenblicke für 
alle gleich. Paludanus steht infolgedessen dem Geldvvechselgeschäft 
mit schweren Bedenken gegenüber, weil hier ein Gewinn nur mög- 
lich sei unter Verletzung der Wertgleichheit. Nur im Hinblick 
darauf, daß die Kirche das Geldwechselgeschäft nicht verurteile, 
hält auch Paludanus dasselbe für erlaubt 3 ). 

Die Unerlaubtheit des Wuchers wird mit den üblichen Be- 
weisen dargetan. Die Stellung des zinszahlenden Schuldners wird 
etwas anders als gewöhnlich beurteilt: indem Paludanus die Meinung 
ablehnt, daß der Schuldner den Zins gezwungen übertrage und 
deshalb nicht sündige. Der Schuldner, wird erklärt, willigt in die 
Tatsache der Übertragung des Geldes ein, nicht jedoch darin, daß 
der Wucherer die Übertragung auf Grund des Darlehens fordere. 
Beim Wucher findet daher eine Eigentumsübertragung statt, freilich 
ist der Wucherer gleichwohl zur Rückzahlung verpflichtet 4 ). 

Paludanus ist vor allen Dingen deshalb zu erwähnen, weil 
manche seiner Ansichten über den Wert der Güter auf den im 
Folgenden zu behandelnden Buridanus eingewirkt haben. 

§ 3. Johannes Buridanus. 
I. Leben und Allgemeines: Johannes Buridanus 5 ) wurde 
um 1300 in Bethune in der Grafschaft Artois geboren, war in 
Paris ein Schüler Occams und lehrte später daselbst Philosophie. 
Er starb etwa 1358. Er hat nur philosophische Schriften hinter- 
lassen, die sich meist mit der Erklärung des Aristoteles befassen. 
Für uns kommen seine Ouästionen zur Politik, nikomachischen 
Ethik und Metaphysik in Betracht. Buridanus' wirtschaftliche An- 
schauungen haben in neuerer Zeit vielfach Beachtung gefunden; 
so ist von Kaulla und Altmann 6 ) vor allem die Bedeutung seiner 
Wert- und Geldlehre betont worden. 



!) IV. 5. q. 3. a. 3. c. 4. 

2 ) IV. 16. q. 2. a. 4. c. 3; ib. 15. q. 3, a. 5. c. 3. 

3 ) III. 37. q. 2. a. 2. c. 3. Weiteres über das Geldwesen: III. 33. q. 4. a. 5. 

4 ) IV. 15. q. 2. a. 5; ib. q. 3 a. 5. c. 2. 

5 ) K. L. II 1536 ff. R. E. III, 570 f. Sowie die im Folgenden zitierte Literatur. 

6 ) Kaulla: Der Lehrer des Oresmius (Buridanus). Z. f. g. St. Einzelnes in seinem 
früher zitierten Aufsatze über die Lehre vom gerechten Preis in der Scholastik, S. 597 f., 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 12 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— i 7 ö — 

Buridanus bedeutet in vieler Hinsicht den Höhepunkt des 
ökonomischen Denkens des Mittelalters überhaupt. Nicht als hätte 
er grundlegende neue Gedanken gebracht; seine wirtschaftlichen 
Anschauungen sind in allem eine organische Weiterentwicklung 
dessen, was die Scholastik von ihm bereits geleistet hatte. Aber 
was ihn auszeichnet, ist die scharfe Beobachtung des wirtschaft- 
lichen Lebens sowie ein feines Verständnis für die psychologischen 
Vorgänge beim Tausche, was ihn befähigt, die überkommenen 
wirtschaftlichen Anschauungen in vieler Hinsicht zu klären und 
weiter zu entwickeln. 

Deutlich spiegelt sich in Buridans Schriften das gesteigerte 
wirtschaftliche Leben seiner Zeit wieder, so wenn er erklärt: 
»viventes in urbe magis solent convivere et colloqui gratiose quam 
rurales« 1 ). Und angesichts des Wachstums der Bevölkerung denkt 
er an die Möglichkeit, daß die Nahrungsmittel nicht mehr zum 
Unterhalt ausreichen könnten, für welchen Fall Enthaltung von 
der Ehe eintreten müßte 2 ). Häufig betont er die Bedeutung der 
äußeren Güter für das geistige und sittliche Leben der Menschen 3 ). 
Es spricht zum mindesten für eine etwas freundlichere Beurteilung 
auch des überstandesgemäßen Reichtums, wenn er den tadelt, der 
»ultra sibi necessaria et ultra Status sui exigentiam divitias abun- 
dantes immensum« besitzt und davon keine Almosen spendet 4 ). 
Immerhin finden sich aber auch Äußerungen, die im altherge- 
brachten Geiste gehalten sind und das Bedarfsdeckungsprinzip be- 
tonen. So wenn er erklärt, daß die Sorge für zeitliche Güter er- 
laubt sei, wenn sie geschehe »propter vitae necessitatem«, daß sie 
hingegen unerlaubt sei, wenn der Mensch »excessive et superflue 
credit deficere et credit numquam satis habere et propter hoc toto 
suo conatu quaerit divitias« 5 ). An einer anderen Stelle 6 ) hingegen 
wirft er die Frage auf, ob die staatliche Gewalt jemandem ein 
»abundare in possessione, quantum potest« gestatten dürfe und 



sowie in seiner Geschichte der Werttheorien. Ferner Altmann: Studien z. Lehre v. Geld- 
wert. S. 14 ff. Vgl. dessen Art. im H. W. St. III, 357. 
*) Eth. IV. q. 16 (S. 86). 

2 ) Eth. III, q. 30 (S. 68): »Et iterum potest tanta esse populi multitudo, quod si 
ulterius excresceret multum, non esset terra sufficiens ministare cibum hominibus, propter 
quod illo tempore ius et ordo permittit, immo requirit, ut non omnes fecundentur 
specialiter, cum non liceat homines interficere sicut boves.« Vgl. Brants a. a. O. S. 239. 

3 ) Vgl. z. B. Eth. I. 16 (S. 14 b ff.) u. sonst. 
*) Eth. IV. q. 4 (S. 72 b). 

6 ) Pol. V. q. 2 (S. 249). 

6 ) Pol. II. q. 2 (S. 96, 98 f.). 



— 179 — 

entscheidet sie dahin, daß ein sittlich guter Mensch, der für das 
Gemeinwohl sorge, und nicht »ultra modum et debitum ordinem« 
Besitz erstrebe, nicht an Bereicherung gehindert werden dürfe, 
weil von ihm für die Gesamtheit Nutzen zu erwarten sei. Man 
wird immerhin aus diesen Worten, wenn auch nicht auf eine 
völlige Preisgabe des mittelalterlichen Standesideals, so doch auf 
eine gewisse Erschütterung desselben schließen können. 

II. Die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Lebens wird 
vor allem im Hinblick auf die Befriedigung der wirtschaftlichen 
Bedürfnisse betont: dieselben sind von so großem Umfange, daß 
ein Einzelner sie nicht voll befriedigen, vielmehr ohne Gemein- 
schaftsleben und die damit ermöglichte Arbeitsteilung nicht 
auskommen kann. Die letztere begründet Buridanus damit, daß 
ein Einzelner nur in wenigen speziellen Arbeiten bewandert sein 
könne, was eine vielfältige Ergänzung nötig mache 1 ). Eine volle 
Bedürfnisbefriedigung gehöre aber zum Wesen der menschlichen 
Gemeinschaft 2 ). 

Bezüglich des Privateigentums bringt Buridanus keine neuen 
Gedanken: Das Privateigentum ist ihm eine naturrechtliche In- 
stitution. Das Gemeineigentum lehnt er ab, weil das Fehlen des 
eigenen Interesses zur Nachlässigkeit führe, und zu Zwistigkeiten 
Anlaß gebe bezüglich der Verfügungsgewalt über die Güter, weil 
es ferner die Freude an der eigenen Arbeit aufhebe, zur Unmäßig- 
keit in allen Genüssen reize und die Tugend der Freigebigkeit 
unmöglich mache. Dies alles würde den Ruin des Staates mit 
sich brinoren. Hinsichtlich des Eigentums sollten daher die Güter 
getrennt sein, in bezug auf den Gebrauch aber allen gehören 3 ). 
Im Falle der Not höre das Privateigentum auf, weil in diesem 
Falle die höhere naturgesetzliche Aufgabe der Güter, allen Menschen 
zum Unterhalt zu dienen, vorgehe 4 ). 



x ) Eth. IV. q. 16: »Magnum enim est homini et difficile, si sit bonus textor, 
quod ipse cum plurimis sibi deservientibus artibus, quarara exercere non posset opera, 
possit nos vestire. Et alteri multum est, si domum aedificare sciat et possit, alteri 
navigare aut capere pisces. Alii si ferrum fabricare sciat multa ceteris artibus instru- 
menta necessaria ministrans, alteri, si agrum colere sciat et possit intendere et sie de 
diversis innumerabilibus artibus induci posset, sine quibus hominum indigentia naturalis 
repleri non posset; oportet ergo, quod tanta sit hominum communicatio tarn domestica 
quam civilis, quod hominum indigentiae naturales invicem suppleantur.« 

2 ) Pol. L, 3 (S. 12): »quilibet congregatio hominum sufficiens ad vitae necessaria 
et ad bene vivere, regulata certis legibus, uni prineipi subdita, est civitas.« 

3 ) Vgl. Pol. IL, 2 (S. 91 ff.). 

«) Vgl. z. B. Pul. II., 3 (S. 105) u. sonst. 

12* 



— i8o — 

Hinsichtlich des zubilligenden Maßes an Eigentum fordert 
Buridanus, daß nicht alle schlechthin das Gleiche besitzen, sondern 
jeder solle soviel besitzen, wie er verdient 1 ). Im Interesse der 
bürgerlichen Eintracht wünscht er das Vorherrschen eines mittleren 
Besitzstandes 2 ). Seine diesbezüglichen Anschauungen sind also 
nichts anderes als eine Wiederholung der thomistischen Eigen- 
tumslehre. 

III. Auch hinsichtlich der Wertlehre steht Buridanus auf 
dem Boden der vorangegangenen Zeit; nur schreitet er in mancher 
Hinsicht zu einer tieferen Erfassung und Begründung der alten 
Anschauungen fort. 

Der grundlegende Satz seiner Wertlehre ist der, daß die 
Güter im Tausche gemessen werden durch das menschliche Be- 
dürfnis: »Indigentia human a est mensura naturalis commutabilium«. 
Genau genommen ist für den Wert bestimmend die tatsächliche 
Bedürfnisbefriedigung, die uns die Güter gewähren, das »supple- 
mentum indigentiae humanae«, das aber in seiner Größe wieder 
von dem Maße des Bedürfens abhängt, wie der Wein, der zur 
Füllung eines Fasses nötig ist, an sich seiner Quantität nach be- 
stimmt wird durch die tatsächlich eingefüllte Menge, die aber 
wieder durch die Größe des Fasses bedingt ist. Man kann also 
kurzer Hand sagen, daß die Güter gemessen werden durch das 
menschliche Bedürfnis 3 ). 

Buridanus sucht diesen Satz durch verschiedene Beweise zu 
erhärten, die teils aprioristischer, teils aposterioristischer Natur 
sind: Er geht einmal davon aus, daß der Zweck der Güter der 
sei, dem menschlichen Bedürfnis zu dienen; nach dem Zwecke 
aber sei die bonitas, oder was dasselbe sei, der valor der Dinge 
zu bemessen, denn »alles Gute ist gut um seines Endzweckes 
willen«. Mithin bemesse sich auch der Wert oder die Güte der 
zu tauschenden Güter nach ihrem Endzwecke, also nach dem 
Maße, in dem sie das menschliche Bedürfnis befriedigen 4 ). Ferner 
sei es aus der täglichen Erfahrung bekannt, daß z. B. der Wein 
zu den Zeiten, wo er selten ist, teuerer wird, weil dann unser Be- 
dürfnis nach demselben steigt. Der Wert der Güter und unser 
Bedürfnis nach ihnen stehen also in einem ursächlichen Zusammen- 



J ) Pol. II. q. 2 (S. 92 f.). 

2 ) Pol. IV. q. 17 (S. 221). 

3 ) Eth. V. q. 16 (S. 106). Vgl. ferner ib. IV., 6 (S. 76); V., 13 (S. 103 b); V., 
14 f. (S. 103 b ff.); Pol. I., 11 (S. 55); ib. I, 12 (S. 63); I, 15 (S. 79). 

*) 1. c. 



— i8i — 

hange, wenn letzteres sich ändert, ändert sich auch ersterer 1 ). 
Und endlich bringt Buridanus an vielen Stellen den bekannten 
augustinischen Gedanken, daß im Tausche die Güter nicht nach 
ihrer natürlichen Rangordnung betrachtet werden, sondern danach, 
daß sie zu unserem Gebrauche, also zur Befriedigung unserer Be- 
dürfnisse dienen 2 ). 

Nun ist aber über das Wesen des Bedürfens noch einiges 
zu sagen. Das »Bedürfnis« ist nicht etwa als objektive Notwendig- 
keit eines Gutes für das menschliche Leben zu nehmen. Dem 
widerspricht, betont Buridanus, die tägliche Erfahrung, die zeigt, 
daß reine Luxusgegenstände häufig sehr teuer sind; sondern das 
Bedürfen — darauf geht die buridanische Argumentation hinaus — 
ist ein psychologisches Moment, das mit jener objektiven Not- 
wendigkeit eines Gutes nicht zusammenfällt: Auch der Reiche, 
der alles zum Leben Notwendige besitzt, bedarf noch der Luxusgegen- 
stände, und er empfindet dieses Bedürfnis vielleicht ebenso stark 
wie ein Armer das Bedürfnis nach dem notwendigen Lebensunter- 
halt. In beiden Fällen ist das Bedürfen nach Buridanus ein wert- 
bestimmender Faktor. So erklärt er: »non solum indigentia ne- 
cessarii mensurat apud egenos commutabilia, sed etiam indigentia 
excessus apud divites« 3 ). 

Daran anschließend untersucht Buridanus die Art und Weise 
näher, wie die Güter durch das menschlische Bedürfnis gemessen 
werden. Zugrunde liegt seinen Ausführungen der aristotelische 
Gedanke, daß ein Ding ein anderes seiner Größe nach nur be- 
stimmen kann, wenn es von derselben Art ist, wie das zu messende. 
Buridanus unterscheidet nun zwei Arten des Messens: Einmal 
messen wir ein Gut in der Weise, daß wir von einer unteilbaren 
Maßeinheit ausgehend, dieselbe so oft vervielfältigen, bis wir die 
Größe des zu messenden erreicht haben. Letzteres ist derselben 
Art wie die angenommene Einheit und stellt nur ein Vielfältiges 
derselben dar. So wird das Gewicht eines Gegenstandes als ein 
Vielfaches der Gewichtseinheit ausgedrückt. Es liegt also eine 
rein quantitative Gleichsetzung vor. 

Hiervon zu scheiden ist eine andere Art des Messens, wo 
der zu bestimmende Gegenstand von dem Maße verschieden ist: 
Wenn z. B. eine Bewegung durch die Zeit gemessen wird, so ist 
die erste Art des Messens nicht anwendbar, sondern es kann nur 

1 ) l. c. 

2 ) 1. c. 

3 j 1. c. Vgl. ferner ib. V., 23 (S. III). 



in folgender Weise vorgegangen werden: Eine bestimmte Be- 
wegung vollzieht sich in einer bestimmten Zeit; eine zweite in 
der doppelten Zeit. Dann ist die zweite Bewegung doppelt so 
groß wie die erste. Es wird also nur das Größenverhältnis zweier 
Dinge ermittelt; es wird gemessen »secundum similitudinem pro- 
portionis«. In dieser Weise bestimmt das menschliche Bedürfnis den 
Güterwert. Ist das Bedürfnis ein bestimmtes, so ist der Güterwert 
ein bestimmter; verändert sich ersteres, so verändert sich propor- 
tional letzterer; einem Steigen des einen entspricht ein Steigen 
des andern und einem Fallen des ersteren ein Fallen des letzteren. 
Es braucht also bei dieser Art des Messens keine Gleichheit der 
Art nach zwischen Maß und gemessenem Gegenstande vorzuliegen, 
weil nicht nach quantitativer Gleichsetzung gemessen wird, so daß 
kein Verstoß gegen die obengenannte Forderung des Aristoteles 
vorliegt, weil eine ganz andere Art des Messens angewendet wird 1 ). 

Buridanus betont die Verschiedenheit des Wertes der Güter 
je nachdem, ob sie in größerer oder geringerer Menge vorhanden 
sind. Daraus ergeben sich zunächst Verschiedenheiten des Wertes 
nach Ort und Zeit, was nicht näher besprochen zu werden braucht, 
und sodann Verschiedenheiten nach den einzelnen Personen, indem 
z. B. ein Reicher das Getreide weniger hoch schätzt als ein Armer, 
der dessen dringend bedarf 2 ). 

Dies gibt Buridanus nun Veranlassung zu einer Unterscheidung, 
die uns schon bei Paludanus begegnet war: Er scheidet zwischen 
dem Werte der Güter, der durch die »indigentia communis« und 
dem Werte, der durch die »indigentiae particulares« gebildet wird. 
Ersterem liegt die Tatsache zugrunde, daß in einer Gemeinschaft 
zu gewisser Zeit einer bestimmten Art von Gütern ein bestimmter 
Preis, ein Marktpreis zukommt: »rei venalis«, erklärt Buridanus, 
»mensura est communis indigentia humana. Ob hoc enim videmus 
aliquo tempore quartam vini esse maioris pretii quam alio tempore 
duae quartae« 3 ). Es wird hier festgestellt, daß es einen allgemeinen 
Marktpreis gibt, der sich aus den Schätzungen der Gemeinschaft 
ergibt. 

Dem für alle gleichen Preis der Güter stehen, wie gesagt, 
die indigentiae particulares gegenüber, die ersteren bilden, frei- 

x ) Eth. V, 16. Inwiefern das Maß im ersten Sinne unteilbar sein muß, erklärt 
Buridanus in Meth X, q. i.: »si in panno sint decem ulnae precise, ita quod non 
plures quam decem, tunc quaelibet earum est ulna et non est quantitative divisibilis in 
plura, quorum quodlibet sit ulna.« 

2 ) Vgl. im Folgenden. 

3 ) Eth. IX, i (S. 191). 



— i8 3 — 

lieh selbst voneinander verschieden sind. Buridanus erklärt: »ad 
hanc communem mensuram addunt vel diminuunt indigentiae par- 
ticulares commutantium.« Und er erklärt dies durch folgendes 
Beispiel: »Abundans enim in frumento non daret tantum pro modio 
frumenti quantum daret indigens frumento et abundans in peeunia. 
Ergo res eadem et eodem tempore apud abundantem est minoris 
pretii et apud indigentem est maioris« l ). Die Schätzungen der 
einzelnen weichen also von der im Marktpreis zum Ausdruck 
kommenden allgemein gleichen »Bewertung« der Güter ab. 

Mit den ersteren steht das Gewinnprinzip im Tausche im 
engsten Zusammenhang. Buridanus erklärt: »oportet utrumque 
lucrare saltem seeundum opiniones ipsorum« und er erläutert dies 
weiter dahin, daß derjenige, der sein Pferd verkauft, von dem er- 
haltenen Gelde Gewinn erwartet; der Käufer hofft seinerseits von 
dem Pferde größeren Nutzen zu gewinnen, als das Geld ihm hätte 
gewähren können. Ahnlich betont er, daß diejenigen, die ihre 
Arbeitskraft vermieten, den Lohn höher schätzen als ihre Arbeit 2 ). 

Nun ergibt sich das schwierige Problem: Wie ist bei in- 
dividuell verschiedenen Schätzungen ein Marktpreis möglich? Zu- 
sammenhängende Äußerungen liegen hierüber kaum vor; wir 
müssen daher versuchen, aus den einzelnen zerstreuten, schwer 
zu vereinigenden Sätzen ein abschließendes Bild zu gewinnen. 

An der Stelle, die hier zunächst zu erwähnen ist, nimmt 
Buridanus den Fall an, daß ein Faß Wein und ein Scheffel Ge- 
treide dem Geldpreis nach gleich teuer sein. Wenn nun diese 
beiden ausgetauscht werden von zwei Personen, von denen die 
eine an Getreide Mangel hat, dagegen an Wein Überfluß und bei 
der andern das Umgekehrte der Fall ist, dann würde der Fall 
eintreten, daß »quamvis simpliciter isti ambo aequalis pretii 
tribuant et retribuant, tarnen utrique seeundum suam aestimationem 
plus tribuitur, quia pluris aestimamus, quo plus indigemus« 3 ). Es 
handelt sich um die Feststellung der Tatsache, die Ricardus zur 
Konstruktion des gerechten Preises verwendet hatte: Die Kon- 
trahenten tauschen tatsächlich nach Gleichheit des Preises, nach 
Wertgleichheit: beide geben demselben Gute denselben Preis; für 



*) Eth. IX, I. cf. ib. (S. 190): »si pauperi daretur denarius et diviti florenus, 
denarius esset pauperi utilior, quam diviti florenus: eo quod pauper ob indigentiara 
multum iuvatur denario, dives autem forte nihil iuvatur floreno, quia non indiget.« 

2 ) Eth. IX, 1 (S. 191): »indigentes enim peeunia maioris pretii aestimant decem 
libras quam suum laborem vel suam oecupationem annualcm.« 

3 ) 1. c. (S. 190 b). 



— 184 — 

beide aber ist die zugrundeliegende Bewertung der Güter ver- 
schieden. 

Eine tiefere Begründung dieser Erscheinung wird an einer 
anderen Stelle zu geben versucht: Buridanus macht folgenden 
Einwand: Wenn das Bedürfnis den Wert der Güter bestimmte, 
so müßte der Reiche sein Brot zu billigerem Preise kaufen als der 
Arme, weil sein Bedürfnis nach demselben geringer ist, und beim 
Armen müßte das Umgekehrte der Fall sein. Buridanus erwidert 
in folgender Weise darauf: »indigentia istius hominis vel illius non 
mensurat valorem commutabilium, sed indigentia communis eorum, 
qui inter se commutare possunt. Vel dicendum, quod pauper quoad 
ea, quibus abundat, multo pluri pretio emit ea, quibus indiget, 
quam dives: plus enim apponeret de labore corporali pro uno sex- 
tario frumenti, quam dives pro viginti: sed plus pecuniae non 
apponeret eo, quod indiget ea sicut frumento; universaliter enim 
indiget exterioribus bonis« 1 ). 

Zunächst kann dem ganzen Zusammenhange nach keine Rede 
davon sein, daß Buridanus etwa beabsichtigte, hier einen gerechten 
Preis zu konstruieren 2 ). Er will vielmehr einfach eine kausale 
Erklärung der Tatsache geben, daß Reiche und Arme das Brot 
zu demselben Preise kaufen, obwohl ihr Bedürfnis danach ver- 
schieden ist. Hierfür gibt er nun verschiedene Möglichkeiten an, 
was schon allein zeigt, daß die Stelle nicht in ethischem Sinne 
gemeint sein kann. Er weist zunächst darauf hin, daß nicht die 
Schätzung des Reichen allein den Preis bestimmen könne, sondern 
die »indigentia communis eorum, qui inter se commutare possunt«. 
Der Preis ist das Ergebnis einer Mehrzahl von Schätzungen, und 
zwar aller derer, die für den Tausch in Betracht kommen. Die 
Bewertung eines einzelnen ist darauf nicht von bestimmendem 
Einfluß. Mit dem Ausdruck indigentia communis soll also 
allein die Tatsache konstatiert werden, daß den verschiedenen in- 
dividuellen Schätzungen ein für alle gleicher Preis, ein Marktpreis 
entspringt. Diese Erklärung zeugt von feiner Beobachtung der 
wirtschaftlichen Vorgänge, und auch wir können sie kaum als 
absolut falsch hinstellen, wenn sie natürlich das Problem auch 
keineswegs erschöpft. Buridanus versucht dann noch eine andere 
Erklärung: Der Arme bedarf des Geldes eben so sehr, wie des 
Getreides; wenn er also ebensoviel zahlt wie der Reiche, so gibt 

: ) Eth. V, 16 (S. 106). 

2 ) Wie Kaulla und Altmann in ihren angeführten Schriften annehmen. Ähnlich 
Erants a. a. O., S. 70. 



- i8 5 — 

er tatsächlich mehr, wenigstens seiner Schätzung nach. Er würde, 
sagt Buridanus, mehr Arbeit für ein Sechstel Getreide aufwenden 
als der Reiche für 20. Die höhere Schätzung des Armen, soll 
damit gesagt sein, liegt tatsächlich vor, auch wenn sie im Preise 
äußerlich nicht zum Ausdruck kommt; die Schätzung des Armen 
und Reichen dem Preisgute gegenüber, ist ebenso verschieden, 
wie die . Bewertung der zu tauschenden Güter. Der Preis, der 
äußerlich als gleich erscheint, ist im Grunde doch für alle ver- 
schieden. 

Soweit die tatsächlichen Vorgänge der Preisbildung. Wie 
denkt sich Buridanus nun die ethische Normierung des 
Tausches? 

Die Idee der Gerechtigkeit erfordert Wertgleichheit, zwar 
nicht in eigentlichem Sinne Gleichheit der äußeren Dinge, sondern 
Gleichheit »quoad nos«, weil die »humana indigentia« den Wert 
bestimmt. Und weil hierdurch auch die Dinge selbst in ihrem 
Wertverhältnis festgelegt sind, kann man im Gerechten auch ein 
»aequale secundum rem« erblicken 1 ) und die Forderung aufstellen: 
»res commutandae debent esse aequales, si iusta debeat fieri com- 
mutatio« 2 ). 

Der Tausch muß ferner ein Vorgang sein, der aus dem freien 
Willen der Kontrahenten hervorgeht. Zu einer »commutatio volun- 
taria« aber ist erforderlich, daß beiden Teilen (»utrique parti«) der 
Tausch überhaupt sowie die nähere Art und Weise gefällt, und daß 
nicht etwa ein Umstand verheimlicht sei »qua existente manifesta 
non placeret aut res aut modus« 3 ). Das Wesen des Tausches be- 
steht nach Buridanus in einem »pactum secundum communem 
consensum et expressum de habendo certum quid et certae quanti- 
tatis pro certo quo et certae quantitatis« 4 ). 

Mit dem freiwilligen »communis consensus« ist gegeben, daß 
beide Kontrahenten demselben Gute denselben Preis beilegen 
müssen. Ein Tausch ist undenkbar, wenn sie den Preis einer 
Ware verschieden hoch ansetzen wollten, vorausgesetzt, daß beide 
frei handeln können. Gleichheit des Preises als ethische Forderung 
und Freiheit der Vereinbarung bilden keine Gegensätze, sondern 
erstere ist Folge der letzteren; es ist allem genügt: »quando utra- 
que pars consentit« 5 ). 

») Eth. V, 13 (S. 103). 

2 ) Eth. V, 11 (S. 102); cf. Pol. I, 15 (S. 79). 

3 ) Eth. V, 10 (S. 101). 

4 ) Eth. IX, 1 (S. 191). 

5 ) Pol. V, 21 (S. 304). 



— i86 — 

Bei dem gleichen Preise, den die Kontrahenten einem Gute 
beilegen, handelt es sich, wie früher gezeigt, im allgemeinen um 
den Marktpreis. Derselbe ist aber nicht etwa Gegenstand einer 
ethischen Forderung: Die Idee eines allgemeingültigen Normal- 
preises, dem dann eine gewisse »latitudo« zukäme, kennt Buri- 
danus nicht. Seine Preislehre ist vielmehr beherrscht von dem 
Gedanken des »communis consensus«. Die Grundbedingung ist 
die: »oportet aestimationem vendentis et ementis convenire« x ). 

Bei Feststellung des Preises gehen Käufer und Verkäufer 
ausschließlich von ihren individuell durchaus verschiedenen Be- 
wertungen aus. Und diese individuellen Schätzungen dürfen sich 
frei betätigen. Dies ist auch der innere Grund, weshalb ein Ge- 
winn im Tausche der Gerechtigkeit nicht widerstreitet: »Sciendum 
est, cum non contingat, iniustum pati voluntarie . . ., quod in volun- 
tariis commutationibus . . . nullum accidit lucrum aut damnum contra 

iustitiam immo sie in commutationibus est vera mercatura, 

seeundum quam communiter utraque pars aeeipit, quod magis est 
utile sibi« 2 ;. 

Und weiterhin wird ausdrücklich der Tausch als gerecht be- 
zeichnet, der auf Grund persönlicher Schätzung frei abgeschlossen 
wird: Jeder veräußert seine Sache gegen die, die ihm gefällt: 
»Si igitur rem suam sie alienat, ipse seeundum suam 
aestimationem non damnificatur, sed lucratur; igitur non 
iniustum patitur, quoniam commutabilia sunt apprecia- 
bilia seeundum aestimationes commutantium iuxta eorum 
indigentias, non solum iuxta indigentias necessariorum, 
sed etiam iuxta indigentias superfluorum appetituum« 3 ). 
Dem gerechten Preise wird also nicht etwa ein durchschnittliches 
normales Bedürfnis zugrunde gelegt, sondern bei freier Be- 
tätigung der persönlich-individuellen Schätzungen kann 
keine Ungerechtigkeit vorliegen 4 ). 

Freilich ist die in der Idee des »communis consensus« liegende 
Anerkennung des Prinzips der Vertragsfreiheit nicht im liberal- 
individualistischen Sinne zu nehmen. Buridanus betont vielmehr 
scharf die Einfügung der Preisbildung in das soziale Ganze: die 
Preisbildung dürfe nicht dem individuellen Interesse einzelner 
dienen, sie müsse sich vollziehen »seeundum utilitatem et necessi- 



*) Eth. ix, i (S. 190). 

2 ) Eth. V, 10 (S. 101). 

3 ) Eth. V, 23 (S. in), cf. ib. V, 14 (S. 104b). 

4 ) Vgl. Pol. I, 16 (S. 83), wer tauscht, muß »prudens et cautus« sein. 



— i8 7 - 

tatem totius communitatis«, nicht etwa »penes necessitatem ementis 
vel vendentis«. Das Wohl der Gesamtheit muß also die Richt- 
schnur für die Preisbildung sein: »Ex illo dicunt aliqui, quod 
magnum est in politia, quando indigens aliqua re emit illam pluri 
pretio, quam valet vel institutum sit« 1 ). Mit der Betonung der 
sozialen Funktion des Wertes hängt es zusammen, wenn Buri- 
danus darauf hinweist, daß es nicht denkbar sei, daß z. B. ein 
Haus gegen ein Kleid getauscht werde, weil der Baumeister viel- 
leicht ein Jahr zum Bau des Hauses brauche und, wenn er dafür 
nur ein Kleid erhielte, während dieser Zeit der Nahrung entbehren 
müsse 2 ). Die Preisbildung hat also noch die Aufgabe, der Arbeit 
ihren Unterhalt zu sichern. Thomas hatte diesen Gedanken, der 
sich bei Buridanus nur gelegentlich findet, zur Grundlage seiner 
Wertlehre gemacht. iVhnliche Gedanken wirken nach, wenn Buri- 
danus den Gewinn des Wechslers, der bei seinem Handeln das 
allgemeine Wohl zu fördern beabsichtigt, für erlaubt erklärt, weil er 
»omnibus compensatis, scilicet labore et expensis non recipit plus 
quam dat« 3 ). Oder wenn er der überlieferten Behandlung des 
Handels folgend, nur dann einen teueren Verkauf als Einkauf für 
berechtigt erklärt, wenn inzwischen eine »Werterhöhung« stattge- 
funden hat: »inspiciendo laborem meliorantem illam rem« 4 ). 

Buridanus führt in gewissem Sinne das Problem weiter, das 
Ricardus gestellt hatte: Die Kontrahenten, forderte letzterer, müssen 
nach G.leichheit des allgemeingültigen Marktpreises tauschen; 
nebenher laufen ihre individuell verschiedenen Wertschätzungen. 
Buridanus zeigt, wie sich aus den einzelnen Bewertungen ein 
Tausch nach Gleichheit des Preises ergibt und wie dieser Preis 
für alle tatsächlich mehr oder minder derselbe ist. Wenn auch 
nicht formell, so führt er doch materiell die bereits bei Ricardus 
im Keim vorhandene Scheidung zwischen Wert und Preis kon- 
sequenter durch. Aus dieser Weiterführung ergeben sich aber auch 
zugleich charakteristische Unterschiede. 

Die Schätzungen sind individuell verschieden, ein normales, 
•durchschnittliches Bedürfnis, das Ricardus noch in unklarer und 
widerspruchsvoller Weise angenommen hatte, existiert nicht. Die 
individuellen Schätzungen dürfen sich frei betätigen und der durch 
sie zustandegekommene Tausch ist gerecht. Daneben stehen die 



1 ) Pol. I, 15 (S. 79); ib I, 11 (S. 55). 

2 ) Eth. V, 15 (S. 105). 

3 ) Pol. I, 15 (S. 81). 
«) Pol. I, 15 (S. 82). 



— i88 — 

ethischen Bedingungen für die Preisgerechtigkeit. Freilich wird 
das Problem von Wert und Preis nicht zusammenhängend erörtert 
und wenn auch im vorstehenden ein Ausgleich versucht ist, so 
soll damit nicht gesagt sein, daß er bei Buridanus völlig vollzogen 
sei oder auch nur sich ganz klar und ungezwungen vollziehen 
lasse; neben Äußerungen, in denen klar die Idee des communis 
consensus betont wird, stehen andere, die noch mehr im Sinne 
der Hochscholastik gehalten sind. Gleichwohl glauben wir, die 
Idee des communis consensus als die herrschende Grundidee hin- 
stellen zu dürfen und gezeigt zu haben, daß die übrigen Gedanken, 
wie z. B. der der »Wertgleichheit« sich hiermit wenigstens in 
etwa vereinigen lassen. 

IV. Bezüglich der übrigen wirtschaftlichen Anschauungen 
des Buridanus können wir uns sehr kurz fassen. 

Bemerkenswert ist zunächst die Anwendung der Wertlehre 
auf die Theorie des Geldes 1 ). Der Wert des Geldes, betont 
Buridanus, wird durch das menschliche Bedürfnis bestimmt, durch 
die Schätzung, die dem in der Münze enthaltenen Metall ent- 
gegengebracht wird: »oportet . . . , quod valor peeuniae indigentia 
humana mensuretur. Licet enim forte non indigeamus ad nostras 
necessitates auro vel argento: tarnen divites indigent eis ad ex- 
cessus suos«. Und interessanterweise wird dieser Satz begründet 
durch den Hinweis auf die empirische Tatsache, daß der Preis 
des Barrenmetalles dem Geldwerte annähernd gleich sei: »propter 
quod videmus, quod aurum et argentum in massa tanti valoris 
sunt vel quasi tanti, sicut in moneta«. 

Die Erkenntnis dieses Satzes setzt nun Buridanus in den 
Stand, die traditionelle Geldtheorie zu vertiefen und aus ihr eine 
Unklarheit zu beseitigen. Als für den Geldwert entscheidend 
hatten Thomas, Heinrich v. Gent usw. im Anschluß an Aristoteles 
neben der »materia utilis« auch die staatliche Gesetzgebung be- 
zeichnet und hierfür den Begriff des valor impositus geprägt 2 ). 
Demgegenüber betont Buridanus, daß letzterer für die Grundlage 
eines Münzsystems nicht in Betracht komme: »quoniam si nulla 
esset modo peeunia et rex aliquam de novo fabricaret . . . eius non 
esset imponere, quantum valeret denarius vel obolus«. Doch bei 
Vorhandensein einer andern Münze ist eine vom Metallgehalt 
abweichende gesetzliche Wertfixierung denkbar: »verum est tarnen, 



x ) Vgl. z. Folg.: Eth. V, 17 (S. 106 f.); Pol. I, 11 (S. 50 ff.). Vgl. die ange- 
führten Schriften von Kaulla und Altmann, ferner Brants a. a. O., S. 180 f. 
2 ) Vgl. S. 133 f; S. 172; S. 177. 



— i8g — 

quod iam aliqua currente moneta, si rex aliam fabricarct, posset 
ei in ordine ad praecedentem pretium instituere: v. gr. dicere, 
quod novus denarius pro tribus ponatur et capiatur«. Ein Aus- 
einanderfallen des Metallgehaltes und des Nominalwertes ist nur 
entschuldigt, wenn es im allgemeinen Interesse liegt, z. B. in 
Kriegszeiten. 

Aus dem Gesagten ergeben sich die Erfordernisse des 
Geldes. Die Materie desselben muß von hohem spezifischen 
Werte, dauerhaft und in kleine Stücke teilbar sein; letzteres, da- 
mit die Armen ihre meist geringwertigen Sachen kaufen können. 
Ein behördlicher Stempel muß Garantie für ein bestimmtes Gewicht 
und Schutz gegen Verfälschungen bieten. Dies sind zugleich die 
Grundbedingungen für die Erfüllung der Funktionen des Geldes, 
Wertübertrager durch Raum und Zeit zu sein. Die eigentliche 
Aufgabe des Geldes, die die übrigen Funktionen in anti- 
kapitalistischem Sinne begrenzt, ist, daß »homo per monetam 
possit habere, illa, quae sunt necessaria vitae«. Daher ist es ein 
Mißbrauch: »ordinäre monetas ad alium finem, quam ad commu- 
tationem bonorum naturalium«. 

Die Entstehung des Geldes wird im Anschluß an Aristoteles 
geschildert; Buridanus läßt freilich einige selbständige Beob- 
achtungen einfließen, so wenn er z. B. sagt, das Geld sei nötig 
zur Entlöhnung der x\rbeiter, weil die Reichen ihnen nicht alle 
nötigen Naturalien liefern könnten. Des weiteren betont er, daß 
der Besitz von Geld eine Gemeinschaft nicht wahrhaft reich 
mache, der wahre Reichtum bestehe nur in Gebrauchsgütern 1 ). 

Die weiteren Anschauungen Buridans über das Geldwesen, 
Geldveränderungen usw. können wir hier übergehen. Über das 
Geldwechselgeschäft ist bereits gehandelt worden. 

Die Wucherlehre weicht in mancher Hinsicht von der des 
Aegidius Lessinus ab. Letzterer hatte den einfachen Tausch vom 
Darlehen, auf das er den Begriff des Wuchers fast völlig be- 
schränkt hatte, dadurch abgegrenzt, daß er für jenen das Gewinn- 
prinzip gelten ließ, es aber für letzteres ablehnte, was dann die 
charakteristische Gestaltung seiner Wertlehre bedingte. Buridanus 
bestimmt den Begriff des Wuchers viel weiter 2 ): »Usura«, erklärt 
er, »est ex pacto secreto vel manifesto recipientem obligare ultra 
sortem i. e. pretium«. Der Wucher kommt nur in Dingen vor, 
bei denen Eigentum und Nutzung nicht getrennt übertragen werden, 

l ) Pol. III, 21 (S. 163 ff.) und sonst. 
*) Pol. I, 12 (S. 59). 



— 190 — 

sondern gleichzeitig. Letzteres ist in den verschiedensten Verträgen 
der Fall, wie Kauf und Verkauf, Darlehen usw. Demgemäß kann 
der Wucher, d. h. die Annahme eines Entgelts für die Nutzung 
eines Dinges, die nicht mehr im Eigentum des Gebers ist, in allen 
Vertragsarten in gleicher Weise vorkommen 1 ). Die Abgrenzung 
gegen das Prinzip der Vertragsfreiheit im Tauschvertrage geschieht 
durch den Hinweis darauf, daß die Kontrahenten zwar freie Ver- 
einbarung treffen dürfen, aber nicht über Dinge, die nicht ihnen 
gehören: »hoc addito, quod neuter in pretium ponat illud, cuius 
ipse non est dominus« 2 ). 

Vor allen Dingen kommt der Wucher im Darlehen vor, wo 
Leistung und Gegenleistung nach quantitativer Gleichheit stattzu- 
finden haben 3 ). In der Begründung der Unerlaubtheit des Zins- 
nehmens bringt Buridanus kaum etwas Neues: er betont, daß es 
der Unterstützungspflicht den Armen gegenüber, sowie dem Geiste 
der Freigebigkeit widerstreitet, und sodann, daß es ungerecht sei, 
wofür vor allem der Gedanke des Zeitverkaufes vorgebracht wird, 
sowie die thomistische Beweisführung, daß im Gelde Eigentum 
und Nutzung nicht getrennt werden können, daß daher der Zins 
ein doppelter Verkauf derselben Sache sei. 

Besonders ausführlich behandelt Buridanus die Frage, ob der 
Wucher von Seiten des Staates zuzulassen sei 4 ): Er hebt die ver- 
heerenden sozialen Wirkungen des Wuchers hervor, indem der- 
selbe zu einer Verarmung des Schuldners und zur Ungleichheit 
des Besitzes unter den Bürgern führe, betont aber, daß unter Um- 
ständen ein vollständiges Verbot noch schlimmere Folgen haben 
könnte, indem z. B. die Armen zum Stehlen veranlaßt würden 
usw. Sei letzteres zu befürchten, so sei der Wucher zu ge- 
statten. Im übrigen bietet die Wucherlehre gegenüber der früheren 
Zeit nichts Neues. Erwähnt sei nur noch, daß Buridan es ablehnt, 
den Zinstitel des entgehenden Gewinnes ganz allgemein für alle 
Kaufleute und Wechsler anzuerkennen, die: »indigerent continue 
lucrari de sua pecunia ad vitae necessitatem et Status honestatem 
servandam« 6 ). Dasselbe gilt von seiner Stellung zum Kauf oder 
Verkauf auf Kredit, zum Gesellschaftsvertrage usw. Der Renten- 
kauf wird gelegentlich erwähnt, aber nicht näher behandelt 6 ). 

1 ) 1. c. vgl. ferner Pol. I, 13, i. f. (S. 71 ff.), wo einzelne Beispiele aufgeführt werden. 

2 ) Eth. V, 10 (S. 101). 

3 ) Vgl. z. Folg. Eth. IV, 6 (S. 75 ff.); Pol. I, 12 f. (S. 57 ff.). 
«) Pol. I, 13 (S. 65 ff.). 

5 ) Eth. IV, 6 (S. 75 f.). 

6 ) Pol. I, 13 i. f. (S. 72). 



— igi — 

V. Rückblick. Die wirtschaftlichen Anschauungen Buridans 
sind der Niederschlag der außerordentlichen Steigerung des wirt- 
schaftlichen Verkehrs im 14. Jahrhundert. Hierauf dürfte zum 
großen Teil der Fortschritt, den wir bei Buridanus gegenüber der 
früheren Zeit finden, zurückzuführen sein. Freilich muß daneben 
noch eins betont werden: Buridanus war mehr Philosoph als 
Theologe : Die rein sittliche Würdigung des Wirtschaftslebens, die 
in der früheren Zeit, so verständlich sie bei Theologen und Mora- 
listen sein mag, doch oft den Fortschritt des ökonomischen Denkens 
gehemmt hatte, man denke z. B. an die Geldlehre Heinrichs von 
Gent, tritt bei ihm mehr zurück. Ihn interessiert in steigendem 
Maße die empirische Beobachtung der wirtschaftlichen Vorgänge 
selbst, was bei den letzteren nicht der Fall war. 

Dies tritt vor allem in seiner Wertlehre zutage; die Prinzipien 
derselben sind keineswegs von Buridanus geschaffen worden. Wir 
haben im vorigen ihre allmähliche Entwicklung verfolgt. Aber 
das Neue liegt darin, daß er die alten Anschauungen tiefer zu be- 
gründen sucht, sich den Vorgängen der Preisbildung selbst zu- 
wendet und letztere weit mehr als es bisher geschehen war, kausal 
zu erklären versucht. 

In der Betonung des Gewinnprinzips und der Freiheit der 
Preisbildung steht er, wenn auch weniger klar, auf demselben 
Boden wie Aegidius Lessinus. Der Bruch der Scholastik mit der 
früheren Lehre vom gerechten Preise hängt sicher teilweise zu- 
sammen mit dem tieferen Studium des römischen Rechts. Teilweise 
aber auch kommt die Scholastik dieser Periode den Forderungen 
des aufsteigenden Wirtschaftslebens, das eben größerer Freiheit zur 
Entfaltung bedurfte, entgegen. Andererseits ermöglichte erst ein 
gewisser Grad der wirtschaftlichen Entwicklung ein volleres Ver- 
ständnis des römischen Rechts, das eben selbst auf dem Boden 
hochentwickelter wirtschaftlicher Verhältnisse erwachsen war. Es 
sind so wohl geistige und wirtschaftliche Faktoren von gleichem 
Einfluß gewesen. 

Im nächsten Abschnitt werden wir die rückläufige Bewegung 
der Lehre vom gerechten Preis zu betrachten haben. 

§ 4. I. Nicolaus Oresmius (gest. 1382). 
Nicolaus Oresmius ist bekannt durch seine Abhandlung über 
das Geldwesen 1 ). Die Ausbeute für die Werttheorie ist äußerst 



1 ) Über seine Geldlehre vergleiche vor allem Röscher: ein großer National- 
ökonom des 14. Jahrh. Z. f. g. St. Bd. XIX (1863), S. 305 ff. Vgl. ferner Brants 



— 192 — 

gering, sodaß wir uns mit einem kurzen Hinweis auf ihn be- 
gnügen können. Als Bestimmungsgründe des Preises der Edel- 
metalle bezeichnet er die Seltenheit und Anstrengung der Be- 
schaffung. Im Hinblick auf beide Faktoren ist das Gold seiner 
Natur nach teuerer als das Silber: »Nam secundum hoc, quod 
aurum est de natura sua pretiosius et rarius argento et ad inveni- 
endum vel habendum difficilius, ipsum aurum aequalis ponderis 
debet praevalere in certa proportione , sicut forsan esset viginti 
ad unum« 1 ). Diesem natürlichen Wertverhältnis der Edelmetalle 
entsprechend muß das Wertverhältnis zwischen Gold- und Silber- 
münze festgesetzt werden. 

Seine weiteren Anschauungen über das Geldwesen kommen 
für uns nicht in Betracht. Hervorgehoben sei nur noch, daß er 
dem Geldwechselgeschäft sehr wenig wohlwollend gegenüber- 
steht, es sei eine vilis negotiatio, wegen der sittlichen Gefahren, 
die damit verbunden seien. Zur Begründung seiner Anschauung 
beruft er sich auf das Wort des Aristoteles, daß Geld nicht Geld 
erzeugen dürfe* 2 ). 

II. Baldus de Ubaldis, Perusinus. 

Ebenso kurz können wir über den Kanonisten Baldus Peru- 
sinus (13 19 — 1400) hinweggehen 3 ). 

Er betont, daß der Wert des Geldes nicht mit seiner Substanz 
identisch sei: letztere könne unverändert bleiben, während ersterer 



a. a. O., S. 190 ff., sowie Altmann, Studien, S. 24 ff. Die weitere Literatur bei 
letzterem, sowie bei Meitzel, Art. Oresmius. H. W. d. St. VI, S. 946 f. 

*) c. X. (Ausg. v. Wolowski, S. 105); cf. c. II (S. 95). Von einer eigent- 
lichen Wertlehre kann also bei Oresmius nicht gesprochen werden, er gibt vielmehr 
nur die Faktoren an, die den Preis der Edelmetalle bestimmen. Kaulla, Lehrer d. 
Ores. a. a. O., S. 458, gibt obigen Satz wieder: »Oresmius begnügt sich dabei mit 
dem Hinweis auf die Tatsache . . ., daß Gold aus dem Grunde mehr gelte als Silber, 
weil es von Natur kostbarer (!), ferner seltener und schwerer zu erlangen sei als 
dieses. Er vermeidet es, tiefer zu begründen, worauf der hohe Wert des Edelmetalls 
seinerseits beruhe.« Kaulla legt auf das »von Natur kostbarer« besonderen Nachdruck, 
wie aus dem gesperrten Druck und dem Ausrufungszeichen erhält. Der lateinische Text 
berechtigt m. E. zu dieser Auffassung nicht. Wenn man der im Texte vertretenen 
Auffassung, daß der höhere Wert des Goldes in den durch natürliche Verhältnisse be- 
dingten Schwierigkeiten der Produktion und der vorhandenen Menge desselben verur- 
sacht sei, nicht beipflichten will, so könnte man höchstens so interpretieren, daß das 
Gold deshalb teuerer sei als Silber, weil es »seiner Natur nach« kostbarer, d. h. ein 
edleres Metall als Silber sei. 

2 ) c. XVII f. (S. 117 ff.), cf. c. XVI (S. 116); c. XXI (S. 124). Röscher 
a. a. O., S. 313. 

3 ) Schulte II, S. 275 ff. Hurter II, S. 704 ff. 



— i93 — 

steige und falle. Maßgebend sei vielmehr, daß dem Gelde gegenüber 
ein »interesse« des gesamten Volkes vorliege 1 ). Als Erfordernisse 
des Geldes werden bezeichnet: »quantitas, materia, publica forma«. 
Grundlegend ist das Metall, die staatliche Autorität allein kann 
kein Geld schaffen. Das Geldwesen darf fiskalischen Interessen 
nicht dienstbar gemacht werden 2 ). Während für die Bewertung 
fremden Geldes im Inland allein die Qualität des Metalles in Be- 
tracht kommt, kann im Hinblick auf die Prägekosten der Wert 
des einheimischen Geldes etwas höher angenommen werden, als 
allein dem Metallgehalt entspricht: durch die Prägung wird der 
Nutzen des Metalles erhöht. Die staatliche Autorität verdient daher 
ein »praemium« 3 ). 

Vom Wucher befürchtet Baldus eine Beförderung der Hab- 
sucht und eine Auflösung der »vincula societatis humanae« 4 ), nicht 
ganz mit Unrecht, denn der Zins bedeutet eine Durchbrechung 
der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung - . 



! ) Super decretalibus : De iureiur. c. Quanto n. 9 (S. 206 b). 

2 ) 1. c. n. 4. 

3 ) 1. c. n. 11. 

4 ) 1. c. De vit. et. hon. der. c. Cler. n. 13 (S. 256 b). 



Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 13 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



Dritter Abschnitt. 

Abwendung vom Prinzip der Vertragsfreiheit. 

Ä. Forderung staatlicher Preisfixierung, Rück- 
kaufbarkeit der Renten. 

Wir haben in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters eine 
steigende Entwicklung des Wirtschaftslebens in kapitalistischem 
Sinne, die sich vor allem in der Ansammlung größeren Reichtums 
in den Händen einzelner äußert, die von dem Bestreben erfüllt 
sind, ihren Besitz gewinnbringend zu verwerten 1 ). Dies zieht aber 
die wichtigsten Folgen nach sich: Einmal bedeutet es eine Durch- 
brechung des alten Standesideals, indem an die Stelle des Be- 
darfdeckungsprinzips das Streben nach Gewinn tritt 2 ). Vor allem 
im Handel geht diese Entwicklung vor sich. Damit wurden aber 
die alten Formen des Kapitalverkehrs ungenügend: der steigende 
Reichtum verlangte nach neuen Anlagemöglichkeiten. Zu einem 
guten Teile fand das Kapital wohl seine Befriedigung im ver- 
zinslichen Darlehen, also in einer offenen oder verschleierten Um- 
gehung des Zinsverbotes; zum Teil wurden andere Kreditgeschäfte 
dem Verlangen nach gewinnbringender Kapitalanlage angepaßt, 
was vor allem durch Mobilisierung des Rentenkaufs geschah. 
Die alte Form der unkündbaren, ewigen Rente genügte nicht 
mehr, und man führte deshalb die Einrichtung der rückkaufbaren 
Rente ein. Häufig wurde von seiten des Staates die Bildung 
ewiger Renten überhaupt verboten, zunächst wohl, um eine Über- 
schuldung der Grundstücke zu verhindern 3 ). Diese Entwicklung 
bedeutete nichts anderes als eine Auflösung des alten Wirtschafts- 
lebens; der mobilisierte Rentenkauf ist eine der frühesten Formen 
des modernen Kapitals. 



*) Sombart: Der moderne Kapitalismus I (S. 398 ff.). Strieder: Zur Genesis 
des mod. Kapital. (S. 29). 

2 ) Sombart a. a. O. (S. 383). 

3 ) Neumann a. a. O. (S. 233 ff.). Vgl. Inama-Sternegg III, 2 (S. 468 ff.). 
Bruder, Studien (S. 30 ff.). 



— 195 — 

Parallel hiermit geht eine andere Erscheinung: Die Ent- 
wicklung der Preise während des Mittelalters läßt sich im all- 
gemeinen dahin charakterisieren, daß wir bis in die Mitte des 
1 4. Jahrhunderts ein ziemlich bedeutendes Steigen derselben festzu- 
stellen haben, woran sich eine Zeit großer Schwankungen schließt. 
Der nähere Verlauf und die näheren Ursachen dieser Entwicklung 
sind hier nicht zu erörtern 1 ). 

Schon früher waren staatliche Preisfixierungen nicht allzu 
selten gewesen, aber gerade seit dem 1 4. Jahrhundert können wir 
von einer immer weiter umsichgreifenden behördlichen Preistaxie- 
rung sprechen 2 ), die wohl zum Teil durch die berührten Erschei- 
nungen in der Preisbildung veranlaßt ist, zum Teil aber auch von 
dem Wunsche getragen wird, den Gewinn im Tausch und Handel 
zu begrenzen, um so das mittelalterliche Ideal des standesgemäßen 
Auskommens aller durchzuführen. Selbstverständlich lassen sich 
für diese Entwicklung keine genauen Zahlenangaben machen. Sie 
erfolgte hier früher, dort später, und auch für ein einzelnes Land 
lassen sich keine genau begrenzten Zahlen angeben. 

Von diesen Vorgängen im Wirtschaftsleben wird die scho- 
lastische Doktrin in weitgehendem Maße beeinflußt 3 ). Der vorige 
Abschnitt hat gezeigt, daß die Scholastik den Forderungen des 
Wirtschaftslebens nach größerer Freiheit nicht ablehnend gegen- 
übergestanden hatte. Die wirtschaftliche Entwicklung aber, die 
die dort genannten Vertreter vor Augen hatten, dürfte kaum die 
Schranken des mittelalterlichen Wirtschaftslebens überschritten 
haben. Selbst Buridanus lehnt noch jegliches Gewinnstreben über 
den standesgemäßen Unterhalt hinaus ab, obwohl auch hierin sich 
bei ihm nicht die Schärfe der früheren Zeit findet. Jetzt, wo der 
Gang des Wirtschaftslebens eine etwas andere Richtung einzu- 
schlagen scheint, zeigt sich in der scholastischen Literatur eine 
gewisse Reaktion. Sie lehnt nicht nur die vorige Freiheit der 
Preisbildung ab, sondern tritt auch für staatliche Preisfixierung 
ein, macht also in gewissem Sinne die Wandlungen der städtischen 
Wirtschaftspolitik mit. Zugleich ist die Rückkaufbarkeit der Renten 
zu behandeln. 

Diese Periode, in der in die scholastische Wert- und Preis- 
lehre manche neuen Momente eintreten, hebt mit Heinrich von 
Langenstein an. 

1 ) Inama-Sternegg III, 2 (S. 463). 

2 ) a. a. O. S. III, 1 (S. 303 ff.). 

3 ) Vgl. den Hinweis a. a. O. (S. 310). 

13* 



— 196 — 

§ 1. Heinrich von Langenstein. 

I. Heinrich von Langenstein wurde 1325 geboren. Nachdem 
er in Paris studiert und daselbst längere Zeit gelehrt hatte, wurde 
er 1383 an die damals neu gegründete theologische Fakultät der 
Wiener Universität berufen. Er starb 1397. In die Zeit seines 
Wiener Aufenthaltes 1 ) fällt die Abfassung des »Tractatus bipartitus 
de contractibus emptionis et venditionis«, der für die Entwicklung 
der Wert- und Preislehre von allergrößter Bedeutung ist 2 ). 

Die genannte Abhandlung ist hervorgegangen aus den 
speziellen Verhältnissen des Wiener Wirtschaftslebens: In W T ien 
verordnete Herzog Rudolf IV. 1360 in übereilter und schroffer 
Weise die obligatorische Ablösung der Renten 3 ). Schon dies rief 
auf Seiten der Kirchen und Klöster, für die eine ewige Rente 
mehr zu passen schien als die unsichere, stets kündbare Rente, 
große Mißstimmung hervor. Dazu kam noch ein anderes. Im 
Laufe der Jahre war der Rentenzinsfuß allmählich gesunken, und 
Rudolf IV. nahm hierauf Rücksicht, indem er die Renten mit 
dem achtfachen ihres Betrages für ablösbar erklärte, was gegen- 
über dem früheren Rentenpreise eine wesentliche Herabsetzung 
bedeutete. Auch dies brachte natürlich mancherlei Unzuträglich- 
keiten mit sich 4 ). Auf beide Bestimmungen nimmt Heinrich in 
seiner Abhandlung häufig Bezug. Besonders ist er unzufrieden 
mit der Ausdehnung derselben auf Kirchen und Klöster, tadelt 
jedoch auch die Rentengesetzgebung, soweit sie sich auf Laien 
bezog. Aber die in seinem Traktat sich zeigende Unzufriedenheit 
mit den Verhältnissen des Wirtschaftslebens kann aus diesen 
speziellen Faktoren wohl kaum ganz erklärt werden, schon des- 
halb nicht, weil die Abhandlung mindestens 20 Jahre nach Erlaß 
jener Rentengesetzgebung abgefaßt wurde, — es zeugt immerhin 
für den tiefgreifenden Einfluß der letzteren, daß nach so vielen 
Jahren die Verstimmung noch nachwirken konnte. Man muß 
vielmehr zum Verständnis der Ansichten Heinrichs wohl auf die 
allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse hinweisen. In dem 



a ) Näherhin in die Zeit 1383 — 1390. Vgl. Bruder, Studien (S. 70). 

2 ) Aschbach: Geschichte der Wiener Universität I (S. 366 ff.); besonders 
S. 397 ff. ; über seine wirtschaftlichen Anschauungen vgl. Röscher: Gesch. (S. 18 ff.). 
Ende mann, Studien II passim; Kaulla, Lehre vom gerechten Preis a. a. O. 
S. 598 f.). Bruder, Studien passim, wo noch eine ungedruckte »epistola de con- 
tractibus« benutzt ist. 

3 ) Über die Motive der Gesetzgebung vgl. Bruder a. a. O. (S. 38 ff.). 

4 ) Inama-Sternegg a. a. O. III, 2 (S. 469 f.). 



— IQ7 — 

Erlaß jener Rentengesetzgebung haben wir ein sicheres Anzeichen 
dafür, daß die Entwicklung des Kapitalismus in Wien einen ziem- 
lichen Umfang angenommen haben mußte. Und eben hiergegen 
wendet sich Heinrich von Langensein, wie im Folgenden zu zeigen 
sein wird. 

II. Heinrich wendet sich zunächst in schärfster Form gegen 
jegliches Gewinnstreben über den standesgemäßen Unterhalt 
hinaus. Gleich im Eingange seiner Abhandlung zitiert er das 
Wort der Bibel, daß der Mensch im Schweiße seines Angesichts 
sein Brot essen solle, und tadelt daher diejenigen, die dieses Ge- 
bot nicht beachten 1 ), vielmehr »laboribus dimissis solum student 
contractibus ditari« 2 ). Häufig kehren die Klagen wieder über die 
Menschen, deren Gott das Geld sei, über die »supercrescens nimia 
hominum cupiditas« sowie darüber, daß »omnes lucrari volunt de 
pecuniis et rebus suis« 3 ). 

Der Einzelne darf, betont er demgegenüber, nur so viel er- 
werben, als zu einem standesgemäßen Leben nötig ist, und nur 
aus drei Gründen dürfe mehr erstrebt werden: Zur Verrichtung 
mildtätiger Werke, zur Sicherung gegen zukünftige Notfälle, sowie 
um den Erben durch Hinterlassung eines Vermögens ein standes- 
gemäßes Auskommen zu ermöglichen. Aber alles dieses hält sich, 
wie man sieht, durchaus im Rahmen des Bedarfdeckungsprinzips, 
und Heinrich fügt hinzu: »Unde, qui quantum ad ista satis habet 
et nihilominus indesinenter laborat divitias acquirere vel ut altiorem 
statum adquirat vel post sine laboribus habeat abundanter aut ut 
filii eius abundent vel magni fiant, omnis talis damnabili agitatur ava- 
ritia, voluptate vel superbia« 4 ). Diese Stelle ist äußerst bezeichnend: 
jedes Streben über den eigenen Stand hinaus wird als unsittlich 
verurteilt. Es handelt sich um nichts anderes, als um eine Ver- 
teidigung des wirtschaftlichen Ideals des Mittelalters gegenüber 
der eindringenden kapitalistischen Zersetzung, 

Heinrich von Langenstein fordert keineswegs Gleichheit des 
Besitzes; er erklärt es vielmehr für gut, daß in der menschlichen 
Gesellschaft Reiche und Arme weilen: beide könnten sich gegen- 
seitig unterstützen, indem der Reiche sich durch Almosen ewigen 
Lohn erwerbe und der Arme von seiner Not befreit werde, was 
wieder zu einem festeren Zusammenschluß der Bürger unter- 



*) 


I, 


c. 1 


2 ) 


I, 


47- 


3 ) 


I, 


48. 


4 ) 


I, 


12. 



— 198 — 

einander führe 1 ). Aber Hand in Hand hiermit gehen die steten 
Klagen über die Abnahme der christlichen Liebesgesinnung, über die 
Ausbeutung der Armen durch die Reichen. Mit dieser antikapita- 
listischen Tendenz ist der Grundton der ganzen Abhandlung gegeben. 

III. Von dem gekennzeichneten Ideengange aus ist es nur 
konsequent, wenn die Freiheit der Preisbildung abgelehnt 
wird. Denn ohne letztere ist ein Gewinnstreben undenkbar. 
Heinrich betont daher: »relinquere rerum pretium in arbitrio ven- 
dentium est relaxare frenum cupiditati, quae fere omnes venditores 
agitat in excessum lucri«. Daher kämen die Benachteiligungen der 
Armen und die Bereicherung einzelner weniger Kaufleute auf 
Kosten aller derer, die Arbeit verrichteten 2 ). Der Tausch soll 
demgegenüber nach Wertgleichheit vor sich gehen, und zwar solle 
der Marktpreis oder der sonst übliche Preis zugrunde gelegt werden 
(valor forensis vel usualis seu consuetudinalis). Der Marktpreis 
wird gebildet durch das menschliche Bedürfnis (quantitas indi- 
gentiae humanae). In der Begründung dieses Satzes schließt sich 
Heinrich von Langenstein nahezu wörtlich an Buridanus an, frei- 
lich ohne ihn zu zitieren 3 ). 

Übrigens kommen beide von demselben Prinzip aus zu ganz 
anderen Konsequenzen: war Buridanus für freie Preisbildung ein-, 
getreten, so verlangt Heinrich staatliche Preisfixierung. Er 
geht dabei von dem Gedanken aus, daß für jede Ware unter be- 
stimmten Verhältnissen ein bestimmter gerechter Preis existiere, 
der, wenn auch nicht »ad punctualem praecisionem«, so doch »ad 
rationabilem et congruentem politiae quantificationem« bestimmbar 
sei. Er beruft sich hierfür auf das römische Recht: Denn die 
Bestimmung desselben, daß ein Kaufvertrag ungültig sei, wenn 
eine Täuschung über die Hälfte des gerechten Preises hinaus statt- 
gefunden habe, setze voraus, daß letzterer bestimmbar sei. Es 
werden daher diejenigen Behörden getadelt, die die Preisbildung 
der freien Vereinbarung der Kontrahenten überlassen 4 ). 

Zwecks näherer Bestimmung, wie der Staat diese Preis- 
fixierung vorzunehmen habe, unterscheidet nun Heinrich zwischen 
Bedürfnissen der Natur, des Standes und solchen, die hierüber 
hinausgehen. Die letzteren werden verurteilt. Die übermäßige 
Genußsucht wird unter den Ursachen einer Teuerung aufgezählt 

x ) I, 3 f. und sonst. 

2 ) I, IL 

3 ) *> 5 v gl- Kaulla, Lehrer d. Oresm. (S. 461). 

4 ) I, 10. 



— 199 — 

und staatliches Eingreifen dagegen gefordert. Er scheidet ferner 
zwischen der Extensität eines Bedürfnisses und der Intensität des- 
selben. Erstere ist bestimmt durch die Menge der Bedürfenden: 
so gibt es gewisse Dinge, die alle benötigen, andere sind nur für 
einzelne Stände notwendig usw. Die Intensität bestimmt sich 
nach der Menge der vorhandenen Güter: Eine Sache die im 
Überfluß vorhanden ist, erregt nur ein geringes Bedürfnis; fehlt 
dagegen ein Gut überhaupt, so wird es sehr hoch bewertet 1 ). 

Hieraus ist zu entnehmen, worauf der Staat bei Fixierung 
der Preise zu achten hat: Die Behörde, erklärt Heinrich, müsse 
die Menge der vorhandenen Güter schätzen, wobei vor allen 
Dingen geprüft werden müsse, ob der Überfluß oder Mangel durch 
natürliche Verhältnisse bedingt sei oder nicht. Auch seien die zu 
erwartenden Ernteergebnisse zu berücksichtigen. Dann müßte 
der Bedarf der Stadt in Betracht gezogen w*erden: es könne 
leicht ermittelt werden, wieviel die einzelnen Handwerker an 
Material und Instrumenten brauchten, was die einzelnen Stände 
für ihren Lebensunterhalt benötigten usw. Das Bedürfnis also, 
von dem die Preisfixierung ausgehen soll, ist das standesgemäße: 
»Indigentia ergo dicit carentiam rerum cum necessitate vel per- 
tinentia earum ad naturam vel statum aut artem vel officium ho- 
minis« 2 ). 

Der ganze Endzw T eck der Preisbestimmung läuft also darauf 
hinaus, jedem einzelnen den standesgemäßen Lebensunterhalt zu 
sichern. Der Wert soll bestimmt werden, erklärt Heinrich, »prout 
omnibus convenit statibus« 3 ) und gegen Schluß der ganzen Ab- 
handlung heißt es noch einmal, der Nutzen der Preisfixierung sei 
der, »ut quilibet compet enter suo statui habere possit vitae neces- 
saria« 4 ). 

Unterlasse der Staat, als dessen Aufgabe es direkt bezeichnet 
wird, jedem den standesgemäßen Unterhalt zu beschaffen 5 ), seine 
Pflicht, so müsse der Einzelne selbständig vorgehen. Er solle dann 
darauf achten : »pro quanto res suas vendendo statum suam conti- 
nuare possit et se in ipso competenter nutrire et secundum hoc im- 
pensis et laboribus rationabiliter aestimatis mensuret pretium ope- 



!) l. C. 

2 I 1. c. cf. I, ii; II, 12 und sonst. 

3 ) I, ii- 

4 ) n, 38. 

5 ) J, 9; als Ziel des Staatslenkers wird bezeichnet die »sufficientia necessariorum 
secundum statum cuiuslibet«. 



— 200 — 

rum suorum« x ). Es wird hiermit im Grunde die thomistische Wert- 
lehre von der Wiedervergeltung von Arbeit und Kosten wiederholt. 

Die Wertlehre Langensteins ist, wie schon betont wurde, 
einmal eine Reaktion aus den wirtschaftlichen Verhältnissen her- 
aus, sie verteidigt das mittelalterliche Wirtschaftsideal gegen die 
Zersetzung durch die Anfänge einer kapitalistischen Entwicklung; 
sie ist aber auch eine Reaktion gegen die Entwicklung, die die 
scholastische Wertlehre genommen hatte. Von Thomas von Aquin 
an hatten wir die allmähliche Zersetzung festgestellt, bis sie bei 
Heinrich von Langenstein zu Thomas von Aquin zurückkehrt. 
Heinrich von Langenstein unterscheidet sich aber von Thomas 
einmal dadurch, daß er sich in reaktionärer Weise gegen gewisse 
Tendenzen im Wirtschaftsleben wendet; sodann durch Folgendes: 
In der ganzen früheren Scholastik war von einer Forderung 
staatlicher Preisfixierung keine Rede 2 ). Bei Heinrich von Langen- 
stein begegnet sie uns zum erstenmal: letzten Endes übrigens ver- 
ständlich, denn von der freien Entwicklung des wirtschaftlichen Ver- 
kehrs konnte er kaum die Verwirklichung seines Ideals erwarten; 
wie immer in ähnlichen Fällen wurde daher die Staatshilfe zur 
Rettung der alten Zustände angerufen. 

IV. Die übrigen wirtschaftlichen Anschauungen 
sind von geringerem Interesse. In der Wucherlehre 3 ) steht Hein- 
rich völlig auf dem alten Boden, abgesehen von den unaufhörlichen 
Klagen über die Umgehung des Zinsverbotes, die sich in der 
früheren Zeit in der Weise nicht finden. Er geht sogar so weit, 
daß er eine vollständige Abschaffung des Darlehens für möglich 
erklärt, weil dann jeder um so angestrengter arbeiten würde 4 ). Scharf 
wird inbesondere der Zinstitel des hierum cessans eingeschränkt, 
weil derselbe praktisch eine völlige Aufhebung des Zinsverbotes 
bedeute 5 ). Heftig wendet sich Heinrich gegen die jüdischen 
und christlichen Wucherer ). Ein wirtschaftlicher Verkehr darf 
mit Wucherern, die nichts als erwuchertes Geld besitzen, nur dann 
unterhalten werden, wenn die Restitutionsfähigkeit derselben da- 

*) Ii 12. 

2 ) Erwähnt wird z. B. bei Buridanus ein pretium institutum als tatsächlich be- 
stehend. — Plato erhebt ähnliche Forderungen wie H. v. L. (vgl. S. 5), ohne daß je- 
doch eine Abhängigkeit anzunehmen wäre. 

3 Cf. I, 13; I, 21 ff. und sonst. 

4 ) I, 49- 

5 ) I, 23. 

6 ) Über Juden und Lombarden, Kavertschen usw. vgl. Inama-Sternegg 

a. a. O. (S. 47; ff.). 



201 

durch nicht geschmälert wird 1 ). Bei Verkauf auf Kredit muß der 
Preis vereinbart werden, den die Waren zur Zeit der Zahlung wahr- 
scheinlich haben werden. Aber wegen der steten Gefahr der Wucher- 
sünde rät Heinrich, sich von solchenVerträgen überhaupt zu enthalten 2 ). 

Auch bezüglich des Rentenkaufes können wir uns mit 
wenigen Bemerkungen begnügen : Der Rentenkauf erscheint durch- 
aus eingegliedert in die übrigen volkswirtschaftlichen Ideale Hein- 
richs. Er ist nur solchen gestattet, die aus Alter oder Krankheit 
nicht mehr arbeiten können, oder wenn er als Einkommensquelle 
für staatliche oder kirchliche Beamte usw. dienen soll. Von 
ersteren Fällen abgesehen, ist er also nur dann erlaubt, wenn mit 
höherwertiger Arbeit vergolten wird »dummodo aliorum labores 
fideliter recompensent operibus eorum statibus debitis« 3 ). 

Eine kapitalistische Verwertung des Rentenkaufes wird also 
abgelehnt. 

Die Rente kann fundiert werden auf bewegliche und un- 
bewegliche Gegenstände, wenn nur dieselben einen Ertrag ab- 
werfen, daher z. B. nicht auf Geld. Die Rente ist also eine 
dingliche Last; hiernach bestimmt sich auch der gerechte Preis 
derselben: »Census annalis redditur injustus, si non fuerit notabiliter 
minor utilitate, quam res ferre potest per annum, demptis ab eadem 
expensis pro conservatione rei vel pro deductione ipsius ad fructum« 4 ). 

Nicht wohlwollend steht er der Rückkaufbark ei t der Renten 
gegenüber 5 ). Vor allem, weil sie dann zur Umgehung des Zins- 
verbotes benutzt werden könnten. Wenn der Staat jedoch aus 
zwingenden Gründen die Kündbarkeit der Renten einführe, um 
eine übermäßige Belastung der Grundstücke zu verhindern, sei 
dies gestattet, es dürfe jedoch der für diese Fälle festgesetzte 
Preis um deswillen nicht geringer sein; denn das Recht des Rück- 
kaufes habe mit dem Wert der Sache nichts zu tun, und für die 
Armen, die meistenteils die Renten verkauften, sei es unter allen 
Umständen von Nachteil : Denn einmal kämen die Reichen billiger 
zu ihren Renten, und andererseits würden die Armen in der 
Hoffnung, die Renten ablösen zu können, zu vermehrten Renten- 
verkäufen veranlaßt. 



\> T, 37. I, 25 ff. 
-) I, 41, cf. I, 45. 

3 ) II, 2, cf. II, 1 ; II, 3 : Hier ist er vor allem dagegen, daß »plebei fortes 
laboribus apti«; Renten erwerben. 
*) II, \i. 
5 ) II, 10 ff. ; ib. 17 ff. ; und sonst. 



202 

Auch die Renten auf Lebenszeit oder bestimmte Zeit sieht 
Heinrich nicht besonders gerne 1 ). Zumal wendet er sich gegen 
die Argumentation, daß diese Verträge als Ausfluß des Eigentums- 
rechtes zu gestatten seien, eine Anschauung, die, wie oben ge- 
zeigt, Aegidius Lessinus in mehr individualistischer Fassung des 
Eigentums vertreten hatte. 

Die übrigen Erörterungen über das Rentenwesen betreffen 
speziell die Rentengesetzgebung Rudolfs IV. und bieten für uns 
wenig Interessantes. Den staatlich seit längerer Zeit eingeführten 
Preis für rückkaufbare Renten erklärt Heinrich im Hinblick auf 
die gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse für ungerecht 2 ). 

V. In jeder Hinsicht finden wir bei Heinrich von Langen- 
stein mehr oder minder rigoristische Anschauungen. Bezüglich 
der Wert- und Preislehre ist der reaktionäre Charakter bereits 
hervorgehoben worden. Die Rentenlehre ist scharf antikapitalistisch. 
Auch Endemann findet bei ihm eine ziemlich ängstliche Be- 
schränkung des Rentengeschäftes 3 ). Aber durch die Unterordnung 
desselben unter das Bedarfsdeckungsprinzip bringt er am klarsten 
und schärfsten das scholastische Wirtschaftsideal zum Ausdruck. 

§ 2. Heinrieh von Oyta. 

I. Heinrich von Oyta 4 ) war ein Freund und Amtsgenosse 
Heinrichs von Langenstein. Er dozierte seit 1385 in Wien, wo 
er 1397 starb. In die Zeit seines W r iener Aufenthalts 5 ) fällt seine 
Abhandlung: »de contractibus« , die sich fast ausschließlich mit 
dem Rentenkaufe beschäftigt. 

Bezüglich der Wertlehre 6 ) beruft er sich auf Augustinus 
und Thomas von Aquin. Im Anschluß an ersteren führt er aus, 
daß der Wert durch das Bedürfnis bestimmt werde, und zwar sei 
der Grad des Bedürfens zu bemessen: »ex communi cursu et 
consuetudine patriae«. Dieser normale Wert, führt er, auf die 
thomistische Summe sich stützend, weiter aus, müsse an sich die 



^ 11, 12; ib. 26 ff. 

2 ) Vgl. z. B. II, 38. Die Rente muß eine dingliche Last sein. Daher ist der 
Vertrag unerlaubt: .quo aliquis certa pecunia ab alio recepta obligat se illli ad dandum 
annuatim tot solidos, quamdiu vixerit, quia hoc est directe personam censualem facere, 
non habendo respectum nee ad eius laborem nee ad rem aliquam ipsius.« H. v. L. ver- 
wirft also den census personalis. II, 32. 

3 ) Studien II (S. 110). 

4 ) Aschbach, Geschichte der Wiener Universität I (S. 402 ff.); über seine wirt- 
schaftlichen Anschauungen S. Röscher, Gesch. (S. 21). 

5 ) Vgl. Dub. ; f. 

6 ) Dub. 3. 



— 203 — 

Grundlage der Wertgleichheit bilden, abgesehen von den Fällen, 
wo per accidens der Verkäufer besonders scharf durch den Ver- 
kauf geschädigt werde und der Käufer einen besonderen Vorteil 
erlange. Dann müsse die Wertgleichheit genommen werden »se- 
cundum discretam et rationabilem aestimationem contrahentium 
vel alicuius boni viri utriusque, scilicet vendentis et ementis, dam- 
num cavere et utilitatem procurare volentis«. Das, was die Scho- 
lastik seit Thomas von Aquin in der Behandlung des Wertes ge- 
leistet hatte, wird hier völlig übergangen. 

In der Behandlung des Rentenvertrages ist er viel leiden- 
schaftsloser als Heinrich von Langenstein, wenn auch seine An- 
schauungen im Kerne nicht allzusehr von denen des letztge- 
nannten abweichen. Nur solchen Personen darf der Kauf von 
Renten gestattet werden, die für den Staat nützliche Arbeit leisten. 
Er tritt dafür ein, daß auch die Form des census realis erlaubt 
sei, wo Renten auf die persönliche Arbeitskraft eines Menschen 
fundiert werden, wenn nur dem letzteren nach Abzug der jähr- 
lichen Rente noch ein standesgemäßer Lebensunterhalt übrig 
bleibt 1 ). Ein Vertrag der nicht mehr wesentlich von einem ver- 
zinslichen Darlehen unterschieden ist. Heinrich von Langenstein 
nimmt in diesem Punkte eine unklare Stellung ein 2 ). Auch beim 
Kaufe einer ewigen Rente, betont er weiter, sei Wertgleichheit 
möglich, der Wert dürfe nicht bemessen werden nach der Summe 
der einzelnen Rentenzahlungen, sondern »secundum gradus utili- 
tatis, quam ex earum usu habent contrahentes«, wofür wieder der 
Marktpreis maßgebend sei. Daß man nicht auf die einzelnen 
Rentenzahlungen sehen dürfe, erhelle schon daraus, daß von dem- 
selben Standpunkte aus der Verkauf eines Ackers für eine be- 
stimmte Geldsumme unstatthaft sei, weil der Besitzer im Laufe 
der Zeit weit mehr gewinnen würde, als der Kaufpreis betragen 
hätte 3 ). Rückkaufbarkeit der Renten darf vereinbart werden; 
nur ist deswegen eine Verringerung des Preises nicht gestattet 4 ). 

Den Kauf einer Rente auf Lebenszeit, den Heinrich von 
Langenstein ebenfalls nicht besonders günstig beurteilt hatte, ge- 
stattet Heinrich von Oyta ebenfalls. Er betont noch, daß ein 
etwaiger Gewinn des Käufers der Rente über den Kaufpreis 
hinaus schon um deswillen nicht ungerecht sei, weil der Ver- 



2 ) Dub. i. 

2 ) Hcnricus de Hass. 1. c. II, c. 4, vgl. S. 202, Anm. 2. 

3 ) Dub. 3. 

4 ) Dub. 6. 



— 204 — 

käufer durch Verwendung der Geldsumme möglicherweise einen 
viel höheren Ertrag inzwischen erzielt habe 1 ). 

Die Klagen über Umgehung des Wucherverbotes finden wir 
auch hier 2 ). Hinsichtlich der Eigentumsübertragung am erwucherten 
Gelde, sowie bezüglich des wirtschaftlichen Verkehrs mit Wucherern 
werden keine neuen Gesichtspunkte gebracht 3 ). 

Über die Wert- und Preislehre Heinrichs von Oyta dürfte 
kaum ein völlig abschließendes Urteil gefällt werden können. Sie 
wird nicht ausdrücklich behandelt, sondern nur flüchtig als Grund- 
lage für die Erörterung der Wertgleichheit bei Rentenverträgen 
herangezogen und ist daher nicht ganz durchgearbeitet. Beim 
Kauf einer Rente auf Lebenszeit wird z. B. das Gewinnprinzip 
im Tausche stillschweigend vorausgesetzt, während es in der Wert- 
lehre nicht erwähnt ist. 



§ 3. Johannes Gerson. 

I. Johannes Gerson 4 ) wurde 1363 in Gerson, in der Diözese 
Reims geboren ; er war Kanzler an der Pariser Universität und 
nahm in reichem Maße an dem kirchlichen und politischen Leben 
seiner Zeit teil, wobei er meist in ausgleichendem Sinne zu wirken 
suchte. Als theologischer und philosophischer Schriftsteller war 
er wenig originell, suchte aber auch hier zwischen den verschiedenen 
Schulen zu vermitteln. Er starb 142g in Lyon. Für seine wirt- 
schaftlichen Anschauungen kommt vor allem seine Abhandlung 
»de contractibus« in Betracht, die hauptsächlich der Frage des 
Rentenkaufs gewidmet ist 5 ). Sie bildet jedoch kein einheitliches 
Werk, sondern setzt sich aus mehreren Gelegenheitsschriften 
zusammen. Wie sehr die Frage des Rentenkaufs damals im 
Vordergrund des Interesses stand, zeigen außer der Tatsache, daß 
eigene Abhandlungen darüber geschrieben wurden, auch die Ver- 
handlungen des Konstanzer Konzils, das jedoch keinen endgültigen 
Beschluß faßte. 1425, also noch zu Lebzeiten Gersons, erfolgte 
dann eine Entscheidung des Papstes Martin V, die im Prinzip die 



x ) Dub. 4. 

2 ) In der Einleitung des Tractats. 

3 ) Vgl. Dub. 18 f. 

4 ) K. L. V, 457 ff.; Hurter II, 791 ff.; Stoeckl, Gesch. d. mittel. Phil. II, 
1078 ff. 

5 ) Vgl. Opera omnia tom. II (S. 167 — 196). 



— 205 — 

Rückkaufbarkeit der Renten anerkannte 1 ). Neben dem genannten 
Traktate sind noch einige mehr zufällige Äußerungen in den 
übrigen Werken Gersons zu berücksichtigen. 

II. Wie Gerson auf dem Gebiete des politisch kirchlichen 
Lebens nicht weniger als auf wissenschaftlichem Gebiete nach 
einer Ausgleichung der Gegensätze strebte, so zeigt sich dieser 
Charakter auch in seinen wirtschaftlichen Anschauungen. 

Scharf betont er das mittelalterliche Standesprinzip. Das 
Ansammeln von Schätzen darf nicht den Zweck der Bereicherung 
haben: es müsse erfolgen »debito servato modo iuxta statum 
personae« 2 ). Eine tiefer ausgeführte Wertlehre findet sich bei ihm 
nicht. Er äußert sich darüber nur in gelegentlichen, durch den 
Zusammenhang bestimmten Bemerkungen. So sagt er ähnlich wie 
Aegidius Lessinus bei Behandlung des Preises der Rente: »res 
autem minus valet, dum expectatur in longum quam dum 
praesens obtinetur«: Gegenwartsgüter haben also einen höheren 
Wert als zukünftige 3 ). Die römisch-rechtliche Vertragsfreiheit lehnt 
er ab, betont aber, daß der gerechte Preis einen weiten Spielraum 
habe, und daß nicht jeder Gewinn des einen Tauschkontrahenten 
auf Kosten des anderen gleich schwer sündhaft sei, weil sonst 
alle Menschen zu verurteilen wären. Zum mindesten brauche keine 
Restitution einzutreten, wenn der andere frei eingewilligt habe, 
auch wenn an sich vielleicht der Tausch nicht ganz gerecht wäre 4 ). 
Andererseits erklärt Gerson es als ideal, daß für alle Waren von 
seiten des Staates ein Preis fixiert werde, und er schildert mit 
einer gewissen Wärme, wie schön es wäre, wenn jede Ware einen 
bestimmten Preis hätte, wie es bereits beim Getreide der Fall sei, 
so daß alles Feilschen über den Preis überflüssig wäre. Wohl sei 
dies schwer auszuführen, aber doch möglich, wenn die Menschen 
den guten Willen dazu hätten 5 ). 

Die Rückkaufbarkeit der Renten kann unter Umständen 
notwendig und nützlich für ein Gemeinwesen sein. Sonst bestände 
z. B. für Lehen die Gefahr der Überschuldung. Das Rückkaufs- 



x ) Endemann, Studien II (S. 1 1 1 ff.). Derselbe: Grandsätze (S. n). Funk, 
Gesch. d. kirchl. Zinsverb. (S. 46 f.) Bruder a. a. O. (S. 95). Vgl. Extrav. conim. 
1. III. t. 5, c. 1. Das Preisverhältnis zwischen rückkaufbaren und nicht rückkauf- 
baren Renten wird in der Bulle nicht behandelt. 

2 ) Comp. Theol. De 7 vit capit. (I, 338). 

3 ) De contr. p. II prop. X. 

4 ) 1. c. prop. XI. 

5 j 1. c. p. I, quat. 5. cons. 19. 



20Ö — 

recht rechtfertigt nach Gerson im Gegensatz zu Heinrich von 
Langenstein einen geringeren Preis, weil das Eigentum ein weniger 
umfassendes ist 1 ). Wertgleichheit liegt bei Rentenverträgen, so- 
wohl ewigen, wie auf Lebenszeit auch dann noch vor, wenn der 
Summe der einzelnen Rentenzahlungen nach der Käufer mehr er- 
hält, als das hingegebene Kapital betrug, wofür sich Gerson auf 
das oben genannte werttheoretische Prinzip stützt 2 ). Zum ersten 
Male in der scholastischen Literatur erwähnt Gerson Rentenver- 
träge von seiten des Staates: Der Staat verkaufe gegen Einzahlung 
eines bestimmten Kapitals Renten von bestimmter Höhe, und zwar 
seien dieselben fundiert auf die Erträge der Steuer, die er mit 
einem Worte Ciceros als Nerven des Staates bezeichnet 3 ). Er er- 
örtert aber diesen Fall nicht weiter. 

In der Wucherlehre betont er vor allem, daß der Zins 
arbeitsloses Einkommen sei: »Est ergo contra naturam hominis, 
ut sine labore velit vivere, quod fit in usuris«. 4 ). Auffallenderweise 
erklärt Gerson, daß es erlaubt sei, bei Verkauf auf Kredit einen 
höheren Preis zu fordern, als wenn die Zahlung in barem Gelde 
erfolge, wenn die Stundung des Kaufpreises nur in der Absicht 
geschehe, den Nächsten zu unterstützen und nicht, ihn zu be- 
nachteiligen 5 ). 

Auch bei Gerson wirkt eine gewisse Reaktion, wie sie bei 
Heinrich von Langenstein sich gezeigt hatte, nach, wenn auch in 
gemildertem Maße, wie es dem Charakter Gersons entspricht. Das 
Standesprinzip wird scharf betont. In der Wert- und Preislehre 
sucht er zu vermitteln: er will einerseits eine gewisse Freiheit ein- 
räumen und wünscht doch andererseits staatliche Preisfixierung. 
Seine Anschauungen tragen so einen etwas widerspruchsvollen 
Charakter. 



B. Ausgleich von Freiheit und Gebundenheit; Wechsel, Versicherung, 

Staatsanleihen. 
Die radikale Forderung der Preisfixierung widersprach, wenn 
sie auch gewissen Tendenzen der städtischen Wirtschaftspolitik 
entgegenkam, doch den Erfordernissen des Wirtschaftslebens zu 



1 ) 1. c. quat. 2, cons. 5 ff; ib. quat. 5. cons. 17. P. II, häufig. Vgl. Funk a. a. O. 
S. 46 f. 

2 ) Vgl. Anmerkung 3 der vorigen Seite. Cf. p. III att. 5. 

3 ) 1. c. p. 11. i. pr. 

4 j 1. c. p. I, quat. 4. cons. 13. ib. cons. 15. p. II, prop. 6 f f . cf. comp, theol. 

de 7 vit cap. (I, 340); de praecept. Decalog c. X. (I, 435). 

h ) 1. c. p. II, prop. 8; cf. p. III, att. 7. 



— 207 — 

sehr, als daß sie auf die Dauer in der Scholastik sich hätte be- 
haupten können. Es war vielmehr psychologisch verständlich und 
durch die Entwicklung der mittelalterlichen Wirtschaftslehre er- 
fordert, daß man einerseits die Idee des normalen Marktpreises 
beibehalten, aber andererseits doch auch den realen, freiheitlicher 
gerichteten Verhältnissen Rechnung tragen wollte. Die ausgehende 
Scholastik sucht daher gegenüber dem Prinzip strengster Gebunden- 
heit und dem Prinzip der Freiheit nach einer Mitte, in der beide 
Momente aufgehoben und zum Ausgleich gebracht seien. 

Hier bot sich nun die Möglichkeit, auf ein früheres Entwick- 
lungsstadium der Preislehre zurückzugreifen: bereits bei Duns 
Scotus fand sich jene gesuchte Synthese — der Mangel entwick- 
lungsgeschichtlichen Sinnes ließ darüber hinwegsehen, daß hier 
nur eine Durchgangsstufe vorlag — und so baute man seinen 
Gedanken, daß innerhalb einer gewissen »latitudo« des Preises freie 
Vereinbarung gestattet sei, weiter aus. Die nähere Darstellung 
dieses Prozesses, sowie seiner Folgen wird unten zu geben sein. 
Andererseits mußte die Lehre vom normalen Preise mit der Tat- 
sache in Einklang g'ebracht werden, daß auf dem Markte ein gegen- 
seitiges Unter- und Überbieten der Käufer und Verkäufer vor sich 
geht, daß eine Konkurrenz zwischen beiden Parteien stattfindet, 
eine Beobachtung, die, wie zu zeigen sein wird, der Lehre vom 
gerechten Preise ein weiteres liberales Moment hinzufügte. 

Weitere Aufgaben erwuchsen der Scholastik durch dignfNot- 
wendigkeit, neue wirtschaftliche Erscheinungen, wie Wechsel, Ver- 
Sicherung, Staatsanleihen, die, obwohl größtenteils früher entstanden, 
doch erst jetzt im Wirtschaftsleben schärfer hervortraten, zu be- 
handeln und ihnen gegenüber den Geltungsbereich des Zinsverbotes 
abzugrenzen. 

§ 1. Johannes Nider. 

I. Unter denen, die an dem normalen, gerechten Preise fest- 
hielten und nur das alte Prinzip tiefer auszugestalten versuchten, 
sei zunächst Johannes Nider mit seinem Traktat »De contractibus 
mercatorum« genannt. Nider, um 1380 geboren, war zweimal 
Professor an der Wiener Hochschule und starb als solcher 1438 1 ). 
Sein Traktat ist, wie übrigens gleich im Eingange betont wird, 
zum größten Teil aus anderen Schriften kompiliert. Besonders 
häufig werden Thomas und Scotus angeführt. Auf seine Stellung 



1 j Schulte II, S. 441 f. Vgl. Endemann, Studien II, besonders S. 71., 15, 
25, 32 f., 351., 51, 65. 



— 208 — 

zum Eigentum, zum Geldwechselgeschäft, das er als »quasi quaedam 
venditio vel emptio unius monetae pro alia« l ) bezeichnet, braucht 
daher ebensowenig eingegangen zu werden, wie auf die Lehre 
vom Darlehen und von den Zinstiteln. Die diesbezüglichen Aus- 
führungen bieten uns nichts Neues. 

IL Seine Wertlehre hingegegen ist dadurch bedeutsam, daß 
auf ein Problem hingewiesen wird, das die übrige Scholastik meist 
nicht beachtet: als gerechter Preis wird der Marktpreis, die com- 
munis aestimatio bezeichnet. Auch Nider hält hieran fest; nur 
verfährt man nach ihm bei dieser Bestimmung »nimis generaliter«. 
Im praktischen Leben bereite der Begriff Schwierigkeiten: Häufig 
beständen für dieselbe Ware verschiedene Wertschätzungen, sei 
es, daß alle falsch, sei es, daß wenigstens eine richtig sei; für einzelne 
seltene Waren bestehe gar kein allgemeiner Wert; der Marktpreis 
ändere sich schnell und sei häufig dem einzelnen nicht bekannt' 2 ). 

Nider will nun seinerseits dem Kaufmann gewisse Richtlinien 
für die Preisbestimmung geben. Der Wert hängt ab, heißt es 
im Anschluß an Augustinus, von der menschlichen Schätzung; er 
hat daher im Einzelfall einen weiten Spielraum 3 ). Doch wird das 
Prinzip der Schätzung nicht rein durchgeführt, wie sich des weiteren 
ergeben wird. 

Will nun ein Kaufmann eine Ware verkaufen, so ist zunächst 
festzustellen, ob dieselbe seit der Zeit des Einkaufes in ihren ob- 
jektiven Eigenschaften auf natürlichem Wege oder durch Verar- 
beitung besser geworden ist. Ist dies der Fall, so ist ein höherer 
Preis berechtigt 4 ). 

Vor allem aber hat der Kaufmann zu prüfen, ob die allge- 
meine Schätzung, die das eigentliche Wertprinzip ist, sich inzwischen 
erhöht hat. Der Marktpreis einer Ware bestimmt sich nach An- 
gebot und Nachfrage: »Quanto autem plures indigent de re et 
eam habere desiderant et minor est eius copia, tanto carius aesti- 
matur et venditur« 5 ). 

Aber auch dann, wenn der zu verkaufende Gegenstand »nee 
in se nee in aestimatione« verändert ist, so ist doch unter Um- 
ständen ein höherer Preis berechtigt im Hinblick auf die Arbeiten, 
Mühen und Gefahren, die der Kaufmann durch den Transport der 



J ) c. 3 (24). 

2 ) c. 2 i. pr. i. f. c. 3 passim. 

3 ) 1. c. (1) und sonst. 

4 ) 1. c. 

*) 1. c. (2). 



— 209 — 

Waren und ihre Bereithaltung auf dem Markte auf sich genommen 
hat 1 ). Das Prinzip der communis aestimatio wird also hier für 
das praktische Leben durchbrochen. 

Wie soll sich aber der Kaufmann verhalten, wenn die allge- 
meine Schätzung irrtümlich ist, und dem Kaufmann die Ungerechtig- 
keit des Preises klar einleuchtet? Dann darf er sich nach Nider 
nicht daran halten: »tunc debet recurrere ad rationem pensando 
sumptus, labores etiam bona fide prout melius potest fieri nee non 
meliorationem sive realem sive aestimatam et iuxta ista rem ven- 
dere.« Dasselbe gilt in dem Falle, wo überhaupt kein allgemeiner 
Preis vorhanden ist 2 ). Doch sieht sich Nider zu einer Konzession 
gezwungen. 

Der Kaufmann muß und darf sich der tatsächlichen Preis- 
bildung anpassen: »si nullus vult pro tanto emere, sicut valet, 
oportet vendi remissius, si debet vendi. Ideo dieunt leges, rem 
tantum valere, quantum vendi potest, i. e. seeundum quod haberi 
possunt emptores« 3 ). Die Durchführung des justum pretium scheitert 
dann also an der Gewalt der Verhältnisse. 

Eng hängt hiermit das Folgende zusammen: Angebot und 
Nachfrage lassen den Preis hin- und herpendeln. Zwischen Käufern 
und Verkäufern herrscht auf dem Markte Konkurrenz. Die Käufer, 
die eine bestimmte Ware haben wollen, überbieten sich gegenseitig 
im Preise. Wie soll der Kaufmann sich hierzu stellen. Nider sagt: 
»Itaque quis habens rem, quam multi desiderant et pro qua unus 
prae alio plus alio exhibet, cur non venderet eam ceteris paribus 
magis danti dimissis aliis, qui minus darent?« 4 ). Der Kaufmann 
darf also die Konkurrenz der Käufer untereinander ausnutzen. 
Auch in diesem Falle reicht der Begriff der »communis« aestimatio 
nicht aus. 

Natürlich will Nider die Lehre von dem »allgemeinen Werte« 
keineswegs als unrichtig aufgeben; er will nur auf Schwierigkeiten 
hinweisen und Ergänzungen geben. 

III. Die allgemeine antikapitalistische Richtung der 
Scholastik zeigt sich auch bei Nider. Der Händler, betont er, solle 
den Preis seiner Waren »cum timore« bestimmen, da er in seiner 
eigenen Ansicht leicht fehlgehe 5 ). Der Handelsgewinn soll der 

i) 1. c. (4). 

2 ) c. 2 i. f. 

3 ) 1. C. (2). 

4 ) 1. c. 

5 ) c. i (8). 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft i. 14 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



2IO 

Arbeit des Kaufmannes entsprechen. Der Wert der Arbeit aber 
ist verschieden nach ihrer Bedeutung für die menschliche Gesell- 
schaft. Ein Händler, der mit Lebensmitteln handelt, ist wichtiger 
als ein anderer, der Dinge von geringerer Bedeutung kauft und 
verkauft. Wer mit kostbaren Waren handelt, verdient höheren 
Lohn, als wer nur billige Sachen vertreibt. Dem Kaufmann, der 
Waren von auswärts herbeischafft, steht ein höheres Einkommen 
zu als dem, der nur auf dem Markte weiterverkauft. So soll nach 
Nider der Handelsgewinn abgestuft sein nach dem Stande, den 
die einzelnen Kaufleute in der Gesellschaft einnehmen: »Et si 
quilibet secundum statum suum vellet vivere et secundum meritum 
suum sie hierum reeipere, omnia starent eo melius.« Nider tadelt 
es daher, daß der geringste Krämer nicht mit dem Lebensunter- 
halt zufrieden sei, sondern »continue plus sine ratione ditari« wolle. 
Und weil alle immer höher hinausstreben, fährt Nider fort: »hinc 
est, quod quasi omnes avaritiae, superbiae et voluptatis morbo labo- 
rant, per quae sie excaecantur, quod putant ista ita esse debere« 2 ). 
Er fühlte also selbst, daß sein Idealbild des Handels nicht der 
Wirklichkeit entsprach. 

Für den Unterschied zwischen mittelalterlicher und moderner 
Auffassung' vom Wirtschaftsleben ist noch ein anderes lehrreich: 
Uns ist es einfachhin Tatsache, die wir als »Gesetz« feststellen 
daß, wenn verschiedenwertige Münzen im Umlauf sind, die höher- 
wertigen aus dem Verkehr verschwinden. Nider beobachtet das- 
selbe, erklärt aber diese Erscheinung für sittlich verwerflich: »quia 
sie minus bonis denariis manentibus tandem moneta vilificatur et 
aliam fieri monetam oportet novam, per quam multitudo interdum 
plus quam per novam exaetionem gravatur« 2 ). Das Interesse des 
Einzelnen muß eben dem Wohle der Gesamtheit unter allen Um- 
ständen untergeordnet bleiben 3 ). 

VI. Nider steht so in der Beurteilung des Gewinnstrebens 
auf dem alten Boden. Auch in der Forderung der Gleichheit des 
normalen Wertes schließt er sich an seine Vorläufer an. Seine 
Bedeutung aber liegt, wie gezeigt, darin, daß er auf die Unzu- 
länglichkeit des allgemeinen Begriffes der communis aestimatio 
hinweist und durch dessen Ergänzung eines der größten Bedenken 
gegen die Lehre vom justum pretium zu beseitigen sucht. Aller- 
dings leidet darunter bei ihm die Geschlossenheit der Doktrin. 

i) 1. c. 

2 ) c i (7). 
•») 1. c. 



2 11 

§ 2. Lauren tius de Rodulfis. 

I. Grundlegend für die Einführung neuer Vertragsarten in 
die Scholastik und ihre Anpassung an die überkommene Wirt- 
schaftslehre sind die Ausführungen des florentinischen Rechts- 
lehrers Laurentius de Rodulfis gewesen. Sein bekannter Traktat 
»De usuris« stammt aus dem Jahre 1403 1 ). 

Eine Behandlung des eigentlichen Wertproblems gibt er nicht, 
und auch die Erörterung des Zins verbotes, die sich reichlich in 
kasuistische Einzelfragen verliert, bietet kaum etwas Neues. Ver- 
merkt sei nur, daß er es als nicht ausreichend betrachtet, den Zins 
lediglich wegen des in ihm enthaltenen Verstoßes gegen die Nächsten- 
liebe, sowie in Rücksicht darauf abzulehnen, daß durch Abströmen 
und Verteuerung des Kapitals für die Landwirtschaft schwere 
Schäden zu erwarten seien, die sich vor allem in einer Preissteigerung 
der Lebensmittel zeigen würden 2 ). 

IL Einen Fortschritt bedeutet Laurentius jedoch hinsichtlich 
der Behandlung des Kampsorengeschäftes. Er unterscheidet 
drei innerlich verwandte Arten des cambium 3 ): a) das Umwechseln 
verschiedener Münzen. Den Gewinn sieht Laurentius als erlaubt 
an, entsprechend der früheren Scholastik: »ratione laboris et opera- 
rum, pensionum, salariorum, factorum et discipulorum«. b) das cam- 
bium per litteras, das uns hier zuerst entgegentritt. Das Wesen 
desselben ist aus dem von Laurentius gebrachten Beispiel zu er- 
sehen: Ein Wechsler in Florenz stellt dem Einzahler einer be- 
stimmten Geldsumme eine Urkunde aus, gegen deren Vorzeigung 
in Venedig von dem dortigen Filialgeschäft des Wechslers oder 
einem Geschäftsfreund desselben die eingezahlte Summe in der- 
selben oder in der dort geltenden Münze ausgezahlt wird. Wie 

*) Schulte II, 393 f.; vgl. ferner Endemann, Studien passim; Funk, Über 
die ökonomischen Anschauungen, S. 167 ff.; ligner, Die volkswirtschaftlichen An- 
schauungen Antonins v. Florenz, S. 129 ff. 

2 ) P. I. (13) [S. 16]. Die zurückgewiesenen Anschauungen waren vertreten 
worden von Innocenz TV. (Papst 1243 — 54) in seinem Apparatus mirificus: 1. V. De 
usuris [S. 194]; er bezeichnet als Folge des Zinses: »non intenderent homines culturae 
possessionum, nisi quando aliud non possent. Et ita tanta esset caristia, quod omnes 
pauperes fame perirent: quia etsi possent habere terras ad colendum, non tarnen possent 
habere animalia et instrumenta ad colendum necessaria, cum ipsi pauperes per se non 
haberent, et divites tum propter hierum tum propter securitatem peeuniae potius in usuras 
quam in minora et minus tuta lucra ponerent peeuniam. Et si aliqui ibi sua expende- 
rent, ita cara essent victualia, quod pauperes non haberent, unde emere possent, et hoc 
esset maximum et summum periculum fidelibus.« Ebendort der andere Gedanke; einen 
Anklang an letzteren bei Mayronis; vgl. oben, S. 172 ff. 

3 ) Vgl. z. F.: P. II. q. 26 (S. 22 b.); P. III. q. 1 (S. 37 b., f.). 

14* 



in jedem Tauschgeschäft ist auch hier Wertgleichheit zu beachten. 
Will z. B. jemand in Venedig ioo Dukaten ausgezahlt erhalten, 
so muß er in Florenz 106 Floren einzahlen, »vel plus vel minus, 
sicut plus vel minus valent ducati centum quam floreni centum.« 
Oder wie Laurentius noch klarer sagt: »tantum hie solvitur, quan- 
tum numeratur ibi; nam tantum hie valet florenus cum uno denario, 
quantum ibi florenus sine denario.« Die ioo venetianischen Dukaten 
haben also in Florenz einen wechselnden Kurs. Abgesehen davon, 
daß der Wechsler aus diesen Kursverschiedenheiten profitieren 
kann, darf er Anspruch auf Gewinn als Lohn seiner Arbeit und 
Ersatz seiner Unkosten machen J ). c) Hierzu gesellt sich ein dritter 
Vertrag: das »cambium siecum«. Es handelt sich hierbei um nichts 
anderes als um ein Darlehen, aus dem der Wechsler auf Grund 
einer stipulierten Kursdifferenz Gewinn bezieht. Das Darlehen 
tritt äußerlich als cambium auf, ohne es jedoch wirklich zu sein. 
Z. B. Ein Wechsler in Florenz leiht eine bestimmte Summe aus, 
die dem Werte von ioo Dukaten entspricht, also etwa 106 Floren. 
Nach Ablauf der vereinbarten Frist ist die Summe zurückzuzahlen 
nach dem venetianischen Kurse: »quantum intra dies computandos 
a die celebrati contracti valent 10 librae grossorum in civitate 
Venetiarum.« Der Wechsler kann gewinnen oder verlieren, doch 
wird meist das erstere der Fall sein. Der charakteristische Unter- 
schied des cambium siecum vom cambium per litteras liegt also 
in dem Fehlen der Ortsdifferenz und in dem dadurch bedingten 
Wegfall der eigentlichen volkswirtschaftlichen Funktion des Wech- 
sels, eine Geldsumme an einem vom Einzahlungsorte verschiedenen 
Platze »securius et aptius« zur Verfügung zu stellen. Laurentius 
denkt mithin beim cambium per litteras an die Form, die der 
Wechsel im Wirtschaftsleben seiner Zeit angenommen hatte: an den 
domizilierten Eigenwechsel, der seinem Inhalte nach eine »Geld- 
rimesse nach auswärts« war 2 ). Von diesem aber war das cambium 
siecum grundlegend verschieden: es dient nicht Remittierungs-, 
sondern Darlehenszwecken. 

So klar Laurentius diesen Unterschied erkennt, so ist er doch 
in der Beurteilung des letztgenannten Vertrages unsicher: es handele 
sich um ein Darlehen, und eine Berücksichtigung von Wertver- 

J ) Es wurde damit die Praxis gerechtfertigt; vgl. Goldschmidt, Universal- 
geschichte, S. 465. 

2 ) Vgl. Goldschmidt, a. a. O., S. 403 ff. ; ähnlich Schaube, Studien. J. f. 
N. und St. 65, S. 528 ff., der jedoch ersterem gegenüber betont, daß die Urform des- 
cambium vor dem 14. Jahrhundert eine wesentlich andere war. 



— 213 — 

änderungen der ausgeliehenen Summe widerspreche der Wert- 
gleichheit nicht. Aber das Argument scheint ihm selbst nicht 
durchschlagend, und so schließt er: »Et quia sub spe lucri et 
intentione plus percipiendi quam sit, quod tunc mutuatur, quia ut 
plurimum sie contingit, et alias non mutuaret ipse mutuans, talia 
perpetrantur, consulo, ut omnes abstineant.« Bemerkenswerter- 
weise wird hier das cambium siecum noch nicht als schlechthin 
wucherisch verurteilt, im Gegensatz zur Stellung der späteren 
Scholastik. 

Aber noch in anderer Hinsicht verdient die Wechsellehre 
des Laurentius hervorgehoben zu werden. Einmal war nach 
aristotelischer Anschauung, der die Scholastik folgte, das Geld 
Vermittler in Kauf und Verkauf, aber nicht selbst Gegenstand 
derartiger Verträge 1 ). Diese antikapitalistische Wesensbestimmung 
des Geldes, die teilweise zur Begründung der Zinslosigkeit des 
Darlehens benutzt worden war, stand aber schon lange im Wider- 
spruch mit den wirklichen Verhältnissen des Wirtschaftslebens, in- 
dem gerade das Wechselgeschäft zeigte, daß das Geld mehr war 
als ein bloßer Tauschvermittler. Auch bei Laurentius findet sich 
die alte Anschauung noch; aber zugleich wird sie bei ihm über- 
wunden. Vor allem im Hinblick auf das Schwanken des Wechsel- 
kurses müsse man sich dem Sprachgebrauch des Handels anpassen : 
»non ergo inepte loquuntur campsores, qui dieunt, se emere ducatos 
Florentinos vel Januinos« 2 ). Ein größerer als sprachlicher Fort- 
schritt wird hierin wohl nicht zu erblicken sein. 

Mit dem Gesagten ist bereits auf das Schwanken des Wechsel- 
kurses hingewiesen. Laurentius unterläßt es nicht, im einzelnen 
die Momente anzuführen, die auf die Höhe desselben einwirken. 
Und zwar kommen nach ihm als solche in Betracht neben dem 
Umlaufsorte der Münzen — in ihrem eigenen Geltungsbereich hat 
die Münze einen höheren Wert als in der Fremde — die Güte 
und Reinheit des Metalles, das Gewicht der Münzen, das Schwanken 
des Metallwertes selbst, sowie Angebot und Nachfrage hinsichtlich 
einer bestimmten Münzart: »sicut plus vel minus aliquando valet 
aurum vel requiruntur floreni vel ducati.« Spuren einer Preislehre 
des Wechsels, die immerhin von ernster Erforschung des Wirt- 
schaftslebens zeugen! 

*) Vgl. z. B. s. 26, 27, 28, 42, 92, 136, 142, 149, 165, 189. 

2 ) Der Ausdruck »vendere monetas« findet sich in der Handelssprache schon 
in früher Zeit. Beispiele bei Schaube, a. a. O., S. 160 f. Auch Nider spricht frei- 
lich ohne Erörterung des Problems von einer »emptio« des Geldes, vgl. oben S. 208. 



— 214 — 

III. Versicherungsverträge 1 ): Zum ersten Male begegnen 
uns bei Laurentius Verträge, deren Gegenstand lediglich die Ver- 
sicherung gegen bestimmte Gefahren als solche ist. Der Versicherer 
erhält eine Prämie, auf die er unter allen Umständen Anspruch 
hat. Vor allem kommt hier die Transportversicherung für 
Land- und Seeverkehr in Betracht 2 ). Laurentius hält dieselbe für 
erlaubt und betont die Verschiedenheit derartiger Verträge von 
dem als wucherisch verbotenen Seedarlehen: es sei gar keine sors 
vorhanden, und die gezahlte Summe bilde lediglich das Entgelt 
für die Übernahme der Gefahr: »non enim propter mutuum, cum 
nulluni intervenerit, sed propter id, quod assecurat mercatorem de 
mercibus suis, quas periculo marino vel terrestri reponit, illud 
percipit« 3 ). 

Mit Bedenken steht Laurentius hingegen der Darlehensver- 
sicherung gegenüber. Immerhin könne »in militanti foro« eine 
Restitution des für die Bürgschaftsübernahme (»venditio crediti, 
scripta securitatis«) geforderten Betrages nicht verlangt werden 4 ). 

IV. Die Staatsanleihen 5 ): Das Wirtschaftsleben hatte in- 
zwischen eine neue Erscheinung gezeitigt, die die scholastische 
Wirtschaftslehre vor eine schwierige Aufgabe stellte: die verzins- 

») Vgl. z. Folg. P. III. q. 3 [S. 38]. 

2 ) Die Entstehung der berufsmäßigen Prämienversicherung fällt in die Mitte des 
14. Jahrhunderts; zunächst tritt sie noch in Form anderer Verträge auf, die aber in- 
haltlich als Versicherungskontrakte anzusehen sind. Die ältesten uns bekannten Ur- 
kunden, die auch formell reine Versicherungsverträge enthalten, stammen aus den 
Jahren 1384 und 1397; vgl. Schaube, Die wahre Beschaffenheit usw., J. f. N. und 
St., Bd. LX, S. 40 ff., S. 473 ff.; derselbe: Der Übergang usw., J. f. N. und St., 
Bd. LXI, S. 481 ff., S. 488 ff., S. 495 ff., Laurentius erwähnt S. 498, 507; vgl. 
auch R. Ehrenberg, Studien, Z. f. d. ges. Versicherungsw. I, S. 375 ff. Die kano- 
nistische Doktrin wendet sich also dem neuen Vertrage verhältnismäßig früh zu, gleich- 
zeitig mit Beginn der statutarischen Regelung des Versicherungswesens; vgl. Gold- 
schmidt, a. a. O., S. 362. 

3 ) Über den allmählichen Übergang vom Seedarlehen und dem ähnlichen Ver- 
sicherungsdarlehen, die zunächst dem Bedürfnis nach Versicherung dienten, vgl. Schaube, 
J. f. N. und St., Bd. LX, S. 475 ff., 482 ff.; Bd. LXI, S. 481 ff. Laurentius hebt 
die wichtigsten Unterschiede, Trennung des Versicherungs- und Darlehenszweckes, damit 
"Wegfall der Kapitalzahlung, Ausscheidung des Zinses aus dem Gewinn, der zur reinen 
Risikoprämie wird, richtig hervor. — Ob Voraus- oder Nachleistung der Prämie statt- 
zufinden hatte, ist aus Laurentius nicht ersichtlich; vgl. Schaube, Bd. LXI, S. 507. 

4 ) Die Prämie für Bürgschaftsübernahme betrug i — 2%. Laurentius, 1. c. 

5 ) Außer auf dem Wege der Anleihe kann der Staat sich auch durch Verkauf 
fundierter Renten Geld verschaffen; vgl. Laurentius, 1. c. p. 3 (S. 43). Der Renten- 
kauf war die allgemein übliche Form der Kapitalbeschaffung; vgl. v. Kostanecki, 
Der öffentliche Kredit, S. 37 u. 122. — Den Zwangsanleihen des Staates ähnliche Ver- 
träge werden schon Sum. Astes. I, III a. 5 g. 14 f. kurz erwähnt: Der Staat fordert 
von den Bürgern ein mutuum; später »assignat . . . super alignibus redditibus suis . .« 
eine jährliche Rente. Der Gewinn aus diesem mutuum ist erlaubt. 



— 215 — 

liehen Zwangsanleihen des Staates, wie sie in den italienischen 
Stadtrepubliken seit dem 14. Jahrhundert aufgekommen waren. 
Wäre die Theorie einigermaßen konsequent verfahren, so hätte 
ihre Stellungnahme nicht zweifelhaft sein können. Aber sie zeigte 
sich auch hier den wirtschaftlichen Tatsachen gegenüber nachgiebig, 
indem in kasuistischer Weise allerhand Verschiedenheiten zwischen 
Darlehen und Staatsanleihen aufgezeigt wurden, die eine abweichende 
Beurteilung beider rechtfertigten. 

Die Praxis der Staatsanleihen erhellt zur Genüge aus Laurentius 
selbst 1 ): Die Stadt Florenz bedarf zu militärischen Zwecken Geld 
und macht deshalb bei ihren Bürgern eine Zwangsanleihe (prae- 
stantiae). Der Zinsfuß betrug zunächst 15 %, wurde aber später 
auf 10 und dann auf 5 % ermäßigt 2 ). Die Stadt zahlt den Gläubigern 
den Zins »pro dono damni et interesse seu provisione vel merito«, 
die Gläubiger sollten den Zins annehmen »pro spontaneo et libero 
et mero dono«. 

So sehr die letzten Worte von dem Streben beeinflußt 
waren, dem Verdikt der kirchlichen Wucherlehre zu entgehen, so 
bleibt es doch verständlich, daß verurteilende Stimmen nicht aus- 
blieben. 

Laurentius berichtet z. B. von Guido de Belriguardo. 
Dieser verwarf die Staatsanleihen, indem er hinwies auf die große 
Schädigung des Staates, der oft ein Vielfaches des erhaltenen 
Geldes zurückzuzahlen habe. Die Bürger ferner würden zum 
Wuchern veranlaßt, und wenn die Stadt in Geldnot wäre, so 
könnte sie sich vermittels ihrer Zwangsgewalt auf andere Weise 
Geld verschaffen und brauche sich nicht eines wucherischen Ver- 
trages zu bedienen 3 ). 

Ein anderer Gegner war nach Laurentius Gregorius de 
Arimino, der von dem Gedanken ausgehend, daß überall Wucher 
vorläge, wo aus einem Darlehen Gewinn erstrebt werde, die ver- 
zinslichen Staatsanleihen verurteilte: Hier sei die Gewinnabsicht 
vorherrschend. Der erzielte Mehrwert sei kein Schadenersatz; denn 
letzterer müsse für jeden Einzelfall besonders festgestellt werden; 
eine allgemein gleiche Schädigung liege nicht vor. Er sei ferner 
kein Lohn für das Wohlwollen der Bürger, denn dieses bemesse 
sich nicht nach der Höhe des eingezahlten Kapitals. Und auch 
von einem freiwilligen Geschenke dürfe man im Ernste nicht 



1) P. III. q. 5 [S. 38, b., f.]. 

2 ) Letzteres seit etwa 1380, 1. c. 

3 ) 1. c. 



2l6 — 

sprechen: die Stadt zahle den Zins nicht nach Tilgung ihrer Schuld, 
sondern mache Geschenke, wo sie noch Schuldnerin sei 1 ). 

Diesen Stimmen gegenüber verteidigt Laurentius teilweise 
im Anschluß an Franciscus de Empoli 2 ) die Praxis des Wirtschafts- 
lebens. Zunächst sucht er die Zweckmäßigkeit der verzinslichen 
Staatsanleihen überhaupt zu begründen : Der Staat kann gewiß 
vermittels seiner Zwangsgewalt von den Bürgern unverzinsliche 
Darlehen fordern. Aber diese »coactiones et violentiae absolutae« 
führen leicht zu Erbitterung-, Parteikämpfen, Unruhen usw., die 
nicht im Interesse des Staates liegen. Durch das Vorgehen des 
Staates werden ferner manche schwer geschädigt, möglicherweise 
der Verarmung entgegengetrieben, während es doch Staatspflicht 
ist, für die Wohlhabenheit der Bürger zu sorgen. Diese Schäden 
aber werden vermieden oder gemindert durch Einräumung eines 
Zinses 3 ). 

Zudem darf letzterer nicht als ungerecht und wucherisch be- 
zeichnet werden 4 ), a) Der Gewinn wird nicht »principaliter« er- 
strebt; die Bürger zahlen vielmehr aus Gehorsam gegen die staat- 
lichen Gesetze und aus Furcht vor Strafe, b) In anderen Geschäften 
lassen sich höhere und sicherere Gewinne erzielen, c) Der Staat 
zahlt den Zins »ex animi nobilitate quadam«. Seiner eigenen 
Versicherung muß geglaubt werden, solange nicht Höhe des Zinses 
und Umstände der Zahlung zu anderer Annahme nötigen, d) Der 
Zins hat den Charakter eines Lohnes für geleistete Unterstützung, 
der natürlich nur allgemein festgelegt werden kann, e) Der Zins 
ist vor allem Schadenersatz, der ebenfalls aus praktischen und 
anderen Gründen nur »generaliter« zu bestimmen ist. Besonders 
betont Laurentius den Zinstitel des lucrum cessans: »nee enim 
inficiari possumus, quin saltem ratione lucri cessantis unusquisque 
cives damnificetur.« Auch das Zwangsmoment rechtfertigt ein 
Entgelt. 

Weitere Schwierigkeiten verursachte noch der durch die staat- 
lichen Statuten ausdrücklich gebilligte Weiterverkauf der Staats- 
renten 5 ). Um auch diesen zu stützen, betont Laurentius, daß der 
neue Käufer nicht etwa in ein Gläubigerverhältnis zum Staate 

*) I. c (S. 39 ff.). 

2 ) cf. 1. c. (S. 43 «.)• 

3 ) 1. c. (S. 38, b., f.). 

4 ) Vgl. z. Folg. 1. c. (S. 39 ff.). 

5 ) 1. c. (S. 38, b., f.); (S. 41 ff.); Die Übertragung wurde »in libris communi- 
tatis« vermerkt (cf. S. 44, b.). 



trete; es läge einfach ein Kauf und Verkauf vor, die als solche 
zu beurteilen seien und Hoffnung auf Gewinn gestatteten. 

Bedenken erregte es nur, daß das »ius exigendi ioo« bald 
mit 25, bald mit 38 oder 40 bewertet wurde, welch' letzteren Kurs 
Laurentius noch für günstig zu halten scheint 1 ). Man konnte darin 
leicht ein »pretium temporis« erblicken. Nach Laurentius handelt 
es sich jedoch um einen Vertrag, wo beides »gegenwärtig« sei: 
das Recht auf Rente und Rückzahlung und die dafür zu zahlende 
Geldsumme. Der niedrige Kurs erkläre sich einmal daraus, daß 
das Kapital festgelegt sei — »minus venditur res onerata quam 
liberata« 2 ) — ; sodann aus dem für Kapital und Interesse bestehenden 
Risiko: »cum se exponat periculo iste emens, nulla committitur 
usura« 3 ). 

V. So wenig auch die vorstehenden Erörterungen das Wesen 
der wirtschaftlichen Vorgänge erfassen, so ist doch zuzugeben, daß 
sie dem Wirtschaftsleben entgegenkommen wollen. Anerkannte 
Bedürfnisse des letzteren mußten vor den Folgen der überlebten 
Wucherlehre geschützt werden. Freilich war dies nur unter will- 
kürlicher Verwendung der einzelnen Rechtfertigungstitel möglich, 
wie die Rechtfertigung des Zinses der Staatsanleihen handgreif- 
lich zeigt. 

§ 3. Antonin von Florenz. 

I. Derjenige, der auf die Entwicklung der Wertlehre um die 
Mitte des 15. Jahrhunderts den entscheidensten Einfluß ausgeübt 
hat, ist Antonin v. Florenz [138g — 1459, seit 1446 Erzbischof von 
Florenz] 4 ). Er gab der scholastischen Wert- und Preislehre die 
endgültige Fassung, indem er nach einer Ausgleichung der einander 
gegenüberstehenden Prinzipien der Vertragsfreiheit und strengster 
Gebundenheit suchte. 

Die wichtigste Quelle, aus der wir seine wirtschaftlichen 
Anschauungen zu entnehmen haben, ist seine Summa theologiae 

') 1. c. (S. 48). 

2) 1. C. (S. 41, b.). 

3 ) 1. c. (S. 43, b.) aus Franciscus d. Emp. Derselbe 1. c, (S. 44): »Et si quae- 
ratur, quantum minus valere debeant, respondeo, quantum a sapientibus et probis consi- 
deratis circumstantiis aggravantibus fuerit arbitratum et appretiatum. Et cum in propo- 
sito nostro sie communiter appretientur, tantum per consequens valebunt«. Hier an ein 
unserer Börse ähnliches Institut zu denken, wie ligner (a. a. O., S. 264), liegt kein 
Grund vor. 

*) Vgl. ligner: Die volkswirtschaftlichen Anschauungen Antonins v. Florenz. 
Ferner Funk: Über die ökonomischen Anschauungen, S. 152 ff. 



— 218 — 

(moralis) die eine Gesamtdarstellung der Moral bietet. Wegen 
ihrer kurzen Definitionen und der prägnanten Zusammenfassung 
wichtiger Materien ist daneben noch seine Summa confessionalis 
zu nennen. 

II. Der bereits betonte Vermittlungscharakter der antoninischen 
Wertlehre bedingt es zunächst, daß die Freiheit der Preisbildung 
abgelehnt wird. Antonin hebt den in Betracht kommenden Ge- 
danken gelegentlich klar hervor: »Sicut contractus emptionis et 
venditionis est mere voluntarius, sie etiam taxatio pretii venalium 
rerum debet esse voluntaria seeundum voluntatem vendentis et 
ementis« 1 ). Dies war eben der römisch-rechtliche Grundsatz. 
Antonin betont aber demgegenüber, der Verkäufer dürfe nicht 
einen beliebigen Preis fordern: »quia tunc non imponit rei ut 
simpliciter suae pretium, sed ut in alterum commutandae« 2 ). Nicht 
jeder tatsächlich erzielte Preis ist also gerecht, sondern nur der- 
jenige, der, wie des weiteren sich zeigen wird, der communis 
aestimatio entspricht. Das soziale Zusammenleben erfordert und 
bestimmt eine ethische Bindung der Preishöhe. 

Das Suchen nach den Normen der Preisgerechtigkeit be- 
dingt eine Untersuchung des Wesens des Wertes 3 ). Der letztere 
beruht, heißt es im Anschluß an Augustin, auf menschlicher 
Schätzung, auf dem Nutzen eines Gutes für den Gebrauch. Für 
den valor usualis ist nun das eigentlich Entscheidende, wenn die 
objektiven Eigenschaften eines Gutes, seine Nützlichkeit, gegeben 
sind — daß letztere den Wert nicht allein bestimmen, wird an 
dem Beispiel des Wassers gegenüber dem Golde gezeigt — die 
raritas der Dinge, weil eben sie den Grad unserer Schätzung 
bedingt: »seeundum quod res ex suae inventionis raritate et diffi- 
cultate magis necessariae sunt.« Antonin denkt hierbei an das, 
was wir heute als »Angebot und Nachfrage« bezeichnen: »ex 
earum (sc. rerum) penuria maiorem ipsarum indigentiam et minorem 
facultatem habendi et utendi habemus«. Bemerkenswert ist, daß 
die Kosten (difficultas) insofern als wertbestimmend erscheinen, als 
sie die Größe des Angebotes bedingen. Wert und Preis sollen 
also nach Antonin der naturgemäße Ausdruck der in der Ge- 
sellschaft vorhandenen Verhältnisse von Angebot und Nach- 
frage sein. 



2 ) S. m. P. II. t. i, c. 16, 

2 ) 1. c 

3 ) Vgl. z. Folg. 1. c. 



2IQ 

Den Momenten der Nützlichkeit und Seltenheit tritt als dritter 
wertbestimmender Faktor die complacibilitas zur Seite 1 ). Es 
wird hier nicht eigentlich an den Affektionspreis gedacht, wenngleich 
letzterer nicht ganz auszuscheiden ist. Die complacibilitas führt den 
Wert zu individueller Bestimmtheit: »unus equus est gratior uni 
et alter alteri«. Es soll also hiermit das Problem gelöst werden, 
an dem sich schon Aegidius Lessinus abgemüht hatte: Neben dem 
allgemeinen Momente, das den gesellschaftlich-normalen Preis be- 
stimmt, soll ein individualisierendes Prinzip gefunden werden. So 
bewirkt die complacibilitas es, daß »unus rem alteri viliorem multum 
appretiatur et sibi reputat pretiosam et caram et e converso«. Von 
der individuellen Schätzung des Einzelnen hängt ein »non modica 
pars valoris« ab. Dieselbe ist also etwas Tatsächliches und im 
Tausche wirksam 2 ). Damit hängt es zusammen, daß jeder der 
Tauschkontrahenten das zu erlangende Gut höher schätzt als das 
Preisgut: »emptor vult sibi rem emptam potius quam pretium eius 
et venditor e converso« 3 ). 

Es ergibt sich aber nunmehr ein neues Problem. Bezüglich 
des normalen Wertes der Waren ist gemäß den in Betracht 
kommenden Faktoren nur eine »coniecturalis et probabilis opinio« 
möglich. Dazu kommt die »varietas emptorum et venditorum« 4 ). 
Hiermit muß die Lehre vom gerechten Preis rechnen. Soll mithin 
überhaupt noch eine Bindung möglich sein, so muß zum mindesten 
eine latitudo des gerechten Preises eingeräumt werden »respectu 
temporum, locorum et personarum « 5 ). Antonin mußte also an die 
Entwicklungsstufe der Lehre vom gerechten Preise anknüpfen, 
die uns etwa bei Duns Scotus entgegengetreten war. 

Aber die latitudo des gerechten Preises ist nicht willkürlich, 
sie muß — das liegt ja in der Idee der Gerechtigkeit — »competens« 
sein. Um nun diesem Begriff seine Verschwommenheit zu nehmen, 
unterscheidet Antonin einen dreifachen Grad des gerechten Preises, 
den pius, discretus und rigidus gradus, d. h. eine geringere, 
mittlere und höhere Stufe; z. B. kann eine Ware im Preise schwanken 
zwischen 50, 50^3 und 51 Dukaten. Erstere bzw. letztere Stufe 
bilden dann die äußerste Grenze. Nur in dem Ausnahmefall, wo 



J ) 1. c. 

2 ) Es ist daher zum mindesten mißverständlich, wenn ligner, a. a. O., S. 76, 
erklärt, die Ware streife im Tausche ihren individuellen Charakter ab. 

3 ) 1. c. 

«) P. II. t. 1, c. 8, § 1. 
6 ) Vgl. Anm. 3. 



220 

für einen Kontrahenten das Gut einen besonders hohen Wert dar- 
stellt, gilt die thomistische Regelung, es ist also dann für den 
Verkäufer eine Abweichung von der communis aestimatio, dem 
currens pretium, unter Umständen gestattet 1 ). 

Aber noch in anderer Weise werden Ausnahmen gestattet. 
Findet eine Preisverletzung über die Hälfte des gerechten Preises 
hinaus statt, oder liegt ein »notabilis excessus« vor, so ist natürlich 
eine Restitution unumgänglich; aber wie dann, wenn die Über- 
schreitung des iustum pretium nur gering ist? Jedenfalls leuchtet 
soviel ein, daß eine bewußte Verletzung der Wertgleichheit uner- 
laubt ist, und daß Restitution, mindestens durch Almosenspenden 
eintreten muß. Wird aber »praeter intentionem et propriam 
aestimationem« die Grenze des gerechten Preises um ein weniges 
überschritten, so möchte Antonin dies hingegen lassen im Hin- 
blick auf die Unsicherheit der menschlichen Schätzung, auf 
politisch und moralisch bedenkliche Folgen des entgegengesetzten 
Prinzips; zudem willigten beide Kontrahenten frei ein, sodaß 
man auf seiten des geschädigten Teils eine Schenkung annehmen 
könne. Antonin bemerkt jedoch noch, daß in Verkündigung dieser 
Anschauung dem Volke gegenüber vorsichtig vorgegangen werden 
müsse 2 ). 

Antonin konnte glauben, so eine allseits befriedigende Lösung 
gegeben zu haben: Das Äquivalenzprinzip war aufrecht erhalten, 
aber doch so, daß auch der freien Betätigung der Kontrahenten 
sowie ihrem Gewinnstreben eine gewisse Freiheit ermöglicht 
schien. Er konnte darauf hinweisen, daß er nur eine Weiterführung 
scotistischer Prinzipien biete, wobei freilich übersehen wurde, daß 
das Wirtschaftsleben seitdem in gesteigertem Maße kapitalistische 
Formen angenommen, und die alte Theorie sich damit überlebt 
hatte. Zudem mußte Antonin, um seine Prinzipien etwas mit 
den wirtschaftlichen Verhältnissen in Einklang zu bringen, zu einer 
merkwürdigen Scheidung von Stufen, die doch noch wieder Aus- 
nahmen zulassen, seine Zuflucht nehmen, Scheidungen und Zer- 
gliederungen, die den Begriff der communis aestimatio nicht klären, 
und ebensowenig über die theoretische Unzulänglichkeit wie 
praktische Bedenklichkeit einer derartigen ethischen Bindung des 
Preises hinwegtäuschen können. 

III. Mit der Unterscheidung der verschiedenen Stufen des 
gerechten Preises konnte Antonin nun auch ein Problem zur Ent- 

*■) P. II. t. i, c. 8, § i; cf. ib. c. 16, § 3; c. 17, § 10. S. c. (S. 205) und sonst. 
2 ) 1. c. 



Scheidung bringen, das der Scholastik bisher manche Schwierig- 
keiten bereitet hatte, die Frage des Kreditkaufes. Daß es für den 
Kaufmann nicht gleichgültig war, ob ihm sofort bezahlt wurde 
oder erst später, konnte nicht übersehen werden; aber gleichwohl 
mußte an dem Grundsatz der Unverkäuflichkeit der Zeit festge- 
halten werden. Antonin gestattet es jetzt, eine Preiserhöhung 
vorzunehmen, jedoch nur innerhalb des Rahmens des gerechten 
Preises: »Si vero non vendidit plus iusto pretio, sed non vult facere 
ita bonum forum ei sicut illi, qui dat pecuniam numeratam sibi, 
non est usura« 1 ). Fordert daher z. B. ein Kaufmann bei Barzahlung- 
die mittlere Stufe des gerechten Preises, so kann er bei Kredit- 
gewährung' sich an die oberste Stufe halten 2 ). Auch hier zeigt 
sich deutlich das Streben, zwischen den überkommenen wirtschaft- 
lichen Anschauungen und den Forderungen des Wirtschaftslebens 
zu vermitteln. Auch sonst suchte Antonin hinsichtlich des Kredit- 
kaufes den wirklichen Verhältnissen entgegenzukommen 3 ). 

IV. Die übrigen wirtschaftlichen Anschauungen Anto- 
nins bieten kaum etwas Neues. Dem Händler wird ein »moderatum 



!) s. c, (S. 202.) 

2 ) S. th. P. IL t. i, c. 8, § i. 

3 ) Antonin äußert sich P. III. t. 8, c. 4, § 2 näher über die diesbezüglichen 
Geschäfte des Tuchhandels. Der "Weber kauft vom Händler die Wolle, der Preis ist 
nach 1 / 2 oder 1 Jahr zu zahlen. Der Fabrikant verkauft das Tuch an einen Zwischen- 
händler oder an Detailhändler mit demselben Kredit. Auch die Abnehmer warten meist 
lange mit der Bezahlung. Regelmäßig wird nun der Preis erhöht. Der Weber fordert 
z. B. bei Barzahlung 45 Floren, jetzt 50. Wie ist nun dieser Vorgang zu beur- 
teilen? An dem Grundsatz der Unverkäuflichkeit der Zeit muß festgehalten werden. 
Auch die latitudo des gerechten Preises darf nicht überschritten werden. Die Differenz 
scheint nun doch etwas reichlich groß zu sein. Doch Antonin weiß Auswege zu finden. 
Einmal brauche man in diesem Falle das justum ptetium nicht auf den Einzelfall anzuwenden. 
Der Kaufmann habe Anspruch auf einen normalen durchschnittlichenProfit. Weide 
dieses Maß nicht überschritten, so sei auch das Vorgehen im Einzelfall nicht ungerecht. 
Würde zudem der Händler bei Stundung denselben Preis nehmen wie bei Barzahlung, 
so würde er nach Aussage der Geschäftsleute gar keinen oder nur sehr geringen Profit 
machen. Der geringere Preis bei Barzahlung könne ferner durch andere Momente ver- 
anlaßt sein. Der Kaufmann verzichte möglicherweise auf einen Gewinn, er brauche aber 
Geld, um z. B. seinen Angestellten bezahlen zu können, was er nur bekommen könne, 
wenn er durch den geringeren Preis einige zu sofortiger Zahlung veranlasse. Bei Kredit- 
gewährung habe der Kaufmann ferner besondere Mühen, das Geld zu bekommen; mög- 
licherweise falle eine Zahlung überhaupt aus. Die Kaufleute erklärten endlich, sie 
würden gerne nur zu 45 verkaufen, wenn alle Kunden sofort bezahlen würden. Sie 
würden dann ihr Kapital mehrmals im Jahre umschlagen können, wenn sie auch im 
Einzelfalle weniger gewinnen würden. Kurz, Antonin möchte die bestehende Praxis 
nicht verurteilen, vorausgesetzt, daß der höhere Preis nicht zur Erzielung übermäßigen 
Gewinnes benutzt werde. Er schließt aber: »Est tarnen materia ista multum intricata 



hierum«, ein »lucrum competens officio suo« l ) zugebilligt, was wie 
früher durch Hinweis auf die Arbeit des Kaufmannes begründet wird. 
Der Kaufmann erzielt seinen Gewinn durch Ausnutzung der Preis- 
verschiedenheiten der Waren nach Ort und Zeit. Er hat daher 
nicht unter allen Umständen Anspruch auf Gewinn, sondern ist 
an das justum pretium gebunden. Es ist nicht richtig, erklärt 
Antonin, »quod in omni casu liceat mercatori plus vendere quam 
ei constiterit, sed aliquando oportet, quod tantundem vendat, ali- 
quando etiam minus, aliquando etiam plus, seeundum quod plus 
vel minus illo tempore, quo vendit, valet illa mercantia, quod 
procedit ex abundantia vel penuria eius et seeundum quod plus 
vel minus [repetitur] « 2 ). Hat ein Kaufmann z. B. in Zeiten der 
Teuerung gekauft, so verlangt das justum pretium, daß er zu 
anderer Zeit mit Verlust verkaufe. 

Bezüglich des Wechselgeschäftes weicht Antonin kaum von 
Laurentius ab. Er scheidet klarer zwischen dem Umwechseln von 
Geldmünzen, dem cambium minutum, und dem cambium per litteras. 
Das cambium siecum, vor dem Laurentius nur gewarnt hatte, ist 
für ihn direkt wucherisch. Auch sonst erwähnt er noch einige 
Fälle, in denen es sich um Wucherkontrakte in Form von Wechsel- 
geschäften handelt 3 ). 

Die Begründung der Zinslosigkeit des Darlehens ist die 
übliche 4 ). Insofern mit dem Gelde ein Ertrag erzielt werden kann, 
ist es Kapital, »capitale« 5 ). Doch ist der Mehrertrag Ertrag der 
menschlichen Arbeit 6 ). Bei der Bezeichnung des Geldes als Kapital 
handelt es sich also nur um einen andern Ausdruck für den 
thomistischen Gedanken, das Geld sei causa instrumentalis des 
Gewinnes. 



nee bene clara et ideo non amplianda«. Die einzelnen Bemerkungen bekunden eine 
überraschende Kenntnis des Wirtschaftslebens, wenn Antonin auch nicht imstande war, 
die damit im Widerspruch stehende Theorie einer Revision zu unterwerfen. — Be- 
merkenswert ist, daß bei Antonin zum ersten Male das Op. 67 zitiert wird, das in ähn- 
licher Weise die Schroffheiten der Lehre vom Kreditkauf zu mildern sucht [S. th. P. II. 
t. 1, c. 8, § 4], vgl. S. 119. 

1 ) S. c, (S. 202, S. 232 f.) P. II. t. 1, c. 8, § 2, cf. ib. c. 16, § 2 f. P. III. 
t. 8, c. 3, § 4. 

2 ) P. II. t. 1, c. 8, § 2. Im Texte heißt es »reperitur«. Bei ligner, a. a. O., 
S. 71, wie oben angegeben. Vgl. hierzu jedoch S. 221, Anm. 3. 

3 ) P. II. t. 1, c. 7, § 47 ff. P. III. t. 8, c. 3. S. c. (S. 202.) 

4 ) P. II. t. 1, c. 6 und 7. 

6 ) Z. B. 1. c. c. 7, § 17. Doch wird auch das unverzinsliche Darlehen als 
Kapital bezeichnet. 

6 ) 1. c. c. 6, § 1. 



Als Zinstitel werden die Konventionalstrafe, die Risiko- 
prämie, das damnum emergens und hierum cessans anerkannt 1 ). 

Die Lehre von den Staatsanleihen ist zum größten Teil wört- 
lich aus Laurentius übernommen und bietet daher prinzipiell nichts 
Neues 2 ), ebensowenig wie die Lehre von der Versicherung 3 ). 

In der Lehre vom gerechten Lohn kehrt das Standesprinzip 
wieder 4 ). Bemerkenswert ist, daß betont wird, der Lohn müsse der 
Vereinbarung gemäß in Geld oder Waren gezahlt werden. Ist 
Geldlöhnung vereinbart, und zahlt der Arbeitgeber in Waren, so 
muß er für eine etwaige Schädigung des Arbeiters beim Verkauf 
aufkommen. Ist Löhnung in Waren vereinbart, so sind diese zum 
Marktpreis abzugeben. Ein etwaiger Schaden fällt dann dem 
Arbeiter zur Last 5 ). 

V. Schluß. Antonin ist als typischer Vertreter der geschil- 
derten vermittelnden Richtung der Scholastik anzusehen. Auch 
die neuere, nachtridentinische Scholastik folgt im wesentlichen 
seinen Bahnen. Für das Mittelalter werden wir diese Erscheinung 
jedenfalls als berechtigt anerkennen müssen: sie war das notwendige 
Produkt der geschichtlichen Entwicklung, deren bestimmende 
Momente die traditionellen, einem anderen Wirtschaftsleben ent- 
sprechenden, aber von der Kirche geheiligten Anschauungen einer- 
seits und die Beobachtung des zum größten Teile kapitalistischen, 
freiheitsbedürftigen Wirtschaftslebens andererseits waren: beide 
mußten nach einem Ausgleich streben. 

§ 4. Bernhardin v. Siena. 

Kürzer können wir über Bernhardin v. Siena (1380 — 1444) 
hinweggehen, einen Franziskaner, der sich als Reformator seines 
Ordens, sowie als Prediger Verdienste erworben hat 6 ). Unter 
seinen »Sermones« sind nicht wenige der Behandlung wirtschaft- 
licher Fragen gewidmet. 

In der Wertlehre kehren die Momente virtuositas, raritas 
complacibilitas wieder 7 ). Als gerechter Preis erscheint der Markt- 

!) z. b. l. c. c. 7, § 18 ff. 

2 ) P. II. t. 1, c. 11, ib. i. pr.: »Novissime autem scripsit super hac materia satis 
diffuse dominus Laurentius de Redulfis«. cf. S. c, (S. 204.) 

3 ) P. II. t. 1, c. 7, § 46. P. III. t. 8, c 3, § 1 f. 

4 ) Z. B. P. II, t. 1, c. 7, § 17. 

5 ) 1. c. c. 17, § 8. 

6 ) Schulte II, 442 f. K. L. II, 441 ff. Über B. vgl. Funk: »Über d. ök. 
Ansch., a. a. O. Die Eigentumslehre Bernhardins schließt sich eng an Scotus an, vgl. 
Sermo 32. 

7 ) S. 35, a. 1, c. 1. 



— 22 4 — 

preis 1 ), der auch hier in drei Stufen zerlegt wird 2 ). Besteht ein 
solcher nicht, so soll der Kaufmann einen mäßigen Gewinn er- 
streben »pensatis sumptibus, industria, sollicitudine, periculis et 
labore« 3 ). Im übrigen sucht Bernhardin ähnlich wie Antonin 
zwischen Freiheit und Gebundenheit der Preisbildung einen Mittel- 
weg: »sub congruis limitibus« dürfen Käufer und Verkäufer frei 
schalten. Er wendet sich dagegen, den Wert eines Gutes nach 
dem Nutzen zu bemessen, den es »particulariter« bringt: Ein Trunk 
Wasser, der einem Verdürstenden gereicht wird, ist »impreciabilis« 4 ). 
Bei behördlicher Preisfixierung sind neben den natürlichen Eigen- 
schaften der Dinge, dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, 
auch die für Herstellung und Transport der Waren erforderlichen 
objektiven Momente, wie Größe und Qualität der Arbeit, Risiko 
zu beachten 5 ). 

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt auch von den 
Arbeitsleistungen der Ärzte, Advokaten, Erdarbeiter usw.: »ubi 
talium est penuria, possunt carius locare opera sua« 6 ). 

Den Handel bezeichnet Bernhardin als erlaubt und nützlich, 
nur verlangt auch er, daß Gewinn erstrebt werde »propter necessi- 
tatem vel pietatem«, nicht dagegen »propter substantias cumulan- 
das« 7 ). Auch die Lehre vom Wechselgeschäft bietet nichts Neues 8 ). 

Für die Unentgeltlichkeit des Darlehensverkehres werden 
nicht weniger als zw T ölf Gründe angeführt, ohne daß jedoch ein 
wesentlich neuer Gesichtspunkt beigebracht würde 9 ). Wie sehr 
das Zinsverbot im Widerspruch mit den realen Verhältnissen stand, 
zeigt die Leidenschaftlichkeit mancher Predigten, in denen Bern- 
hardin die moralische Verwerflichkeit des Zinses darzulegen sucht 10 ). 



1 ) S. 33, a. 2, c. 8. 

2 ) S. 34, a. 3, c. i. 

3) S. 33, a. 2, c. 8. 

4 ) S. 35, a. 2. 

5 ) S. 35, a. 2, c. 2. 

6 ) 1. c. Die »psychologische« Wirkung der Größe des Angebots betont Bern- 
hardin deutlich: »Quanto . . rarius et difficilius rem adire possumus et habere, tanto 
supra nostram facultatem altius et mirabilius aestimamus. Ardua enim nobis et insolita 
admiramur«. 

7 ) S. 33, bes. a. 2, c. 2. 

8 ) S. 39, a. 3. Die Benennung ist etwas anders: »cambium artificiale«, im An- 
schluß an Aristoteles, der vermeintlich das Gewinnen aus der »permutatio denariorum« 
als ein Werk der Kunst und nicht der Natur bezeichnet; (vgl. S. 27) cambium reale: 
»quia ut plurimum realiter deducuntur«. Hierhin gehört auch das cambium per litteras; 
endlich das wucherische cambium casuale oder siccum. 

9 ) S. 38, a. 1, cf. 36, a. 3. 
10 ) S. 43 ff. 



— 225 — 

Man wird sich daher auch von der Bedeutung der Zinstitel keine 
übertriebene Vorstellung machen dürfen, etwa in dem Sinne, als ob 
durch dieselben die praktische Entgeltlichkeit des Darlehens in der 
Mehrzahl der Fälle anerkannt wäre 1 ). Besonders wendet sich 
Bernhardin gegen Umgehung des Zinsverbotes durch Benutzung 
anderer Vertragsarten [»mutuum palliatum«] 2 ). 

Die Behandlung des Rentenkaufes ist ähnlich, wie bei 
Ricardus und Aegidius 3 ). Auch hier kehrt das bekannte wert- 
theoretische Prinzip wieder: »Constat . . ., quod actualis possessio 
rei praesentis ceteris paribus amplius valet, quam solum ius rei futurae 
aut quam solum ius absque actuali possessione non statim tradita 
vel tradenda.« Begründet wird dies mit der größeren Sicherheit 
des Besitzes in ersterem Falle: »securius est rem habere et possidere, 
quam solum ius rei«*). Eine kapitalistische Verwendung des Renten- 
kaufes hält auch Bernhardin für unerlaubt 6 ). 

Die Erlaubtheit der Transportversicherung wird in übli- 
cher Weise dargetan 6 ). Dagegen verurteilt Bernhardin eine Art 
»Aussteuerversicherung«. Ein Vater zahlt z. B. während des 
ersten Lebensjahres seiner Tochter 70 Dukaten an ein staatliches 
Institut. Hat die Tochter das Alter von 15 Jahren erreicht, so 
werden ihm 500 Dukaten ausgezahlt. Im Falle eines frühzeitigeren 
Todes fällt hingegen die eingezahlte Summe dem Institute zu. 
Es handelt sich hier nach Bernhardin um ein wucherisches Dar- 
lehen; insbesondere fehlen alle Momente, die die Differenz der 
beiden Summen erklären könnten, wie industria, labor, sollertia, 
sollicitudo auf Seiten des Vaters 7 ). 

Die Beurteilung der Staatsanleihen 8 ) ist bedeutend schroffer 
als bei Laurentius. Nur diejenigen dürfen nach Bernhardin den 
ausgesetzten Zins annehmen, die dem Staate gezwungen ihr Geld 
geben, und zwar dann »ratione dominii compellentis, damni emer- 



x ) Über die Zinstitel vor allem S. 42. 

2 ) S. 39, a. 2. 

3 ) S. 34, a. 2. 

4 ) S. 34, a. 1, c. 2. 

5 ) 1. c, c. 2, a. 1 : »puta si quis dives ad sufficientiam habens, non propter 
vitae necessitatem, sed avaritia ductus, ut ditior fiat, tales redditus emit« ist der Ver- 
trag verwerflich. 

6 ) S. 39, a. 1, c. 3, jedoch »salvo meliori iudicio«. 

7 ) 1. c, c. 4. Die Anfänge der Heiratsgutversicherung, deren Veranschlagung 
naturgemäß roh war, sind in Florenz im 15. Jahrhundert zu suchen; vgl. R. Ehren - 
berg, Studien, Z. f. d. ges. Versicherungsw. II, S. 126. 

•) S. 41. 

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 15 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



226 

gentis und lucri cessantis«. In der Mehrzahl der Fälle sei dies 
anzunehmen. Erlaubt sei auch das Vorgehen der wenigen »veri 
rei publicae amatores«, die mit ihrem Gelde der Not des Staates 
zur Hilfe kommen wollten. Verurteilt werden hingegen alle, die 
»ex intentione lucri« Geld einzahlen oder Staatsanleihen käuflich 
erwerben. 

Bernhardin geht trotz grundsätzlicher Übereinstimmung mit 
der übrigen Scholastik in mancher Hinsicht zweifellos etwas 
strenger vor, was bei der Persönlichkeit des Ordensreformators 
nicht weiter verwunderlich ist 1 ). 



x ) Häufig kommt auf wirtschaftliche Fragen Alphonsus Thostatus (f. 1455) zu 
sprechen in seinen Kommentaren zum alten und neuen Testament. Math. VII, c. 25, 
q. 164 — 289 bietet eine ausführliche Abhandlung über den Wucher. Der Wert wird 
subjektiv gefaßt, der Marktpreis als gerechter Preis bezeichnet (Gen. c. 23; Math. VII, 
c. 25, q. 223 u. s.). Wie der Handelsgewinn, soll auch der Gewinn des Wechslers, 
er beruhe auf Provision oder Kursdifferenz, bemessen sein: »ex commensuratione ad 
labores et sollicitudinem, difficultatem habendi monetas illas, quarum petitur permutatio, 
et magnitudine vel parvitate impositionis eis factae a communitate vel domino, a quo 
permittitur campsoriam exercere« (Math. 1. c, q. 231, 286). In der Begründung des 
Wuchers bringt er neben dem thomistischen Argument auch die Beweisgründe Inno- 
cenz IV. (vgl. oben S. 211, Math. 1. c, q. 167, 178 f.). Beim Gelde unterscheidet er 
zwischen hochwertigen Münzen, für deren Wert Prägung und Gewicht bestimmend 
sind, und geringwertigen, die »consistunt solum in figura et non curatur de pondere« 
(Levit. c. 27, q. 64). Im letzteren Falle ist wohl an Scheidemünzen gedacht. 



Ergebnisse. 

Als das wichtigste Ergebnis der vorstehenden Untersuchungen 
kann wohl das bezeichnet werden, daß von einer einheitlichen Wert- 
lehre in der Scholastik nicht gesprochen werden kann; zwischen 
den einzelnen Denkern bestehen vielmehr grundlegende Unter- 
schiede und Gegensätze. 

Wir haben einmal die Verschiedenheit der objektiven und 
subjektiven Wertlehre: Albertus Magnus und Thomas von Aquin 
sehen die Gerechtigkeit des Preises in der Wiedervergeltung von 
Arbeit und Kosten; Momenten, die Substrat und Inhalt eines durch 
das menschliche Bedürfnis bestimmten, alle verpflichtenden, den 
Tausch psychologisch beherrschenden Marktpreises ausmachen. 
Andere Scholastiker, wie Heinrich von Gent, Ricardus usw. tun nur 
das letztere und suchen in steigendem Maße die Tauschvorgänge 
psychologisch zu verstehen und zu erklären. Die wichtigsten Er- 
gebnisse dieser Arbeit waren die Erkenntnisse, daß zukaufende und 
gegenwärtige Güter höher bewertet werden als Preis- bzw. Zukunfts- 
güter, sowie die tiefgehenden Untersuchungen Buridans über Wesen 
der Schätzung und ihren Zusammenhang mit der Erscheinung des 
Preises. Heinrich von Langenstein nimmt die thomistische Wert- 
lehre mit ihrer eigentümlichen Verbindung objektiver und subjektiver 
Momente vorübergehend wieder auf. Das Bewußtsein des Gegen- 
satzes beider Auffassungen dürfte das Mittelalter zunächst kaum 
gehabt haben, indem beide praktisch darauf hinauskamen, den 
Tausch durch Konstruktion eines gerechten Normalpreises zu binden. 

Aber doch war damit der Keim zur Ausbildung eines tiefer- 
gehenden Gegensatzes innerhalb der scholastischen Wertlehre ge- 
geben. Der Beobachtung des Gewinnprinzips in Kauf und Verkauf 
trat die andere individueller Verschiedenheit der Bewertung der 
einzelnen Güter zur Seite. Beides führte zur Aufgabe der Idee 
des gerechten Normalpreises, und in allmählicher Entwicklung von 
dem subjektiven Gewinnstreben ausgehend, kam die Scholastik 
dahin, jeden frei abgeschlossenen Tausch als gerecht anzusehen. 
Bewußt dieser Theorie der Freiheit der Preisbildung sich widersetzend 

15* 



228 

und die rein subjektive Wertlehre, die für ersteres Prinzip die 
theoretische Basis hatte abgeben müssen, ablehnend, kehrte Heinrich 
v. Langenstein zur Forderung gleicher Marktpreise im Tausche 
zurück. Zur Verwirklichung seines Ideals wollte er, wie auch 
Gerson, die staatliche Zwangsgewalt sich nutzbar machen. Die 
ausgehende Scholastik sucht den Gegensatz beider Richtungen 
aufzuheben, indem sie ihrerseits an die von Scotus vertretene 
subjektive Wertlehre anknüpfte, die als Durchgangsstufe bereits 
eine gewisse Synthese der Prinzipien der Gebundenheit und Frei- 
heit enthalten hatte. Zugleich sucht sie diese Synthese durch 
weiteren Ausbau zu vertiefen. 

Verschieden waren im einzelnen die Momente, die den Ver- 
lauf dieser Entwicklung bestimmten. Neben Aristoteles, der irrtüm- 
licherweise in objektiv-subjektivem Sinne erklärt wurde, zeigt sich 
Augustinus als Vertreter des ausschließlich subjektiven Prinzips. 
Beide forderten eine Gleichsetzung zweier als normal gedachter 
Werte im Tausche. Ihnen gegenüber stand das römische Recht 
mit seinem unausgeglichenen Gegensatz zwischen dem älteren 
Postulat der Freiheit des wirtschaftlichen Verkehrs und der späteren 
Statuierung eines Normalpreises. Tieferes Studium des römischen 
Rechts stellte also die Scholastik vor dieselbe Aufgabe, wie 
empirische Beobachtung der Tatsachen und Bedürfnisse des eigenen 
Wirtschaftslebens, das mit wachsendem Verkehr eine individuellere 
Ausgestaltung - erfuhr und ein wachsendes Maß freierer Betätigung 
forderte. Das Produkt all dieser Faktoren mußte verschieden sein 
nach den einzelnen Persönlichkeiten, auf die sie einwirkten, und 
hier ein Überwiegen der strengeren, dort der freieren Richtung 
bedingen. 

Von Bedeutung war insbesondere nach Folgendes: die Entwick- 
lung der Wertlehre vollzog sich nicht ohne inneren Zusammenhang 
mit dem durchgängig antikapitalistischen Geiste der Scholastik. 
So sehr im Beginn der Entwicklung des Standesideal nicht zuletzt 
den Wirtschaftszuständen selbst entnommen sein mochte, so zähe 
hielt die Scholastik auch dann noch daran fest, als das Erwerbs- 
streben eine derartige Grenze nicht mehr kannte. Teils, wie bei 
Thomas und Heinrich v. Langenstein, stellt die Wertlehre eine 
direkte Kristallisation dieser Idee dar, teils wirkt sie in manchen 
Spuren objektiver Werttheorie nach, teils tritt sie der Freiheit der 
Preisbildung einschränkend zur Seite. Nur bei Buridanus findet 
sich eine geringfügige Milderung der alten Strenge. 

Mit den gezeichneten Strömunoen und Wandlungen der 



— 22g — 

wirtschaftlichen Anschauungen war die Beurteilung des Handels 
innig verknüpft. 

Wenn zunächst Thomas auch gegenüber der ablehnenden 
Haltung des Aristoteles die immerhin freiere Richtung des 
Augustinus zum Siege geführt hatte, so fehlte doch der Scholastik 
das volle Verständnis für das Gewinnstreben im Einzelfalle, wie es 
gerade beim Ein- und Verkauf des Händlers besonders deutlich in 
Erscheinung tritt. Hier wirkte Duns Scotus bahnbrechend; in 
bewußter Ablehnung der alten Theorien, die durch Konstruktion 
zweier nach Ort und Zeit verschiedener, aber normaler Preise für 
dieselbe Ware einen Handelsgewinn herausgerechnet hatten, kam 
er durch Durchführung des Gewinnprinzips im Tausche zu einer 
freimütigeren Beurteilung der kaufmännischen Tätigkeit überhaupt. 
Damit war die im allgemeinen wohlwollende Stellungnahme der 
späteren Scholastik gegeben, der gegenüber nur die Anhänger 
staatlicher Preisfixierung einen Rückschritt bedeuteten. In anderer 
Hinsicht jedoch kam die Scholastik nicht weiter; sie ließ nicht 
von ihrer antikapitalistischen Gesinnung, und forderte daher in 
Konsequenz ihres Ideals, daß jedweder volkswirtschaftlich nütz- 
lichen Arbeit ein standesgemäßes Einkommen gebühre, eine Be- 
schränkung des Gesamtgewinnes des Händlers auf eben dieses 
Maß. Mag dies immerhin noch für den Anfang des Mittelalters 
als verständlich erscheinen, so stand doch die Scholastik damit in 
dauernd schroffem Widerspruch mit den sie umgebenden realen 
Verhältnissen, ein Widerspruch, der um so größer und fühlbarer 
werden mußte, je mehr Handel und Handelsgeist sich ausbreiteten. 

Vielfältig waren auch die Probleme, die hinsichtlich des Geld- 
wesens zu erörtern waren. Thomas hatte hier die aristotelische An- 
schauung vermittelt, daß die wesentlichen Erfordernisse des Geldes 
Materie, Gewicht und staatliche Prägung seien. In organischer Weiter- 
entwicklung dieser Ideen suchte Buridanus Geltung und Bedeutung 
der drei Faktoren gegeneinander abzuwägen, wobei er zu einer 
Begrenzung des staatlichen Einflusses auf den Geldwert gelangte. 
Perusinus berührte das Problem des Schlagschatzes. Die Erörte- 
rung des Geldhandels förderte die Theorie des Geldes weiter. Sie 
bedingte einmal, daß die aristotelische Anschauung, das Geld sei 
lediglich Tausch vermittler, in Schwierigkeiten geriet, die dazu 
führten, daß Laurentius das Geld auch als Gegenstand des Kaufes 
und Verkaufes anerkannte. Freilich wurde mit dieser Preisgabe 
des Aristoteles nicht auch zugleich der antikapitalistische Geist 
seiner Lehre aufgegeben. Weiter brachte es die Beobachtung der 



— 230 — 

Kursgewinne, sei es im Handwechsel oder Remittierungsgeschäft, 
mit sich, daß man die Verschiedenheiten des Geldwertes nach Ort 
und Zeit erörterte. Seinen Höhepunkt erreichte dieses Streben 
in der Wechselkurslehre des Laurentius. Im übrigen gilt das 
bezüglich des Handels im allgemeinen Gesagte auch hier. 

Sinn und Inhalt des Zinsverbotes sind, wie sich bei Behand- 
lung der thomistischen Wucherlehre ergab, ebenfalls mit dem 
Antikapitalismus der Scholastik gegeben. In dem Bedarf deckungs- 
prinzip ist die tiefste Quelle der Ablehnung des Darlehenszinses 
zu suchen. Denn der Zins war arbeitsloses Einkommen und wider- 
sprach damit, der im Standesideal liegenden Forderung, daß volks- 
wirtschaftlich nützliche Arbeit der Rechtstitel wirtschaftlicher 
Existenz sein müsse und der Abneigung gegen jegliche rein »ver- 
tragsmäßige« Bereicherung, die besonders schroff bei Heinrich 
v. Langenstein sich zeigte. Darleihen konnte weiterhin im allge- 
meinen nur, wer selbst den erwünschten Grad materiellen Wohl- 
standes bereits erreicht hatte; wie konnte es da gestattet sein, nur 
vermittels des Besitzes weiteren Besitz zu erwerben? Ein Darlehen 
endlich konnte und durfte nach mittelalterlicher Anschauung nur 
aufnehmen, wer sich in Not befand oder noch nach Erreichung 
standesgemäßen Einkommens strebte. Da mußte es als unsittlich 
erscheinen, dieses Ringen noch weiter zu erschweren, um so mehr 
als eine konsequente Anwendung der Gerechtigkeitsprinzipien auf 
das Darlehen mit unwiderleglicher Evidenz zeigte, daß der Zins 
ungerecht sei, und der mit dem Gelde erzielte höhere Ertrag 
lediglich der befruchtenden Arbeit des Schuldners entstammen 
könne. Der Darlehensverkehr sollte seine volkswirtschaftliche 
Funktion, durch Ausgleich von Überfluß und Mangel allen die 
Erreichung eines standesgemäßen Besitzes zu ermöglichen, so 
erfüllen, wie es seinem inneren Wesen entsprach. Freilich mußte 
die Scholastik mit diesem Ideal bei zunehmender kapitalistischer 
Entwicklung in steigenden Gegensatz zum Wirtschaftsleben geraten. 

Im übrigen verhinderte überragender Einfluß von Tradition 
und kirchlicher Autorität eine freiere Entwicklung. Hierdurch 
war es bedingt, daß den Anhängern der Vertragsfreiheit nur die 
Aufgabe blieb, die Konsequenzen ihrer Anschauungen vom Dar- 
lehen fernzuhalten, daß es bei Mayronis mit der Ablehnung der 
üblichen Begründung sein Bewenden hatte, und daß der schüchterne 
Versuch, den Zins als Arbeitslohn organisch dem Wirtschaftsideal 
des Mittelalters einzufügen, in den ersten Anfängen stecken blieb. 
Im ganzen war die thomistische Form der Begründung herrschend; 



— 231 — 

die spätere Scholastik beschränkte sich darauf, sie in Kleinigkeiten 
zu verbessern oder ihr andere Momente an die Seite zu stellen, 
wie die Idee des Zeitverkaufes oder die Innocenz IV. entlehnte 
Befürchtung sozial übler Folgen des Zinses, die von Laurentius 
jedoch als nicht ausreichend empfunden wurde. 

Das Zinsverbot mußte um so durchgreifender die Gestaltung 
der scholastischen Wirtschaftslehre beeinflussen, als es die Pflicht 
in sich schloß, auch von anderen Verträgen Zinserscheinungen 
fernzuhalten. Freilich befleißigte sich die Scholastik möglichster 
Milde: mit dem weiteren Ausbau der Preislehre gelang es ihr, 
für den Kreditkauf eine Form der Beurteilung zu finden, die bei 
Aufrechterhaltung der alten Prinzipien, doch die wirklichen Ver- 
hältnisse wohl im allgemeinen anerkennen sollte. Im Wechsel 
übersah man die Zinserscheinungen, und selbst das Entgelt des 
Staates für dargeliehene Summen suchte man zu rechtfertigen. 
Doch ergab sich als Folge des Widerstreites zwischen Festhaltung 
des Traditionellen und Anerkennung des volkswirtschaftlich Nötigen 
und Zweckmäßigen, daß in dem Maße, in dem letztere materiell 
den Sieg davontrug, das Gesamtbild der scholastischen Wirtschafts- 
lehre gekünstelt, unnatürlich und lebensfremd werden mußte. Es 
fehlte der Scholastik eine innerlich gesunde Fortentwicklung, weil 
es ihr an der nötigen Beweglichkeit fehlte, Überkommenes aufzu- 
geben oder umzugestalten. Mit wenigen Ausnahmen beschränkte 
sie sich darauf, das Neue in die alten Formen einzukleiden, was 
sich oft nur gezwungen vollziehen ließ. 

In der Theorie der Zinstitel ist die spätere Scholastik kaum 
über Thomas von Aquin hinausgekommen, wenn wir von der 
Aufnahme der bereits vor Thomas gebilligten Konventionalstrafe 
absehen. Von Wichtigkeit war immerhin die allmählich stärker 
werdende Betonung des Zinstitels des entgehenden Gewinnes, die, 
wenn sie auch keine Aufgabe des Zinsverbotes bedeutete, doch 
bedenkliche Folgen desselben verhindern konnte. 

Zahlreicher waren die Probleme, die der Rentenkauf stellte. 
Heinrich von Gent erklärte nur den Census reservatius und den 
Zinskauf für erlaubt, wie vor ihm schon Innocenz IV. getan hatte. 
Aber schon Ricardus ging über ihn hinaus und billigte auch den 
Census constitutivus. Neue Schwierigkeiten brachte die Mobili- 
sierung der Rente und die Gestaltung des Preises in diesem Falle. 
Die Untersuchung des Wertverhältnisses zwischen Kaufpreis der 
Rente und der Rente selbst führte zu wichtigen werttheoretischen 
Erkenntnissen bezüglich des Einflusses der Zeit. Die Ablehnung 



einer kapitalistischen Verwendung des Rentenkaufes war durch 
die notwendige Einordnung desselben in das allgemeine Wirt- 
schaftsideal der Scholastik erfordert. 

Alles in allem stellen die volkswirtschaflichen Anschauungen 
der Scholastik in ihrer Entwicklung und in ihren Problemen eine 
wichtige Periode des ökonomischen Denkens dar. Die Verfolgung 
ihrer späteren Gestaltung und Weiterwirkung würde bereits in die 
Zeiten der Reformation und des Merkantilismus führen und damit 
den Rahmen vorliegender Arbeit überschreiten. — Mögen weitere 
Forschungen die bisherigen Arbeiten berichtigen und vertiefen 
und uns neue Erkenntnisse bringen. 



Ä. Personenregister. 



Abraham 148. 

Accursius v. Bologna 136. 

Aegidius Colonna 42, 108. 

Aegidius Lessinus 161 — 171, 189, 191, 202, 
205, 219, 225. 

Albertus Magnus 16, 17, 30, 45, 46 — 52, 
62, 66, 70, 71, 74, 76, 77, 83, 94—97, 
102 — 105, 108, 110, 112 — 114, 146, 
151, 171, 227. 

Alexander Halensis 45, 62, 75 — 77, 82, 94, 
97, 102, 103, 105, 106, in, 114, 126. 

Alphonsus Thostatus 226. 

Altmann 177, 178, 184, 188, 192. 

Ambtosius 6, 8, 59, 90, 91, 94, 96, 97. 

Antonin v. Florenz 217 — 223. 

Aristoteles 3, 17, 22, 24—42, 45, 53, 55, 
56, 58, 59, 66—78, 80, 82—84, 88 , 
92, 94, 97, 99, 100, 102, 105, 106, 
108, 127, 146, 149, 151, 165, 173, 
177, 181, 188, 189, 192, 213, 224, 
228, 229. 

Aschbach 196, 202. 

Ashley 100, 126, 136. 

Astesana, Summa Verf. 171, 172. 

Augustinus 6, 9 — 14, 43, 72 — 78, 82 — 84, 
87, 91, 97, 127, 132, 146, 150, 151, 
176, 181, 202, 208, 218, 228, 229. 

Avicenna 139. 

Baldus de TJbaldis, Perusinus 192, 193, 229. 

Bardenhewer 88. 

Basilius 91, 97. 

Bäumker 3. 

Baumann 80, 94. 

Bernhardin v. Siena 223 — 226. 

Biederlack 63. 

Böhm-Bawerk 57, 128, 163. 

Bonaventura 125 — 131, 153, 156, 157. 

Brants 45, 120, 175, 178, 184, 188, 191. 



Brentano 6 — 9, 12 — 15, 66, 68, 81. 
Bruder 126, 194, 196, 205. 
Bücher 73. 
Buridanus s. u. Johannes B. 

Cathrein 65. 

Cato 90. 

Chrysostomus 6 — 8, 75, 82, 92, 134, 136. 

Cicero 32, 90, 206. 

Decretum Gratiani s. u. Gratian. 

Diehl 121. 

Diocletian 15. 

Durandus 172, 174 — 176. 

Ehrenberg 214, 225. 

Endemann 15, 88, 110, III, 116, 118, 
126, 137, 196, 202, 204, 207, 211. 

Endres 18. 

Feugeray 18. 

Franciscus de Emp. 216, 217. 

Franciscus de Mayronis 172 — 174, 211, 230. 

Funk 6, 7, 11, 89, 93, 94, 116, 118, 126, 

137, 158, 159, 204, 205, 211, 217, 

223. 

Goffredo de Trano 103, 105, III, 137, 145. 

Goldschmidt 212, 214. 

Grabmann 16. 

Gratian 7, 12, 92, 93. 

Gregor v. Arim. 215. 

Gregor v. Nazianz 6. 

Gregor v. Nyssa 91, 97. 

Gregorius (?) 102, 103, III. 

Guido d. Belrig 215. 

Heckel 126. 

Heinrich v. Gent 125, 131 — 140, 143, 145, 

151, 164, 188, 191, 227, 231. 
Heinrich v. Langenstein 195 — 203, 206, 

227, 228, 230. 



234 — 



Heinrich v. Oyta 202 — 204. 

Hejcl 88, 89. 

Hertling 18, 74. 

Hieronymus 56, 90, 95, 97. 

Hilgenreiner 19, 21, 23, 80, 83, 84. 

Hohoff 68, 100, 121. 

Hostiensis 86, 94, 102, 105, III, 137, 145. 

Hurter 126, 131, 140, 146, 161, 192, 204. 

ligner 211, 217, 219, 222. 
Inama-Sternegg 194 — 196, 200. 
Innocenz IV (137), 211, 226, 231. 
Johannes Buridanus 177 — 191, 195, 198, 

200, 227 — 229. 
Johannes Gerson 204 — 206, 228. 
Irenaeus 7. 

Karl d. Gr. 93. 

Kauila 14, 15, 66, 68, 177, 184, 188, 192, 

196, 198. 
Keller 114. 

Klemens v. Alexandrien 8. 
Klemens v. Rom 8. 
Kopp 6, 8. 
Kostanecki 83, 214. 
Kraus 58, 59, 66, 69 — 71. 
Kuhlmann 16, 17, 45. 
Kuhn 18, 58, 65. 

Lactantius 7, 8, 90. 

Lasson 41, 67. 

Laurentius de Rodulfis 211 — 217, 222, 223, 

225, 229 — 231. 
Leo d. Gr. 7. 
Lessei 93, 94, 99, 102 — 104, 106, 108, 

110, in, 116 — 119, 130, 145. 
Loening 126. 
Lot 148. 

Martin V. 204. 

Marx 28, 47, 68, 121. 

Maurenbrecher 17 — 19, 21 — 24, 26, 28, 

29, 45, 84, 87. 
Mausbach 8, 9, 16. 
Mayronis s. u. Franciscus de M. 
Meitzel 192. 
Menger 128. 

Neumann 194. 
Nicolaus III. 156. 



Nider, Johannes 207 — 210, 213. 
Noe 148. 

Occam 177. 

Oertmann 14, 15, 31, 99, 102, 107, 114, 

163. 
Onken 26. 

Oresmius, Nie. 191, 192. 
Oyta s. u. Heinrich v. Oyta. 

Paludanus s. u. Petrus P. 

Paulus (Apostel) 6, 72, 87. 

Paulus (Jurist) 14, 15. 

Paulus, N. 20. 

Perusinus s. u. Baldus. 

Pesch 56, 63, 140. 

Petrus Lombardus 56, 97, 140, 146. 

Petrus de Palude 176, 177, 182. 

Philipp d. Seh. 42. 

Plato 3 — 6, 8, 12, 25, 29, 79, 172, 200. 

Pöhlmann 3 — 5. 

Pomponius 14. 

Proudhon 121. 

Pseudochrysostomus s. u. Chrysost. 

Pythagoräer 37. 

Quaest. vet. et. nov. Test. Verf. 12. 

Ram sauer 41. 
Ratzinger 89, 91. 92. 
Raymundus v. Pennaf. 94, 102, 103. 
Ricardus de Mediavilla 140 — 146, 151 — 153, 
156, 171, 183, 187, 225, 227, 231. 
Rodbertus 121. 
Röscher 191, 192, 196, 202. 
Rudolf IV. 196, 202. 

Schaub 7, 18, 54, 56, 60, 63, 65, 80, 89, 

92 — 94, in, 118. 
Schaube 212 — 214. 
Scherer 156. 

Schilling 6 — H, 18, 89 — 92. 
Schneider 88, 89, 93. 
Schulte 192, 207, 211, 223. 
Scotus, Duns 125, 146 — 160, 164, 171, 

172, 174, 207, 219, 220, 223, 228, 

229. 
Seeberg 146. 
Seipel 6, 89. 
Sextus Pedius 15. 
Silberschmidt III. 



235 — 



Sombart 72, 81, 115, 194. 
Sommerlad 6, 89, 91. 
Speculum morale, Verf. 108. 
Stöckl 53, 172, 204. 
Strieder 81, 194. 
Susemihl 26, 92. 

Tertullian 7, 90. 

Theodoret v. Cyrus 6. 

Thomas v. Aquin 1, 3, 16 — 25, 28 — 46, 
48, 49, 52 — 66, 69 — 75, 78 — 88, 91, 
94—121, 124, 127 — 131, 134, 140, 
144 — 146, 151 — 157, 161, 168, 171, 
172, 174, 180, 187, 188, 190, 200, 
202, 203, 207, 220, 222, 226 — 231. 

Thomas v. Straßburg 172. 

Trendelenburg 36, 37, 40. 

Tröltsch 6, 8, 73. 



Uberweg-Heinze 126, 140, 146. 
Ulpian 107. 

Tincentius Bellovacensis 86, 94, 102, 103. 

Walter 18, 56, 63, 65, 80, 94. 

Walter Burlaeus 172. 

Weinand 9. 

Wetzel 40. 

Wilhelm v. Auxerre 94, 102, 130. 

Wilhelm v. Mörbecke 17. 

Wolowski 192. 

de Wulf 74. 

Wuttke 88. 

Zeiller 24, 87. 

Zeller 3, 40. 

Zmavc 27, 42, 56, 66, 68, 71. 



B. Sachregister. 



Actio 35 — 40, 46. Arbeitskraft, Vermietung 83, 85, 224. 

Activ- und Passivhandel 23. Arbeitsloser Erwerb 197, 206, 225, 230. 

Advocaten 84, 86, 173, 224. Arbeits-(Berufs-)teilung 4, 19 — 22, 24, 25, 
Affectionspreis 15, 58, 59, 62, 63, 73, 119, 28, 45, 46, 48, 50, 52, 63, 71, 84, 

152, 153, 203, 219, 220. 87, 110, 115, 179. 

Almosen 8, 19, 59, 175, 178, 197, 220. Arbeitsvertrag 34, 83—85. 

Altes Testament 86 — 90, 95, 96, 129, 156, Arm, Armut — u. Arbeit 83. 

173, 197. — u. Darlehen 88, 91, 168, 174, 190. 

Angebot und Nachfrage 57, 58, 69, 70, — u. Geldstückelung 189. 

132, 135, 141, 162, 163, 180, 182, — , Ordensideal 127, 128, 156. 

192, 199, 208, 209, 213, 218, 219, — u. Reichtum 6, 8, 18, 197, 198. 

222 — 224. — u. Renten 201, 202. 

Arbeit, angestrengter ohne Darlehen 200. — u. Schätzung d. Güter 141, 181, 182, 
— , Anrecht auf Unterhalt (Lohn) 6, 11, 183—185. 

12, 52, 53, 72, 83, 86, 87, 115, 121, — , Unterstützung 8, 19, 80, 174, 190. 

187, 229. Aussteuerversicherung 225. 
— , ausführende u. leitende 85. 
— u. Freude 179. 



Barrenmetall 188. 



— geringer bewertet als Lohn 183. Bedarfsdeckungsprinzip 72, 81, 115, 171, 

— gesellschaftlicher Character 53. V*, *94> »97. 202, 2 i°- 

— , körperl. u. geist. 12, 82, 84, 121, Bedürfnis (Schätzung, Bewertung) 10, 13, 

128, 135, 184. J 4- 37. 43—46, 49—64, 66—71, 73. 

— u. Kosten (Arbeitswert) 5, 13, 14, 74, 99, ™7, ^S, 132, 141, 142, 150, 
36, 39-47, 49—53, 58, 63-65, I5L x 53, 154, 161-163, 165, 169, 
68—72, 78, 83, 87, 110, in, 115, J 73, 176, 180—188, 193, 198. 199, 
128, 151, 172, 199, 200, 227, 228. 2 ° 2 > 2 °3, 208, 218, 220, 224, 227, 

— , qualitativ verschieden 41, 46, 47, 52 22 °- 



(vgl. Arbeitsteilung). Beginnen 139. 

u R ente 201 203. Besitz, sicherer höheren Wert a. unsicherer 

— , als Ware 83, 84. 58, "7- 

— , Wert 41, 68, 83—85, 87, 88, 201, Betrug im Handel 5, 7, 9, 14, 47, 61, 62, 

2IO , 224. 6 4. 82, 91, 129, 133, 150, 164. 

-, Wertschätzung 6, 20, 127, 128. ^.^ 222 
-, wechselseitige füreinander 46, 52, 71, Commenda „ x< 

II0, Consumtion d. Geldes i. Tausche 100, 102, 

— , Zweck 8, 20, 72, 86, 114. ^ 

Arbeiter 83—87, 189, 223, 224. Contractu bursalis 143, 144 (cf. 138). 
Arbeitgeber 84, 85, 223. 

Arbeitsertrag, Recht a. d. vollen 121, 145 Darlehen, Wesen 98, 99, 102 — 106, 108 

(vgl. Zins). —112, 118, 119, 126, 135, 136, 137 



— 237 — 



— J 39. H3. x 44> H9. !5 6 - l6 5. l6 7< 

169, 170, 189, 190, 200, 208. 212, 215. 

— , Wertveränder. desselben 56, 1 66, 212, 

213- 

Eigentumsrecht im allgem. 169, 202. 

— , im Darlehen 94, 103 — 105, 109, 110, 

129, 144, 156, 157, 168, 189, 190. 
— , im Gesellschaftsvertrage 110, 111, 168. 
— , im Pachtvertrag 84. 85, 103, 104, 

m, 129, 148, 149, 156. 
— , im Tausch 34, 46, 62. 148, 149 164. 
— , am Zins 136, 137, 167, 177, 204. 
— , i. Rentenk. 126. 
Ehe, Enthaltung 178. 
Elvira 7. 

Erwerbsarten n. Arist. 26 — 29, 92, 224. 
Erwerb a. geist. Arb. 84, 87. 
Existenzminimum II, 13, 14, 19,83,86, 154. 

Facere s. u. actio. 
Fructus civiles 114. 

Geistliche u. Handel 7, 12, 77, 79, 82. 

— u. Unterhalt 86. 

— u. Zins 89. 
Geld, Begriff 6o, 99. 

— , Entstehung 26, 42, 189. 

— , Wert 44, 51, 83, 133, 134, 153, 154, 
171, 172, 177, 188, 189, 192, 193, 
210, 226, 229, 230. 

— , Wesen u. Funktionen i. w. S. 5, 
26—31, 36, 37, 42—45, 51, 52, 55, 
67, 68, 88, 92, 99 — m, 114, 116, 
119, 125, 126, 129, 130, 133, 134, 

136—139. 14 2 — H5. 149, 153, 154. 
I56—I59, 165—170, 173, 175, 183, 
184, 189 — 193, 197, 201, 203, 204, 
206, 208, 210, 211, 213, 215, 217, 
221 — 226, 229. 

— , s. u. Kauf, Staat, Unfruchtbarkeit. 

Geldentwertung 166. 

Geldvorrat i. früh. Mittelalt. 92, 93. 

Geldwechselgeschäft 29 — 31, 83, 134, 149, 
164, 165, 171, 172, 177, 187, 189, 
190, 192, 208, 211, 222, 224, 226, 
229, 230. 

Gerechter Preis, Albert. 47, 62, 66, JJ , 227. 

— , Anton. 218 — 222. 

— , Aug. 9—12, 73, 150. 



Gerechter Preis, Bernh. 223, 224. 

Bonav. 128, 13 1. 

Burid. 184—186. 

Gerson 205. 

Halens. 62, 76. 

Heinr. v. G. 132, 133, 135, 151, 164. 

Heinr. v. Lang. 198, 200. 

Kirchenv. 3, 6, 9, 13, 91. 

Nider 207 — 210. 

Plato 3, 5, 12. 

Ricard. 141, 142, 151, 152, 183, 184. 

Rom. Recht 14, 15, 64, 133, 198. 

Scholastik 128, 141, 161, 170, 188, 

191, 207, 227. 

Scot. 146, 147, 150 — 155, 159, 160, 

207, 219, 220. 

Thom. 1, 3, 16, 25, 43, 61 — 66, 73, 

75, 78, 79, 83, 84, 87, 88, 98, 106, 

112, 115, 119- — 121, 227. 
— , Thost. 226. 
— , s. u. Wert. 
Gerechtigkeit 3, 7, 9, 11, 31 — 41, 43, 46, 

47, 49—52, 61—67, 7°. 73, 75» 77. 

78, 84 — 86, 97—99, 105 — 109, 114, 

115, 127, 133, 134, 147, 150—153, 

157, 163, 164, 171, 173, 176, 185 

— 190, 209, 219, 230. 
Gesellschaft (Gemeinschaft) 4 — 6, 11, 18 

— 22, 24—26, 32, 33, 45, 46, 49—52, 
59, 60, 63-65, 72. 76—78, 82—84, 
86, 87, 110, 114, 115, 128. 129, 140, 
147, 176, 179, 182, 186, 1^7, 197, 
210 218. 

Gesellschaftsunternehmen 110, m, 121, 

130, 145, 168, 190. 
Gewinn (Gewinnstreben) 4, 5> 7 ■> 9> XI 

— 15, 19, 23, 27. 28, 31, 53, 55, 59, 
72, 75 — 82, 92, 101, 109 — in, 116, 
117, 121, 129— 131, 133— 139, 141 

— 145, 149, 151 — 153. 155, 157, 159. 
160, 164, 165, 168 — 173, 175 — 179, 
183, 186, 187, 189— 191, 194, 195, 
197, 198, 203, 205, 210 — 216, 220 
— 222, 224, 226, 227, 229. 

Gewinnprinzip im Tausche 121, 128, 130, 

133. 139, H 1 » I 4 2 , 145, I5 1 — 1 53» 
160, 163 — 165, 169 — 171, 183, 186, 
189, 191, 204, 219, 227, 229. 
Gleichheit 6, 8, 11 — 13, 19, 180, 197. 



- 2 3 8 - 



Gold (u. Silber) 42, 57, 61, 70, 91, 100, 

127, 128, 150, 192, 218. 
Grenznutzentheorie 70. 
Güter, Bed. u. Zweck io, 18, 43, 49, 

53— 5 6 - 59- 69, 73, 140, 161, 179- 
Gütermenge u. Wert s. u. Angebot. 

Handel i. Mittelalt. 25, 81, 125, 126, 194, 

195. 22 9- 
— , Bedeut. u. Wesen 4 — 6, 10 — 13, 21 
—25, 27—31, 75, 76, 78, 79, 82, 
129, 141, 149, 154, 155. 
— , Beurteil, u. Ford., Alb. 30, 76, 77, 83. 
— , Ant. 221, 222. 
— , Arist. 27 — 30, 75 — 77, 80, 82, 83, 

229. 
— , Astes. 171. 
— , Bernh. 224. 
— , Bon. 128 — 131. 
— , Bur. 187. 
— , Dur. 175. 

— , Heinr. v. G. 134, 135, 139. 
— , Kirchenv. 3, 6 — 9, 12 — 14, 82, 129 

[i. bes. Aug. 6, 9—14, 72. 75— 7 8 > 

82, 83, 229. 
— , Op. imp. 7, 75, 82, 134, 135]. 
— , Hai. 62, 75 — 77, 82. 
— , Lessin. 168. 
— , Nider 208 — 210. 
— , Mayr. 172. 
— , Plato 3 — 5, 29. 
— , Ricard. 141, 142. 
— , Scot. 149, 154, 155, 160. 229. 
— , Thomas 22, 23, 25, 75, 78 — 83, 

155. 22 9- 

— , — , Thom. v. Str. 172. 

Handeln (Feilschen) 5, 133. 135, 152, 205. 

Handelsgewinn a. Arbeitslohn (5), 11 — 14, 
72, 75, 76, 78, 79, 82, 134, 154, 
155, 164, 209 — 212, 224, 226. 

— u. Zins 76. 

Handwerk 5, 25. 41, 46, 47, 50, 52, 72, 
79, 81, 101, 110, 115, 199. 

Juden 95, 115, 136, 200. 
ius percipiendi 139, 143. 
iustitia distributiva 33, 34, 36 (s. u. Ge- 
rechtigkeit). 

Kanonisches Recht 7, 12, 77, 90 — 94, 96, 
118, 156, 168, 205. 



Kapitalismus (4), (5), (8), 12, 28—30, 72, 

81, 115, 119, 120, 126, 135, 170, 
171. 189, 194, 197, 198, 200, 201, 
209, 213, 223, 225, 228 — 232. 

Kaufmann, sittlich gefährdet 7, 12, 23, 76, 

82, 129, 135, 155, 192. 
Kauf u. Verkauf s. u. Tausch. 

— d. Geldes 208, 213, 229. 
Kleinhandel 4, 5. 
Konkurrenz 120, 207, 209. 
Konzil, Konstanz 204. 
Kreditverkehr, wirtsch. Bedeut. 30, 102, 

109, 112— 115, 130, 156, 174, 175, 

230. 
Kreditkauf 17, 118, 119, 136, 149, 158 

— 160, 167, 168, 170, 190, 201, 206, 

221, 222, 231. 
Kurs Verschiedenheit 83, 134, 171, 212, 213, 

226, 230. 

Lohn, gerechter 83 — 88, 223. 
Lohnzahlung, sofortige 86, 87. 

— in Geld od. Natural. 189, 223. 
Luxusbedürfnisse u. Wert 181, 186, 188. 

Marktpreis (normaler Wert) 9, 13 — 15, 51, 
60—63, 73, 74, 77, 78, 119, 120, 

I3 1 - !3 2 . 135. H 1 « H 2 > 145. r 5 2 > 
153, 162 — 164, 168, 171, 172, 182 
— 184, 186, 187, 198, 202, 203, 207, 
208 — 210, 218 — 220, 223, 224, 226, 

227, 229. 
Maximal tarif 15. 
Messen, Arten 181, 182. 

Naturrecht 18, 65, 66, 71, 76, 86, 105, 
107, 108, 121, 127, 132, 133, 136, 
140, 141, 144, 147, 148, 150, 166, 
167, 173, 174, 179. 

Neues Testament 6, II, 17, 59, 89, 90, 

95—97. i 2 9> 135. M5. J 5 6 - 
Not (Begriff) 19, 54, 112 — 114, 130, 145; 

vgl. Privateigent. 
Notkredit 114. 
Op. 67 17, 60, 119, 222. 
Op. imperf. 7, 75, 82, 91 — 93, 102, 103. 

Pachtvertrag 84, 85, 91, 92, 94, 103, 104, 
106, in, 129, 136, 137, 149, 154, 

156, 157, 173- 
pati s. u. actio. 



— 239 — 



Prägekosten 193, 229. 
Preis s. u. Wert; in Kreditvert. s. d. 
Preisbildung i. Mittelalt. 73, 195. 
Preis, nur einer z. nennen 5, 8. 
Preisstufen 219 — 222, 224. 
Preisunterbietung d. Advocat. 86. 
Privateigentum 8, 18, 21, 127, 131, 140, 

146— 148, 160, 172, 179, 180, 208, 223. 
Produktivdarlehen 91, 113, 114. 
Profit, durchschn. 221, 222; s. u. Gewinn. 
Proportion (geom. u. arithm.) 34, 35, 37 

— 41, 46, 48, 49, 51, 52, 67, 192. 

Reichtum (künstl. u. natürl.) 26 — 28, 55,(1 89). 
remutuatio 97. 

RentengesetzgebungRud.IV. 196, 197, 202. 
Rentenverträge 125, 126, 137 — 139, 142 

— 146, 168 — 172, 177, 190, 194 — 196, 

201 — 206, 214, 225, 231, 232. 
Restitution 61, 64, 91, 110, 116 — 118, 

146, 157. 167, 177,. 205, 213, 220. 
Restitutionsfähigkeit 136; 200. 
Roh- u. Reinzins 103. 
Römisches Recht, Bestimm, üb. Kauf u. 

Verkauf 14, 15, 64, 133, 164, 191, 

198, 205, 209, 218. 
— , üb. Darleh. u. Zins 93, 94, 97, 104, 

107, 108, 114, 136. 
— , üb. Geld 99, 102, 108. 
— , Gesellschaftsvertr. 110. 
— , Lohnvertr. 85, 87. 
— , Studium d. r. R. 93, 94, 191. 
— , Wert d. Zeit 163. 
— , Wert u. Preis 31. 

Selbstgenügsamkeit 20 — 24, 28, 29. 
Seedarlehen 168, 214. 
Sklave 10, 87. 
Sozialismus 121, 145, 146. 
Staat i. allg. 3, 4, 24, 26, 76, 148, 174, 
178, 179, 199. 

— u. Geldwesen 42, 44, 51, 134, 188, 
189, 193, 229. 

— u. Preisfixierung 5, 15, 47, 187, 194, 
195, 198 — 200, 205, 206, 224, 228, 229. 

— u. Rente 194. 201, 205, 206, 214. 

— u. Zins 89, 91, 108, 114, 173, 175, 
176, 190. 215, 216. 

Staatsanleihen 206. 207, 214 — 217, 223, 
225, 226, 231. 



Stadtbewohner 178. 

Stadtgemeinde 21 — 25, 28, 30, 41, 49, 52, 

62, 71—73, J 54. 195- 2o6 - 
Standesprinzip 8. II, 13, 18, 19, 53 — 55, 
59, 71, 72, 81 — 83, 86, 87, 112, 
113 — 115, 117, 120, 121, 131, 145, 
147, 154, 155, 171, 175, 178, 179, 

x 94- x 95> l 97 — *99> 2 °3> 2 °5> 2 °6, 
210, 222, 223, 228 — 230. 
Standesunterschiede 8. 

Tausch 3, 4, 9, 21 — 53, 55, 60 — 68, 70, 
73- 74- 77- 83, 84, 98, 100, 102, 
103, 105, 106, 109, 110 — 112, 115, 
120, 127, 128, 130 — 140, 142 — 145, 
H7— 157. 159. l6 °- 163 — 165, 167 
— 171, 173, 176, 178, 180, 181, 183 
— 187, 189, 190, 195, 198, 203, 204, 
206, 208, 212, 217 — 219. 227 — 229. 

Teuerung 77, 79, 174, 175, 198, 199, 222. 

Tradition u. Wucherl. 98, 173, 211, 230, 
231. 

Übervölkerung 178. 

Übervorteilung 9, 14, 15, 64, 73, 79, 132, 

133. 198. 
Unfruchtbarkeit d. Geldes (Geld a. Tausch- 
vermittl.) 28, 91, 92, 94, 100 — 102, 
106, 108, 114. 130, 133, 136, 142, 

149, 153, 157, 165, 169, 173, 189, 
192, 201, 213, 229. 

yalor, Begriff b. Albert 50, 51. 

Versicherung 206. 207, 214, 223, 225. 

Vertragsfreiheit 14, 15, 133, 152, 153, 161, 
163 — 165, 167, 169 — 171. 176, 
185 — 188, 190, 191, 194, 195, 198, 
205 — 207, 217, 218, 224, 227,228, 230. 

Wechsel 206, 207, 211 — 213, 222, 224, 

226, 230. 
Wert, Alb. 48, 50 — 52, 62. 71, 74, 75, 

151, 227. 
— , Ant. 217 — 222. 
— , Arist. 32, 41, 56, 66 — 74, 228. 
— , Aug. 9, 10, 14, 43, 72— 74, 132, 

150, 151, 176, 181, 202, 208 228. 
— , Bernh. 223, 224. 

— , Bon. 127, 128, 130. 131. 

— , Burid. 177, 180 — 189, 191, 198, 227. 



— 240 — 



"Wert, Gerson 205, 206, 228. 

— , Hai. 45. 62. 

— . Heinr. v. G. 131 — 137, 139. 151, 

164, 227. 
— , Heinr. v. L. 198 — 202, 206, 227, 228. 
— , Heinr. v. Oyta 202 — 204. 
— . Kirchenvät. 3. 12—14 72. 
— . Laurent 211, 217. 
— . Lessin. 161 — 168, 170. 189. 191. 205, 

219. 
— , Mayron. 172, 173. 
— , Xider 207 — 210. 
— , Palud. 176, 177, 182. 



Plato 



144—146, 151. 



— , Ricard. 140 — 142 
183. 184, 187. 227. 

— Rom. Recht 14 15, 31. 163, 228. 

— , Scotus 147, 150 — 155. 160, 207. 228. 

— , Schobst 15, 45, 123, 125, 131, 146, 
171, 188, 191, 192. 195 196, 200, 
203, 207, 217, 227 — 229. 

— , Sozialis. 121. 

— , Thom. v. A. 16, 31 32 36. 39. 42 
—44. 52. 53, 55— 66, 70— 75, 78, 
-9, 83 — 85, 87, 105, 108, 109, III. 
115, 117, 120. 121, 123, 151. 155, 
187, 200. 202, 203. 227 228. 

— , Th. v. Str. 172. 

"Wertgleichheit (Äquivalenzprinzip) 31, 33 
—40, 43, 46, 47—49. 5°— 53- 6l 
—63, 67. 68, 73, 85, 88, 98, 99 

IO5 — 107, IO9, II9 — 121, 127, 128 

131 — 135. 139, I4I — I45, 147, 148 

150 — 153, 156, 163, 165, 166, 172 

173. 176, 177, 183, 185, 187, 188 

I90, 198. 203, 204. 206, 2IO. 212 
213. 220, 228. 

"Wert u. Preis 31, 187, 188 227. 231. 

"Wiedervergeltung (contrapassum) 36 — 50, 
52 63—65, 67, 68, 71, 72, 78, 83, 
85, 110, m, 115, 172, 200, 227, 228. 

Willensübereinstimmung u. Zins 114. 

Wirtschaftsleben d. Mittelalters 22, 24, 25, 
28, 71—73- 75- 8i, 87, 92, 93, 98, 



I02, IO4, II3 — II5, 119 121, 125, 

126. 130, 135, 139, 155, 160, 168, 
171, 174. 176, 178, 184, 191. 193 

197, 200, 206, 207, 212 — 2l6, 220 

223, 228 23I. 

Zeitaufwand u. Wert 70. 
Zeit, Wertschätzung derselben, 144 — 146, 
163, 167, 170, 205, 225, 227, 231. 
Zins als Arbeitslohn 174, 175, 230. 
— , Begriff 90, 94, 95, 107, 129, 165, 

189, 190. 

— , von Fremden 88, 89, 95, 96. 

Zinskauf 125. (137), 139, 231. 

Zinsverbot, Begründung: Abnutzungs- 
theorie 92, 103. 130. 

— , Aneignung fremder Arbeit 108 — III, 
115, 121, 130, 145, 157, 165, 166, 
173, 222. 230. 

— , arbeitsl. Eink. 115. 165, 206, 230. 

— , doppelter Verkauf 106 — 108, 136,144, 
145, 156, 190, 226, 230. 

— , erwähnt 174. 177, 200, 211,222,224. 

— . juristische Unmöglichkeit 103 — 105, 

129, 130, 156, 157. 168. 

— , moralisierend. Betracht. 91, 93, 108, 

130, 200, 211, 224. 

— , Risikotheorie 109 — III, 130. 

— , soziale Erwägungen 90, 91, 93, 190, 

193. 211, 231. 
— , Widerspruch gegen Natur d. Geldes 106, 

vgl. Unfruchtbark. u. Kons. d. Geldes. 
— . Unterstützungspflicht d. Reichen 174, 

190. 
— , Zeitverkauf 94, (103), (104), 108, 

(118), 130, 157—159- 166, 16;. 173, 

190, 217, 221, 231. 

— , Umgehung 89, 116, 145, 158, 194, 

200, 201, 204, 225. 
— , Wirt seh. Bd. s. u. Kreditverk. 
Zinstitel 89, 116 — 118, 145, 158, 159, 

167, 172, 190, 200, 208, 215 — 217, 

223, 225, 226, 231. 
Zinszahlung 112, 113, 130. 145, 177. 
Zwischenhandel 15. 



Ä. Verzeichnis der benutzten Quellenliteratur. 



i. Die Kirchenväter sind nach der Ausgabe von Migne zitiert. 

2. Plato, Dialogi ex rec. Hermanni. Lipsiae 185 1 — 53. 

3. Corpus iuris Civilis ed. Krueger, Mommsen. I 8 1899, II 7 1900, III 2 1899. 

4. Corpus iuris canonici ed. Friedberg. 1879 — 81. 

5. Aristotelis, Ethica Nicomachea ed. Ramsauer. Leipzig 1878. 

Übersetzung von Lasson. Berlin 1909. — Politik: ed. Susemihl. Leipzig 1874. 
Übersetzung und Kommentar dazu von Susemihl 1879. — Rhetorik: ed. 
Roemer, Leipzig 1899. Übersetzung von Knoebel, Stuttgart 1838. 

6. Innocenz IV, Apparatus mirificus super 5 Ib. Decretalium. Lugduni 15 14. 

7. Raymundus de Pennaforte, Summa casuum. Veron. 1744. 

8. Goffredus de Trano, Summa in titulos decretalium. Venet. 1586. 

9. Heniicus a Segusio, Hostiensis, Aurea Summa. Venet. 1605. 

10. Guillermi Antissiodorensis, Summa in 4 Ib. Sententiarum. Paris. 1500. 

11. Vincentius Bellovacensis, Speculum doctrinale. Duaci 1624. 
[ — ], Speculum morale. Duaci 1624. 

12. Alexander Halensis, Summa theologica. 4 voll. Lugduni 15 15 — 16. 

13. Albertus Magnus, Opera ed. Jammy. Lyon 1651. 

14. Thomas v. Aquino, Opera omnia. Parmae 1852 — 73. 
— , Summa theologica. Augustae Taurin. 1913. 

— , Opuscula. Venet. 1508. 

15. Aegidius Colonna, De regimine principum. Romae 1607. 

16. Bonaventura, Opera omnia. Ad Claras Aquas (Quaracchi) 1882 — 98. 

17. Henricus Goethals a Gandavo, Summa quaestionum ordinariarum. Paris 1520. 
— , Aurea Quodlibeta. Venet. 16 13. 

18. Ricardus de Mediavilla, In 4 Ib. Sententiarum. Quodlibeta. Brixiae 1591. 

19. Duns Scotus, Opera omnia. Paris 1891. 

20. Aegidius Lessinus, siehe Thomas v. Aquin Op. 73. 

21. Astesanus, Summa de casibus conscientiae. s. 1. e. a. 

22. Walter Burlaeus, Expositio super 10 Ib. Etbicorum Aristotelis. Venet. 1500. 

23. Durandus a S. Porciano, Comment. in IV Ib. Sentent. Paris 1508. 

24. Franciscus de Mayronis, Scriptum super 4 Ib. Sententiarum. Venet. 1504—07. 

25. Thomas de Argentina, In 4 Ib. Sententiarum. Argent. 1490. 

26. Petrus de Palude, Scriptum super III Sent. Paris 15 17. 
— , Scriptum super IV Sent. Venet. 1493. 

27. Buridanus, Quaestiones super X Ib. Ethicorum Aristotelis. Paris 1489. 
— , Quaestiones in VIII Ib. Politicorum. Paris 1500. 

— , Quaestiones in Aristotelis Methaphysicen. Paris 1 5 1 7. 
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 1. 1(> 

Schreiber, Die volkswirtsch. Anschauungen d. Scholastik. 



— 242 — 

28. Oresmius, De origine, natura et mutationibus monetarum. Herausgeg. von Wolowski: 
Traictie de la premiere invention des monnoies de Nicole Oresme. Texte francais 
et latin. Paris 1864. 

29. Baldus Perusinus, Super decretalibus. Lugduni 1547. 

30. Henricus de Hassia, Tractatus bipartitus de contractibus emtionis et venditionis (ge- 
druckt bei Gerson, Opera omnia tom. IV, 185 — 224. Coloniae 1483). 

31. Henricus de Oyta, De contractibus (bei Gerson, Op. ora. t. IV. Colon. 1483). 

32. Johannes Gerson, Opera omnia. Hagae Comitum 1728. 

33. Johannes Nider, De contractibus mercatorum. s. 1. e. a. 

34. Laurentius de Rudolfis, De Usuris. in: Tractatus illustrium iurisconsultorum 
Tom. VII. Venet. 1584. 

35. Antonin v. Florenz, Summa confessionalis. Lugduni 1546. 
— , Summa moralis. Basil. 151 1. 

36. Bernhardin v. Siena, Sermones. s. 1. e. a. 

37. Alphonsus Tostatus, Opera omnia. Coloniae Agrippinae 16 13. 



B. Verzeichnis der sonst benutzten Literatur. 



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Biederlack, Zur Gesellschafts- und Wirtschaftslehre des hl. Thomas. Zeitschr. f. kath. 

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— , Die soziale Frage. 3 . Innsbruck 1898. 
Böhm-Bawerk, Grundzüge der Theorie des wirtschaftlichen Güterwerts. Jahrb. f. Nat. 

u. St.; N. F. Bd. 13. Jena 1886. 
— , Positive Theorie des Kapitals. 3. 1909. 
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— , Die Entwicklung der Wertlehre. Sitzungsber. d. philos.-philol. usw. München 1908. 
Bruder, Studien über die Finanzpolitik Herzog Rudolfs IV. von Österreich. Inns- 
bruck 1886. 
Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft. 3. Tüb. 1901. 
Cathrein, Das ius gentium im römischen Recht und beim hl. Thomas v. Aquin. Philos. 

Jahrbuch d. Görresgesellsch. IL (1889.) 
Diehl, Sozialwissenschaftl. Erläuterungen. 2 Bde. Leipzig 1905. 
Ehrenberg, R., Studien z. Entwicklungsgeschichte d. Versicherung. Z. f. d. ges. Ver- 

sicherungsw. I, Berlin 1901; II, Berlin 1902. 
Endemann, Die nationalökonomischen Grundsätze der kanonistischen Lehre (Separatabd. 

aus Jahrbuch, f. Nat. u. Stat., Bd. I). Jena 1863. 
— , Studien in der romanisch -kanonistischen Wirtschafts- und Rechtslehre. 2 Bde. 

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Feugeray, Essai sur les doctrines politiques de St. Thomas. Paris 1857. 
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— , Zins und Wucher. Tübingen 1878. 
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Grabmann, Thomas v. Aquin 1912. 

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— , Augustinuszitate bei Thomas v. Aquin. Sitzungsberichte d. kgl. bayr. Akad. d. 
Wissenschaften, philos.-philol. u. hist. Kl. München 1904. 

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Laach, Bd. XLI.) Freiburg 1891. 
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Ratzinger, Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen 2 . Freiburg 1895. 
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f Ein großer Nationalökonom des 14. Jahrh. (Zeitschr. f. d. ges. Staatswissenschaft, 

Bd. XIX. 1863.) 
Schaub, Die Eigentumslehre nach Thomas v. Aquin und dem modernen Sozialismus. 

Freiburg 1898. 
— , Der Kampf gegen den Zinswucher, ungerechten Preis und unlautern Handel im 

Mittelalter. Von Karl dem Gr. bis Papst Alexander DI. Freiburg 1905. 
Schaube, Studien zur Geschichte und Natur des ältesten Cambium. Z. f. Nat. u. Stat. 

65- (I895-) 

— , Die wahre Beschaffenheit der Versicherung in der Entstehungszeit des Versicherungs- 
wesens. Ibid. 60. (1893.) 

— , Der Übergang vom Versicherungsdarlehen zur reinen Versicherung. Ibid. 61. (1893.) 

Scherer, Handbuch des Kirchenrechts. 2 Bde. 1885 — 98. 

Schilling, Reichtum und Eigentum in der altkirchlichen Literatur. Freiburg 1908. 

— , Die Staats- und Soziallehre des hl. Augustinus. Freiburg 1910. 

— , Erwerb und Eigentum nach dem Opus imperfectum. Theol. Quartalschrift. Tü- 
bingen 19 10. 

Schneider, Das kirchliche Zinsverbot und die kuriale Praxis im 13. Jahrh. In der 
Festgabe für H. Finke. Münster 1904. 

— , Neue Theorien über das kirchliche Zinsverbot. Vierteljahrsschrift für Sozial- und 
Wirtschaftsgeschichte. 1907. 

Schulte, Fr. v., Die Geschichte der Quellen und Literatur des canonischen Rechts von 
Gratian bis auf die Gegenwart. Bd. IL Stuttgart 1877. 

Seipel, Die wirtschaftsethischen Lehren der Kirchenväter. (Theol. Studien d. Leogesell- 
schaft. XVIII.) Wien 1907. 

Silberschmidt: Die Commenda. 1884. 

Sombart, Der moderne Kapitalismus. 2 Bde. Leipzig 1902. 

Sommerlad, Das Wirtschaftsprogramm der Kirche des Mittelalters. Leipzig 1903. 

Stöckl, Geschichte der mittelalterlichen Philosophie IL Mainz 1865. 

Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Leipzig 1904. 

Trendelenburg, Historische Beiträge zur Philosophie III. 1867. 

Troeltsch, Die Soziallehren d. christlichen Kirchen. Arch. f. Sozialw. Bd. XXVI, 
1908; Bd. XXVII, 1908; Bd. XXVIII, 1909. 

Überweg-Heinze, Grundriß der Geschichte der Philosophie II, 9 . 1905. 

Walter, Das Eigentum nach der Lehre des hl. Thomas v. Aquin und des Sozialismus. 
Freiburg 1895. 

Weinand, Antike und moderne Gedanken über die Arbeit, dargestellt am Problem der 
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Wetzel, Die Lehre des Aristoteles von der distributiven Gerechtigkeit und die Scholastik. 
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de Wulf, Histoire de la philosophie medievale. 1900. 

Wuttke, Die Lehre vom Zins (aus Leihkapital). (Festgabe für Schmoller, I, X.) 1908. 

Zeil ler, L'idee de l'Etat dans Saint Thomas d Aquin. Paris 19 10. 

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Leipzig 1889; II, 2 3 , Leipzig 1879. 



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Zmavc, Die Wertlehre bei Aristoteles und Thomas v. Aquin. (Archiv für Geschichte 
der Philosophie 1899.) 

— , Die Geldtheorie und ihre Stellung innerhalb der wirtschafts- und staatswissenschaft- 
lichen Anschauungen des Aristoteles. (Zeitsch. f. d. ges. Staatswissensch. LVIII. 1902.) 



Abkürzungen: 
KL = Wetzers und Weites Kirchenlexikon 3 . 
RE = Realencyklopädie für protestant. Theologie 3 . 
H. W. St. = Handwörterbuch d. Staatswissenschaften 3 . 
W. d. V. = Wörterbuch der Volkswirtschaft 3 . 
St. d. G. = Staatslexikon der Görresgesellschaft 3 ~ 4 . 



Druckfehler und Berichtigungen. 



S. 53, Anm. 3: Stöckl statt Stökl. 

S. 108, Anm. 3: staatliche statt stattliche. 

Zu S. 137, Anm. 1: Dieselbe Beurteilung des Rentenkaufes wie bei H. v. G. 
findet sich bereits bei Innocenz IV (Papst 1243 — 1254). Auch letzterer steht dem 
eigenüichen Rentenkauf (redditus de novo constitutus) nicht wohlwollend gegenüber. 
Dagegen sind Erbleihe und Zinskauf gestattet. Die Höhe der Rente darf den Ertrag 
nicht überschreiten, den der Käufer erzielen würde, »si terram de tanta pecunia emisset«. 
(Appar. mirif. 1. V. De usuris. S. 194, b). Das Verdienst Heinrichs ist also wesentlich 
geringer als bisher angenommen wurde. 

S. 152, Zeile 29: Handelns statt Handels. 

S. 177: § 4 statt § 3. 

S. 191: § 5 statt § 4. 



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